Freitag, 27. März 2015

[Kulinarisches] Eier-Muffins

Mein Mann durfte in den letzten Wochen mal wieder regelmäßig Überstunden bei der Arbeit machen, was unseren normalen Essensrhythmus ziemlich durcheinander bringt. Da er eh immer relativ ausgehungert nach Hause kommt, habe ich also nach etwas gesucht, was ich ihm zusätzlich mitgeben konnte. Es sollte nur eine Kleinigkeit und transportabel sein und etwas, das er besonders gerne mag. Dann bin ich HIER über die Eier-Muffins als Lunchbox-Bestandteil gestolpert und habe damit selber mal rumprobiert. Oh, und da es für meinen Mann ist, ist das mal kein vegetarisches Rezept.



Zutaten für 12 Eier-Muffins:

1/2 rote Paprika
1/4 Zucchini (mittelgroß)
1/2 Zwiebel (klein)
ca. 100 g fertig gewürfelten Frühstücksspeck
ca. 50 g geriebener Gouda
2 Scheiben Toastbrot
6 Eier
ca. 150 ml Milch
Salz
Pfeffer
Rosenpaprika-Pulver
Oregano (getrocknet)
Butter (für die Muffinform)

Die Paprika, Zucchini und Zwiebel habe ich sehr fein gewürfelt, das Toastbrot in eher grobere Würfel geschnitten und das Ganze zusammen mit dem Speck und dem Käse in einer großen Schüssel vermischt. Gewürzt habe ich die Masse dann mit Pfeffer, einer großzügigen Prise Rosenpaprika und Oregano - kein Salz, da der Speck salzig genug sein sollte. Diese Mischung habe ich auf ein gebuttertes 12er-Muffinblech aufgeteilt. Dann habe ich den Ofen auf 200 Grad bei Umluft vorgeheizt und währenddessen die Eier mit der Milch, etwas Salz und noch etwas Pfeffer verquirlt und mit dieser Flüssigkeit die Muffinformen aufgefüllt. Nach 20 Minuten im Ofen waren die Muffins fertig und konnten zum Abkühlen rausgeholt werden.

Laut meinem Mann schmecken sie warum und kalt gut und sie lassen sich prima mitnehmen. ;) Allerdings muss ich zugeben, dass man schon eine gut beschichtete Muffin-Form benötigt, um die Dinger heil auszulösen ...

Mittwoch, 25. März 2015

Frühjahrsmüde Katzen

Ihr wisst ja, dass Katzenbesitzer, wenn sie keine Zeit zum "richtigen" Bloggen haben, immer Fotos von ihren Samtpfoten veröffentlichen. ;) Hier also eine Runde gesammelte Frühjahrsmüdigkeit in Pelzform:










Montag, 23. März 2015

Lauren Graham: Lieber jetzt als irgendwann (Hörbuch)

Das Hörbuch zu "Lieber jetzt als irgendwann" habe ich geliehen bekommen und dachte, dass es doch bestimmt ganz nett sei, eine Geschichte zu hören, die von Lauren Graham (die Schauspielerin, die die Lorelei Gilmore bei den "Gilmore Girls" spielte) geschrieben und von Melanie Pukaß (Lauren Grahams Synchronsprecherin) gesprochen wurde. Irgendwie nett war es auch, aber leider nicht so nett oder gar amüsant, dass ich große Lust hätte die Geschichte weiter zu hören. Diese mangelnde Motivation die Geschichte zu beenden führte dazu, dass sich das Ganze für mich endlos zog. Dabei hätte die Grundidee eine hübsche Basis für ein unterhaltsames Hörbuch bilden können.

