Montag, 21. Juli 2014

Reihenlesen

Während ich das Ganze hier geschrieben habe, ist mir aufgefallen, wie viel Fantasy ich wieder lese, und das ist toll! Ich war so viele Jahre lang so unglücklich mit der Auswahl an fantastischen Romanen, dass ich in dem Genre nur meine alten Schätze wiedergelesen und nichts Neues entdeckt habe. Das hat sich in den letzten Jahren definitiv geändert, und ich habe so viele neue Autoren und unterhaltsame Reihen für mich entdecken können. :) 

In den letzten Tagen habe ich ein bisschen über meine Art, Reihen zu lesen, nachgedacht. Dabei habe ich festgestellt, dass ich gern Reihen für mich entdecke, bei denen schon einige Teile veröffentlicht wurden. Zumindest dann, wenn es sich um Romane handelt, die nicht so intensiv durch die Buchblogs besprochen wurden, dass ich schon vor dem ersten Anlesen übersättigt bin.

Die Rachel-Morgan-Romane oder auch die Harry-Dresden-Serie gehört zum Beispiel dazu. Beide Reihen habe ich für mich entdeckt, als schon einige Titel davon auf dem Markt waren. Und das gibt mir die Möglichkeit, mir ab und an gleich mehrere Bände davon zu Geburtstag oder Weihnachten zu wünschen oder sie gleich selbst zu kaufen und dann eine intensive Leserunde damit einzulegen. Aktuell hat mich zum Beispiel Harry Dresden wieder im Griff und ich finde es toll, dass ich nach "White Night" (Samstagabend angefangen, Sonntagabend beendet) heute zu "Small Favor" greifen kann. Und wenn ich dann noch nicht genug davon habe - was wahrscheinlich ist -, dann liegt da auch noch "Turn Coat" auf dem SuB.

Bei den "Elemental Assassin"-Romanen hingegen reicht es, wenn ich mir ab und an einen neuen Band gönne, denn Jennifer Estep wiederholt immer so viel vom vorherigen Geschehen, dass ich da aufpassen muss, dass ich die Bücher nicht zu schnell hintereinander lese. Trotzdem finde ich es angenehm, wenn ich nach dem Lesen eines Romans die Bestellung des nächsten Bandes tätigen kann, nur um die Gewissheit zu haben, dass er da ist, wenn ich weiterlesen will.

Schwieriger wird es für mich mit den Reihen, bei denen ich auf dem aktuellen Stand bin, wie bei den Krimis von Deborah Crombie, den Witchcraft Mysteries oder den Serien von Seanan McGuire. Den aktuellen Band der Witchcraft Mysteries hatte ich vorbestellt, gleich nach Eintreffen gelesen und mich gut dabei amüsiert. Aber ich habe nun kein Problem damit, dass ich wieder ein Jahr warten muss, bis der nächsten Teil erscheint. Bei dieser Serie habe ich Geduld, weil sie halt nett ist und ich sie zwar weiter verfolgen will, aber nicht so begeistert bin wie von den beiden anderen Beispielen.

Bei den Deborah-Crombie-Krimis und Seanan McGuires Büchern hingegen merke ich, dass ich mir die aktuellen Bände immer etwas aufhebe, obwohl ich mich so darauf gefreut habe. Aber eigentlich ist das auch der Punkt: Ich habe mich darauf gefreut und bin so erleichtert, dass endlich der nächste Band da ist, dass ich die Vorstellung, wieder ein Jahr warten zu müssen, nicht so prickelnd finde. Also lasse ich mir Zeit mit dem Lesen und versuche so, die Wartezeit etwas zu verkürzen. Während ich inzwischen anfange, mich auf die Veröffentlichung des nächsten October-Daye-Bandes zu freuen, der im September veröffentlicht wird, denke ich, dass es so langsam Zeit wird, den Teil aus dem letzten Herbst zu lesen und herauszufinden, wie es October so ergangen ist.

Ich merke auch, dass es mir wichtig ist, dass ich mich - ungefähr zumindest - auf eine regelmäßige Veröffentlichung verlassen kann. Bei den Tamora-Pierce-Romanen ist es für mich nämlich viel schwieriger, endlich mit dem Lesen anzufangen, obwohl ich da inzwischen auch einige auf dem SuB gesammelt habe. Aber die Autorin hat in den letzten Jahren so wenig veröffentlicht und sich überhaupt nicht mehr an angekündigte Termine gehalten (inzwischen gibt es auch keine Aussagen mehr darüber, wann etwas erscheinen soll), dass ich die Reihenfortsetzungen einfach erst mal auf den SuB lege und etwas verdränge, weil ich es frustrierend finde, regelmäßig nach Veröffentlichungsdaten zu recherchieren und doch keine verlässlichen Informationen zu bekommen.

