Sonntag, 31. Juli 2016

Leseeindrücke im Juli

Da ich noch ein paar weitere Leihgaben von Natira im Haus hatte, begann der Juli für mich mit dem Comic "Der Araber von morgen - Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)" von Riad Sattouf. Ich hatte von dem Comic vorher nichts gehört, kann mich auch nicht erinnern, dass Natira mir irgendetwas darüber erzählt hätte und bin deshalb recht unbefangen an die Geschichte herangegangen. Grundsätzlich war ich davon ausgegangen, dass es interessant sein müsste mehr über den Nahen Osten zu dieser Zeit zu erfahren. Dummerweise beginnt der Autor die Geschichte nicht nur mit dem Kennenlernen seiner Eltern, sondern man bekommt als Leser in diesem ersten Teil alle Ereignisse aus der Perspektive eines Kleinkindes erzählt. So gibt es zwar Textblöcke, die über die jeweilige aktuelle politische Situation informieren, aber der Autor selber kann darüber nicht viel anderes sagen als wie die Leute gerochen haben, dass er nicht aus dem Haus gehen durfte, dass er kein Arabisch (oder kein syrisches Arabisch) verstehen konnte, dass die anderen Kinder ihn schikaniert haben, weil er blond war, und ähnliches. Wäre er wenigstens wirklich in den jeweiligen Gebieten aufgewachsen und hätte aus der Sicht eines direkt Betroffenen (wie z.B. Marjane Satrapi mit "Persepolis") erzählen können, dann wäre es vermutlich interessanter geworden. Aber so war er zu jung und zu sehr Außenseiter, als dass ich seine Erfahrungen wirklich interessant gefunden hätte.

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Auch "Moresukine - Wöchentlich aus Tokyo" von Dirk Schwieger ist ein Comic aus Natiras Bestand, wobei ihre Rezension dazu etwas zwiespältig klang. Aber das hat mich natürlich nicht davon abgehalten mir eine eigen Meinung dazu bilden zu wollen. In dem Band wurden Blogbeiträge veröffentlicht, die der Autor während seines Aufenthalts Japan verfasst (und gezeichnet) hatte, in denen er beschreibt, wie er sich den verschiedenen Aufgaben, die ihm seine Blogleser aufgetragen hatten, gestellt hatte. Ich muss gestehen, dass ich das Ganze nur bedingt unterhaltsam und den Zeichenstil nicht wirklich ansprechend fand. Viele dieser Aufgaben drehten sich um Klischees, die mit Japan verbunden werden, und das fand ich eher langweilig. Außerdem hat es mich beim Lesen wirklich kirre gemacht, dass in der vorliegenden Ausgabe regelmäßig die unteren Sprechblasen abgeschnitten wurden. Selbst bei den Blasen, bei denen ganz deutlich zu erkennen war, dass man den Inhalt nicht lesen muss, weil er nur als Beispiel für etwas dient, hat mich das ungemein gestört. Insgesamt ein Comic, den man meiner Meinung nach nicht gelesen haben muss ...

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Bislang haben die Romane aus dem Modern-Magic-Bundle ja immer eine vollständige Rezension bekommen, aber zu "Touch a Dark Wolf" von Jennifer St. Giles fällt mir nicht genug ein, um einen längeren Text zu rechtfertigen. Der Titel ist der Auftaktband zur vierteiligen Shadowmen-Reihe und eine "Romantasy"-Geschichte. Während ich die Grundidee etwas verschwurbelt, aber ganz reizvoll fand, weil dadurch eine wirklich erfrischende Variante des Vampir-Werwolf-Themas verwendet wurde, fand ich die Protagonisten und die vielen Sexszenen nicht sehr überzeugend. Es fehlte den beiden Hauptfiguren definitiv an Ecken und Kanten, die sie interessant gemacht hätten. Das Ganze hat sich schnell lesen lassen, was nicht nur an dem Umfang von gerade mal 200 Seiten, sondern auch an der flüssigen Erzählweise lag, aber am Ende stand ich da und fragte mich, ob das alles an Handlung gewesen sei. Hätte die Autorin die Sexszenen ansprechender geschrieben und die Geschichte nur als verbindendes Element dazwischen verwendet, wäre es okay gewesen. Noch lieber wäre es mir gewesen, wenn sie die ungewöhnliche Grundidee tiefer ausgearbeitet und innovativer für die Handlung genutzt hätte. Auch hätte ich auf das unbefriedigende, da zu abrupte Ende und auf 2/3 der Sexszenen verzichten können. Wirklich neugierig haben mich eigentlich nur die Nebenfiguren gemacht, aber ich befürchte, dass diese in den Fortsetzungen (in denen sie dann der Reihe nach die Hauptfiguren spielen dürfen) keine tiefere Charakterisierung erleben werden.