Die Hauptfigur Franny (Francis) Banks lebt seit 2,5 Jahren in New York und versucht ihren Traum von einer Karriere als Schauspielerin zu verwirklichen. Dabei hat sie sich einen Zeitraum von drei Jahren gesetzt, denn sie will nicht endlos erfolglos Energie in dieses Ziel stecken, wenn sich vielleicht herausstellt, dass sie nicht geeignet für ihren Traum von der Bühne ist. Wenn alles scheitern sollte, so hat sie es sich vorgenommen, dann würde sie ihren Studienfreund Clark heiraten, wie ihr Vater Englisch unterrichten und als Vorortehefrau glücklich werden. Doch das es nicht darauf hinauslaufen wird, ist dem Hörer eigentlich von Anfang an klar und so verfolgt man sechs Monate lang Frannys Leben.

Sechs Monate, in denen Franny sich verliebt, in denen sie Vorsprechtermine und Schauspielunterricht hat, Erfahrungen bei Werbespotdreharbeiten sammelt, einen Agenten sucht und immer wieder darauf hoffen muss, noch einen Kellnerjob zu ergattern, damit sie die nächste Miete zahlen kann. Zwischen den verschiedenen Episoden gibt es immer wieder größere Pausen, was dazu führte, dass ich mich immer wieder neu orientieren musste, um herauszufinden, was gerade in Frannys Leben aktuell ist. (In der Buchversion scheint das einfacher zu verfolgen zu sein, da es da - laut den diversen Rezensionen - Kalenderseiten gibt, die mit Diätplänen und Terminen gefüllt sind, um die Lücken zu füllen.) Außerdem gibt es häufig zu Beginn eines neuen Abschnitts Anrufbeantworterpassagen, in denen Frannys Vater und diverse Personen, die beruflich mit ihr zu tun haben, Nachrichten hinterlassen.

Eigentlich war das alles ganz nett (irgendwie komme ich von diesem Wort einfach nicht weg), aber es gab so wenig Höhen und Tiefen. Franny hat als kleines Mädchen ihre Mutter verloren und eine besondere Beziehung zu ihrem Vater, aber ich als Hörer bekam nur seine eher informativen Anrufbeantworternachrichten mit. Franny geht zu einem Casting und statt sich auf die Rolle vorzubereiten, unterhält sie sich mit einer Kollegin (und beneidet diese um Figur, Größe und Frisur) - und anstatt das dieses Verhalten nun irgendwelche Folgen für Franny hätte, geht doch noch irgendwie alles gut. Wenn Franny peinliche Fragen stellt, dann finden die Leute sie witzig, wenn sie unvorbereitet ist, dann findet sie ganz aus Versehen doch den richtigen Ton für das Vorsprechen und so geht es immer weiter.

Natürlich fällt sie auch die eine oder andere falsche Entscheidung, aber nichts davon scheint wirklich spürbare Auswirkungen zu haben. Vielleicht liegt es an den Zeitsprüngen zwischen den verschiedenen Kapiteln, vielleicht auch an der Übersetzung, ich kann mir schon vorstellen, dass einige Szenen im Original pointierter rüberkommen (zumindest hoffe ich das!), aber insgesamt plätschert das alles so vor sich hin und mir ist es egal, ob Franny Erfolg hat oder nicht. Abgesehen davon, dass ich mir wünschte, sie würde hier und da die Klappe halten und erst einmal beobachten, was gerade los ist, statt gleich mit einer naiven Frage rauszuplatzen, berührte sie mich so gar nicht.

Auch die Sprecherin konnte mich nicht überzeugen - es ist zwar theoretisch Lauren Grahams deutsche Stimme, aber die Leistung von Melanie Pukaß als Hörbuchsprecherin ist bedauerlicherweise deutlich schlechter als ihre Arbeit als Synchronsprecherin. Es ist, als ob ihr die Bilder gefehlt hätten, um zu wissen, wie sie jetzt reagieren sollte und welche Stimmung sie den verschiedenen Charakteren jetzt verleihen muss. Jeder einzelne Satz war so gleichförmig "lustig-verzweifelt", dass es auch hier an Höhen und Tiefen fehlte und ich eventuelle Scham oder Verzweiflung oder Freude nicht wirklich wahrnehmen konnte.

