Sonntag, 26. Juni 2016

Neuzugänge - 1. Halbjahr 2016


Obwohl ich ja gern meine Neuzugänge auch in dem jeweiligen Monat auf dem Blog veröffentliche, um eine "zeitnahe Statistik" zu haben, hat es sich in den vergangenen Monaten einfach nicht gelohnt, für die wenigen Titel bei meinem üblichen Rhythmus zu bleiben. Also gibt es für das erste Halbjahr 2016 (minus dem Januar) einen Sammelbeitrag.



Februar:

1. Julie Campbell: Trixie Belden 5 - The Mystery of Glen Road

Das Buch hatte ich schon im Juli 2015 bestellt und war sehr glücklich, dass es noch gekommen ist. Angesichts der Mondpreise, die zur Zeit für die ersten Teile der gebundene Neuauflage der Trixie-Belden-Romane verlangt werden, war das wohl der letzte Band, den ich mir gekauft habe. Sehr schade, denn ich habe es wirklich genossen, die Originalgeschichte entdecken zu können.

März:

2. Jim Butcher: Windjäger
3. Seanan McGuire: Chaos Choreography (InCrypted #5)

Zwei Neuerscheinungen von Autoren, die ich inzwischen ohne nachzudenken kaufe, weil sie mich bislang nicht enttäuscht haben. "Windjäger" fand ich zwar nicht ganz so gut wie die anderen beiden Reihen von Jim Butcher, aber trotzdem unterhaltsam und reizvoll genug, um die Reihe weiter zu verfolgen.

April:

4. Seanan McGuire: Every Heart A Doorway

Noch ein Seanan-McGuire-Titel. Seitdem die Autorin Vollzeit schreibt und keinen Brotjob mehr hat, ist ihre Veröffentlichungsrate so hoch, dass sie die Hälfte meines Buchetats einnimmt. Dummerweise mag ich ihre Bücher so gern, dass ich die Titel auch so zeitnah wie möglich haben möchte. (Was bedeutet, dass ich natürlich auch ihren neuesten Titel - veröffentlicht als "Mira Grant" - vorbestellt habe ...)

Mai:

5. Deborah Blake: Wickedly Wonderful (Baba Yaga #2)
6. Deborah Blake: Wickedly Powerful (Baba Yaga #3)
7. Holly Webb: Emily Feather and the Starlit Staircase (Emily Feather #4)

Der Mai brachte einen 10-Euro-Gutschein (ein Gewinn bei Neyasha - noch einmal vielen Dank!) und somit die Möglichkeit, meine "Reihenvervollständigungsliste" weiter anzugehen. Weil ich Lust auf leichte Lektüre hatte, habe ich mich für die beiden Fortsetzungen der Baba-Yaga-Trilogie und die beiden fehlenden Emily-Feather-Bände entschieden. Damit hätte ich theoretisch beide Reihen abgeschlossen gehabt, aber dummerweise ist der zweite Emily-Feather-Band seit Mai nicht mehr lieferbar. Laut meiner Buchhandlung wird der Titel zur Zeit vom Verlag nachgedruckt - ich hoffe sehr, dass ich ihn (bald) in den Händen halten kann (und dass der Nachdruck optisch nicht verändert wurde).

Juni:

8. Kate Griffin: The Madness of Angels (Matthew Swift #1)

Der erste Band der "Matthew Swift"-Reihe und eine Folge des unten beschriebenen Kaufrauschs. Ich freu mich sehr, dass mir die Buchhandlung - obwohl ich jede Ausgabe genommen hätte - die Variante besorgt hat, die zu meinen schon vorhandenen Romanen aus der Reihe passt.