Freitag, 29. Juli 2016

Julia Korbik: Stand up - Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene

Über "Stand up - Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene" von Julia Korbik bin ich im Rahmen der Sachbuch-Challenge gestolpert. Der Titel war von Hermia im ersten Jahr der Challenge gelesen worden. Natira hat auch noch 2014 zu dem Buch gegriffen, Julia hatte den Titel dann 2015 gelesen, während ich das Buch zwar Ende letzten Jahres angefangen, aber nach dem ersten Drittel erst einmal eine Pause eingelegt hatte. Die Pause wurde dann etwas länger als geplant, so dass ich jetzt erst wieder zu "Stand up" gegriffen und es dafür dann in einem Zug ausgelesen habe.

Julia Korbik schreibt locker und informativ über den Feminismus und geht dabei auf die Entstehung und Geschichte des Feminismus ebenso ein wie auf die verschiedenen Strömungen und Meinungen, wobei sie auch nicht verschweigt, dass der Feminismus heutzutage - ebenso wie Alice Schwarzer, die in Deutschland vor allem mit dem Begriff verbunden wird - kein gutes Image hat, obwohl sich viele Menschen mit den Zielen des Feminismus eigentlich identifizieren können. Dabei fand ich es angenehm, wie wenig wertend die Autorin mit den verschiedenen Strömungen des Feminismus umging und wie sehr sie betonte, dass es auch bei zum Teil gegensätzlichen Ansichten bezüglich der Details und Methoden doch im Feminismus grundsätzlich darum geht, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Das Ganze ist flüssig geschrieben und so angenehm lesbar formuliert, dass es wirklich auch für Anfänger geeignet ist. Die Kapitel sind relativ kurz und werden von Grafiken und Einschüben unterbrochen, ohne dass man dadurch aus dem Text gerissen wird. Stattdessen hat es den Effekt, dass man "nur noch eine Seite oder einen Abschnitt" liest, bevor man das Buch aus der Hand legt. So lesen sich die 416 Seiten schnell weg und man bekommt eine Menge Tipps für den Fall, dass man sich intensiver mit dem Thema oder den verschiedenen Feministinnen (und Feministen) - nicht nur - in Deutschland beschäftigen möchte.

Ich fand es spannend, dass ich erstaunlich viele der in dem Buch erwähnten (deutschsprachigen) Bloggerinnen schon regelmäßig verfolge und wie viele Details aus "Stand up" mir schon vertraut waren, obwohl ich mich nie aktiv mit dem Thema auseinandergesetzt habe und das Gefühl hatte, ich wäre relativ uninformiert. Aber gerade dadurch, dass ich den Großteil der genannten Bloggerinnen schon kenne, ist in mir der Verdacht entstanden, dass es sich dabei um Personen handelt, die alle in derselben kleinen Filterblase existieren. Vielleicht täusche ich mich da, aber mir fällt oft auf, dass sich diese Bloggerinnen immer wieder gegenseitig zitieren und verlinken - was natürlich verständlich ist, schließlich scheinen sie die gleichen Ansichten zu teilen und möchten diese natürlich auch verbreiten. Aber ich frage mich, ob dadurch nicht auch ein gewisser Tunnelblick entsteht, der es schwierig macht, all die unterschiedlichen Aspekte eines solch komplexen Themas zu erfassen. Von dieser kleinen persönlichen Abschweifung abgesehen fand ich, dass das Buch eine angenehm gut lesbare und allgemein verständliche Übersicht über den Feminismus von seinen Anfängen bis heute bietet.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Rick Gualtieri: Bill The Vampire (The Tome of Bill 1)