Irgendwie finde ich es ganz spannend, mir Gedanken darüber zu machen, warum ich welche Reihenfortsetzung zu welchem Zeitpunkt lese (mal abgesehen davon, dass ich einfach manchmal auf bestimmte Genres keine Lust habe, obwohl ich mich auf einen Roman sehr gefreut habe). Und nun wäre ich doch neugierig, wie es bei euch damit ist:

Lest ihr jede Fortsetzung sofort? Findet ihr es frustrierend, eine seit Längerem laufende Reihe neu zu entdecken und zu wissen, dass ihr euch noch ganz viele Bände zulegen "müsst"? Wartet ihr grundsätzlich mit dem Lesen der Fortsetzungen, bis ihr einige Teile gesammelt habt, um dann intensiv die Serie weiterlesen zu können? Oder könnt ihr bei euch keine Regelmäßigkeiten feststellen, wenn es ums Reihenlesen geht?

Samstag, 19. Juli 2014

Dies und Das (6)

37 Grad ... mein Auto zeigte mir um elf Uhr 37 Grad an! Ich verstecke mich dann mal für den Rest des Tages hinter heruntergelassenen Rollläden und halte mich an meiner Wasserflasche fest. (Für diejenigen, die mich persönlich kennen: Ja, bei dem Wetter trinke sogar ich Wasser statt Tee. ;) )

Eigentlich wollten wir heute ins Kino gehen und "Wenn der Wind sich hebt" sehen, aber bei der Hitze haben wir den Kinobesuch um eine Woche verschoben. Im Kino selbst ist es zwar klimatisiert, aber der Weg dahin ist mir bei dem Wetter zu anstrengend und auf das ebenfalls geplante Essengehen habe ich bei den Temperaturen auch keine so große Lust.

Stattdessen haben wir heute Vormittag - nach einem sehr frühen und schnellen Wochenendeinkauf - den Optiker aus der Nachbarschaft unsicher gemacht. Am Mittwoch war ich beim Augenarzt und durfte mir so unangenehme Worte anhören wie "Altersweitsichtigkeit" und "Gleitsichtbrille" - der charmante Optiker war heute dann etwas irritiert wegen meines Brillenwunsches, weil er meinte, dass ich dafür doch zu jung sei. Ich gebe zu, das tut dann doch ganz gut, auch wenn es vermutlich nur eine "ich bin nett zur Kundin"-Aussage war. ;)

Eine Gleitsichtbrille wird es dann doch nicht, die wäre nicht so ideal, um am Bildschirm zu arbeiten, aber eine Fernsichtbrille brauche ich, wenn ich weiter Auto fahren will. Ich werde also in Zukunft mit zwei Brillen jonglieren und muss zugeben, dass ich mich sehr über meine neue Brille freue. Ich habe ein hübsches Gestell gefunden, das mir gut steht, und ich habe noch nie zuvor so einen angenehmen Optikerbesuch erlebt. Gute und ausführliche Beratung, mehrere hübsche Gestelle zur Auswahl, die mir alle ziemlich gut standen, und mir wurde nicht vorgeschrieben, wie ich meine Brille zu tragen hätte. Stattdessen wurde gefragt, wie und warum ich meine Brille so auf der Nase sitzen habe, wie ich sie nun mal trage - und nun wird die Brille an meine Trageweise angepasst. Doch, das war fein und ich freu mich jetzt schon darauf, die neue Brille in der nächsten Woche abholen zu können.

Ansonsten werde ich wohl meine volle To-do-Liste etwas zusammenstreichen und bei den angekündigten heißen (und schwülen) Tagen etwas mehr Zeit als geplant auf dem Sofa verbringen und lesen. Überhaupt habe ich in den letzten Tagen erstaunlich viel gelesen und eigentlich würde ich auch gern über einen Großteil der gelesenen Bücher schreiben, aber irgendwie reicht die Konzentration immer nur für den ersten Absatz einer Rezi und ein paar Stichworte. Mal schauen, ob sich das in den nächsten Tagen ändert. Wenn nicht, dann gibt es am Ende des Monats vermutlich einen schrecklich langen Beitrag mit "Leseeindrücken".