Mit dem Gutschein kam auch noch dieses unglaublich tolle Lesezeichen, das Neyasha selber geknüpft hat. Ich mag diese keltischen Muster sehr gern und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie lange Neyasha an diesem Lesezeichen gearbeitet hat. Leider habe ich die Farben mit der Kamera nicht so gut einfangen können, aber ein wenig könnt ihr bestimmt erahnen, wie fein die Orange- und Rottöne abgestimmt sind. Es ist wirklich schön! :)


***

Wie ihr sehen könnt, waren meine Neuzugänge im ersten Halbjahr eigentlich ziemlich übersichtlich. Das hat meinem SuB definitiv gut getan, aber es hat sich auch komisch angefühlt, dass nur so wenig Bücher bei mir neu eingezogen sind. So war es wohl nicht verwunderlich, dass ich Ende Mai dann einem Wühltisch-Kaufrausch verfallen bin. Zum Glück kann ich die Schuld auf Natira schieben, die - als sie uns besuchte - unbedingt bei meiner Lieblingsbuchhandlung vorbeischauen wollte, und auf meinen Mann, der mir ebenso wie Natira ständig Bücher unter die Nase hielt und frage, ob das nicht was für mich wäre. So hatte ich innerhalb kürzester Zeit folgende Titel eingesackt (und mich dann ganz still in eine Ecke gesetzt und die Umgebung ignoriert, bis Natira mit ihren Einkäufen fertig war):


9. Agatha Christie; Curtain

Immerhin wollte ich eh so langsam meine (komplette) deutsche Agatha-Christie-Sammlung durch die Orignalausgaben ergänzen.

10. Alex Grecian: The Harvest Man (Scotland Yard's Murder Squad #4)

Mal wieder ein Versuch mit einem historischen Kriminalroman. So ganz kann ich die Finger von dem Genre nicht lassen, obwohl ich häufig enttäuscht werde. (Was hier zum Glück nicht der Fall war - und somit ist die "Reihenvervollständigungsliste" wieder gewachsen. Ob ich Natira und meinen Mann dazu bringen kann, mir die fehlenden Teile zu kaufen? ;) )

11. Kate Griffin; The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
12. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
13. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
14. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
15. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)

Ich gebe zu, es war etwas gewagt, gleich fünf Bücher von einer Autorin zu kaufen, die ich noch nicht kenne. Aber die "Magical Anonymous"-Reihe ist die Weiterführung der "Matthew Swift"-Serie und wenn mir die Bücher so gut gefallen wie die Passagen, die ich vor dem Kauf angelesen habe, dann wäre es dumm gewesen, nicht zuzuschlagen. So günstig komme ich nie wieder an so viele zusammengehörige britische Veröffentlichungen auf einmal. Immerhin hatte ich mich vor dem Kauf vergewissert, dass der erste Matthew-Swift-Band noch erhältlich ist, und ich finde es cool, dass ich mal bei einer neuentdeckten Reihe so schnell auf dem aktuellen Stand bin.


So langsam denke ich, dass mein Vater recht hatte, als er beim letzten Telefonat meinte, dass zwischen Weihnachten und Geburtstag einfach zu viele Monate ohne Buchgeschenke liegen ... ;)

Freitag, 24. Juni 2016

Keigo Higashino: Heilige Mörderin (Professor Yukawa 2)

Auch "Heilige Mörderin" von Keigo Higashino war eine Leihgabe von Natira. Der Roman ist im Original der fünfte Band mit Professor Yukawa und der zweite, der ins Deutsche übersetzt wurde. Wie schon bei "Verdächtige Geliebte" weiß man als Leser von Anfang an, wer den Mord an dem Geschäftsmann Yoshitaka Mashiba begangen hat. Die große Frage besteht darin, wie die Tat begangen wurde und ob man es der Mörderin nachweisen kann. Abgesehen von der ersten Szene, in der Ayane Mashiba von ihrem Mann erfährt, dass er sich scheiden lassen will, weil sie bislang nicht schwanger geworden ist, bekommt man keine Einsicht in die Gedanken der Mörderin.

So weiß man als Leser zwar, dass dieser Moment, in dem ihr Mann ihr seinen Entschluss mitteilt, sich von ihr trennen zu wollen, der Auslöser ist, aber weder die Vorgeschichte noch die genauen Hintergründe rund um das Verbrechen sind bekannt. So tappt man wie die Polizei im Dunkeln, wenn es um das wirkliche Motiv für die Tat und die genaue Durchführung des Mordes geht. Die einzigen bekannten Punkte sind die, dass sich Yoshitaka von seiner Frau scheiden lassen wollte, dass er ein Verhältnis mit ihrer Angestellten Hiromi Wakayama hatte und dass er mit Arsensäure vergiftet wurde, während Ayane verreist war.

