Dienstag, 3. Mai 2016

SuB-trahiert (3): April

Eigentlich hatte ich mir für den April vorgenommen, dass ich mir mal ein paar Reihenfortsetzungen anschaue, die schon einige Zeit auf meinem SuB ruhen. Doch wie es mit meinen Vorhaben so ist, habe ich zwar hoffnungsvoll mit den Aaronovitch-Titeln angefangen, mich dann aber ablenken lassen. ;)


1. Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho (Peter Grant 2)

"Schwarzer Mond über Soho" hatte ich schon einmal angefangen. Das war kurz nachdem ich das erste Buch von Ben Aaronovitch um den jungen Polizisten Peter Grant gelesen hatte und irgendwie war es der falsche Zeitpunkt für den Roman. Später hatte ich den Titel noch einmal aus dem Regal gezogen und hatte dann das Gefühl, ich könnte mich an zu wenig erinnern, um den zweiten Teil der Peter-Grant-Romane zu lesen. Also habe ich mir in diesem Monat "Die Flüsse von London" noch einmal gelesen und mir direkt im Anschluss "Schwarzer Mond über Soho" vorgenommen. Wenn man beide Romane so direkt hintereinander liest, gibt es die eine oder andere Eigenheit des Protagonisten, die einem schon etwas auf die Nerven geht. Vor allem ist mir sein Verhältnis zu Frauen aufgestoßen, denn ich habe das Gefühl, dass er sie nur in zwei Kategorien einteilt "mächtige/mütterliche Frauen" und "Wie bekomme ich sie ins Bett?" - wobei er sich mit den letzteren auch nicht gerade besondere Mühe gibt, um sein Ziel zu erreichen. Davon abgesehen mag ich all die bizarren und fantastischen Einfälle des Autors, seine Sicht auf London (mitsamt seinen - wenn auch etwas zu gehäuften - spöttischen Bemerkungen) und kann verstehen, warum er nicht widerstehen kann, wenn es darum geht sein gesammeltes skurriles Wissen über die Stadt, ihre Geschichte und ihre Bewohner in die Geschichte einzubauen. Das lässt die eigentlich Handlung zur Nebensache werden, sorgt aber trotzdem für unterhaltsame Lesestunden. Oh, und es gefällt mir, dass Ben Aaronovitch jedem seiner Romane einen Schwerpunkt gibt, auch wenn diese zwischen all den Abschweifungen manchmal etwas verloren gehen. ;)


2. Ben Aaronovitch: Ein Wispern unter Baker Street (Peter Grant 3)

Es wird wirklich Zeit, dass ich endlich Materialien für den Regalbau besorge, denn immer wieder stolpere ich beim Durchsichten (und Verstauen) meiner Buchstapel über Titel, die ich ganz vergessen - und aus irgendeinem Grund nicht in die SuB-Liste eingetragen - hatte. Jetzt macht es auch keinen Sinn mehr diesen Roman nachzutragen. Immerhin bin ich froh, dass ich über ihn gestolpert bin, bevor ich darüber nachgedacht habe, ob ich mir weitere Bücher von dem Autor zulege oder nicht. Auch "Ein Wispern unter Baker Street" hat mich gut unterhalten. Ich mochte all die Informationen rund um den U-Bahn-Bau (und die Kanalisation) und es gefällt mir, das Lesley wieder da ist. Da ich einen Großteil des Buches gelesen habe, während mein Mann im selben Raum war, ist mir aufgefallen, wie viele Stellen es bei Aaronovitch gibt, die amüsant und zitierbar sind, ohne dass man auch nur irgendetwas über die Handlung wissen muss. ;)

Oh, und bevor sich nun jemand fragt, ob ich weitere Bücher von Ben Aaronovitch kaufen werde: Nein, es reicht mir definitiv, wenn ich die Fortsetzungen aus der Bibliothek ausleihen kann, weshalb die nächsten Bände auch schon vorgemerkt sind.


3. Melissa Fairchild: Das Geheimnis des Brückenorakels 2 - Weltenwanderer

Bei "Weltenwanderer" stand ich lange Zeit vor dem Regal und fragte mich, wie dieses Buch da hineingelangt ist. Inzwischen habe ich mir meine alten Notizen durchgesehen und festgestellt, dass ich den ersten Teil der Reihe 2009 gelesen habe - und dass er mir gut gefallen hatte, auch wenn ich so gut wie gar keine Erinnerungen mehr daran habe. Blöderweise ist der Roman in den Tiefen meiner Kistensammlung verschwunden, so dass ich den ersten Band nicht noch einmal lesen konnte, bevor ich die Fortsetzung jetzt vom SuB befreite. Ich vermute, dass mich das auch damals bei Erscheinen des Titels davon abgehalten hat, ihn relativ zeitnah zu lesen. Ohne besonders viel Vorwissen aus dem ersten Band ist "Weltenwanderer" nur ein nettes fantastisches Jugendbuch, das keine besonderen Höhen aufzuweisen hat und bei dem ich mich regelmäßig über das unbedachte Verhalten des Protagonisten geärgert habe. Obwohl ihm bewusst ist, dass Krieg zwischen den beiden Parteien des Feenreichs herrscht, dass die Ambitionen seines "Stiefvaters" auch die Welt der Menschen bedroht und dass er eine Schlüsselfigur in dem Ganzen ist, rennt er ständig ohne Plan von einer Gefahr in die nächste. Eigentlich überlebt er all die Ereignisse nur, weil es immer wieder jemanden gibt, der ihn rausholt - und oft genug stirbt der jeweilige Retter kurz darauf. Die Autorin verwendet ein paar nette Einfälle auf den Weltenbau, aber letztendlich ist die Geschichte nicht so besonders, dass ich das Buch behalten müsste. Ab damit in den Bücherschrank!