Auch "Bill The Vampire" ist ein Modern-Magic-Bundle-Titel und so spannend es auch ist, dass ich keine Ahnung habe, was mich bei all den Romanen erwartet, die ich in dem Bundle gekauft habe: Auf "Bill The Vampire" hätte ich doch recht gut verzichten können. Ich wundere mich im Nachhinein nur, wo all die guten Bewertungen auf den diversen Portalen herkommen. Auch Rick Gualtieri hat seine Geschichte anscheinend für den typischen nerdigen spätpubertierenden männlichen Leser geschrieben. Doch während ich "Hard Day's Night" unterhaltsam und die Protagonisten auf ihre unbeholfene Art sympathisch fand und auch mit "Days Gone Bad" - von ein paar Kleinigkeiten abgesehen - in dieser Beziehung gut zurechtkam, fühle ich mich von Bill, seinen "schlagfertigen" Bemerkungen, seinen Unterhaltungen mit seinen ebenso nerdigen Mitbewohnern und vor allem von seiner Sicht auf Frauen wirklich genervt.

Nachdem Bill an einem Samstagnachmittag einen Haufen Geld bei seinem Dealer für Miniaturen und D&D-Regelwerk-Erweiterungen ausgegeben hat, wird er in der U-Bahnstation von einem Mädchen angesprochen. Genauer gesagt von einem dieser Mädchen, die einen Typen wie ihn normalerweise nicht einmal sehen würden. Kurz darauf lädt Sally ihn sogar noch zu einer Party ein, die am gleichen Abend in SoHo stattfinden wird. Während Bill zwischen "Was will sie von mir? Wieso habe ich heute so ein Glück?" und "Wie bekomme ich sie flachgelegt?" schwankt, stellt er fest, dass auf der Party vor allem Leute zugegen sind, die den optischen Anforderungen eines TV-Serien-Casting-Teams entsprechen. Nur er und eine Handvoll anderer Männer sehen aus, als ob sie nicht dazugehörten - und schau an, wenig später stellt Bill fest, dass er und die anderen Außenseiter weniger als Gäste denn als abendlicher Snack zu einer Vampirparty eingeladen wurden.

Da es Bill aber gelingt, einen besonders einflussreichen Vampir bei seinem Fluchtversuch zu erheitern, bekommt er eine Gnadenfrist. 90 Tage lang steht er nun unter dem Schutz dieses Vampirs und muss seinen Nutzen für die Vampire von SoHo beweisen - was gar nicht so einfach ist, wenn man bedenkt, dass er den Anführer genau dieser Vampire gerade sehr blöd hat dastehen lassen. Wenn man mal davon absieht, dass Bill nun etwas stärker als früher ist, Blut zum Überleben benötigt und bei direkten Sonnenlicht in Flammen aufgeht, ändert sich für ihn eigentlich nicht viel. Er kann weiterhin seinem Job als Games-Programmierer nachgehen, während seine Mitbewohner Tom und Ed herauszufinden versuchen, welchen Regeln Bill von nun an unterworfen ist. (Die Sache mit der Kirche funktioniert übrigens nicht, während Bill nun anfängt zu kokeln, wenn er die Optimus-Prime-Actionfigur seines Freundes anfasst.)

Die Geschichte hätte nett und unterhaltsam werden können, wenn Bill nicht so ein absolut nerviger Idiot gewesen wäre. Abgesehen davon, dass er regelmäßig den Leser anspricht (was ich wirklich nicht mag), ständig auf alles mit "witzigen" Einzeilern reagiert (die definitiv nicht amüsant, sondern eher ein Armutszeugnis bezüglich seines Intellekts sind) und er bei jedem Gespräch mit einer Frau zwischen "oh, sie nimmt mich wahr" und "wie bekomme ich sie nackt auf den Rücken?" schwankt, entwickelt er keinerlei Eigeninitiative. Jeder einzelne Schritt in der Geschichte wird durch äußere Umstände (der Anführer der SoHo-Vampire will ihn loswerden) erzwungen und ohne die Einsatzbereitschaft seiner Freunde Tom und Ed oder die vorausschauende und intrigante Art von Sally wäre Bill innerhalb der ersten 24 Stunden seines Vampirdaseins draufgegangen. Was mir einige Stunden voller "Boah, ist das bescheuert!"- und "Ich hasse den Protagonisten"-Momente erspart hätte.

Ich frage mich nun nicht nur, wie es diese Geschichte überhaupt zur Veröffentlichung durch einen Verlag geschafft hat, sondern auch, was für Leser es sind, die auch noch ganze sechs Bände mit dieser Hauptfigur ertragen haben. Vor allem, da ich bei meiner Suche nach einer Erklärung für all die guten Wertungen über eine Diskussion gestolpert bin, die davon zeugt, dass es in all diesen Fortsetzungen (weiterhin) keinerlei Charakterentwicklung geben wird. "Bill The Vampire" ist für mich bislang eindeutig der Tiefpunkt des Modern-Magic-Bundles.