Obwohl man keine Einsicht in Ayanes Gedanken bekommt, ist einem die Frau nicht unsympathisch. Sie hat anscheinend sehr viel Arbeit in ihre Ehe investiert und das vergangene Jahr über alles dafür getan, dass es ihrem Mann gutgeht. Sie ist die perfekte Gastgeberin, sie sorgt dafür, dass das gemeinsame Heim gemütlich und voll blühender Blumen ist, und sie hat ihren eigenen Beruf - das Führen einer Patchworkschule - so weit hintangestellt, dass nun Hiromi den Unterricht gibt, während Ayane nur noch in ihrem Wohnzimmer an ihren Patchworkarbeiten näht. Auch auf Inspektor Kusanagi macht die zurückhaltende Frau großen Eindruck, was seine Untergebene Kaoru Utsumi befürchten lässt, dass er nicht objektiv an die Ermittlungen herangeht.

Diese Befürchtung und die Tatsache, dass die Polizei absolut nicht in der Lage ist herauszufinden, wie dem Ermordeten das Gift verabreicht wurde, führt dazu, dass sich Kaoru Utsumi hinter Inspektor Kusanagis Rücken an Professor Yukawa wendet. Er hat der Polizei schon so oft bei ihren Fällen geholfen und sein wissenschaftlicher und analytischer Verstand lässt ihn eine ganz andere Perspektive bezüglich dieses kriminalistischen Problems einnehmen. Dabei weiht der Physiker die Polizisten selten detailliert in seine Überlegungen ein, sondern prüft lieber vor Ort (oder mit der Unterstützung von Speziallabors) seine Hypothesen.

So ensteht die Spannung in "Heilige Mörderin" vor allem aus den zwischenmenschlichen Momenten. Egal, ob es dabei um das Verhältnis zwischen Inspektor Kusanagi und der Verdächtigen geht, um die Zusammenarbeit zwischen dem Inspektor und seiner Untergebenen oder um die Momente, in denen sich Ayane und Hiromi über ihre gemeinsame Arbeit oder den verstorbenen Yoshitaka austauschen. Bei jedem Gespräch, bei jedem Aufeinandertreffen fragt man sich, ob es einen neuen Hinweis geben könnte, der Licht in die ganze Angelegenheit bringen könnte. Dazu kommen noch all die kleinen Momente, die - gerade, weil sie so alltäglich sind - viel über Japan und das Leben der Menschen dort aufzeigen, was ich immer wieder faszinierend finde.

Oh, und nachdem ich ja gerade vor kurzem erst "Böse Absichten" gelesen habe, fand ich es interessant, dass Kaigo Higashino zwar immer sehr, sehr ähnlich an eine Kriminalgeschichte herangeht, dass es ihm aber trotzdem gelingt, jedes Mal eine ganz eigene Atmosphäre zu schaffen, die jedem Roman einen individuellen Touch verleiht. Das hängt nicht nur mit dem jeweiligen Mord zusammen, sondern auch mit den Charakteren, die gerade durch ihre Zurückhaltung und durch die wenigen Informationen, die man über sie erhält, einen großen Eindruck hinterlassen.

Mittwoch, 22. Juni 2016

John G. Hartness: Hard Day's Knight (The Black Knight Chronicles #1)

"Hard Day's Knight" von John G. Hartness ist der zweite Roman aus "Modern Magic - Twelve Tales of Urban Fantasy" - und im Gegensatz zu "Cellar" handelt es sich bei dieser Geschichte wirklich um (humorvolle) Urban Fantasy. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen schon sehr früh an eine Szene aus der Serie "Buffy" denken musste. Da gibt es einen Moment, wo Buffy auf dem Friedhof auf Streife ist und ein kürzlich begrabener Typ als Vampir wiederaufersteht und sich als ehemaliger Mitschüler von Buffy herausstellt. Diese Vampir wirkt nett und harmlos und unterhält sich eine ganze Weile mit Buffy, bis er sich daran erinnert, dass es ja sein Job wäre die Vampirjägerin anzugreifen.