4. Celine Kiernan: Schattenpfade Moorehawk-Trilogie 1)

Ich habe keine Ahnung, wie dieses Buch in meinem Regal gelandet ist. Ganz eventuell habe ich den Titel mal irgendwo gewonnen, aber ich bin mir wirklich nicht sicher. So oder so, es wurde Zeit, dass ich den Roman mal in Angriff nehme. Protagonistin ist die fünfzehnjährige Wynter, die fünf Jahre mit ihrem Vater und Meister auf Wanderschaft war und in der Zeit ihre Ausbildung zur Tischlerin gemacht hat. Als sie endlich heimkehrt, findet sie das vertraute Königreich vollkommen verändert vor - und muss sich nun entscheiden, ob sie sich den neuen Bedingungen anpasst oder einen Weg findet, um ihre Freunde und ihren Vater vor den Plänen des Königs zu beschützen. Anfangs fand ich die Geschichte ziemlich verwirrend, denn man bekommt aus Wynters Sicht mit, dass sich einiges verändert hat (es ist verboten mit Geistern und Katzen zu sprechen - letztere wurden sogar auf Anweisung des Königs getötet), der Prinz ist verschwunden und stattdessen versucht der König seinen älteren Bastard Razi als Thronerben einzusetzen. Während Wynter sich große Sorgen um Razi, seinen Freund Christopher und ihren - aufgrund der langen Reise - erkrankten Vater macht, beobachtet sie mit Schrecken, wie sich Rassismus (gegen Muslime) verbreitet, wie in der Bevölkerung die schrecklichsten Gerüchte den Umlauf machen und wie der - früher ungewöhnlich gütige - König jedem in seiner Reichweite seinen Willen aufzwingt. Dabei schreckt der König auch nicht davor zurück frühere menschenrechtliche Errungenschaften seiner Herrschaft zurückzunehmen oder seinen eigenen Sohn zu misshandeln. Da Wynter durch die Ereignisse nur einen sehr kleinen Spielraum hat, bekommt man es als Leser auch nur mit wenigen Protagonisten zu tun - und die wachsen einem zum Großteil schnell ans Herz. Das war es dann auch, was mich am Ende sehr für die Geschichte eingenommen hat. Ich habe gelitten, wenn Razi entgegen all seiner Neigungen grausam und kämpferisch sein muss, ich war verzweifelt, wenn ich vom drastischen Verfall des Vaters las und ich fühlte mich von dem charmanten Christopher um den kleinen Finger gewickelt und hätte gern mehr über ihn erfahren. Und nun stehe ich da und überlege, ob ich es so gut sein lasse oder mir langfristig noch die beiden Fortsetzungen besorge. Noch gibt es einige folierte HC-Ausgaben bei Drittanbietern zu bekommen ...

Sonntag, 1. Mai 2016

Mai-SuB 2016

Der April war definitiv ein guter Lesemonat, auch wenn ich mir eigentlich mehr Zeit für den Garten gewünscht hätte. Aber dafür waren die letzten Wochen definitiv sehr aprilig und das ist doch auch mal schön. *g* Insgesamt habe ich 13 Bücher, 1 Kurzgeschichte, 3 Manga und 1 Comic gelesen und habe mich dabei gut unterhalten gefühlt. (Und trotz der ausgefallenen Gartenstunden habe ich keine Ahnung, wo ich die Zeit dafür hergenommen habe. *g*)

Für den Mai habe ich mir vorgenommen, dass ich endlich "Verwüstung" beende - so lange sitze ich an dem Buch zwar noch nicht, aber ich möchte den dicken Schinken ungern noch einmal verlängern. Dafür nimmt er einfach zu viel Platz auf meinem Wohnzimmertisch ein. ;) Ansonsten versuche ich - mal wieder - ein paar Leihgaben zu lesen, bevor die Besitzerin (hoffentlich) Ende des Monats vorbeischaut. Es ist ja immer schön, wenn wir den Rücktransport per Post (und die häufig damit verbundenen neuen Macken an Büchern und DVD-Boxen) vermeiden können.