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende - und holt euch keinen Sonnenbrand! ;)

Samstag, 12. Juli 2014

Laurel Corona: Die Geigenspielerin

Durch Birthe und ihre Besprechung bin ich auf "Die Geigenspielerin" von Laurel Corona aufmerksam geworden und hatte den Roman in der Bibliothek vorgemerkt, weil sie so begeistert von und so zufrieden mit dem Buch war. Als ich den Roman dann vor ein paar Wochen endlich in der Hand hatte, habe ich das erste Kapitel gelesen, in dem beschrieben wird wie die beiden Schwestern Maddalena und Chiaretta von ihrer Mutter in die Ospedale della Piéta gebracht werden. Das las sich so weit ganz nett, hatte mich aber nicht so weit gepackt, dass ich sofort weiterlesen musste.

Einige Tage später war ich dann in der richtigen Stimmung für einen historischen Roman und nachdem ich mich erst einmal auf die ruhige Erzählweise und Venedig Anfang des 18. Jahrhundert eingelassen hatte, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Nicht, weil die Geschichte so spannend war, sondern eher weil ich es so genossen habe die beiden Schwestern auf ihrem Weg zu begleiten, weil ich die Sprache mochte und sogar mit den ausführlichen und bildhaften Beschreibungen zum Thema Musik etwas anfangen konnte, obwohl Musik - vor allem klassische Musik - eine relativ geringe Rolle in meinem Leben spielt.

Die Ospedale della Piéta ist ein von Nonnen geführtes Waisenhaus und eine der vier großen Musikschulen Venedigs. So lernen auch Maddalena und Chiaretta, als sie dafür alt genug sind, singen und ein Instrument spielen. Während Chiaretta recht schnell als begabte Sängerin erkannt wird, zeigt ihre ältere Schwester Maddalena anfangs wenig Talent für die Musik und es sieht so aus, als ob sie vor allem mit dem Klöppeln zum Auskommen der Piéta beitragen und sich langfristig eine kleine Mitgift erarbeiten kann. Doch dann entdeckt das Mädchen die Geige für sich und entwickelt eine ungewöhnliche Leidenschaft für dieses Instrument.

Mir hat es sehr gut gefallen wie Laurel Corona die Piéta mit all ihren Regeln beschrieben hat, wie gezeigt wird, dass dieses Waisenhaus das für den Unterhalt dringend benötigte Geld mit dem musikalischen Können ihrer Schützlinge verdient oder auch einen - nicht gerade geringen - Brautpreis verlangt, wenn jemand eine ihrer begabten Musikerinnen heiraten möchte. Doch vor allem fand ich es großartig, dass die verschiedenen Charaktere (und zwar nicht nur Maddalena und Chiaretta) angenehm realistisch gestaltet wurden, mit Stärken und Schwächen, mit Wünschen und dem Wissen darum, dass manche Dinge eben in ihrer Welt nicht einfach erreichbar sind. Und obwohl ihnen manche Träume verwehrt bleiben, so gehen sie recht pragmatisch damit um und suchen ihr Glück in den Sachen, die greifbar sind. Das gibt dem ganzen Roman eine wunderschöne Stimmung, die ich als regelrecht wohltuend beim Lesen empfunden habe.

Auch die Sicht auf Vivaldi, der von der Piéta als Lehrer engagiert wurde und für die Musikerinnen und Sängerinnen Stücke komponierte, ist in gewisser Weise bodenständig. Er wird zwar als musikalisches Genie beschrieben, aber eben auch als ein Mann, der nicht glücklich ist mit seinem Priesteramt, und der als Berufsmusiker und Komponist auf die Gnade seiner Gönner und Kunden angewiesen war. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen immer wieder Pausen gemacht habe, um mir die erwähnten Musikstücke anzuhören, dass ich aber nicht immer (vielleicht aufgrund der Qualität der Aufnahmen) nachvollziehen konnte, was nun die Besonderheit des jeweiligen Stücks ausmachte. Beschrieben fand ich die Musik zum Teil ansprechender als beim direkten Hören. ;)

Birthe erwähnt in ihrer Rezension auch noch den von Laurel Corona in ihren Roman eingebauten Umgang mit der Liebe- und ich kann ihr da nur in jeder Beziehung zustimmen. Ich fand es sehr schön mitzuerleben wie nah sich die beiden Schwestern sind, obwohl sie aufgrund ihrer gegensätzlichen Charaktere nicht immer nachvollziehen können, was die andere bewegt. Auch was die Beziehungen zu anderen Menschen angeht, hat Laurel Corona ihren Figuren eine angenehme und wie ich finde realistische Offenheit verpasst. Es gibt nicht die eine große Liebe, ohne die das Leben keinen Sinn mehr hat (was ich wirklich nicht mehr lesen kann), sondern die Autorin lässt ihre Figuren viele verschieden Facetten von Liebe erleben, neben all den anderen Dingen, die eben das Leben ausmachen.