Den Teil mit dem Angreifen und dem traditionellen "Bösesein" haben Jimmy, der Protagonist in "Hard Day's Knight", und sein Geschäftspartner Greg, nach ihrer Verwandlung in Vampire einfach gelassen, nachdem sie erst einmal herausgefunden hatten, wie sie Vampire sein konnten, ohne dass Menschen dabei zu Schaden kommen. Stattdessen sind sie immer noch mit ihrem besten Freund aus High-School-Tagen befreundet, obwohl dieser inzwischen katholischer Priester ist. Gemeinsam arbeiten Jimmy und Greg als Detektive und setzen ihre übernatürlichen Fähigkeiten ein, um Personen in Not zu helfen. So sind sie insgesamt eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Vampirleben, auch wenn gewisse Einschränkungen (da ist schließlich immer noch die Sache mit den heiligen Symbolen oder mit der Unfähigkeit eine Schwelle zu übertreten, wenn man nicht eingeladen wird) und die Tatsache, dass sie nach ihrem Tod auch optisch immer noch die gleichen nerdigen Looser sind, die sie schon zu Lebzeiten waren, etwas stören.

Bei ihrem aktuellen Fall wollen die beiden Vampire eigentlich nur einem Schüler helfen, der von einem Mädchen verflucht wurde. Doch dann stellt sich dieser simple "wir machen dem Mädchen Angst, bis sie den Fluch zurücknimmt"-Fall als Teil einer viel größeren Herausforderung heraus und Jimmy und Greg müssen sich mit einem Haufen verschwundener Kinder, Dämonen, einem gefallenen Engel, einer energischen (und natürlich ungemein "heißen") Polizistin, Zombies, einer christlichen Schule und dem drohenden Weltuntergang herumschlagen. Gespickt wird das Ganze mit ein paar netten, wenn auch nicht gerade neuen Einfällen (wie dem Engel im Strip Club), teilweise etwas pubertärem Humor und vielen popkulturellen Anspielungen (von denen sehr viele sich auf "Buffy - sowohl auf den grottenschlechten Film, als auch auf die Serie - beziehen).

Das Ganze hat sich gut lesen lassen und war mit knapp 200 Seiten genau die richtige Lektüre für ein paar entspannende Stunden am Ende einer wirklich anstrengenden Woche. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich nach dem Lesen dieses Romans noch mehr von dem Autor lesen müsste, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt. (Wobei ich mich inzwischen ein bisschen frage, ob ich das Buch vielleicht deshalb so unterhaltsam fand, weil ich als Jugendliche sehr viele Fantasyromane gelesen habe, die von nerdigen männlichen Autoren für ebenso nerdige männliche, jugendliche Leser geschreiben wurden - und diese Geschichte passt genau in dieses Schema.)

Montag, 20. Juni 2016

Karen E. Taylor: Cellar

Ich hatte ja schon in meinem letzten "Dies und Das"-Beitrag angedeutet, dass "Cellar" von Karen E. Taylor" bei mir einen wunden Punkt getroffen hat. "Cellar" ist Teil eines Bundles ("Modern Magic - Twelve Tales of Urban Fantasy"), in dem zwölf verschiedene Romane angeboten wurden. Da das ganze Bundle gerade mal 1,99 Euro kostete, dachte ich, es sei eine gute Gelegenheit für mich, neue Fantasyautoren auszuprobieren. "Cellar" wird aus der Sicht von Laura Wagner erzählt, die erst vor kurzer Zeit nach Woodland Heights gezogen ist. Laura ist frisch geschieden, Mutter von zwei Kindern (die bei ihrem Vater aufwachsen) und Alkoholikerin. Genauer gesagt ist sie alkohol- und valiumsüchtig und zu Beginn der Geschichte hat sie gerade erst in betrunkenem Zustand einen Unfall gebaut, bei dem sie beim Ausparken mit ihrem Auto einen Polizeiwagen angefahren hat. Im folgenden Prozess wird Laura zu einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik verurteilt und muss sich von diesem Zeitpunkt an mit ihrer Sucht auseinandersetzen.

