Freitag, 30. September 2011

Julia Quinn: Das geheime Tagebuch der Miss Miranda

Obwohl ich mir mit meinem neuen Julia-Quinn-Roman wieder ein paar nette Stunden gemacht habe, muss ich doch zugeben, dass das wirklich nicht die beste Geschichte ist, die ich bislang von der Autorin gelesen habe. Auf ihrer Homepage kann man nachlesen, dass dieser Roman auf einem ihrer früheren Manuskripte basiert und dass sie nicht so viel an diesem Text geändert hat, um ihn zu veröffentlichen. Ich kann verstehen, dass sie in ihre beiden Hauptfiguren ein bisschen „verliebt“ ist und die Idee immer noch mag, aber ich wünschte mir trotzdem, sie hätte die Handlung noch einmal gründlich umgeschrieben.

Dabei ist der Anfang wirklich bezaubernd. Die zehnjährige Miss Miranda Cheever verliebt sich gleich bei ihrem ersten Treffen in Viscount Turner, den neunzehnjährigen Bruder ihrer besten Freundin Olivia. Turner sieht nicht nur gut aus, sondern benimmt sich dem jungen Mädchen gegenüber sehr freundlich und aufmerksam. Neun Jahre später hat sich an Mirandas Gefühlen für den Viscount nichts geändert, er hingegen musste gerade erst seine junge Ehefrau beerdigen und leidet noch unter den Nachwirkungen dieser Beziehung.

Seine Leticia war nämlich ein berechnendes und untreues Miststück - und auch wenn Turner sich bewusst ist, dass nicht jede Frau so ist, so hat er doch nicht vor sich jemals wieder zu binden. Abgesehen davon, dass seine Ehe mit Leticia ihm nur Qualen bereitet hat, ist er sich sicher, dass sein inzwischen verbittertes Wesen keiner unschuldigen jungen Frau zuzumuten sei. Trotzdem genießt er die Wortwechsel mit Miranda, die gemeinsam mit seiner Schwester Olivia von seiner Mutter in die Gesellschaft eingeführt wird.

Soweit fand ich diese Geschichte wirklich wunderbar. Turner ist – trotz seiner Wesensveränderung - erst einmal kein unsympathischer Charakter, während mir Miranda mit ihrer eigentlich recht vernünftigen Art ans Herz gewachsen ist. Vor allem, da die junge Frau nicht nur intelligent ist, sondern hier und da auch einiges an Temperament zeigt – wobei diese impulsiven Handlungen sie auch immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Aber kaum gesteht Miranda Turner ihre Liebe und die beiden kommen sich näher, benimmt er sich wie ein Idiot, während sie irgendwann stumm leidend alles hinnimmt.

Das führte soweit, dass ich im letzten Drittel nur noch das Bedürfnis hatte, die beiden Figuren zu schütteln, damit sie sich wieder etwas mehr so benahmen wie zu Beginn der Geschichte. Vermutlich hätte mich dieses Verhalten auch nicht so extrem gestört, wenn es Julia Quinn gelungen wäre etwas mehr Spannung in ihre Geschichte einzubauen. So aber plätscherte das Ganze ohne Höhepunkte oder besonders witzige Dialoge auf sein vorhersehbares Ende zu – und ich sehnte mich nach einem Roman von Georgette Heyer, da diese Autorin ein deutlich besseres Händchen für solche Handlungen hat.

Auch wenn „Das geheime Tagebuch der Miss Miranda“ für mich keine absolute Zeitverschwendung war und ich bestimmt irgendwann noch einmal zu dem Buch greifen werde (und sei es nur um den Anfang noch einmal zu genießen), so denke ich, dass Julia Quinn heutzutage doch ein deutlich befriedigenderes Ende hinbekommen würde. Wenn sie also schon auf alte Manuskripte zurückgreift (die gewiss nicht ohne Grund in der Schublade dahinvegetieren), dann doch bitte mit einer radikaleren Überarbeitung der Handlung.

Donnerstag, 29. September 2011

Schwarzweiße Sehnsucht

Ein blöder Beitragstitel, ich weiß, aber so recht fiel mir einfach kein passender Begriff ein, um mein aktuelles Bedürfnis nach Büchern und Filmen zu beschreiben, die für mich in die "schwarzweiße" Zeit fallen. Und ich kann nicht mal sagen, dass das eine neue Leidenschaft für mich ist, denn dann gäbe es nicht so viele Dinge in unserem Haushalt, die in diese Kategorie passen. Nur zu blöd, dass es keinen allgemeingültigen Überbegriff gibt, denn so muss ich jetzt versuchen, eine einigermaßen vollständige Liste zu machen, um euch begreiflich zu machen, worüber ich rede.

