Sonntag, 23. August 2015

Dies und Das (3)

Erst das dritte "Dies und Das" in diesem Jahr - ich hatte anscheinend bislang nicht so viel Plauderbedarf. ;)

Die jedes Jahr stattfindende Besuchswoche mit Bibendum ist gestern vorbeigangen. Wie immer war es total nett und entspannt und wir haben uns miteinander wohlgefühlt. Allerdings fiel uns am Freitag, als mein Mann in der Stadt von einem Arbeitskollegen gefragt wurde, was wir denn in der Woche gemacht hätten, auf, dass wir die aktiveren Sachen von unserer Liste (Schwimmen, Bowling u.ä.) gar nicht auf die Reihe bekommen haben. Dafür gab es wieder Restaurant- und Cafébesuche mit sehr leckerem Essen, ein paar Stadtbummel (ich habe neue Schuhe gefunden! :D) und Bibendum und mein Mann haben sich stundenlange Billiardschlachten (an der PS3) geliefert. *g*

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So richtig glücklich bin ich mit dem Garten noch lange nicht. Es ist alles imer noch im Umbruch und viele Pläne musste ich für dieses Jahr wieder auf Eis legen. Dafür mag ich gerade meine beiden Balkonkästen (inklusive der bewässernden Frösche) sehr. Die Margeritenblüten fallen zwar regelmäßig der Hitze zum Opfer, aber da auch immer wieder neue Blüten kommen, hoffe ich darauf, dass ich im Herbst noch etwas von der Blume habe. Wenn es Zeit ist, die Balkonkästen im Herbst zu entfernen, wandern die Pflanzen in den Garten und ich bin gespannt, was davon den Winter überlebt.



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Ich trau mich kaum, es zu schreiben, aber den Katern geht es zur Zeit erstaunlich gut. Shandy nimmt zwar leider kontinuierlich ab, aber seine Werte sind - angesichts der kaputten Nieren - in Ordnung und er hat in den letzten Wochen deutlich an Sicherheit und Kraft zurückgewonnen. Seit einer knappen Woche ist er sogar wieder in der Lage, auf den Kratzbaum zu klettern oder über die Brücke auf das Bücherregal zu springen. Bei Baltimore wächst der Tumor zwar weiter und er ist inzwischen regelmäßig auf Schmerzmittel angewiesen, aber seitdem er zweimal am Tag eine winzige Portion Insulin gespritzt bekommt, ist er munterer und hat sogar deutlich zugenommen. Dafür, dass wir uns im Juni sicher waren, dass sie den Monat nicht überleben würden, genießen sie das Leben doch gerade ganz schön. Ich hoffe, es läuft so noch eine Weile weiter ... :)


Freitag, 21. August 2015

Emma Kennedy: Wilma und das Rätsel um die gefrorenen Herzen

Über "Wilma und das Rätsel der gefrorenen Herzen" von Emma Kennedy bin ich durch Zufall in der Bibliothek gestolpert. Denn während ich darauf wartete, dass ein älteres und etwas verpeiltes Ehepaar inklusive vier mindestens doppelt so verpeilten Enkelkinder endlich ihre paar Bücher verbucht bekamen, stand ich vor dem Regal mit Kinderbüchern und habe mir Klappentexte durchgelesen. (Das extremste Enkelkind hat es dann noch geschafft - nachdem mir die Gruppe Platz gemacht hatte, damit ich meine Bücher ausleihen konnte - sein Buch so neben meinen Stapel zu legen, dass es gleich mitverbucht wurde und wir dann doch noch eine Angestellte bemühen musste, um das wieder auseinander zu sortieren. *argh*)

Auf jeden Fall klang die Geschichte rund um Wilma Tenderfoot nett und durfte deshalb mit nach Hause - und weil ich an dem Tag vor lauter Hitze eh nicht mehr viel tun konnte, habe ich den Roman auch gleich am Nachmittag noch gelesen. Schon während des Lesens fühlte ich mich etwas zwiegespalten. obwohl die Idee sehr nett und Wilma eine sympathische, wenn auch arg übereifrige Protagonistin ist. Wilma ist in "Cooper Islands Unterland-Institut für Elende Kinder" aufgewachsen, einem Waisenhaus, das von der grauenhaften Mrs. Scratch geleitet wird. Diese Dame verkauft regelmäßig die ihr anvertrauten Kinder als Dienstboten in die angesehenere Hälfte der Insel, wobei eine Klausel besagt, dass beim Tod des Kindes innerhalb der Probezeit natürlich der volle Kaufpreis zu zahlen sei.