So weit alles ganz normal, wenn auch etwas unschön, doch zu diesen Elementen kommen noch die Stimmen, die Laura immer wieder in ihrem neuen Haus hört, die Albträume, das Schlafwandeln und das unheimliche Gefühl im Keller. Und ich muss zugeben, dass ich gerade in der ersten Hälfte des Buches diesen Keller wirklich gruselig fand. Die Autorin schafft immer wieder atmosphärische Momente, in denen eine Präsenz in Lauras Haus dafür sorgt, dass Laura zu kippen droht, dass sie falsche Entscheidungen trifft oder in Gedankenschleifen festhängt, die ihr nicht guttun. Häufig ist es dann ein Impuls von Außen, der Laura im letzten Moment rettet, aber darauf kann sich der Leser ja nicht verlassen, so dass es ein paar spannende Stellen gibt.

Aus der Perspektive von Mike, der nicht nur der Polizist ist, dessen Auto Laura angefahren hat, sondern der auch im Laufe der Geschichte ein sehr persönliches Interesse an Laura entwickelt, bekommt man zusätzlich noch mit, dass vor fünf Jahren - zu der Zeit, als Lauras Haus noch in Besitz eines alten Ehepaares war und die Neubausiedlung rund um das Haus noch nicht entstanden war - sechs Kinder in der Gegend spurlos verschwanden und nie wieder gefunden wurden. Mike ist von diesem Fall wie besessen und natürlich steht für den Leser von Anfang an fest, dass es eine Verbindung zwischen den verschwundenen Kindern und den Erscheinungen im Haus geben muss.

Ich gebe zu, dass ich bei allem, was in Richtung Horror geht, ein Weichei bin. Und gerade zu Beginn der Geschichte hat mich Karen E. Taylor mit "Cellar" wirklich fertig gemacht. Auf der einen Seite wollte ich zwar wissen, was hinter den verschiedenen Vorkommnissen steckt, auf der anderen Seite hat mir die Vorstellung von einer bösen Präsenz an einem Ort, der doch eigentlich eine sichere Zuflucht sein sollte, unruhige Träume verursacht. Am Ende war die ganze Geschichte gar nicht so schlimm, die Auflösung lag sogar sehr früh auf der Hand und in der zweiten Hälfte kamen mir all die "gruseligen" Momente schon nicht mehr so unheimlich vor (Wiederholung härtet eben ab), aber das ändert nichts daran, dass allein schon die Tatsache, dass meine Vorstellungskraft aufgrund der in dem Buch beschriebenen Ereignisse lauter schaurige Bilder produziert hat, das Lesen für mich stellenweise zu einer Herausforderung gemacht hat.

Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten. Bei einer amerikanischen eBook-Ausgabe des Buches habe ich den Hinweis der Autorin gefunden, dass es eine Neuauflage sei, die um einige Szenen und den Epilog ergänzt worden ist, und ich glaube, dass das die gleiche Version ist, die ich gelesen habe. Ein bisschen habe ich nun das Gefühl, dass die Stellen, die für mich etwas Spannung und Atmosphäre aus der Geschichte genommen haben, nachträglich eingefügt wurden, um die Charaktere weiter auszubauen. Wenn es so war, dann hat es zwar dafür gesorgt, dass ich den Roman relativ problemlos beenden konnte, aber auch dafür, dass ich das Gefühl hatte, die Liebesgeschichte zwischen Laura und Mike bekäme zu viel Raum und das würde zu Lasten der unheimlichen Atmosphäre gehen und die Handlung unnötig in die Länge ziehen. Auch hätte es den Epilog für meinen Geschmack nicht gebraucht - der war mir zu kitschig, zu "Ghost Whisperer"-mäßig, und ohne ihn wäre das Ende runder gewesen.