"Die Geigenspielerin" ist ein eher ruhiger und flüssig zu lesender Roman, ohne große Höhen und Tiefen, ohne großes Drama, aber dafür voller interessanter und trotzdem angenehm realistisch geschilderter Charaktere, voller Freude an der Musik, vor der tollen Kulisse des Venedigs des 18. Jahrhunderts - für mich ein richtiges Wohlfühlbuch, das mir angenehme Lesestunden bereitet hat.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Clara Kramer (und Stephen Glantz): Eine Handbreit Hoffnung - Die Geschichte meiner wunderbaren Rettung

"Eine Handbreit Hoffnung" ist die Geschichte der jüdischen Clara Kramer, die sich als Jugendliche in Polen vor den Nazis verstecken musste. Geschrieben wurde das Buch von Stephen Glantz, basierend auf dem Tagebuch, das Clara damals führte, und auf ihren Erinnerungen, ergänzt durch Materialien (Briefe, Tagebücher u.ä.) und Erzählungen anderer Überlebender, die Kontakt zu Clara und ihrer Familie hatten. Ich habe schon einige Erfahrungsberichte aus dieser Zeit gelesen, ebenso Romane, die sich entweder auf wahre Ereignisse stützten oder eine fiktive Geschichte erzählten, um all die schrecklichen Fakten zu vermitteln. Viele dieser Bücher spielten in Deutschland oder den Niederlanden, einige auch in den jüdischen Ghettos in Polen, und obwohl es schon einige Zeit her ist, dass ich sie gelesen habe, so haben sie doch in der Regel einen anhaltenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Auch "Eine Handbreit Hoffnung" werde ich wohl so schnell nicht vergessen - nicht nur, weil die lange Zeit des Versteckens so eindringlich geschildert wird, sondern auch, weil ich die ganzen zusätzlichen Komplikationen für die jüdische Familie durch die Ukrainer und Russen sowie die schon vor dem Einmarsch der Deutschen schwierige politische Situation spannend fand (auch wenn es sich angesichts der Erlebnisse von Clara Kramer und ihrer Familie komisch anfühlt, das Ganze als "spannend" zu bezeichnen).

Anhand von Clara Kramers Erzählungen kann man gut nachvollziehen, wie schleichend die Veränderungen für die 5000 polnischen Juden in der Stadt Zólkiew kamen. Erst die Berichte von der Machtergreifung Hitlers und der Unglaube, dass so ein Mensch auch noch Unterstützung findet, dann die ersten Flüchtlinge, die im Osten Zuflucht suchten und von der Zerstörung ihrer Synagogen, von Plünderungen und Misshandlungen berichteten - und das alles, während sie einmal die Woche am schön gedeckten Esstisch vom besten Porzellan bewirtet wurden - und ein Jahr später der Nichtangriffspakt zwischen Russland und Deutschland, der Polen schutzlos zurückließ.

Als die Nazis im September 1939 in Zólkiew einmarschierten, war Clara gerade mal zwölf Jahre alt. Aus Angst vor den Deutschen wagten sich die jüdischen Kinder nicht auf die Straße, bekamen aber später erzählt, dass sich die Deutschen wie ein Haufen Touristen verhalten hätten. Trotzdem war es eine Erleichterung für die Juden, als kurz darauf die Russen das Gebiet übernahmen. Die Russen waren zwar keine Freunde der Juden und hatten schon so einige Polen in Straflager nach Sibirien geschickt, aber alle sind sich sicher, dass das Leben unter den Kommunisten der Behandlung durch die Nazis vorzuziehen sei.

Doch nach und nach verschlechtert sich das Leben - nicht nur der Juden - in der Stadt. Erste Familien werden deportiert und Russen ziehen übergangslos in die Häuser der verschwundenen Familien ein und übernehmen die zurückgelassenen Besitztümer. Auch in Claras Familie gibt es erste Verhaftungen - erst Jahre später wird ihnen bewusst, dass die Deportation nach Kasachstan für viele von ihnen ein Glücksfall war, da diese Familienmitglieder so den Nazis entgingen. Andere Familienmitglieder - so wie Claras Großvater - werden von ukrainischen Nationalisten ermordet, als sich im Frühling 1941 die Russen zurückziehen und das Gebiet den Deutschen überlassen.