Auch Wilma wird an eine Arbeitgeberin verkauft und muss dort die unangenehmsten Aufgaben erfüllen, die man sich nur vorstellen kann. Auf der anderen Seite landet sie durch diesen Ortswechsel prompt in dem Haus, das direkt neben dem Heim von Theodore P. Goodman liegt, dem größten Privatdetektiv, den es auf Cooper Island nur gibt. Und genau dieser Theodore P. Goodman ist seit klein auf Wilmas Idol und so setzt sie alles daran, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vor allem hofft sie, dass er sie vielleicht als Lehrling aufnimmt, wenn sie ihn erst einmal von ihren ernsten Absichten überzeugt hat. Zu Wilmas großem Glück zieht sich gerade eine Mordserie über die Insel, die mit dem Diebstahl eines ungewöhnlich seltenen Edelsteins ihren Anfang nimmt - und selbstverständlich nimmt das Mädchen sofort die Ermittlungen auf.

Wilma, Theodore P. Goodman, seine Haushälterin und der Polizist der Insel sind wirklich sympathische Figuren, die alle ihre ganz besonderen liebenswerten Eigenheiten haben. Auch wimmelt der Roman vor lauter ungewöhnlichen Ideen und Einfällen, von denen mir vor allem die gut gefallen haben, die für uns ganz normale Vorgänge wie zum Beispiel einen Grenzübertritt mit einem angemessenen Schuss Spott darstellen. Auch der Kriminalfall war - trotz all der Toten - kindgerecht (das Buch wird am 9 Jahren empfohlen) und spannend erzählt. Man kann während Wilma fleißig und - mehr oder weniger - erfolgreich ermittelt mitraten und bekommt immer wieder neue Hinweise auf die Hintergründe der Tat präsentiert.

Aber trotzdem konnte mich der Roman nicht vollständig begeistern, da ich die Welt, in der das Ganze spielt unstimmig und übertrieben fand und mich oft genug geärgert habe, dass hier so viel Potenzial verschenkt wird. Es gibt so viele wunderbare und lustige Elemente in "Wilma und das Rätsel der gefrorenen Glasherzen", dass es nur einen aufmerksameren und passenderen Weltenaufbau benötigt hätte, damit die Geschichte auch rund wird. So richtig aufgefallen ist es mir zum Beispiel beim Thema Essen: Während der Privatdetektiv gerne so normale Sachen wie Pfefferminztee und Maisplätzchen (ein Rezept ist am Ende des Buches abgedruckt) zu sich nimmt, scheint es ebenso selbstverständlich zu sein, dass man eine Schneckensuppe kocht oder Spinnen fängt, um aus ihren Beinen ein Essen zuzubereiten. Mal davon abgesehen, dass das von der Autorin gewollt lustig und ekelig beschrieben wird, finde ich es einfach unrealistisch - und ich bestehe darauf, dass eine erfundene Welt in sich zumindest einigermaßen logisch ist.

Ebenso gibt es zwar spezielle Bonsaischeren, aber Wilma muss ihrer Arbeitgeberin mit den Zähnen die Fußnägel abnagen. Natürlich ist mir bewusst, dass Emma Kennedy diese Elemente eingebaut hat, um - je nach Szene - die Situation lustiger oder abschreckender zu gestalten, aber mich persönlich stört das beim Lesen gewaltig. Es wäre doch schon unangenehm genug, wenn Wilma mit einer Schere die ungepflegten Fußnägel hätte kürzen müssen, da muss man doch nicht so übertreiben. Diese Unstimmigkeiten haben am Ende dann leider dazu geführt, dass ich Wilma zwar ins Herz geschlossen hatte, aber leider keine weiteren Bücher mit ihr mehr lesen würde.