Deutscher SuB:
  1. Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
  2. Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
  3. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
  4. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht
  5. Brom: Krampus
  6. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  7. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  8. Jim C. Hines: Die Buchmagier - Angriff der Verschlinger
  9. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  10. Tove Jansson: Winter im Mumintal
  11. Tove Jansson: Geschichten aus dem Mumintal
  12. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  13. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  14. Bernd Perplies: Magierdämmerung - In den Abgrund
  15. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  16. Silvia Roth: Querschläger
  17. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  18. Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
  19. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  20. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  21. Charles den Tex: Die Zelle
  22. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  23. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  24. Xinran: Gerettete Wort
  25. Xinran: Wolkentöchter
  26. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

26 Titel auf dem SuB


Englischer SuB:
  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents - A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk - A Memoir by Lady Trent
  4. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  5. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  6. D. B. Jackson: Thieve's Quarry (Thieftaker #2)
  7. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  8. Lynn Kurland: Star of the Morning
  9. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  10. Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
  11. Cindy Pon: Serpentine
  12. Philip Reeve: Larklight
  13. A.C.H. Smith: Jim Henson's The Dark Crystal
  14. Rob Thomas: Veronica Mars - The Thousand Dollar Tan Line
  15. Holly Webb: Emily Feather and the Chest of Charms (Emily Feather #3)
  16. Holly Webb: Emily Feather and the Starlit Staircase (Emily Feather #4)
  17. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

17 Titel auf dem englischen SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Donnerstag, 28. April 2016

Dies und Das (4): Standorttreu

Bei unserem Lese- und Handarbeitstag war ich fasziniert davon, wie viele Leute an dem Sonntag Ausflüge geplant hatten (die dann dem Wetter zum Opfer fielen). Das hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wann ich das letzte Mal einen Ausflug gemacht habe ... und ganz ehrlich, ich kann mich nicht erinnern. Ich verreise ab und an für ein längeres Wochenende, aber selbst da komme ich nicht mal auf ein Wochenende pro Jahr. Außerdem gibt es immer wieder Momente, in denen mein Mann und ich im Regionalfernsehen etwas sehen und zueinander sagen, dass das doch ein schönes Ausflugsziel wäre. Aber in die Tat setzen wir solche Überlegungen irgendwie nie um.

Genau genommen verlasse ich unsere Viertel im Alltag eigentlich nur, wenn ich zum Tierarzt, zum Baumarkt oder zur Buchhandlung fahre, wobei die Buchhandlung auch per Fahrradkurier liefert, oder mein Lieblingscafé besuchen will. Dabei finde ich unsere Viertel gar nicht so besonders schön. Ich mag nur nicht mit dem Auto durch die Stadt fahren und genauso wenig mag ich relativ viel Geld für Bus- und Bahnfahrkarten ausgeben. Und auch wenn mir manchmal die Decke auf den Kopf fällt, so bin ich gern zuhause. Ich mag es, von meinem heimischen Schreibtisch (oder Sofa :D) zu arbeiten, ich mag es, dass die Katzen die ganze Zeit in meiner Nähe sind, und ich mag die vertraute Geräuschkulisse (auch wenn dazu die lauten Nachbarn gehören).

Am Ende meiner Überlegungen ging mir das Wort "standorttreu" nicht mehr aus dem Kopf. "Standorttreu" wird eigentlich für Pflanzen und Tiere verwendet und wenn ich mir so die verschiedenen Informationen zu den Bewegungsradien der unterschiedlichen Tierarten anschaue, dann komme ich zu dem Schluss, dass diese Winterkatze wohl eher eine Stadttaube ist ... ;)

Dienstag, 26. April 2016

Seanan McGuire: Every Heart A Doorway

Nachdem ich "Every Heart A Doorway" von Seanan McGuire am Sonntag gelesen hatte, brauchte ich etwas Zeit, um die Geschichte sacken zu lassen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sehr sich die verschiedenen Romane der Autorin voneinander unterscheiden und während "Sparrow Hill Road" für mich eine großartige Mischung aus ungewöhnlichem Weltenbau (all diese Ideen rund um die Highways und um die Aufgabe, die Rose nach ihrem Tod übernommen hat) und sehr, sehr emotionalen Momenten war, hat "Every Heart A Doorway" weniger meine Gefühle als meine Vorstellungskraft angesprochen. Vielleicht lag das an der Protagonistin Nancy, die relativ distanziert mit all dem Erlebten umgeht, da in "ihrer" Welt jede extreme Reaktion ebenso verpönt war wie eine schnelle oder unbedachte Bewegung. Oder es lag an dem geringen Umfang der Geschichte, der dafür sorgte, dass sich der Schwerpunkt mehr auf die Informationen rund um die Türen zu anderen Welten konzentrierte, als auf die verschiedenen Figuren und ihre Entwicklung.

Auf jeden Fall hat es mir großen Spaß gemacht Nancy in "Eleanor West's Home For Wayward Children" zu begleiten. Das Mädchen hatte eines Tages im Keller ihrer Eltern eine Tür gefunden, die in die Hallen des Todes führten. Dort hat sie viele Jahre verbracht, bis der Herr des Todes sie eines Tages aufforderte in ihre alte Welt zurückzukehren und erst wiederzukommen, wenn sie sich vollkommen sicher ist, dass sie den Rest ihres Lebens in seiner Welt verbringen will. Für Nancy hat sich die Frage nie gestellt, erst in der Stille und Ruhe in dieser geisterhaften neuen Welt hat sie sich wirklich zuhause gefühlt. Nach ihrem Aufenthalt dort ist es für sie unmöglich wieder zu dem Mädchen zu werden, von dem ihre Eltern sich wünschen, dass sie es wäre. Erst in Eleanor Wests Institution muss sie nicht mehr vorgeben jemand anderer zu sein als sie ist. Sie kann (relativ) frei von ihrer Welt erzählen und trifft auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie sie gemacht haben.