Oh, und die Botschaft des Ganzen? "Gib nicht auf und hör auf dein Bauchgefühl!" - also ne, das habe ich in anderen Geschichten schon so viel besser, überzeugender und amüsanter verpackt gesehen! Ich kann mir zwar vorstellen, dass die Handlung selber gelesen etwas besser funktioniert, aber ich glaube nicht, dass ich Lauren Graham als Autorin nach diesem Hörbuch noch eine Chance geben möchte.

Sonntag, 22. März 2015

Seanan McGuire: Sparrow Hill Road

"Sparrow Hill Road" von Seanan McGuire ist ein Einzelband mit Geschichten rund um Rose Marshall, ein in den 50er Jahren verstorbenes Mädchen, das seit Jahrzehnten immer wieder an amerikanischen Highways nach einer Mitfahrgelegenheit sucht ,.. Bevor ich mehr zum Inhalt sage, noch etwas zur Einordnung des Bandes in Seanan McGuires Romanwelt: "Sparrow Hill Road" gehört nicht zu den "InCryptid"-Geschichten, aber die Ereignisse spielen in derselben Urban-Fantasy-Welt, auch wenn sich dies nur in ein, zwei Verweisen auf den Namen "Healy" bemerkbar macht.

Wie schon bei "Indexing" würde ich empfehlen, dass man sich beim Lesen von "Sparrow Hill Road" Zeit lässt, um die einzelnen Geschichten zu genießen und langsam immer tiefer in diese Welt voller Geister einzutauchen. Das Buch ist dabei in vier Bereiche aufgeteilt, und während im ersten Abschnitt eher kleine und alltägliche Begebenheiten (also für Rose alltägliche Begebenheiten :D) geschildert werden, werden die späteren Geschichten immer intensiver und persönlicher. Jede Kurzgeschichte wird eingeleitet von einem Abschnitt, in dem etwas über diese Geisterwelt erklärt wird, etwas, das Rose in den vergangenen Jahrzehnten als "Hitchhiker-Ghost" über die Highways des Landes und die Menschen und Geschöpfe, die dort existieren, gelernt hat.

Diese Erzählweise erfordert schon, dass man sich auf das Ganze einstellen und etwas Geduld haben muss, aber es lohnt sich definitiv, diese Geduld aufzubringen, denn Rose und ihre Geschichte sind meiner Meinung nach etwas Besonderes, und es hat mir - auf eine melancholische Weise - viel Spaß gemacht, "Sparrow Hill Road" zu lesen. Die Sparrow Hill Road ist der Ort, an dem Rose mit sechzehn Jahren getötet wurde, in der Nacht, in der sie eigentlich mit ihrem Freund auf einen Ball gehen sollte. Doch er kam zu spät und sie wurde ungeduldig und machte sich allein auf den Weg - und wurde so zum Opfer eines getriebenen Mannes.

Da Rose auf der Straße getötet wurde, wurde sie zu einem Hitchhiker-Ghost, einer Anhalterin, die ihr untotes Dasein damit verbringt, über die Straßen von Amerika zu trampen. Doch Rose ist mehr als eine geisterhafte Anhalterin, sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Stelle zu sein, wenn Gefahr droht, dass ein Fahrer in einen tödlichen Unfall verwickelt wird. Manchmal kann sie dazu beitragen, dass derjenige, der sie in seinem Wagen mitnimmt, noch davonkommt, manchmal kann sie die Toten nur noch auf einem Stückchen ihres Weges begleiten, bis sie ihre Bestimmung nach dem Tod gefunden haben. Auch für Rose ist das "Leben" auf der Straße nicht ganz ungefährlich, denn neben den diversen übernatürlichen Gefahren lauern z. B. auch Menschen auf sie, die aus den verschiedensten Gründen als Geisterjäger unterwegs sind. Doch niemand ist so schrecklich wie Bobby Cross, der Mann, der Rose getötet hat und nun auf der Jagd nach ihrer Seele ist.