Mittwoch, 19. August 2015

Pierdomenico Baccalario, Enzo D'Alò und Gaston Kaboré: Stadt aus Sand

"Stadt aus Sand" von Pierdomenico Baccalario, Enzo D'Alò und Gaston Kaboré war eine spontane Bibliotheksausleihe. Das Cover fand ich hübsch, Bücher von Pierdomenico Baccalario habe ich auch schon gelesen und wegen ihrer ungewöhnlichen Ideen gemocht und die ersten Seiten hatten mich beim Reinlesen angesprochen. Wieweit welcher der drei genannten Autoren Anteil an der Geschichte hatte, kann ich nur vermuten, aber es gibt sehr viele "afrikanische" Elemente in dem Roman, von denen ich annehme, dass sie zum Großteil dem Einfluss von Gaston Kaboré, der ein afrikanischer Regisseur ist, zuzuschreiben sind.

Die Geschichte beginnt sehr märchenhaft, während der Leser miterlebt wie sich zwei Männern - ein Geschichtensänger und ein Fürst - gegenseitig mit Worten bekämpfen. Beobachtet werden die beiden von zwei Jungen (Matuké und Setuké), die nach seiner Niederlage von dem Geschichtensänger damit beauftragt werden, ihr Dorf zu beschützen. Der folgende Zeitsprung macht deutlich, dass Matuké und Setuké diese Aufgabe viele Jahre erfolgreich bewältigt haben, doch nun sind sie alte Männer und noch immer macht der "Fürst der Stadt aus Sand" Jagd auf Geschichtensänger und es scheint keine Nachfolger zu geben, die den Schutz des Dorfes übernehmen könnten.

Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Sicht der jungen Rokia, die Matukés Enkelin ist. Als einziges Mädchen der Familie steht sie ihrem Großvater sehr nah, und hört - wann immer es ihr möglich ist - seinen Geschichten zu und vernachlässigt darüber nicht selten ihre Pflichten. Ich mochte Rokia sehr gern, die aufgeweckt und neugierig ist und alles in Frage stellt, ohne erst einmal das Bedürfnis zu haben an den Grundlagen ihrer Welt zu rütteln. Für sie steht felsenfest, welche Aufgaben die Männer im Dorf zu übernehmen habe und welche Tätigkeiten von den Frauen übernommen werden und sie hadert eigentlich nicht mit den Grenzen, die ihr die Traditionen auferlegen. Allerdings fragt sie sich schon, was aus einem Mädchen werden soll, das so viele Dinge nicht beherrscht, die eine Frau könne sollte, während es doch so viele Sachen tun möchte, die nur für Jungen gedacht sind.

Für den Leser steht natürlich schnell fest, dass auf Rokia größere Aufgaben warten, als die traditionelle Rolle eines Mädchens auszufüllen. Ich fand es wunderschön, wie Rokias Weg dahin beschrieben wurde und wie sie so nach und nach mehr über die Welt außerhalb ihres kleinen Dorfes lernte. Vor allem strotzt diese Geschichte von wunderbaren und eigenwilligen Charaktere, die nur selten wirklich gut und doch liebenswert sind, und von märchenhaften und bezaubernden Momente. Dazu kommen noch die vielen atmosphärischen Beschreibungen des Lebens in Rokias Dorf. Denn Rokia ist eine Dogon und in "Stadt aus Sand" wird immer wieder nebenbei eingeflochten, wie ihr Alltag aussieht, welcher Glaube ihr Leben bestimmt und welchen Traditionen in ihrem Dorf gefolgt wird, aber auch wie sich all dies durch äußere Einflüsse ändert.