Ich habe immer wieder große Lust auf Kriminalromanen wie die Miss-Daisy-Geschichten, die ich in den letzten Wochen verschlungen habe, aber auch eine unsterbliche Schwäche für Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Erle Stanley Gardner und ähnliche Autoren. Einige von ihnen vermitteln mir ein "Nachkriegsgefühl" ("Miss Daisy" spielt nach dem Ersten Weltkrieg, die meisten anderen Geschichten nach dem Zweiten Weltkrieg), das ich irgendwie genieße. Aber auch Hörbücher wie "Deine Juliet" (welches ich gerade zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate höre) passen in diese Kategorie, oder Romane wie "Ein Schlachtplan für Miss Winter".

Zusätzlich plagt mich ein - gerade leider nicht stillbares - Bedürfnis nach Screwball-Komödien. Normalweise kann ich mich darauf verlassen, dass im Herbst die dritten Programme nachts den einen oder anderen Schwarzweiß-Film zeigen, der es mir ermöglicht, die wundervoll amüsanten Dialoge dieser Zeit zu genießen oder zumindest eine klassische amerikanische Kriminalgeschichte zu verfolgen. Doch zu meinem Bedauern lassen mich gerade die Fernsehsender im Stich - ebenso wie unser DVD-Player, so dass ich nicht mal auf meine "Der dünne Mann"-Sammlung und andere DVDs zurückgreifen kann.

Ich weiß gar nicht, warum ich gerade solche Lust auf Geschichten habe, die zwischen 1920 und 1950 spielen, aber am liebsten würde ich kopfüber in meinen Bücherkartons und DVD-Regalen verschwinden und nach Krimis und Komödien suchen, die dieses Zeitgefühl vermitteln, wieder zu Miss Pettigrew und Miss Daisy greifen, mit Agatha Christies Tommy und Tuppence Beresford Abenteuer erleben, mich an der lakonischen Art von Philip Marlowe erfreuen, zusehen, wie Abby und Martha Brewster einem alten Herren Wein servieren, mit Cary Grant und Katherine Hepburn Knochen jagen oder ein Leben jenseits des Geldadels anstreben und meinen Humphrey-Bogart-Bildband so aufstellen, dass ich jederzeit einen Blick darauf habe ...

Habt ihr eigentlich auch so Phasen, in denen ihr am liebsten für eine Weile in einer anderen Zeit "verschwinden" würdet? Oder denkt ihr nach dem Lesen dieses Beitrags einfach nur, dass ich spinne? ;)

Dienstag, 27. September 2011

Johan Theorin: Blutstein

Dank der örtlichen Bibliothek habe ich nun auch den dritten "Öland"-Band von Johan Theorin lesen können. Nachdem ich mit "Öland" den Herbst und mit "Nebelsturm" den Winter auf der schwedischen Insel erleben konnte, zieht mit "Blutstein" der Frühling ins Land. Das Eis bricht, die ersten Zugvögel erreichen die Insel und Blumen erblühen. Noch ist es so früh im Jahr, dass die Insel nicht von Touristen und Sommerhausbesitzern überschwemmt wird, auch wenn die ersten Wochenendbesucher schon da sind.

Auch Per Mörner zieht es in diesem Frühjahr auf die Insel, nachdem er vor einiger Zeit ein kleines Haus an einem Steinbruch geerbt hat. Der Mann hat so einige Probleme im Leben und hofft, dass er vom Frieden auf der Insel profitieren kann. Doch der Leser weiß vom ersten Moment an, dass dieser Frühling nicht friedvoll wird, verrät der Prolog doch schon, dass Per in der Walpurgisnacht (am 30. April) um sein Leben kämpfen muss …

Wie es sich für einen Roman von Johan Theorin gehört, entwickelt sich die Handlung nach dem erschreckenden Prolog erst einmal recht gemächlich. Neben Pers Häuschen gibt es auch zwei neue Sommerhäuser am Steinbruch, die eindeutig betuchten "Stadtmenschen" gehören. Eines dieser Domizile gehört Vendela Larsson und ihrem Mann Max - und so kann man als Leser aus Vendelas Sicht mitverfolgen, dass die Ehe der beiden nicht gerade harmonisch verläuft.

Während Max seinem Erfolg hinterherläuft, verliert sich Vendela in Geschichten über Trolle und Elfen, die sie in ihrer Kindheit gehört hat. Denn obwohl sie seit vielen Jahren nicht mehr auf Öland war, so ist sie doch in der Nähe ihres neuen Sommerhauses auf dem Hof ihres Vaters aufgewachsen und muss nun ständig an die Elfengeschichten denken, die ihr Vater ihr früher erzählt hat - doch mit diesen märchenhaften Erinnerungen kommen auch die längst verdrängten Ereignisse in ihn wieder hoch.