Montag, 25. Juli 2016

Jeanne Adams: The Tentacle Affaire (A Slip Traveler Novel 1)

Als ich die ersten Seiten von "The Tentacle Affaire" las, musste ich erst einmal eine kurze Pause machen und mir online den Klappentext anschauen, weil ich doch etwas verwirrt von der Mischung aus 9/11-Szenen und Außerirdischen war. Die Geschichte von Jeanne Adams dreht sich um Cait und Aiden, die beide auf ihre Weise die Erde und ihre Bewohner von "übernatürlichen" Einflüssen beschützen. Während Cait seit einigen Jahren für eine außerirdische Organisation als "Wächterin" für die Erde zuständig ist, ist Aiden ein Magier, der immer dann aktiv werden muss, wenn zerstörerische magische Kräfte eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Bei ihrem aktuellen Auftrag treffen die beiden aufeinander und während Cait nicht an Magie glaubt, ist Aiden davon überzeugt, dass es keine Außerirdischen gibt.

Ich fand es ehrlich gesagt sehr lustig, als die beiden am Anfang das Gefühl haben, dass der jeweils andere irgendwie dubios ist, sie aber aufgrund ihrer jeweiligen Methoden nicht herausbekommen, warum sie so alarmiert sind. Denn natürlich funktioniert eine Magiewarnung nicht, wenn die überprüfte Person über keinerlei Magie verfügt, ebenso wie die Suche nach gefährlichen außerirdischen Elementen nicht bei jemandem funktioniert, der durch und durch menschlich ist. Wie so oft bei "Liebesgeschichte" war ich weniger davon angetan, dass sich die beiden Protagonisten nur einen kurzen Moment sehen mussten, um so sehr von einander fasziniert zu sein, dass all die in langen Jahren aufgebaute Berufserfahrung schwindet und von teilweise irrationalem Verhalten abgelöst wird. (Wenn die LiRo-Autorinnen ihre Geschichten mal über Wochen statt über Tage spielen lassen würden, könnte man das auch glaubwürdiger hinbekommen ... *seufz*)

Aber ich muss zugeben, dass die plötzliche Anziehung in diesem Fall noch in Grenzen hielt und verkraftbar war, weil sowohl Cait als auch Aiden weiterhin eine Menge Zeit und Energie in die Lösung ihrer Aufgaben steckten. Außerdem muss ich zugunsten der Autorin betonen, dass zwar beide versuchten einander beizustehen (soweit ihre Informationslage dies zuließ), aber sie sich gegenseitig zustanden, dass der andere in der Lage wäre eine gefährliche Situation zu bewältigen. Gerade Aiden war - schon aufgrund von Caits Vorleben - in der Lage sie ihre eigenen Kämpfe auskämpfen zu lassen, auch wenn das bedeutete, dass er stillhalten und zuschauen musste wie sie ihn beschützte. Das war definitiv eine angenehm Abwechslung zu all den Damen in Not, denen durch ihre "Helden" sämtliche Entscheidungen aus der Hand genommen werden.

Durch Caits Auftrag auf der Erde (das Einfangen eines außerirdischen Haustiers, das im schlimmsten Fall die Trinkwasserversorgung von Washington D.C. mit Gift kontaminieren könnte) und die dazukommenden Komplikationen (ein Senator wird in dem Apartmenthaus ermordet, in dem Cait und Aiden wohnen) gibt es ein paar Krimi-Elemente in der Geschichte, die zwar stellenweise etwas sehr offensichtlich waren (was vielleicht daran lag, dass ich durch den Klappentext ein paar Informationen zu viel hatte), aber auch zu ein paar interessanten und witzigen Szenen führten. Gerade die Begegnungen zwischen den beiden Protagonisten und dem FBI, das den Mörder des Senators sucht, fand ich stellenweise sehr lustig, während ich mich das gesamte Buch über gefragt habe, ob die süße alte Nachbarin vielleicht auch noch ein paar Geheimnisse verbirgt. Insgesamt war "The Tentacle Affaire" eine wirklich nette und unterhaltsame Geschichte, die zwar stellenweise etwas straffer hätte erzählt werden können, bei der ich aber die Protagonisten, die Grundidee und die vielen amüsanten Szenen mochte. Ich würde die Serie vermutlich weiterlesen, auch wenn sie mehr "nett und locker" als "umwerfend" zu lesen ist, aber da es bislang keine Fortsetzung gibt, bleibt es für mich bei diesem ersten Band. 