Dabei ist ihr neues Heim auch nicht perfekt. Sehr viele ihrer Mitbewohner waren in Welten, die laut und bunt und fröhlich sind, und haben kein Verständnis für den Reiz, den die Hallen des Todes auf Nancy ausgeübt haben. Immerhin freundet sie sich schon in den ersten Tagen - dank ihrer Zimmernachbarin Sumi - mit Kade, Jill und Jack an. Als es dann zu mehreren Morden in "Eleanor West's Home For Wayward Children" kommt, werden natürlich als erstes diejenigen, die in unheimlichen Welten ihre ZUflucht fanden, verdächtigt. So beginnt für Nancy eine Zeit, in der sie auf der einen Seite bemüht ist, ihre Unschuld zu beweisen und es ihr auf der anderen Seite wichtig ist, dass die Toten mit dem angemessenen Respekt behandelt werden.

Obwohl die Tatsache, dass jemand in dieser ungewöhnlichen Institution zum Mörder geworden ist, das Grundgerüst der Handlung bildet, dreht sich "Every Heart A Doorway" vor allem um die verschiedenen Welten, um die Türen in diese Welten und um den Grund, warum manche Kinder einen Weg in eine andere Welt finden. Neben all diesen Ideen und Theorien über die verschiedenen Welten, nutzt Seanan McGuire ihre Geschichte auch, um über Gender Identity, Vorurteile und die verschiedenen Arten des "Zuhausefühlens" zu schreiben. Jede Person in Eleanor Wests Institution war anscheinend auf der Suche nach einem Ort, in dem sie sie selbst sein kann, ohne sich den Vorstellungen anderer anpassen zu müssen. Und während einige in ihren Welten ihren Platz und ihr Glück gefunden haben, konnten andere Welten nicht mit den Kindern umgehen, die sie besucht haben.

Ich mochte beim Lesen die vielen verschiedenen Ideen und Aussagen zu den einzelnen Welten so sehr. Auch fand ich Nancy. Sumi, Kade, Jill und Jack sehr sympathisch und habe gern meine Zeit mit ihnen verbracht. Spannend fand ich auch die Sicht, die die verschiedenen Figuren auf ihre jeweilige Welt hatten, ebenso wie ihre Versuche eine Erklärung dafür zu finden, dass die Welt, in der sie ein Zuhause gefunden hatten, sie anscheinend verstoßen hat. "Every Heart A Doorway" ist definitiv nicht die berührenste Geschichte, die ich je von Seanan McGuire gelesen habe, aber es ist eine der Geschichten, die einem beim Lesen viele Denkanstöße geben, neue Ideen in einem keimen lassen und eine andere Perspektive auf vertraute Erzählungen wirft. Ich hoffe sehr, dass die Autorin die (bislang zwei) geplanten Romane, die diese Grundidee und einige der vertrauten Figuren aufgreifen werden, auch noch verwirklichen kann, damit ich noch mehr über die verschiedenen Welten und die ihnen innenwohnende Logik erfahren kann.

Sonntag, 24. April 2016

Lese- und Handarbeitssonntag

Wie schon vor einigen Wochen angekündigt, gibt es heute bei Mila und mir einen "Lese- und Handarbeitssonntag". Dass das Handarbeiten genauso zu meinem Leben gehört wie das Lesen, konntet ihr ja schon hin und wieder mitbekommen - auch wenn ich zugeben muss, dass meine Handarbeitsprojekte deutlich weniger abwechslungsreich sind als meine Lektüre. ;) Mit Milas Kreativität könnte ich eh nicht mithalten und so bekommt ihr auch heute einfach nur meine ganz normalen "praktischen" Alltagsprojekte zu sehen, auch weil ich da endlich mal wieder etwas beenden (oder zumindest ein Stückchen weiterkommen) möchte.


Da ich mir vor in der Nacht von Freitag auf Samstag im Schlaf einen Rückennerv eingeklemmt habe, bin ich heute deutlich früher wach als beabsichtigt und starte deshalb schon jetzt in den "Lese- und Handarbeitstag". Wer im Laufe des Tages mitmachen und über das aktuelle Projekt oder Buch schreiben mag, der kann sich bei Milas heutigem Post oder hier bei mir in den Kommentaren melden. Am Ende des Beitrags gibt es dann die Links derjenigen, die heute mitmachen. Ich wünsche uns allen schon einmal viel Spaß!


Bei mir geht es heute los mit einer schmusebereiten Christie (immer noch so selten, dass es erwähnenswert ist), einem Milchkaffee zum Wachwerden und einem Buch, auf das ich mich schon seit Wochen freue. "Every Heart A Doorway" ist von Seanan McGuire, eine der wenigen Autorinnen, deren Bücher von mir sogar vorbestellt werden, und dreht sich um die Kinder/Jugendlichen, die nach einer Reise in eine andere Welt zurückkommen und wieder in unserer Realität zurechtkommen müssen. Ich muss gestehen, ich habe mir bislang nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl für Dorothy nach ihrem Aufenthalt im fantastischen Oz war wieder in Kansas leben zu müssen oder ob Alice das Wunderland nach ihrer Rückkehr vielleicht vermisst hat. Auf jeden Fall erwarte ich von Seanan McGuire eine ungewöhnliche, berührende und unterhaltsame Sicht auf diesen Aspekt fantastischer und märchenhafter Geschichten!