Ich mag Rose sehr gern, sie ist hilfsbereit, aber nicht zu gut, sie hat Ecken und Kanten. Es gibt ein paar Freunde, die sie längere Zeit durch ihr untotes Leben begleiten, sowie einige Leute, die sie lieber meidet. Sie hat es geschafft, eine Nische nach ihrem Tod zu finden, mit der sie zufrieden ist - und im Laufe der Zeit lernt sie, ihre Angst vor Bobby Cross in Wut und Stärke umzuwandeln. Außerdem mag ich (mal wieder *g*) die Welt, die Seanan McGuire rund um Rose geschaffen hat. Es gibt ganz eigene Gesetzmäßigkeiten für eine Existenz nach dem Tod, und Rose weiß längst nicht alles, was in dieser Welt vor sich geht, aber gerade diese Mischung aus Wissen und Ungewissheit hat meine Fantasie befeuert.

Wenn man andere Kurzgeschichten von Seanan McGuire kennt, erkennt man vielleicht das eine oder andere Wesen (wie die Cheerleader-Walküren) wieder, aber auch ohne dieses Wiedererkennen machen die Figuren Sinn und es macht Spaß mitzuerleben, wie sie auf Rose treffen und was diese Begegnung für Rose bedeutet. Ich finde es auch immer wieder schön, wie es die Autorin schafft, mit wenigen Sätzen einer Figur so viel Profil zu verleihen, dass man das Gefühl hat, man hat eine klare Vorstellung von ihr. Manchmal reicht es schon, dass sie schreibt, dass jemand ein guter Mann ist, jemand, den man zum Freund haben möchte, und der eine Anhalterin nicht mitnimmt, weil er sich davon etwas erwartet, sondern weil er der Meinung ist, dass eine junge Frau nicht allein auf der Straße unterwegs sein sollte. Und nach diesen wenigen Sätzen bangt man so sehr um diesen Mann, dass man sich kaum traut, die nächste Seite umzublättern, weil man schließlich weiß, dass dort ein Unfall wartet und man befürchtet, dass Rose zu spät kommt, um ihn zu retten ...

Mittwoch, 18. März 2015

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax and the Second Thief (Hörbuch)

Die zehnte Geschichte rund um Mrs. Pollifax führt die engagierte Rentnerin nach Sizilien, da ihr ehemaliger Kollege John Sebastian Farrell einen Hilferuf an die CIA geschickte hat und darum bat, Emily und Cyrus so schnell wie möglich zu ihm zu schicken. Da Cyrus nicht mitkommen kann, besteht er darauf, dass die CIA Emily eine erfahrene Begleitung mitgibt - schließlich hat er in den vergangenen Jahren oft genug mitbekommen, dass scheinbar einfache Aufträge bei seiner Frau schnell zu lebensgefährlichen Herausforderungen werden.

Und wirklich ist es so, dass Mrs. Pollifax und ihre Kollegin Kate Rossiter gleich von drei Parteien verfolgt werden, nachdem sie Kontakt mit Farrell aufgenommen haben. Dieser wiederum kann keine Auskunft darüber geben, wer ihn im Auge behält und warum - er weiß nur, dass er von einem Mann damit beauftragt wurde, einen Safe zu knacken und eine Kunstexpertise zu einem darin befindlichen Gegenstand abzugeben. Doch bevor er noch das gesuchte Schriftstück in den Händen halten konnte, wurde auf ihn geschossen und nun ist er seit zwei Tagen auf der Flucht vor seinen Angreifern.

Dazu kommt, dass Farrell meint, dass er vor ein paar Tagen einen Mann getroffen hat, der zur selben Zeit wie Mrs. Pollifax und er in Sambia war. So recht kann Farrell nicht glauben, dass diese Person sich wirklich in Sizilien befindet und deshalb soll Emily den Mann unter die Lupe nehmen. Doch solche Ermittlungen sind schwierig durchzuführen, wenn man auf Schritt und Tritt verfolgt und angegriffen wird. Zum Glück hat Kate Rossiter eine Tante, die in Sizilien lebt und den dreien Zuflucht gewähren kann.