Auch Pers Leben wurde von seinem Vater Gerhard (der sich vor Jahren in "Jerry Morner" umbenannt hat) geprägt. Dieser war als Produzent von Filmen und Zeitschriften reich geworfen, hatte aber selbst an den wenigen Wochenenden, die er seinen Sohn sehen konnte, keine Zeit für diesen. Obwohl sich Per schon lange damit abgefunden hat, dass sein Vater keine Liebe für ihn empfindet und sein Geld mit Pornos gemacht hat, versucht er doch keinen Kontakt zwischen seinem Umfeld und Jerry entstehen zu lassen. Nun aber kann Jerry nach einem Schlaganfall nicht mehr allein zurecht kommen und als sein altes Studio abbrennt, muss Per ihm beistehen.

Wieder einmal haben mir die atmosphärischen Beschreibungen der Insel und ihrer Einwohner gefallen. Ein paar liebgewonnene Charaktere habe ich in "Blutstein" wiedergetroffen und ein paar neue sympathische Figuren kennengelernt. Vor allem Per Mörner in seiner ganzen Unbeholfenheit, seinen Versuchen für seine Kinder Nilla und Jesper da zu sein und seine Bemühungen mehr über seinen - ungeliebten - Vater herauszufinden, ist mir schnell ans Herz gewachsen. Vendela fand ich stellenweise etwas zu sehr verloren in ihrer Traumwelt, aber Johan Theorin hat es geschafft mir auch das verständlich zu machen. Würde ich eine solche Ehe führen oder auf eine solche Kindheit zurückblicken, dann würde ich vielleicht auch Zuflucht bei Elfen suchen.

Obwohl Vendelas und Pers Geschichten kaum miteinander etwas zu tun haben, fand ich, dass sich die beiden Handlungsstränge gut ergänzt haben. Auf der einen Seite ein ungeschickter, aber liebevoller Vater, der zwischen Brandstiftung, Mord und Pornogeschäft versucht  etwas Licht in diese schmutzigen Vorgänge zu bringen und auf der anderen Seite die Flucht vor der Wirklichkeit, die Hoffnung auf übernatürliche Hilfe und die eine oder andere Szene, die sich einfach nicht mit Logik erklären lässt.

Das alles führt zu einer faszinierenden Geschichte, die zwar nicht gerade als atemberaubend bezeichnet werden kann, mich aber auch einfach nicht losgelassen hat. Wie schon bei "Öland" und "Nebelsturm" konnte ich "Blutstein" nicht lange aus der Hand legen, weil ich einfach wissen wollte wie es weitergeht. Ich finde es großartig, dass Johan Theorin mit seinen Kriminalromanen Geschichten schafft, deren Verlauf ich nicht einfach vorhersagen kann und die immer wieder eine überraschende Wendung für mich bereithalten.

Montag, 26. September 2011

Marina Heib: Puppenspiele

Beim Inhalt begnüge ich  mich ausnahmsweise mal wieder mit dem Klappentext des Romans:
Eine rote Narbe über dem Herzen und ein Spiegel in der Hand. Ein Serienkiller veranstaltet eine besonders grausame Inszenierung mit seinen jungen Opfern. Welche Botschaft steckt dahinter? Christian Beyer und sein Team decken ein skrupelloses Spiel um Geld und wissenschaftlichen Fortschritt auf, das seinen tödlichen Tribut fordert.
Ich habe mir den Krimi "Puppenspiele" in der Bibliothek  mitgenommen, weil ich auf mehreren Seiten recht lobende Worte zu dem Titel gelesen hatte und neugierig war. Im Moment habe ich große Lust auf Kriminalromane und ebenso große Lust, mal wieder einen deutschen Autor für mich neu zu entdecken. Obwohl "Puppenspiele" schon der vierte Band um Hauptkommissar Christian Beyer ist, hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Handlung und kam gut mit dem eingespielten Team der "Soko Bund" zurecht. Außerdem hat mir die klare und zum Teil schon fast zu direkte Sprache der Autorin gefallen.

Auch fand ich die kleinen Momente, in denen deutsche Städte beschreiben wurden, angenehm atmosphärisch und stimmig. Die vielen Perspektivwechsel fielen für mich unter "gewohntes Stilmittel" und gaben nicht nur Einblick in die Arbeit der Ermittler, sondern auch in die Ansichten und Gedanken anderer Personen, die (mal mehr, mal weniger) in den Fall verwickelt waren, so dass sich die Geschichte aus vielen kleinen Puzzlestückchen zusammensetzte. Soweit alles schön und gut, aber trotz der positiven Punkte an diesem Krimi habe ich mich regelrecht durch diesen Roman gequält und mich dabei ertappt, dass ich lieber eine zufällig laufende Kirchendoku (normalerweise gar nicht mein Thema) im Fernsehen verfolgt habe als weiter zu lesen.