Update 9:30 Uhr

Oh, ich mag die Geschichte! "Every Heart A Doorway" beginnt mit der Ankunft von Nancy in "Eleanor West's Home For Wayward Children (No Solicitation, No Visitors, No Quests)", wo Eleanor, die selber als Kind mehrfach in ein "Nonsense"-Land reiste, sich um diejenigen kümmert, die von ihrem Aufenthalt in einer fantastischen Welt zurückgekehrt sind und nun keinen größeren Wunsch haben als noch einmal zurückkehren zu dürfen. Nancy zum Beispiel ist durch eine plötzlich auftauchende Tür im Keller ihres Elternhauses in "the Hall of the Dead" geraten, wo sie sich jahrelang in der Kunst der Stille geübt hat und wo ihr erster Tanz mit dem Lord of the Dead dazu geführt hat, dass ihre schwarzen Haare sich schneeweiß verfärbten.

Ich habe schon Nancys Mitbewohnerin Sumi und einen weiteren Bewohner des Heims, Kade, kennengelernt und erfahren, dass die Türen in andere Welten keine Einbahnstraßen sind, sondern dass auch immer mal wieder Besucher aus fantastischen Welten in unserer Realität landen. Außerdem mag ich es, wie Seanan McGuire schon auf den ersten Seiten ganz selbstverständlich über Genderidentity schreibt, während sich die Mädchen besser kennenlernen. Ich gehe mal davon aus, dass es einfacher ist, sich vorurteilsfrei mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man sich schon mal an eine Welt anpassen musste, die sich vollkommen von der unseren unterscheidet. ;)

Jetzt lege ich aber erst einmal eine Lesepause ein und verbringe etwas Zeit in der Küche, um das heutige Abendessen (Wirsing-Quiche) so weit wie möglich vorzubereiten (den Hefeteig habe ich vor zwei Stunden schon geknetet und kann ihn jetzt erst einmal in den Kühlschrank packen), ein paar Kekse zu backen und danach mein Frühstück zu machen.


Update 13:00 Uhr


Natürlich habe ich nach dem letzten Update noch ungefähr eine Stunde mit dem Laptop verbracht und Kommentare und Beiträge gelesen und beantwortet, statt gleich in die Küche zu gehen. Inzwischen habe ich es aber auf die Reihe gebracht und Plätzchen gebacken, das Abendessen vorbereitet (inklusive Vanillepudding, den es dann mit dem Rest der Plätzchenfüllung geben wird) und gefrühstückt habe ich inzwischen auch. Dazu habe ich weiter in "Every Heart A Doorway" gelesen und bin ganz berührt davon, wie sehr sich die Bewohner dieses Hauses zurück in ihre Welten sehnen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass dieses Institut auch speziell für diejenigen gedacht ist, die alles tun würden, um in ihre persönliche fantastische Welt zurückkehren zu können, während diejenigen, die ihre ungewöhnliche Reise gern vergessen würden, an einem anderen Ort Zuflucht gefunden haben. Nancy lernt so langsam, nach welchen Regeln die verschiedenen Welten eingeteilt werden (Nonsense, Logic, Wickedness and Virtue), wobei es natürlich Überschneidungen und weitere Unterkategorien gibt. Da ich schon die Hälfte des (leider sehr dünnen) Romans gelesen habe, welches ich jetzt erst einmal zu meinem Häkelzeug.


Aktuell häkel ich einen Putzlappen - und ja, ich weiß, dass sich das seltsam anhört. Mir wurde auch schon vorgeworfen, dass das "dekadent" klingen würde ... Alles fing damit an, dass ich vor einigen Wochen unbedingt mal "tunesisches Häkeln" ausprobieren wollte, weil ich ein Diamantmuster damit gefunden hatte, das mir gut gefiel. Aber ich hatte absolut keine Verwendung für irgendetwas gehäkeltes und einfach nur einen Probelappen wollte ich auch nicht machen. Also habe ich mir überlegt, ich könnte das Probestück aus 100% Baumwolle machen und als Putzlappen in der Küche verwenden. Inzwischen bin ich so begeistert von meinem neuen Putzlappen (nimmt super viel Feuchtigkeit auf, damit lassen sich selbst größere Mengen Mehl problemlos aufwischen - und ebenso problemlos wieder aus dem Lappen spülen - und hübsch ist er auch noch), dass ich mir Nachschub machen will. Der aktuelle Putzlappen wird etwas größer als der erste und mir macht das Häkeln wirklich Spaß, auch wenn ich dabei wirklich merke, wie sehr ich aus der Übung bin, wenn es ums Häkeln geht.

Bevor ich zur Nadel greife und mir dabei von Eva Mattes "Mansfield Park" vorlesen lasse, drehe ich noch eine Runde durchs Internet und schaue wie es euch bislang so ergangen ist!