Wenige Monate später wird den Juden bewusst, dass all das Geld, das sie Monat für Monat dem Kommandanten der SS von Lemberg überreichen, ihr Leben nicht sichern kann. Während die einen versuchen, einen Fluchtweg aus der Stadt zu finden, graben die Familie Schwarz (Claras Familie), Melman und Patrontasch ein Versteck unter dem Fußboden des Hauses der Melmans. Eine geschickt ausgeschnittene Luke im Parkettboden des Schlafzimmers bildet den Eingang, und anfangs ist die Lücke unter dem Haus so klein, dass nur die Kinder graben können. Im Laufe einiger Wochen schaffen die drei Familien es so, die Hälfte des Hauses zu "unterkellern", wobei es keine Verbindung zum kleinen "offiziellen" Keller unter der Küche des Hauses gibt und das Versteck so niedrig ist, dass man nicht darin stehen kann.

Doch erst das Angebot des volksdeutschen Ehepaars Beck (Julia Beck hat früher als Haushälterin für Claras Familie gearbeitet, ihr Mann hingegen ist als Antisemit bekannt), das Haus der Melmans zu übernehmen und so das Versteck der drei jüdischen Familien zu schützen und ihre Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern, ermöglicht es ihnen ab Dezember 1942, dieses Kellerloch zu nutzen.

Bis zum Juli 1944 müssen die drei Familien in ihrem Kellerversteck überleben, lange Monate ohne Frischluft, ohne ausreichendes Essen, ohne nennenswerte Bewegung, auch wenn sie anfangs immer mal wieder hinauf zu den Becks steigen können. Doch je länger der Krieg andauert, desto schwieriger wird nicht nur die Versorgung der Versteckten mit Lebensmitteln, sondern desto gefährlicher wird auch ihre Lage. Diverse Personen - darüber natürlich auch Nazis - werden bei den Becks einquartiert, Gerüchte machen die Runde, dass sich bei den Becks Flüchtlinge verstecken, so dass es immer wieder zu Hausdurchsuchungen kommt - und Beck selbst ist auch ein Risiko. Beck ist ein Spieler und Säufer, er betrügt seine Frau, er kann den Mund nicht halten und bringt sich durch Geschäfte mit Nazis, Ukrainern und Russen in Gefahr - und somit auch immer die Juden, die auf ihn angewiesen sind.

Auch im Versteck gibt es immer wieder Veränderungen. So bricht in der Straße ein Feuer aus und eine Person flüchtet vor lauter Angst aus dem Haus, während die anderen versuchen, unbemerkt von der Außenwelt Wasser zum Löschen heranzuschaffen. Weitere Juden (in der Regel Familienmitglieder der schon Versteckten) tauchen vor Becks Tür auf und brauchen Hilfe oder eine Zuflucht. So ändert sich im Laufe der Zeit die Zusammensetzung der Flüchtlingsgruppe und es gibt immer mehr Reibung zwischen den unterschiedlichen Personen, was noch dadurch erschwert wird, dass sie tagelang keinen Laut von sich geben dürfen, während über ihnen die deutschen Besatzer ein- und ausgehen.

Abgesehen von den ersten Seiten, in denen Clara Kramer ihre sehr große Familie und auch die Familien der Nachbarschaft vorstellt, lässt sich "Eine Handbreit Hoffnung" sehr gut lesen. Die Flut der Namen - bei denen sich einige wiederholen oder gar mehrfach vorkommen, weil man die Kinder nach den Vorfahren benannt hat - ist wirklich anstrengend, und auch im Laufe der Geschichte musste ich hin und wieder innehalten und mich erinnern, welche Person da nun gemeint war und in welchem Verhältnis sie zu Clara stand. Davon abgesehen empfand ich "Eine Handbreit Hoffnung" überraschend ausgewogen. Auf der einen Seite basiert das Buch zwar auf den Tagebüchern, die Clara während ihrer Zeit im Kellerversteck geschrieben hat, was zu einer eindringlichen und berührenden Schilderung führt, auf der anderen Seite liegen gut sechzig Jahre zwischen den Ereignissen und dem Verfassen des Buches (und das eigentliche Schreiben wurde von Stephen Glatz erledigt), was zu einem gewissen Abstand führt, der es ermöglicht, mehrere Seiten zu beleuchten und manche Geschehnisse in einem größeren Zusammenhang zu sehen.