Die Geschichte spielt zu einer modernen Zeit, in der Autos und Radios verbreitet sind und es ganz selbstverständlich ist, dass man beim reisenden Händler seinen Nachschub an Batterien kauft, und doch besitzt die Erzählung einen altmodischen Charme durch die - immer noch vorhandene - Naturverbundenheit, die Langsamkeit, mit der sich Rokias Volk verändert, und die märchenhaften Elemente. Ich war übrigens beim Lesen ganz froh, dass ich gerade erst vor ein paar Tagen "Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna gelesen habe, denn so konnte ich mir das eine oder andere Detail doch noch etwas besser vorstellen, wenn ich mir die dort gesehenen Zeichnungen und Fotos noch einmal in Erinnerung rief. Aber ich bin mir sicher, auch ohne dieses Vorwissen hätte mir "Stadt aus Sand" ein rundum wunderbares, unterhaltsames und märchenhaftes Leseerlebnis bereitet. Doch, das war ein sehr guter Bibliotheksfund!

Sonntag, 16. August 2015

[Challenge] Zurück in die Vergangenheit: Fazit


Vor genau einem Jahr habe ich einen Blogbeitrag zu Elenas "Zurück in die Vergangenheit"-Challenge geschrieben und gemeint, dass ich mich einfach mal anmelde und dann eben im Zweifelsfall die Bücher dafür aus der Bibliothek ausleihen müsste.

Gelesen habe ich im Rahmen der Challenge folgende Titel:
  1. Julie Campbell: The Gatehouse Mystery (Trixie Belden #3)
  2. Diana Wynne Jones: Neun Leben für den Zauberer
  3. Erich Kästner: Der kleine Mann
  4. Victoria Walker: The Winter of Enchantment
Am 14. August endete nun diese Runde der "Zurück in die Vergangenheit-Challenge und wirklich habe ich die Hälfte der gelesenen vier Romane aus der Bibliothek ausgeliehen - und das fühlte sich irgendwie seltsam an. Schließlich liegen die Bücher im Nebenzimmer und nur unsere Regalsituation sorgt dafür, dass ich die Titel nicht mal eben in die Hand nehmen und wiederentdecken kann. Deshalb werde ich die Challenge für mich auch nicht verlängern, obwohl es schön war die vertrauten Geschichten wieder einmal zu lesen und mich von neuem an ihnen zu erfreuen. Vielen Dank an Elena für die Idee!

Freitag, 14. August 2015

Charlotte Lyne: Alles über Shakespeare

Ich habe bislang noch nichts von Charlotte Lyne gelesen, wenn man nicht die ersten Seiten von "Das Mädchen aus Bernau" mitzählt. Diese ersten Seiten konnten mich damals beim Anlesen nicht packen, weshalb der Roman ungelesen zurück in die Bibliothek wanderte. "Alles über Shakespeare" hingegen fand ich sehr angenehm geschrieben, interessant und unterhaltsam und bin froh, dass ich über Natiras Rezension zur Sachbuch-Challenge 2014 auf das Buch aufmerksam wurde (und dass sie es mir geliehen hat ;) ).

Als Abiturientin begleiteten mich lange Zeit auf dem Weg zur Schule die Bände einer dicken (und verflixt schweren) Shakespeare-Ausgabe, und so habe ich die täglichen Fahrten mit Bus und Bahn inklusive Wartezeit zum Lesen seiner Stücke genutzt. Auch wenn das lange her ist, so habe ich doch einiges von Shakespeare gelesen und kann die meisten Stücke und Figuren - spätestens nach etwas Bedenkzeit - recht gut zuordnen. Was ich über Shakespeare weiß, ist hingegen gering und stammt zum Großteil aus (britischen) Kriminalromanen. Gerade die Theaterliebhaberin Ngaio Marsh hat einige Krimis geschrieben, die sich auch um Shakespeare und seine Werke drehen, aber auch sonst gibt es eine Menge Romane, die entweder rund um Stratford-upon-Avon spielen und allein deshalb schon immer wieder zu Verweisen auf den Dichter einladen, oder die auf seine Stücke - entweder durch Zitate oder durch das Aufgreifen des Grundmotivs - anspielen.