Sonntag, 24. Juli 2016

SuB-timierung - 1. Halbjahr 2016

Okay, ich gebe zu, dass der Titel wirklich ein blödes Wortspiel für "SuB-Optimierung" darstellt. Aber irgendwie mochte ich das Wort, als es mir im Januar in den Sinn kam, also durfte es bleiben.

Eines meiner Vorhaben für dieses Jahr war herauszufinden, wie mein SuB beschaffen sein muss, damit er sich für mich genau richtig anfühlt. Dabei geht es mir nicht nur um die Anzahl der ungelesenen Bücher, sondern auch um die Genremischung. Um das Ganze etwas detaillierter festzuhalten, gibt es diesen Beitrag.

Durch das SuB-trahieren hatte ich in den letzten 1,5 Jahre die Gelegenheit, mir genau anzuschauen, welche Titel langfristig auf meinem SuB liegengeblieben sind. Darunter gibt es mehrere Kategorien:
- die Autoren, die ich ausprobieren will, die mich aber - zum Teil jahrelang - nie spontan gereizt haben,
- Genres oder Autoren, die ich früher gern gelesen habe und denen ich eine weitere Chance eingeräumt hatte, und
- Fortsetzungen von Reihen, die ich mochte und bei denen ich die ersten Bände auch genossen habe, aber bei denen das Lesen nie eilig schien, weil ich die Titel ja schon sicher im Regal stehen hatte.

Um nun auf den "idealen" SuB zu kommen, hatte ich mir erst überlegt, ich müsste mir anschauen, was für Neuzugänge ich mir in diesem Jahr gönnen würde. Bei meinem Halbjahresbeitrag mit den Neuzugängen ist mir dann aufgefallen, dass ich vor allem Reihenfortsetzungen und Neuerscheinungen gekauft habe. Bei den Reihen habe ich die neu gekauften Bände in der Regel gleich gelesen, ebenso die Neuerscheinungen, solange es sich dabei um Titel handelte, für die ich nicht noch vorhergehende Teile lesen musste. So sind - abgesehen von dem Wühltischkauf und Fortsetzungen, bei denen mir frühere Teile noch fehlen, - nur sehr wenige Titel neu auf dem SuB gelandet. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass ich mich bei meinen Buchkäufen vor allem auf Titel konzentriert habe, die für mich "Wohlfühlbücher" sind. Genau genommen waren es alles Romane, bei denen ich beim Lesen nicht viel nachdenken muss und die sich auch in Stresszeiten leicht weglesen lassen. Aber natürlich fallen auch einige Titel, die schon ewig auf meinem SuB ruhen, in diese Kategorie und wurden trotzdem bislang nicht gelesen ...

Vielleicht sollte ich also eher schauen, was für Bücher ich in diesem Jahr bislang so gelesen habe:

Der Januar wurde von mir vor allem mit Geburtstags- und Weihnachtsbüchern bestritten - kein Wunder, schließlich gab es zu den beiden Ereignissen so viele tolle neue Bücher für mich, dass ich mich kaum entscheiden konnte, welchen Titel ich als erstes lesen soll. Im Februar mischten sich dann die ersten Leihgaben und Bibliotheksbücher in meine Leseliste, ansonsten ging es weiter den Neuzugängen an den Kragen. Insgesamt waren das vor allem Fantasybücher und zur Abwechslung gab es Jugendbücher, historische Romane und zwei Krimis.

Im März und April habe ich mich dann endlich mal etwas entschlossener auf den SuB gestürzt, wobei ich abgesehen von "Twisted River" wieder vor allem Fantasybücher aus dem Regal gezogen habe. Dazu kamen dann noch zwei Krimis aus der Bibliothek, ein Historical, ein Roman über Nigeria und eine biografisch angehauchte Geschichte - anscheinend brauchte ich so langsam wieder deutlich mehr Abwechslung beim Lesen.