Mit dieser Geschichte hat Dorothy Gilman wieder einen ganz neuen Ansatz gefunden, um eine "Mrs. Pollifax"-Episode zu erzählen und so ist "Mrs. Pollifax and the Second Thief" weniger ein Spionageroman als eine Kriminalgeschichte, bei der es diverse Verdächtige gibt und man herausfinden muss, welche Person welches Motiv für welche Handlung hat. Besonders nett ist dabei das Umfeld, in dem die Geschichte spielt, denn Emily und Farrell verlassen überraschend selten das Anwesen von Kates Tante - und auch um die Villa Franca rankt sich das eine oder andere Geheimnis.

Während ich bei anderen Bänden der Reihe Emilys Sicht auf die verschiedenen Länder gern teile, weil diese für mich ebenso fremd sind wie für sie, finde ich es hier stellenweise lustig, wie sie auf manche örtliche Gepflogenheit oder die italienische Sprache reagiert, während ich das Gefühl hatte, dass andere Elemente (gerade bei der Architektur) mir - dank des einen oder anderen Italienurlaubs - sehr vertraut waren. Ein wenig habe ich es vermisst, den Bösewicht richtig kennenzulernen, aber das wird ausgeglichen durch verschiedene Überraschungsmomente und atmosphärische Szenen rund um die Villa Franca. Überhaupt ist Kates Tante Franca eine Erscheinung für sich, die ich immer wieder gern neu kennenlerne - ebenso wie den eigenwilligen Gast im Keller des Gebäudes, über den ich leider so gar nichts schreiben kann, wenn ich nicht die Handlung total spoilern will.

Auch dieses Hörbuch wurde von Barbara Rosenblat gelesen und sie hat ihre Arbeit eigentlich wie immer sehr gut gemacht. Allerdings passt ihre Interpretation der Franca nicht zu meiner Vorstellung von der Frau. Barbara Rosenblats Franca ist zu leise, zu zurückhaltend und zu gemächlich beim Sprechen, während ich sie mir immer als eine energische Dame vorgestellt habe, die kein Wort zu viel von sich gibt und genau weiß, was sie will.

Mittwoch, 11. März 2015

Lola Lafon: Die kleine Kommunistin, die niemals lächelte

Ich weiß nicht mehr, wo ich über "Die kleine Kommunistin, die niemals lächelte" von Lola Lafon gestolpert bin, aber auf das Buch bin ich schon lange neugierig gewesen. Inzwischen habe ich den Roman gelesen und bin davon enttäuscht. Die Anfangsszene, in der beschrieben wird, wie 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal die Anzeige nicht in der Lage war, die 10.0 Punkte für die rumänische Turnerin Nadia Comăneci anzuzeigen - denn niemand hatte erwartet, dass so eine Wertung überhaupt jemals vergeben werden würde -, ist sehr eindringlich. Und auch die folgenden Kapitel, in denen beschrieben wird, wie Nadias Trainer Béla eine Schule gründete, begabte Turnerinnen suchte und mit ihrer Ausbildung begann, fand ich noch interessant. Doch je weiter die Geschichte - und es ist eine Geschichte und keine Biografie! - voranschritt, desto irritierter wurde ich beim Lesen, bis ich mich am Ende regelrecht über die Autorin ärgerte.

Ich wusste - und das wird zu Beginn des Romans auch noch einmal von Lola Lafon betont -, dass "Die kleine Kommunistin" kein realistischer Bericht ist. Es ist eine romanhafte Auseinandersetzung mit einem Teil der rumänischen Geschichte, bei der eine fiktive Variante der Nadia Comăneci als Aufhänger fungiert. Die Autorin hält sich an bekannte Tatsachen und Daten wie die belegbaren Turniersiege der Sportlerin oder große politische Ereignisse, aber alles andere entspringt ihrer Fantasie - was man sich besonders bei dem fiktiven Mail- und Telefonaustausch zwischen der Autorin und Nadia immer wieder bewusst machen muss.