Update 17:00 Uhr

So eine Runde durchs Internet kann dann schon mal knapp zwei Stunden dauern, wenn man dabei etwas unorganisiert ist. ;) Trotzdem habe ich in den letzten Stunden ein paar weitere Reihen gehäkelt und mich dabei mit "Mansfield Park" von Jane Austen amüsiert. Ich lasse mir Jane Austen immer wieder gern von Eva Mattes vorlesen. Ich mag es, wie die Schauspielerin den verschiedenen Figuren Leben einhaucht und finde auf diese Weise immer wieder neue Aspekte in den vertrauten Geschichten. Dieses Mal hat mich das Hörbuch - genauer gesagt die Figur der Mrs. Norris - darüber nachdenken lassen, welches Verhältnis Jane Austen wohl zu Geistlichen (und ihren Frauen hatte). Zu schade, dass nur so wenig Briefe von Jane Austen ihren Tod überlebt haben, darin hätte man bestimmt den einen oder anderen Hinweise finden können.

Das Handarbeiten findet heute (mal wieder) unter erschwerten Bedingungen statt. Sobald ich hochschaue, habe ich diese Nase vor Augen ...


... und mein linker Arm ist fest unter dem Kater fixiert, was besonders den Farbwechsel bei meinem Putzlappen etwas erschwert ...


... außerdem beschwert sich die Katze, wenn ich mit meinem Häkelzeug zu häufig an ihren Hintern komme, denn damit störe ich nur ihren - in ihren Augen wohlverdienten - Verdauungsschlaf. Ich muss zugeben, dass die beiden hier gerade etwas Narrenfreiheit haben. Baltimore geht es zur Zeit nicht so gut und so darf er eben seinen Dickkopf durchsetzen. Wird es mir zuviel, dann wandere ich eben wieder zurück zum Tisch und habe da zumindest eine Zeitlang meine Ruhe.


Zu den heute Vormittag gebackenen Plätzchen - genauer gesagt sehr leckeren "Cuor de mela" - habe ich wieder ein paar Seiten in meinem Buch gelesen. Ich finde die ganzen Details rund um die verschiedenen Welten und die Türen dahin sehr spannend, ich finde es traurig, dass es einen Todesfall in Miss Wests Institution gab, und bin sehr neugierig, welche weiteren Folgen dies für die Bewohner dieses Hauses noch haben wird.

Doch bevor ich wieder zu "Every Heart A Doorway" (oder meinem Häkelzeug) greife, drehe ich wieder eine Runde durch die teilnehmenden Blogs. :)


Update 22:30 Uhr

Es ist schon sehr, sehr cool zu sehen, was ihr alle den Tag über so gemacht habt. Gerade die ganzen Färbearbeiten haben es mir angetan - egal, ob mit Stoff oder Papier. :) Seit dem letzten Update habe ich noch ein paar Seiten in meinem Buch gelesen und dann das Abendessen fertig gemacht. Natira hat mich vor einiger Zeit auf die Idee gebracht doch mal wieder eine Quiche zu kochen - und seitdem mache ich fast jede Woche eine. Heute gab es eine Wirsing-Quiche (wieder mit meinem Pizzateig als Basis, darauf grob geschnittener Wirsing plus ein paar "Deko-Möhren, eine Royal und etwas geriebener Käse), die sehr lecker war!


Nach dem Essen habe ich dann das Häkelzeug gegen das Strickzeug gewechselt, denn es stand eine weitere Columbo-Folge an und im Gegensatz zum Häkeln muss ich beim Stricken nicht schauen was ich tue. Seitdem wir die komplette Serie geliehen bekommen haben, haben wir alle anderen Serien pausiert (und ich will lieber nicht darüber nachdenken, wie viele wir zu dem Zeitpunkt parallel geschaut haben) und uns auf den zerknautschten Inspektor und seine "one more thing"-Ermittlungsmethode konzentriert. Heute gab es "Negative Reaction", eine Folge der vierten Staffel, in der Dick van Dyke mitspielt - natürlich als Mörder. Die Folge war nicht die beste Columbo-Folge, aber es gab ein paar wirklich schöne Momente und mein aktueller Sockeschaft ist kräftig gewachsen. Faszinierend, wie viel schneller ich beim Stricken  als beim Häkeln bin ...


Jetzt lese ich noch "Every Heart A Doorway" aus und vor dem Schlafengehen werde ich vermutlich noch eine Runde drehen, um zu schauen, ob es noch ein paar abendlichen Updates gab. Ich habe den Tag sehr genossen! Es war schön, dass ihr alle uns einen Einblick in euren Lese- und Handarbeitssonntag gewährt und so viel kommentiert habt. Ich hoffe, ihr hattet viel Freude dabei! :)

Nachtrag (23:30 Uhr)

Inzwischen habe ich "Every Heart A Doorway" beendet und muss die Geschichte noch etwas sacken lassen. Vermutlich werde ich heute Nacht auch sehr interessante Träume davon haben. *g* Mit etwas Glück gibt es die Rezension am Dienstag. Jetzt noch eine letzte Blogrunde und dann geht es ab ins Bett! Gute Nacht!