Jetzt hoffe ich nur, dass die weiteren elf Romane eher in Richtung "Fantasy" statt "Horror" gehen, mir keine unruhigen Nächte bescheren und mich weniger zwiespältig zurück lassen. *g*

Samstag, 18. Juni 2016

Patrica Wentworth: The Black Cabinet

Nachdem ich "Grey Mask" von Patricia Wentworth recht unterhaltsam fand, habe ich mit "The Black Cabinet" einen weiteren Versuch mit der Autorin gewagt. Dieser Roman wird aus der Perspektive von Chloe Dane erzählt, die ursprünglich der höheren Gesellschaft entstammt, aber seit dem Tod ihres Vaters gezwungen ist, ihren Lebensunterhalt als Näherin bei einer Schneiderin zu verdienen. Eigentlich ist Chloe ganz zufrieden mit ihrem Leben, allerdings träumt sie regelmäßig von dem Herrensitz Danesborough, auf dem sie aufgewachsen ist und der inzwischen an einen entfernten Verwandten verkauft wurde. Auch ist sie nicht glücklich darüber, dass ihre Kollegin und Mitbewohnerin demnächst heiraten wird und sie dann allein mit ihrer anspruchsvollen Chefin zurückbleibt.

Doch kurz nach Beginn der Geschichte ändert sich Chloes Leben radikal, als ihr Verwandter Mitchell Dane ihr Danesborough und sein Vermögen hinterlässt und damit den Zugang zu seinem Safe, in dem er eine Menge entlarvende Briefe aufbewahrt, die als Grundlage für diverse Erpressungen dienten. Während Chloe fest entschlossen ist, die Briefe zu vernichten und spätestens nach ihrem 21. Geburtstag, der in zwei Monaten sein wird, auf das Erbe zu verzichten, versuchen die Komplizen des verstorbenen Erpressers alles, um Chloe und den Safe-Inhalt in ihre Hände zu bekommen. Doch nicht nur Chloes Sicherheit ist in Gefahr, sondern auch ihr Herz, denn es gibt gleich zwei Männer, an denen sie Gefallen findet und denen sie im Laufe der Geschichte immer wieder über den Weg läuft.

Ich mochte den Anfang von "The Black Cabinet" (hinter dem titelgebenden "Cabinet" ist übrigens der Safe verborgen) sehr. Chloe schien eine sympathische junge Frau zu sein, die das Beste aus ihrer Situation macht und deren Humor sie immer wieder optimistisch in die Zukunft schauen lässt. Patricia Wentworth lässt sich viel Zeit, um die Protagonistin und ihr Umfeld vorzustellen, und ehrlich gesagt habe ich nach einem Drittel der Geschichte den Roman aus der Hand gelegt, um nachzuschauen, ob ich da wirklich einen Krimi erwischt habe oder doch eher eine Liebesgeschichte. Denn anfangs gibt es - abgesehen von dem mysteriösen Verwandten, der Chloe beobachtet, - keinen Hinweis darauf, dass das Ganze etwas anderes sei als eine ganz gewöhnliche Dreiecksgeschichte, die sich rund um die verarmte Schönheit, den charmanten Martin Fossetter und den zurückhaltenden Michael Foster dreht.

Erst als Chloe schon eine Weile wieder in Danesborough lebt, gibt es seltsame Vorfälle mit dem Sekretär des verstorbenen Mitchell Dane, und es wird immer deutlicher, dass Chloe in Gefahr schweben könnte. Obwohl Patricia Wentworth deutlich macht, dass Chloe ganz allein in einem Haus mit einem Haufen Verbrecher ist, kam für mich keine rechte Spannung bei diesem Roman auf. Chloe macht eine Entdeckung, dann krabbelt sie nachts im Dunkeln rum, dann überlegt sie, wie sie ihr Leben wieder selber in die Hand nehmen könnte, und dann läuft sie weg und läuft weg und läuft weg, während die Bösen hinterherrennen. Dabei schwankt Chloe ständig zwischen Misstrauen (hatte Mitchell ihr doch gesagt, sie dürfe niemandem vertrauen) und dem Bedürfnis, jedem mitfühlenden Zuhörer alles anzuvertrauen. Und wenn sie dann wirklich mal jemandem etwas mitteilt, dann gerade genug, dass es einfach nicht hilfreich ist. So zog sich die Geschichte ganz schön hin und die ganze Bedrohung scheint am Ende einfach so zu verpuffen, ebenso wie sämtliche Missverständnisse, die sich im Laufe der Handlung ergeben haben. Das fand ich wirklich unbefriedigend.