Dieser "Abstand" führt aber nicht dazu, dass einem die Ereignisse beim Lesen egal sind. Ich fand es interessant, mal die "Vorgeschichte" mitzuerleben, zu lesen, wie es für die jüdische Familie unter der russischen Herrschaft war und welche Rolle die ukrainischen Nationalisten spielten. Und - gerade weil ich wusste, was in den kommenden Jahren noch folgen wird - ich fand es schrecklich, die immer größer werdende Gefahr für die Familie zu verfolgen, die Überlegungen, ob man flieht oder bleibt, und schließlich diese langen anderthalb Jahre im Kellerversteck. Die Enge, die Hitze, der Hunger, die Fassungslosigkeit angesichts der Geschehnisse, aber auch die ungläubige Dankbarkeit über die Hilfe aus unerwarteter Richtung - das alles lässt einen beim Lesen definitiv nicht ungerührt.

Dienstag, 8. Juli 2014

Sachbuch-Challenge: Halbzeitstand


Nachdem ich Ende Juni das Halbzeit-Ziel um eine Woche verschoben habe, ist es jetzt wirklich Zeit, um zu schauen, wie viele Teilnehmer die ersten sechs Monate der Sachbuch-Challenge erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Birthe hatte schon Ende Juni gesagt, dass es mit ihr und der Sachbuch-Challenge nicht geklappt hat - ich hoffe, sie bespricht vielleicht trotzdem noch im Laufe des Jahres das eine oder andere interessante Sachbuch (obwohl ich dank ihrer Rezensionen zu historischen Romanen gerade eh schon viel zu viele Bibliotheksbücher ausgeliehen habe). Rachel hat seit Anfang Mai nicht mehr gebloggt und hatte vorher auch keine Sachbuch-Rezension verlinkt. Ich vermute mal, dass ihr Leben zu trubelig wurde, um an einer Challenge teilzunehmen. Und von Marie L. liegt leider auch nur eine Rezension vor.

Alle anderen Teilnehmer haben in der Zeit mindestens fünf Sachbücher gelesen (und besprochen), einige haben sogar etwas mehr gelesen und sich so einen Puffer für das kommende Halbjahr geschaffen - und Natira hat mal eben im ersten Halbjahr locker das Gesamtziel der Challenge erreicht. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die Themengebiete sind, in denen wir lesen, und ich finde es erschreckend, wie oft eines der besprochenen Sachbücher mein Interesse weckt und deshalb auf einer der Leihlisten oder gar auf meiner Wunschliste landet. Nur gut, dass dann doch einige Gebiete darunter sind, die mich definitiv überfordern (Ökonomie ist eher nicht so meins und auch bei Psychologie möchte ich eher nicht in die Tiefe gehen). Vielleicht geht es euch ja ähnlich und ihr habt euch auch schon von den Rezensionen der anderen Teilnehmer inspirieren lassen.

Ich wünsche uns allen für das zweite Sachbuch-Challenge-Halbjahr viel Erfolg
 und hoffe, dass ihr weiterhin Spaß beim Lesen habt! 


Teilnehmer:

Ariana
  1. Ronald Reng: Gebrauchsanweisung für London
  2. Anna Regeniter: Ein Jahr in London
  3. Ditte und Giovanni Bandini: Das Vampirbuch
  4. Gerhard Elfers: 111 Gründe, London zu lieben
  5. Gerhard Wagner: Das geht auf keine Kuhhaut - Redewendungen aus dem Mittelalter
Birthe
-