***

Heutige Mitstreiter:

Mila
Sayuri (die gestern schon mal vorgelegt hat, weil sie heute keine Zeit hat)
Neyasha
Nicole/Frau Frieda
Jahreszeitenbriefe
buntistschön
Olive Knitting
Jans Schwester
Lebensknäuel
roetsch
BücherFähe (Mein Buchsalon)
Frau Zuckerrübchen
Lilamalerie
Frau Jule
mano's welt

Freitag, 22. April 2016

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax, Innocent Tourist (Hörbuch)

Nachdem ich im März mein letztes "Mrs. Pollifax"-Hörbuch gehört habe, wird es Zeit endlich etwas darüber zu schreiben und sei es nur, damit ich alle erhältlichen Hörbücher der Reihe auf meinem Blog besprochen habe. ;) Bis zur Mitte der Geschichte von "Mrs. Pollifax, Innocent Tourist" von Dorothy Gilman war ich fest überzeugt, ich würde diesen Teil noch nicht kennen - und dann tauchte ein junges Mädchen mit weißen Cowboystiefeln auf, an das ich mich überraschenderweise vage erinnern konnte. Ich weiß nicht, wann ich das Buch gelesen habe, aber ich muss es vor vielen Jahren irgendwo ausgeliehen haben, denn ich habe es nicht in meinem Besitz. Es fühlte sich aber beim Hören an, als ob ich eine ganz neue Geschichte entdecken würde, denn es gab nur wenige Momente, die mir vertraut vorkamen.

In "Mrs. Pollifax, Innocent Tourist" bittet John Sebastian Farrell Mrs. Pollifax ihn bei einer Reise nach Jordanien zu begleiten. Es ist kein Auftrag für die CIA, die ganze Angelegenheit ist nicht mal gefährlich, es geht nur darum an einem vereinbarten Treffpunkt das letzte Manuskript eines in irakischer Gefangenschaft verstorbenen Schriftstellers in Empfang zu nehmen und in die USA zu bringen. Dass Farrell Mrs. Pollifax dabei haben möchte. hängt vor allem damit zusammen, dass ein alleinreisender Amerikaner definitiv mehr Aufmerksamkeit erregt als jemand, der gemeinsam mit einer harmlos aussehenden und sympathischen älteren Dame unterwegs ist.

Doch natürlich wäre das Ganze keine "Mrs. Pollifax"-Geschichte, wenn es so einfach laufen würde wie geplant. Schon auf dem Flug nach Jordanien macht Emily Pollifax die Bekanntschaft eines etwas ausdringlichen Herren, der ihr unbedingt ein Reisesouvenir verkaufen will. Im Hotel in Amman angekommen, muss Mrs. Pollifax feststellen, dass der unangenehme Sitznachbar ihr das betreffende Stück heimlich ins Handgepäck geschmuggelt hat - und kurz darauf wird ihr Hotelzimmer von Unbekannten durchsucht. Auch mit Farrells Vorhaben läuft nicht alles glatt. Vormittag für Vormittag wartet der ehemalige CIA-Agent auf seinen Kontaktmann in der alten Kreuzritterburg von Kerak. Doch obwohl regelmäßig Besucher die Sehenswürdigkeit besichtigen, kommt niemand auf ihn zu.

Auch wenn mir Dorothy Gilmans Art eine Geschichte aufzubauen inzwischen sehr vertraut ist, finde ich es immer wieder schön, wenn aus Emily Pollifax kleinen harmlosen Auftragen eine viel größere Angelegenheit wird, die die Profis - sowohl bei der CIA, als auch im jeweiligen Land - an ihre Grenzen bringt. Gerade Mrs. Pollifax' Unprofessionalität und ihre Neigung spontan Freundschaften zu schließen, bringen immer wieder erfrischende Wendungen in die Handlung. So kann man hier ganz wunderbar verfolgen, wie die beiden Amerikaner ihren jungen Reiseführer Youssef und seine Familie immer besser kennenlernen und - trotz ihres seltsamen Verhaltens - im Laufe der Zeit sein Vertrauen gewinnen.

Ich mag es auch immer wieder, wie Dorothy Gilman den Nahen Osten beschreibt, wie hingerissen Mrs. Pollifax von der Wüste ist, wie stolz die alte Dame ist, dass sie mit den Beduinen im Schneidersitz sitzen kann und wie tief sie ein Sonnenaufgang über dieser kargen Landschaft bewegt. Diese Momente bereiten mir mindestens ebenso viel Freude wie all die humorvollen kleinen Szenen, in denen die "Bösen" in der Geschichte zum Beispiel entdecken müssen, dass die harmlose alte Touristin, die sie sich für ihre Schandtaten ausgesucht haben, eine große Herausforderung bietet als erwartet.

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis ich alle "Mrs. Pollifax"-Hörbücher gehört hatte und ich habe sehr viele schöne Stunden mit dieser ganz besonderen Agentin verbracht. Es ist sehr schade, dass ich nun kein weiteres Hörbuch mehr für mich entdecken kann, aber ich bin mir sicher, dass ich noch sehr oft Zeit mit Mrs. Pollifax verbringen werden. Diese Figur ist mir schon vor so vielen Jahren ans Herz gewachsen und die Sprecherin Barbara Rosenblat erweckt sie - und all die anderen Charaktere in den verschiedenen Geschichten - so wunderbar zum Leben, dass mich schon jetzt auf den Tag freue, an dem ich Mrs. Pollifax wiederbegegne, während sie an der Kante ihres Flachdachs steht und eine gravierende Entscheidung für ihr Leben trifft ...