Ich werde trotzdem noch einen Versuch mit den Miss-Silver-Romanen wagen, die ich in der Bibliothek vorgemerkt habe. Denn "Grey Mask" fand ich ja wirklich nett und unterhaltsam, aber "The Black Cabinet" ist in meinen Augen keine Empfehlung für die Autorin, und hätte ich dieses Buch als erstes gelesen, würde ich Patricia Wentwort keine weitere Chance zugestehen.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Keigo Higashino: Böse Absichten (Inspektor Kaga 1)

"Böse Absichten" von Keigo Higashino ist eine Leihgabe von Natira, die mir im vergangenen Jahr auch schon "Verdächtige Geliebte" von dem Autor geliehen hatte. Vom deutschen Verlag wird "Böse Absichten" als erster Band der "Inspektor Kaga"-Reihe bezeichnet, laut Wikipedia ist es nur der erste ins Deutsche übersetzte Teil der Reihe und die vierte Veröffentlichung rund um diesen Inspektor. Auch "Verdächtige Geliebte" war nicht der erste Band rund um den Physikprofessor Yukawa, sondern schon der dritte Roman mit diesem Protagonisten. So etwas finde ich immer wieder sehr nervig, aber ohne besondere Fremdsprachenkenntnisse bin ich nun mal auf die Veröffentlichungspolitik der deutschen Verlage angewiesen - immerhin muss ich zugeben, dass "Verdächtige Geliebte" ebenso wie "Böse Absichten" auch ohne Vorwissen gut zu lesen waren.

Ich bin etwas verhalten an den Roman herangegangen, weil ich "Verdächtige Geliebte" zwar sehr gern gelesen hatte, aber nach den ersten Seiten von "Böse Absichten" befürchtete, dass der Autor sich bei seiner Herangehensweise an die Geschichte zu sehr wiederholen würde. Denn ebenso wie bei "Verdächtige Geliebte" bekommt man bei "Böse Absichten" einen Teil der Handlung von einem Verdächtigen erzählt und erlebt so als Leser die Geschichte gefiltert durch die Sicht eines Beteiligten. Aber es ist Keigo Higashino zum Glück gelungen die Ereignisse rund um den Mord an dem Schriftsteller Kunihiko Hidaka so zu gestalten, dass es für den Leser immer wieder überraschende Wendungen und unerwartete Ereignisse gab.

"Böse Absichten" ist kein klassischer Krimi. Man bekommt als Leser von dem Verdächtigen Osamu Nonoguchi erzählt, wie er eines Abends seinen Freund Kunihiko Hidaka besuchen wollte und das Haus scheinbar leer vorfand. Kurz darauf entdeckt er mit der herbeigerufenen Ehefrau des Schriftstellers den Toten. Da auch Osamu Nonoguchi Schriftsteller ist, ist es ihm ein Bedürfnis dieses erschütternde Erlebnis festzuhalten und so beginnt er detaillierte Aufzeichnungen über den Tag, an dem er den Ermordeten zum letzten Mal gesehen hat, über die nicht eingehaltene Verabredung und die folgenden Begegnungen mit potenziellen Verdächtigen, Betroffenen und der Polizei.

Nonoguchis Aufzeichnungen werden ergänzt durch die Berichte und Notizen des Kommissars. Dabei muss sich Kommissar Kaga während der Ermittlungen nicht nur in die Person des Mörders versetzen und intensive Nachforschungen anstellen, um überhaupt erst einmal ein mögliches Motiv zu entdecken, sondern er muss im Laufe der Zeit auch alles, was er als gegebenes Wissen über die verschiedenen Beteiligten gespeichert hatte, verdrängen und noch einmal ganz von vorne anfangen.