BücherFähe
  1. Charles River Editors: Calico Jack, Anne Bonny and Mary Read - The Lives and Legacies of History's most famous Pirate Crew
  2. Alan Greenspan: Mein Leben für die Wirtschaft
  3. Luise Schmidt: Canarisches Tagebuch 1904-1906
  4. Richard Louv: Das Prinzip Natur - Grünes Leben im digitalen Zeitalter
  5. Philip Matyszak: Gladiator - Der ultimative Karriereführer
  6. John Douglas und Mark Olshaker: Anatomie des Mörders
Hermia
  1. Margaret C. Sullivan: The Jane Austen Handbook - Proper Life Skills from Regency England
  2. Thomas de Padova: Leipniz, Newton und die Erfindung der Zeit
  3. Rebecca Skloot: Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks
  4. Roberta S. Kremer: Zerissene Fäden
  5. Sam Wasson: Verlieben Sie sich nie in ein wildes Geschöpf - Audrey Hepburn und "Frühstück bei Tiffany"
  6. Irfan Orga: Das Haus am Bosporus
DieJai
  1. Jinaika Jakuszeit und Miriam Dornemann: Die kreative Manufaktur: Schönheit aus der Natur - Naturkosmetik selbst herstellen
  2. Daniela Matijevic: Mit der Hölle hätte ich leben können - Als deutsche Soldatin im Auslandseinsatz
  3. Birga Dexel: Von Samtpfoten und Kratzbürsten
  4. Martina Kittler: Expresskochen vegetarisch
  5. Ute Hayit und Cornelia Auschra: Kölner Ausflüge
  6. Anna Maria Sigmund: Die Frauen der Nazis
Marie L.
  1. Ina Jung und Christoph Lemmer: Der Fall Peggy - Die Geschichte eines Skandals
Natira
  1. Lena Gorelik: Lieber Mischa
  2. Richard P. Feynman: Es ist so einfach: Vom Vergnügen, Dinge zu entdecken
  3. E.H. Gombrich: Die Geschichte der Kunst
  4. Charles Darwin: Reise um die Welt (Hörbuch)
  5. Maggie Lane: Understanding Austen
  6. Emma Dickens: Das da Vinci Universum - Die Notizbücher des Leonardo
  7. Charlotte Lyne: Alles über Shakespeare
  8. Florian Heine: Mit den Augen der Maler - Schauplätze der Kunst neu entdeckt
  9. Rebecca Gablé: Von Ratlosen und Löwenherzen (Hörbuch)
  10. Walter Kempowski: Im Block
  11. Ben Crystal: Shakespeare on Toast - Getting a Taste for the Bard
Neyasha
  1. Alberto Angela: Vom Gladiator zur Hure - Die Reise einer Münze durch das Römische Reich
  2. Reinhold Messner: Der nackte Berg. Nanga Parbat - Bruder, Tod und die Einsamkeit
  3. Axel N. Halbhuber: Ich geh dann mal heim
  4. Jessica Fellowes: The World of Downton Abbey
  5. Rüdiger Safranski: Goethe und Schiller - Geschichte einer Freundschaft
  6. Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln
Nina
  1. Sabrina Fox: Mrs. Fox will heim
  2. Gayle Tuffs: Miss Amerika
  3. Linda Lovelace: Ich packe aus!
  4. Flavius Josephus: Geschichte des judäischen Krieges
  5. Bernd Senf: Die blinden Flecken der Ökonomie (Teil 1)
Rachel
-

Sayuri
  1. Michael Martin: 30 Jahre Abenteuer - Unterwegs in den Wüsten der Erde
  2. Arnhild Lauveng und Günther Frauenlob: Nutzlos wie eine Rose
  3. Luise Reddemann und Cornelia Dehner-Rau: Trauma
  4. Bill Bryson: A Walk in the Woods
  5. Luise Reddemann, Peter Schellenbaum und Manuela Miller: Das innere Kind
Winterkatze
  1. Sina Trinkwalder: Wunder muss man selber machen
  2. Margaret C. Sullivan: The Jane Austen Handbook - A Sensible Yet Elegant Guide to Her World
  3. Laura Thompson: Agatha Christie
  4. Barbara Sichtermann: Gerstenbergs 50 Klassiker - Schriftstellerinnen
  5. Reinhard Osteroth: Erfinderwelten - Eine kurze Geschichte der Technik
Wörterkatze
  1. Helge Sobik: Das letzte Postamt diesseits des Polarkreises - Finnische Fundstücke
  2. Dick Houston: Bulu - Der afrikanische Wunderhund
  3. Celia Haddon: Tilly- Die Katze, die niemand haben wollte
  4. Richard P. Feynman: Sie belieben wohl zu scherzen
  5. Sabine Kuegler: Dschungelkind
  6. Peter Gethers: Klappohrkatze
  7. Guilia Enders: Darm mit Charme

Mittwoch, 2. Juli 2014

Katzen! :D

Als am Samstag der Postbote klingelte, hatte ich überlegt, ob ich den Band noch in meinen "SuB-Zuwachs"-Post für Juni einfüge, aber genau genommen ist "Katzen! Band 1: Katz-Cha-Cha" kein Comic für den SuB, denn ich kenne die Geschichten schon sehr gut.