Mit so wenig Hintergrundwissen fand ich es sehr angenehm, die wenigen Fakten, die man über Shakespeare weiß, und die viele Aspekte, die vermutet oder unterstellt werden, eingebettet in einen - natürlich nur groben, aber vollkommen ausreichenden - Einblick in die Zeit und ihre politischen und sozialen Hintergründe, präsentiert zu bekommen. Charlotte Lyne sagt dabei ganz offen, wie wenig Wissen wirklich belegt ist und wie viel nur angenommen werden kann. Trotzdem gelingt es der Autorin, dem Leser ein angenehmes Gefühl von Stimmigkeit zu vermitteln, wenn sie die Fakten mit ihren Rückschlüssen aufgrund von Zeitgeschehen und wiederkehrenden Aussagen aus den verschiedenen Shakespeare-Stücken kombiniert.

Natürlich kann auch sie nicht die Frage klären, ob all diese Stücke tatsächlich aus einer Feder stammten und wie das Leben von William Shakespeare wirklich aussah, und ganz objektiv ist die Autorin in ihrer Begeisterung für den Dichter gewiss auch nicht, aber Charlotte Lyne gibt einem eine gute Vorstellung davon, wie das Leben in der elisabethanischen Zeit für einen Theaterautor war und welche Umstände sein Leben und sein Werk beeinflusst haben (könnten). Und all das wird so unterhaltsam und interessant präsentiert, dass ich in meinen Arbeitspausen gern zu dem Buch gegriffen habe, um wieder ein kleines Stückchen zu lesen und mir Gedanken über Shakespeare und seine Stücke zu machen.

Mittwoch, 12. August 2015

Alexander McCall Smith: Ein Krokodil für Mma Ramotswe

Nachdem mir Neyasha die TV-Serie "Eine Detektivin für Botswana" ans Herz gelegt hatte, die eine Umsetzung von Alexander McCall Smith' Romanen rund um die ungewöhnliche Privatdetektivin Mma Ramotswe ist, dachte ich mir, dass ich erst einmal den ersten Band aus der Bibliothek antesten könnte, bevor ich die 1. (und einzige) Staffel bestelle. Es ist mir übrigens bei den Labels ungewöhnlich schwergefallen mich für "Kriminalroman" zu entscheiden, denn klassische Kriminalgeschichten erzählt dieser Roman nicht. Alexander McCall Smith versammelt in diesem Buch eher viele kurze Episoden rund um Mma Ramotswe, die vom Leben in Botswana und den vielen kleinen und größeren Erlebnissen berichten, bei denen die lebenserfahrene Frau zugunsten ihrer Klienten eingreifen muss.

Zu Beginn fühlte ich mich noch etwas verloren, aber da im zweiten Kapitel schon erzählt wurde, wie aus dem kleinen geliebten Baby Precious Ramotswe die Privatdetektivin Mma Ramotswe wurde (mit sehr berührenden Momenten rund um ihren Daddy) hat sich das schnell gegeben. Ich mochte Mma Ramotswe, sie hat immer ihr Bestes zugunsten des Klienten gegeben und sich immer bemüht dessen Verhalten nicht zu werten. Eine Frau möchte nicht, dass ihr Mann dafür bestraft wird, dass er einen gestohlenen Wagen fährt, kann aber nicht damit leben, dass er sich so gesetzlos verhält? Kein Problem, Mma Ramotswe findet eine Lösung damit dieser Ehemann eine Lektion lernt.

Nicht immer kann sich die ungewöhnliche Detektivin am Ende sicher sein, dass sie die richtige Lösung gefunden hat (zumindest wird das hier und da angedeutet), aber auf jeden Fall können sich ihre Klienten sicher sein, dass sie alles zu ihren Gunsten getan hat, was in ihrer Macht stand - und das sorgt auch dafür, dass letztendlich wieder alles gut wird. Ich mag den teilweise philosophischen Ansatz und die Sicht auf das Leben und die Menschen, die Mma Ramotswe hat. Ebenso wie ich die verschiedenen Fälle mochte, die viel über das Leben in Botswana erzählen und mir deshalb stellenweise angenehm skurril erschienen.