Auch der Mai war recht abwechslungsreich mit Jugendbüchern, Fantasytiteln, Kriminalromanen und Sachbüchern - und so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass ich bei vielen Genres mit Leihgaben (entweder von Freunden oder aus der Bibliothek) vollkommen zufrieden bin, während meine bevorzugten Fantasybücher wirklich bei mir im Regal landen müssen, damit ich immer wieder auf sie zurückgreifen kann. Gerade bei den Jugendbüchern reicht es mir vollkommen, wenn ich meine Neugier durch Bibliotheksausleihen befriedigen kann. Denn selbst wenn ich das Lesen wirklich genieße und die Protagonisten mir am Herzen liegen, so habe ich nicht das Gefühl, ich müsste diese Romane besitzen.

Der Juni war mengenmässig ein unglaublicher Lesemonat, wobei von 26 gelesenen Büchern 18 Titel Kriminalromane waren - und wieder kann ich sagen, dass es mir vollkommen ausgereicht hat, dass ich diese Krimis ausgeliehen hatte. Kriminalromane, die in meinem Bestand landen, müssen mir nicht nur besonders gut gefallen, sondern sie dürfen anscheinend auch nicht in der Bibliothek verfügbar sein.

Nach dem halben Jahr könnte ich vielleicht sagen, dass ich nur noch Fantasybücher kaufen muss, denn die lese ich sehr viel und bekomme sie in der Regel nicht in der Bibliothek. Aber so ganz passt das auch nicht. Denn auch wenn ich sehr oft zu Fantasytiteln greife, so würden mir die allein definitiv nicht reichen, selbst wenn ich meine Bibliotheksausleihen (Kriminalromane, Jugendbücher, Sachbücher, allgemeine Romane) dazurechne. Es gibt immer noch genügend Lesebedürfnisse, die nicht mit Fantasytiteln und Bibliotheksausleihen abgedeckt werden können. Außerdem ist mir bewusst, dass mein Leseverhalten in den letzten Monaten vor allem davon geprägt war, dass ich Ablenkung und Entspannung suchte. Doch vor allem frage ich mich auch nach einem Blick auf die Leseliste immer noch, warum bestimmte Titel auf dem SuB verbleiben, obwohl sie doch theoretisch zu denen gehören müssten, die ich sofort und mit Begeisterung lesen sollte.

Ich habe mir in den letzten Monaten wirklich viele Gedanken um meinen SuB gemacht und weiß immer noch nicht so recht, wie mein "idealer SuB" aussehen müsste. Vielleicht gibt es sowas wie den idealen SuB ja für mich nicht, weil die Anforderungen an meinen SuB stimmungsabhängig sind, aber noch will ich diese Überlegungen nicht aufgeben und beobachte lieber noch ein paar weitere Monate die Entwicklungen auf meinem SuB, was ich in der Regel lese und welche Neuzugänge es zu mir schaffen.

Das Einzige, was ich nach den bisherigen SuB-trahiert-Beiträgen sicher sagen kann, ist, dass Romane, die ich gekauft habe, weil ich den Autor ausprobieren wollte (nur um endlich mal wieder einen neuen Autor auszuprobieren), entweder sofort von mir gelesen werden oder sehr, sehr lange auf dem SuB ruhen. Erschreckenderweise trifft das inzwischen sogar schon auf die ersten englischen Titel zu. Vielleicht sollte ich mir die gezielt für August vornehmen ...

Samstag, 23. Juli 2016

Ich lese ja immer wieder gern ...

... wenn andere Menschen über ihre Bibliothekserfahrungen schreiben. So habe ich selbst vor Jahren schon einmal einen Beitrag darüber gebloggt, wie sehr Bibliotheken zu meinem Leben gehören (und wie schade ich es finde, dass der persönliche Kontakt zu den Bibliotheksmitarbeitern durch Elemente wie die Selbstverbuchung abnimmt).

In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, wie häufig doch in den regionalen Nachrichten von Bibliotheks- (und Schimmbad)-Schließungen die Rede ist. Die kommunalen Finanzen müssen für viele Aufgaben reichen und anscheinend setzen einige Politiker darauf, dass eine Zweigstelle weniger nicht schaden wird oder es reicht, wenn es eine Bibliothek in der Nachbarstadt gibt.