Mittwoch, 20. April 2016

Tove Jansson: The Summer Book

Anfang März gab es "The Summer Book" von Tove Jansson sehr günstig als eBook und da ich schon eine Weile neugierig auf Werke der Autorin bin, die sich nicht um die Mumins drehen, habe ich zugeschlagen. In den letzten Tagen habe ich dann nach und nach die Kapitel gelesen, während ich passenderweise in meiner Nachmittagspause in der Sonne lag - was perfekt zu den kleinen Geschehnissen in dem Buch passt. "The Summer Book" spielt auf einer winzigen Insel im finnischen Golf, auf der die kleine Sophia mit ihrem Vater und ihrer Großmutter die Sommermonate verbringt. Dabei bekommt der Leser von der Autorin keine durchgehende Geschichte erzählt, sondern kleine Begebenheiten und Alltäglichkeiten des Insellebens. Die beschriebenen Ereignisse finden auch nicht alle in dem selben Sommer statt, werden aber vom Frühsommer bis zum Herbst erzählt, so dass man einen guten Einblick in den Verlauf eines Inselsommers bekommt.

The Summer Book" wurde von Tove Jansson geschrieben, um den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten. So trägt die Großmutter in dem Roman, wenn ich dem Vorwort von Esther Freud glauben darf, Züge von Tove Janssons Mutter angelehnt, während die Enkelin Sophia wohl ebenso an Tove Jansson wie auch an ihre Nichte Sophia angelehnt wurde. Auch die beschriebene Insel lässt sich in Tove Janssons Leben wiederfinden, denn auch sie hat viele Jahre den Sommer auf einer winzigen Insel verbracht und dort in einem Häuschen gelebt, das sie gemeinsam mit ihrem Bruder gebaut hatte. Auch ohne diese biografischen Bezüge finde ich "The Summer Book" überaus lesenswert, wenn man als Leser damit leben kann, dass nichts Großes in dem Buch passiert.

Sophia und ihre Großmutter verbringen viel Zeit miteinander und beschäftigen sich mit den vielen kleinen Dingen, die ihnen die Insel bietet. Mal beschreibt Tove Jansson wie die beiden nach Treibgut suchen, dann wieder denken sie sich Geschichten zu den verschiedenen Dingen aus oder machen einen Ausflug auf eine andere Insel. So erlebt man wie die Insel im Frühling aus dem Winterschlaf erwacht, wie die Vögel balzen, wie die vielen kleinen Pflanzen wachsen und blühen, aber auch wie die drei Bewohner im Laufe des Sommers einander etwas überdrüssig werden, wie die neuen Nachbarn dafür sorgen, dass der seit Jahrzehnten gleiche Blick aufs Meer auf einmal durch ein kastenartiges Haus gestört wird oder wie ein Sommersturm auf die drei unterschiedlichen Menschen wirkt.

Ich mochte dieses ruhige Leben, das von keiner Uhr diktiert wird und in dem jeder zu machen scheint, wonach ihm gerade der Sinn steht. Ich habe mir beim Lesen gewünscht, ich würde mit der Großmutter an einer geschützten Stelle liegen und ein Nickerchen machen, während ihre Enkelin einen Pfad durch einen Wald schlägt, oder ich würde in der Nacht aufwachen und im Nachthemd zum Meer gehen können, um über das Wasser zu schauen. Auch fand ich es sehr schön zu lesen wie Sophia und ihre Großmutter über das Leben und das Sterben redeten. Sie haben sich Geschichten ausgedacht - zum Beispiel wie ein Engel wohl das Geschlecht eines anderen Engels herausfindet, wenn sie doch alle die gleichen Hemden tragen -, aber bei allem Humor wird doch deutlich, dass das Thema besonders für Sophia, deren Mutter früh gestorben ist, nicht einfach ist.

Mir sind diese beiden Personen (der Vater wird eigentlich nicht näher beschrieben und bleibt eher im Hintergrund) sehr ans Herz gewachsen. Sophia ist manchmal dickköpfig und mal ängstlich, sie kann schmollen und trotzen und sie ist voller Fantasie und Energie und genießt die Freiheit, die ihr der Sommer auf der Insel bietet. Ihre Großmutter ist ebenfalls voller Ecken und Kanten, voller Geschichten und Spinnereien, und während sie sich an manchen Tagen unheimlich viel Mühe mit dem Kind gibt, will sie an anderen Tagen nur ihre Ruhe und macht das auch deutlich. Ich mochte wie realistisch diese beiden beschrieben wurden und mir hat es gefallen, wie die beiden aufeinander aufpassen. "The Summer Book" hat eigentlich nichts mit den Mumins zu tun und doch habe ich die ganz besondere Atmosphäre der Mumin-Bücher, die gleiche Liebe zur Natur und diese Bereitschaft eine Person ihre Ideen und Vorhaben ausleben zu lassen auch in dieser Veröffentlichung von Tove Jansson wiedergefunden.