Diese Art, die Handlung zu erzählen, führt dazu, dass ich an vielen Stellen das Gefühl hatte, ich hätte ein Sachbuch in der Hand, bei dem ich mich auf keine einzige Aussage verlassen konnte. Das fand ich wirklich unangenehm. Auch gelingt es der Autorin nicht, sich selbst (als ein Teil des Gedankenaustauschs mit der fiktiven Nadia) oder gar der Sportlerin ein greifbares Profil zu verleihen. Beide Figuren schmollen und trotzen, jede wirft der anderen Manipulation vor, während die eine (die Autorin) das kommunistische Regime und die andere (Nadia) die Heuchelei der demokratischen Welt kritisiert.

Das Interessanteste an diesem Buch war für mich, dass Lola Lafon (u. a.) in Rumänien aufgewachsen ist. Allerdings sorgt diese Information auch für den Eindruck, dass die Autorin mit diesem Roman ihre Enttäuschung und ihre zwiespältigen Gefühle sowohl gegenüber Rumänien als auch gegenüber der berühmten Nadia Comăneci verarbeiten möchte. Immer wieder betont sie, welche Hoffnungen und Wünsche Nadias Erfolg in Montreal in den kleinen Mädchen ihrer Generation weckte, wie all die Mädchen freiwillig hungerten und trainierten, wie sie "Nadia spielten" und davon träumten, auch einmal so anmutig über den Schwebebalken zu fliegen.

Dann gibt es all die Szenen am Ende des Buches, wo sie beschreibt, wie sie zur Recherche nach Rumänien reist und auf der Suche ist nach den tragischen Geschichten der Opfer der Ceaușescu-Zeit, nach den Frauen, die zum Kinderkriegen gezwungen wurden, nach denjenigen, die unter der gegenseitigen Bespitzelung litten. Doch vor allem fand sie Erinnerungen an glückliche Zeiten, bekam Aussagen präsentiert, deren Fazit nur mit "wir waren arm, aber glücklich" zusammenzufassen ist und die von der Freiheit innerhalb der Grenzen des Regimes erzählten. Und bei all dem kann ich mir als Leser nie sicher sein, was davon der Fantasie der Autorin, was ihrer eigenen Erinnerung oder vielleicht den (wenigen) aufgeführten Recherchequellen entspringt.

Diese Unsicherheit darüber, was Fiktion und was Fakten sind, macht mich unzufrieden. Hätte ich ein Sachbuch gelesen, hätte ich mich intensiv damit auseinandersetzen können. Aber um so ein Buch zu verfassen, hätte sich Lola Lafon entscheiden müssen, ob sie über Nadia Comăneci oder die rumänische Geschichte schreiben möchte. Und sie hätte intensiver recherchieren und vielleicht sogar tatsächlich das Gespräch mit der Sportlerin (die seit 1989 in den USA lebt) suchen müssen. Ich wäre auch zufrieden gewesen, wenn die Autorin sich konsequent an die Aufgabe gesetzt hätte, einen reinen Roman über Nadia zu schreiben - ich bin mir sicher, das Leben der rumänischen Vorzeigesportlerin hätte vollkommen ausgereicht, um eine mitreißende und spannende Geschichte zu erzählen. Aber dieses Buch ist weder das eine noch das andere - und somit für mich eine wirklich frustrierende Lektüre gewesen.

Sonntag, 8. März 2015

Marie Brennan: A Natural History of Dragons - A Memoir by Lady Trent

Bislang kannte ich von Marie Brennan nur die beiden Romane "Doppelgänger" und "Hexenkrieger", die mir wirklich gut gefallen haben (auch wenn man eigentlich die Inhaltsangabe des zweiten Bandes auf gar keinen Fall lesen sollte, wenn man den ersten Teil noch unvoreingenommen genießen möchte). Aber obwohl ich die Bücher gut fand, habe ich mich nicht aktiv nach weiteren Romanen der Autorin umgeschaut und bin nur durch Zufall vor einiger Zeit mehr als einem Jahr über "A Natural History of Dragons" gestolpert.