All diesen Entscheidungsträgern würde ich jetzt gern einen Artikel der Autorin Hatice Akyün (veröffentlicht in der "Zeit") unter die Nase halten, über den ich am Donnerstag gestolpert bin. Da mir das nicht möglich ist, möchte ich zumindest für euch diesen tollen Text hier verlinken:


Freitag, 22. Juli 2016

Shaun Tan: The Arrival (Comic)

"The Arrival" von Shaun Tan lässt sich nur sehr schlecht in ein Genre stopfen. Es ist eine Art Bilderbuch, aber nicht für kleine Kinder gedacht, obwohl diese sich gewiss auch an den Zeichnungen erfreuen können. Ich bezweifle aber, dass kleine Kinder den Inhalt wirklich erfassen würden. Ich persönlich habe den Titel jetzt mal als "Comic" belabelt, einfach weil darunter für mich so gut wie jede Veröffentlichung fällt, die (vor allem) in Bildern erzählt wird (und eben kein Bilderbuch ist). "The Arrival" kommt vollkommen ohne Text aus und wird von Shaun Tan ausschließlich in - sehr schön gearbeiteten - Bleistiftzeichnungen erzählt. Gestolpert bin ich über diesen Titel bei Natira (Link führt zu ihrer Rezension), die auch so lieb war und mir ihr Exemplar geliehen hat.

In "The Arrival" begleitet der Betrachter einen Mann, der Frau und Tochter zurücklässt, um in einem neuen Land Fuß zu fassen. Seine Heimat wird von einer nicht näher definierten Gefahr bedroht, die sehr eindringlich durch dornige Tentakeln, die über allem schweben, dargestellt wird. Man kann Bild für Bild den Abschied von der Familie, die Abreise und die Überfahrt ins neue Land verfolgen, wobei Shaun Tan dem Betrachter viel Raum für eigene Gedanken lässt. So wird die Länge der Überfahrt zum Beispiel durch eine Doppelseite voller kleiner Wolkenbilder dargestellt, bei der man sich nicht nur gut vorstellen kann, dass jedes Bild für einen Reisetag steht, sondern man auch so weit beim Verfolgen der Handlung verlangsamt wird, dass man anfängt, sich all die Überlegungen, Ängste und Hoffnungen, die den Reisenden beschäftigen, vorzustellen.

Während das Heimatland des Reisenden - inklusive all der Details, die sein Zuhause zu einem Heim machten, - dem Betrachter vertraut vorkommt, wirkt das neue Land ungemein befremdlich. Doch bevor der Protagonist sich überhaupt umschauen kann, muss er eine ausführliche (und wie ich fand demütigende) Aufnahmeprozedur über sich ergehen lassen. Erst mit einem neuen Ausweisdokument in der Hand darf er einen Fuß in seine neue Heimatstadt setzen. Dabei verwendet der Zeichner wunderbar abstrakt und befremdlich wirkende Elemente, um zu verdeutlichen, wie verloren der Mann in diesem neuen Land ist, in dem er weder die Schrift noch die Gebräuche kennt.

Das gesamte Land ist bis ins Detail vollkommen fremdartig und verwirrend. Die Schrift besteht aus unverständlichen Symbolen, die Gebäude sind seltsam und irritierend und das Essen so unvertraut, dass der Mann häufig Hilfe benötigt, um überhaupt herauszufinden, was er damit anfangen soll. Dabei verzichtet Shaun Tan darauf, seinen Protagonisten einem feindlichen Umfeld auszusetzen, die Fremdartigkeit seiner neuen Stadt ist schon bedrückend genug. Umso schöner ist es, dass der namenlose Mann nach und nach andere Menschen kennenlernt, und so erfährt man auch von den anderen Personen, die Zuflucht in diesem Land gefunden haben, welche Gründe sie aus ihrer Heimat vertrieben haben.

Mit "The Arrival" erzählt Shaun Tan eine ruhige, feine Geschichte von Auswanderung. Die Zeichnungen des Künstlers finde ich wirklich wunderschön, ebenso wie die Details, auf die er in dieser Geschichte seinen Fokus legt. Durch diese Reduziertheit auf wesentliche Aspekte - wobei die wesentlichen Elemente eben manchmal nur aus einem kleinen Gegenstand oder einer Geste bestehen - fand ich die Handlung besonders anrührend. Nach dem Lesen ist dieser Titel gleich auf meiner Wunschliste gelandet, weil er zu den Büchern gehört, die ich gern in meinem Bestand hätte, um sie immer wieder in die Hand nehmen zu können.

Ach ja, Beispielbilder und Hintergründe zu der Veröffentlichung finde man auf der Webseite von Shaun Tan: The Arrival