Insgesamt hat mich die episodenhafte Erzählweise nicht gestört, während ich die Geschichten und den Humor in den einzelnen Erzählungen wirklich genossen habe. "Ein Krokodil für Mma Ramotswe" war wirklich nett und die 360 Seiten haben sich wirklich sehr schnell lesen lassen Und da es so unterhaltsam und entspannend war, habe ich gleich den zweiten Band in der Bibliothek vorgemerkt und die Serie auf meinen Merkzettel nach oben geschoben. ;)

Sonntag, 9. August 2015

Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte (Professor Yukawa 1)

"Verdächtige Geliebte" von Keigo Higashino ist mir sowohl bei Natira (die mir den Roman auch geliehen hat), als auch bei Kiya begegnet - und da beiden dieser Krimi gefallen hatte, bin ich auch neugierig geworden. Schon der Anfang der Geschichte hat mir gut gefallen, bei dem man die spätere Mörderin Yasuko kennenlernt und miterleben kann, was sie zu ihrer Tat bewegt hat. Auch ihrem Nachbarn Ishigami begegnet der Leser schon früh und kann schnell erahnen, was ihn dazu bewegt hat, Yasuko beizustehen und für sie die Leiche ihres Opfers zu beseitigen. Bei solch einem Ausgangspunkt ist es selbstverständlich, dass es in diesem Kriminalroman nicht darum geht den Mörder zu überführen, sondern um die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei bzw. ihrem "Berater" Professor Yukawa und Ishigami, der die treibende Kraft hinter der Tatverschleierung ist.

Die gesamte Geschichte wird sehr ruhig erzählt und obwohl man als Leser von Anfang an in die groben Umstände eingeweiht wird, gibt es im Laufe der Handlung noch so einige überraschende Elemente. Ishigami ist ein Lehrer, dem die Mathematik über alles geht, und der kein nennenswertes Privatleben hat. Einzig seine Gefühle für seine Nachbarin Yasuko sorgen dafür, dass er jeden Tag - ganz irrational - einen Umweg zu seiner Arbeit macht, um von ihr sein Bento zu kaufen. Über Yasuko erfährt der Leser schon recht früh deutlich mehr. Sie war zweimal verheiratet, hat eine Tochter und hat lange Zeit als Bardame gearbeitet, um sich und ihr Kind ernähren zu können. Inzwischen arbeitet sie als Verkäuferin und scheint sehr zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Zu ihrem Nachbarn Ishigami hat sie keinen weiteren Kontakt, wenn man von höflichen Grüßen im Treppenhaus absieht.

So stellt man sich als Leser nicht nur von Anfang an die Frage, wie genau Ishigami die Leiche beseitigt hat, sondern auch wie es mit diesen beiden ungleichen Menschen weitergehen wird. Man fragt sich, ob sie trotz des Mordes ihr Leben normal weiterführen können oder ob die Tat und die folgenden Ermittlungen nicht eine einschneidende Veränderung hervorrufen müssen. Auf der "gegnerischen" Seite steht die Polizei und mit ihnen der Physikprofessor Yukawa. Er ist ein ehemaliger Kommilitone von Ishigami und freut sich anfangs vor allem über das unverhoffte Wiedersehen mit dem alten Freund.

Es gibt zu keiner Zeit in diesem Roman große Dramen. Alle wird ganz ruhig und leise erzählt und all die kleinen Szenen, haben dafür gesorgt, dass ich die Geschichte nicht aus der Hand legen wollte. So spannend ich die Frage fand, ob Ishigamis Einmischungen in den Mord aufgedeckt wurden und ob der Mathematiker bei seinen Plänen einen Fehler gemacht hat, so sehr haben mich auch die Momente gefesselt, in denen Yasuko und ihre Tochter versuchen ihr Leben ganz normal weiterzuführen und in denen sie darüber nachdenken, wie weit sie nun ihrem Nachbarn verpflichtet sind. Ich mochte es, wie Keigo Higashino mit kleinen Bemerkungen seinen Figuren Konturen verlieh. Es gibt keine ausführliche Innensicht, alles wird sehr fein und dezent beschrieben, was dafür sorgt, dass man sich selber seine Gedanken über die Charaktere machen muss - und das macht es für mich umso reizvoller. Und während mich sonst häufig die Details einer Auflösung enttäuschen, empfand ich das Ende dieser Geschichte - trotz einer kleinen unnötigen Wendung - als sehr eindringlich.