Die Geschichte wird erzählt von der berühmten Drachenforscherin Lady Isabella Trent, die in diesem Band von ihrer Kindheit und ihren Anfängen als Naturwissenschaftlerin berichtet. Als einziges Mädchen wuchs Isabella mit fünf Brüdern auf - und entwickelte auch dementsprechend jungenhafte Interessen, obwohl ihre Mutter alles daran setzte ihre Tochter zur Dame zu erziehen. Aber erst als es zu einem gefährlichen Vorfall kam, konnte sich Isabellas Mutter durchsetzen. Obwohl sich das Mädchen alle Mühe gab, ihre Leidenschaft für die Erforschung von Drachen und die Naturwissenschaft zu unterdrücken, bemerkte ihr Vater wie unglücklich sie war - und gab ihr für ihre erste Saison einen wirklich guten Rat auf den Weg (den ich hier nicht verrate, um nicht eine der schönsten Momente in diesem Buch zu verderben). Einige Jahre später ergibt sich für Isabella die Möglichkeit an einer Expedition teilzunehmen, obwohl sich dies für eine Dame (jener Zeit) in keinster Weise gehört.

Marie Brennan hat für ihre Geschichte eine Welt erschaffen, die in vielen Elementen an unsere Welt erinnert. So würde ich behaupten, dass Isabella in eine Art europäischen Land (vielleicht sogar England) aufwächst, das von der technischen Entwicklung her ungefähr dem Stand Mitte des 19. Jahrhunderts entspricht - allerdings gibt es dort im Gegensatz zu unserer Welt Drachen und drachenähnliche Geschöpfe, die zu Zeit von Isabellas Kindheit noch relativ unerforscht sind. So verweist die Erzählerin immer wieder drauf, dass damals bestimmte Wissenschaftler noch von dieser oder jener Annahme ausgingen, dass diese Mutmaßungen aber inzwischen durch vielfältige und intensive Forschungen widerlegt wurden.

Sehr schön finde ich bei diesem Bericht, dass es kein reiner Forschungs- oder Reisebericht ist, sondern die Lebenserinnerung einer alten Frau, die selber entscheidet, welche Schwerpunkte sie setzt. So überspringt die Erzählerin die langweiligeren Stellen, ist an manchen Punkten distanzierter oder objektiver, als sie es direkt nach Erleben der Ereignisse gewesen wäre oder fügt Nebenbemerkungen ein, die dem Leser erklären, warum manche Sachen zu ihrer Zeit noch unerhört oder ungewöhnlich waren. Ich mag diese Art eine Geschichte zu erzählen sehr und ich mag die Protagonisten inklusive der wertenden Nebenbemerkungen, mit denen sie ihr eigenes früheres Verhalten kommentiert. Stellenweise erinnert sie mich an eine jüngere (und höflichere) Amelia Peabody - und überraschenderweise gibt es sogar eine Art "Krimianteil" in der Geschichte. ;)

Auch habe ich es sehr genossen, dass die Hardcover-Ausgabe so schön gestaltet ist - da verzeihe ich sogar den Rought-Cut-Schnitt der Seiten. Die Zeichnungen und das Papier sind so gehalten, dass es wirkt, als ob man ein altes Buch vor sich hätte (und ja, irgendwie passt da sogar der schreckliche Schnitt des Buchblocks zu), was auf angenehme Weise zusätzlich zu den Beschreibungen in der Geschichte noch zur Atmosphäre beiträgt. Ich mag die Drachenbilder, ich mag die anderen Abbildungen und ich mag Isabella und ihre Leidenschaft für die Drachen und ihre Unbeholfenheit in so vielen anderen Dingen. Leider bedeutet das nun auch, dass ich mir auf jeden Fall noch die anderen beiden inzwischen erschienenen Bücher besorgen muss. ;)