Ich mochte die ruhige und unaufgeregte Erzählweise bei diesem Kriminalroman und die ungewöhnliche Herangehensweise des Autors. Obwohl er sich der gleichen Erzählperspektive bedient wie bei "Verdächtige Geliebte" gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen den beiden Büchern. In "Böse Absichten" steht relativ schnell fest wie der Mord begangen wurde (und eigentlich kann man sich als Leser auch von Anfang an sicher sein, wer die Tat verübt hat), aber es scheint einfach kein Motiv für die Ermordung von Kunihiko Hidaka zu geben. So dreht sich die Handlung weniger darum den Mörder zu finden als um die Suche nach den Hintergründen der Tat. Diese Suche führt den Kommissar in die Vergangenheit des Ermordeten bis hin zu seiner Grundschulzeit und bietet für den Leser immer wieder neue und überraschende Wendungen, die man so nicht erwarten konnte.

So eine Herangehensweise sorgt nicht gerade für eine rasante oder spannende Krimihandlung, aber für kleine und feine Szenen, die viel über die beteiligten Charaktere und die japanische Kultur aussagen, und das ist perfekt für Leser, die gern versuchen aus all den kleinen Informationen ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Ich fand es spannend, mir meine eigenen Gedanken über das Motiv machen zu können, es hat mir Spaß gemacht, dass mich Keigo Higashino an mindestens einer Stelle aufs Glatteis geführt hat, weil ich erwartete, dass er einen Hinweis auf die "übliche Weise" in seinen Fall einbauen würde und ich mochte das gemächliche Tempo, das mir Zeit gab über die kleinen Dinge in der Geschichte nachzudenken.

Dienstag, 14. Juni 2016

Und was macht Christie?

Drei Wochen ist es her, seitdem Christie ihren letzten kätzischen Mitbewohner verloren hat, und es zeigt sich deutlich, dass sie Baltimore vermisst. Auch wenn er die letzten Monate nicht mehr mit ihr spielen konnte, so waren sie sich doch noch immer recht nah.

Das letzte gemeinsame Foto mit den beiden.

Zu Menschen hatte sie nie ein so besonders enges Verhältnis - vermutlich, weil sie als junge Katze kaum Kontakt zu Menschen hatte. Sicher werden wir es nie wissen, denn sie wurde vor dem Tierheim ausgesetzt und war damals in keinem guten gesundheitlichen Zustand, als ich sie aufnahm. Immerhin ist sie im Laufe der Jahre zutraulicher geworden und in den letzten Wochen hat sie deutlich gezeigt, dass sie unsere Aufmerksamkeit möchte. Und da sie keine Schmusekatze ist, bedeutet das, dass Christie bespaßt werden möchte.


Federwedel. Katzenangeln, Schnüre, Bälle, Luftschlangen - zur Zeit bekommt Christie möglichst viel verschiedenes Spielzeug angeboten, damit sie sich nicht langweilt. Sie braucht aber auch viel Abwechslung, denn wenn sie nicht zufrieden ist, dann macht sie das lautstark deutlich. 

Foto von Natira

Ich bin froh, dass sie so viel kommuniziert und deutlich macht, was sie will. Obwohl sie ganz eindeutig Baltimore und die anderen Kater vermisst, scheint sie uns als Ersatz zu akzeptieren. Nicht so schön ist es, wenn ich den Vormittag über unterwegs oder im Garten bin, dann benötigt sie am Nachmittag noch etwas mehr Aufmerksamkeit und kommt dann auch mal näher, um etwas Körperkontakt zu suchen. Aber wenn es so bleibt, wie es ist, dann kommt sie vermutlich ohne neue Katzengesellschaft aus. Wir sind natürlich kein vollwertiger Ersatz - gerade für eine Katze, die noch nie in ihrem Leben ein Grundvertrauen gegenüber Menschen entwickeln konnte -, aber wir sind, so gut es geht, für sie da.