Trotzdem freue ich mich sehr darüber, den Band endlich in den Händen halten zu können - umso mehr, da mir eine von den limitierten Messe-Editionen inklusive Druck und einer supersüßen Skizze zugeschickt wurde. Auch ohne zum Comic Salon in Erlangen zu fahren, kann ich also von Paola Antistas Signierstunden dort profitieren. :D

In "Katzen!" erleben drei Mädchen verschiedene Abenteuer mit ihren drei Katzen. Als Katzenmensch kann ich nicht ganz darüber hinwegsehen, dass zu Beginn ein allergisches Mädchen von ihren Freundinnen dazu überredet wird, sich eine Katze anzuschaffen - auch wenn es "nur" ein Comic ist, ist das ein Verhalten, das mich stört. Aber von diesem winzigen Punkt abgesehen, sind die einzelnen Geschichten wirklich süß und lustig erzählt. Mal geht es um ganz Alltägliches wie zum Beispiel um die Tatsache, dass die Protagonistin Manou tagsüber gern mit ihrem viel zu müden Kater Pampelmuse spielen würde, während dieser in der Nacht unglaublich aktiv ist - und so natürlich Manou am Schlafen hindert. (Jeder, der meinen Blog schon länger liest, darf jetzt gern an unseren Logan und seinen nächtlichen Schmusebedarf denken. *g*) Andere Geschichten sind etwas weniger realistisch, aber dafür nicht weniger amüsant - und den Zeichenstil finde ich auch bezaubernd.


Oh, wer gern mehr davon sehen würde, der kann sich ja HIER die Leseprobe anschauen.

Dienstag, 1. Juli 2014

Gelesen: April, Mai und Juni 2014

Frühere Statistiken sind unter "Diverses" zu finden.

Bücher:

  1. Jim Butcher: Proven Guilty (Dresden Files 8)
  2. Soman Chainani: The School of Good and Evil
  3. Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
  4. Natasha Farrant: Die Geschwister Gadsby
  5. Lena Gorelik: Die Listensammlerin
  6. Andrea Habeney: Arsen und Apfelwein
  7. Kim Harrison: Bluteid (Rachel Morgan 8)
  8. Kim Harrison: Blutdämon (Rachel Morgan 9)
  9. Kim Harrison: Blutsbande (Rachel Morgan 10)
  10. Kim Harrison: Blutschwur (Rachel Morgan 11)
  11. Jim C. Hines: Die Buchmagier 
  12. Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war (Sebastian Bergman 1)
  13. Stacia Kane: Unholy Magic
  14. Stacia Kane: City of Ghosts
  15. Michelle Lovric: Melodie der Meerjungfrauen
  16. Garth Nix: Das Imperium der Prinzen 
  17. Reinhard Osteroth: Erfinderwelten
  18. Cay Rademacher: Der Trümmermörder
  19. Phoebe Rivers: Saranormal - Die Geisterstadt
  20. Sheila Roberts: Better Than Chocolate (An Icicle Falls Story 1)
  21. Maya Rodale: Lady meines Herzens 
  22. A.C. H. Smith und Brian Froud: Jim Henson's Labyrinth: The Novelization
  23. Margaret C. Sullivan: The Jane Austen Handbook - A Sensible Yet Elegant Guide to Her World
  24. Laura Thompson: Agatha Christie


Manga/Comics:

  • 20th Century Boys 1 (Manga)
  • 20th Century Boys 2 (Manga)
  • 20th Century Boys 3 (Manga)
  • 20th Century Boys 4 (Manga)
  • 20th Century Boys 5 (Manga)
  • 20th Century Boys 6 (Manga)
  • 20th Century Boys 7 (Manga)
  • 20th Century Boys 8 (Manga)
  • 20th Century Boys 9 (Manga)
  • 20th Century Boys 10 (Manga)
  • 20th Century Boys 11 (Manga)
  • 20th Century Boys 12 (Manga)
  • 20th Century Boys 13 (Manga)
  • 20th Century Boys 14 (Manga)
  • 20th Century Boys 15 (Manga)
  • 20th Century Boys 16 (Manga)
  • 20th Century Boys 17 (Manga)
  • 20th Century Boys 18 (Manga)
  • 20th Century Boys 19 (Manga)
  • 20th Century Boys 20 (Manga)
  • 20th Century Boys 21 (Manga)
  • 20th Century Boys 22 (Manga)
  • 21th Century Boys 1 (Manga)
  • 21th Century Boys 2 (Manga)
  • Big Order 1 (Manga)
  • Detektiv Conan 79 (Manga)
  • Half Past Danger (Comic)
  • Kirschblut - Dead Friend's Love Letter (Manga)
  • Die Sargprinzessin 1 (Manga)
  • Sukuiya 1 (Manga)
  • Yuuwaku Animal (Manga)

Hörbücher/Hörspiele:


Angefangene und abgebrochene Bücher/Hörbücher zähle ich in der Monatsstatistik nicht mit. Dafür kommen in diesem Jahr auch die Titel auf die Liste, die ich innerhalb kurzer Zeit doppelt lese (oder höre).