Das lag nicht nur daran, dass die Handlung für mich viel zu schnell schrecklich vorhersehbar war, sondern auch, dass ich mit dem Thema und seiner Umsetzung durch die Autorin inzwischen nichts mehr anfangen kann. Vermutlich liegt es wirklich an mir und ich habe einfach schon zu viele Kriminalromane gelesen, die sich um hochintelligente Serienmörder, skrupellose Geschäftsmenschen, Familiengeheimnisse aus der Vergangenheit und ähnliche Elemente drehen. Aber ich habe so die Nase voll von diesem – auch hier nicht konsequent durchgezogenen – Tätertypus, diesen konstruierten Geschichten und diesen an den Haaren herbeigezogenen Motiven, dass bei mir einfach keine Spannung aufkam.

Die diversen kleinen Hinweise waren für mich einfach viel zu offensichtlich gestreut, und so lag die Lösung auf der Hand, lange bevor einem die verschiedenen Nebenstränge offiziell die Antwort auf die ganzen Fragen gegeben haben. Und während ich über solche durchschaubaren Plots normalerweise hinwegsehen kann, wenn mir ein Autor zumindest die Charaktere nahebringen kann, so fehlte mir in "Puppenspiele" genau das. Die verschiedenen Figuren waren mir nicht unsympathisch, stellenweise waren sie sogar interessant konzipiert, aber sie haben mich nicht berührt. Es war mir vollkommen egal, was aus ihnen wurde – sogar als es um das Schicksal eines zehnjährigen Mädchens ging …

Ich glaube, "Puppenspiele" gehört zu den Kriminalromanen, die einen als erfahrener und kritischer Krimileser einfach nicht überzeugen können. Marina Heib schreibt wirklich nicht schlecht, aber der von ihr genutzte Handlungsaufbau und die verwendeten Stilmittel sind (für mich) inzwischen so ausgelutscht, dass einfach keine Spannung aufkommen wollte. Und wenn die Handlung einen schon nicht mitreißen kann, dann ist es umso bedauerlicher, dass einem die verschiedenen Charaktere nicht nahegebracht werden. Das Lesen dieses Romans war für mich wie das Angucken einer beliebigen amerikanischen Krimiserie – da braucht es auch nur einen bestimmten Kamerazoom, und schon kann ich meinen Mann erzählen, wer der Täter war und welche zwei möglichen Motive in Frage kommen … ;)

Sonntag, 25. September 2011

SuB-Zuwachs im September

Auch in diesem Monat gibt es wieder etwas Zuwachs für meinen SuB. Gestern klingelte der Paketbote und brachte mir folgenden Lesestoff für die kommenden Wochen.


1. Michelle Harrison: Elfenseele - Jenseits der Ferne
(Der dritte Teil der "Elfenseelen"-Reihe - und ich muss mich arg zurückhalten, um nicht alles stehen und liegen zu lassen und diesen Band zu verschlingen.)

2. Bernd Perplies: Magierdämmerung - In den Abgrund
(Auch hier der dritte - und abschließende - Teil einer Reihe, auf den ich mich schon sehr gefreut habe. Allerdings fürchte ich, dass ich vor dem Lesen meine Erinnerungen an die Geschehnisse aus "Gegen die Zeit" wieder auffrischen muss.)

3. Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod
(Ein holländischer Krimi für meine aktuelle Krimi-Leselust.)

4. Sharon Ashwood: Höllenherz
(Schon der vierte Teil der Reihe - irgendwie habe ich das Gefühl, dass die in einem erstaunlich schnellen Rhythmus rausgebracht werden. Aber vermutlich liegt das an meinem etwas gestörtem Zeitempfinden. ;) )

5. Julia Quinn: Das geheime Tagebuch der Miss Miranda
(Da ich ja die Bridgerton-Romane von der Autorin so liebe und auch von "Just Like Heaven" nicht enttäuscht war, freu ich mich schon sehr auf dieses Buch. Bestimmt ist es perfekt für den nächsten Nachmittag mit richtig herbstlichem Regenwetter, der unbedingt mit Tee und Katze auf dem Sofa verbracht werden muss.)

6. Kathryn Miller Haines: Ein Schlachtplan für Miss Winter
7. Kathryn Miller Haines: Miss Winter lässt nicht locker
(Die beiden Bücher habe ich schon vor einer Weile auf meine Wunschliste gesetzt und dann aus den Augen verloren, bis mich Natira mit einer unschuldigen Frage in einem Kommentar daran erinnerte. Zum Glück hat mir jemand die beiden Roman kurzfristig besorgen können - und so werde ich damit demnächst meine Krimilust mit diesen Geschichten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs stillen.)

Samstag, 24. September 2011

Kleine Freuden - Der Bibliotheksbesuch am Freitagvormittag

Ich habe am Freitag tolle Beute aus der Bibliothek mitgebracht:

Vor allem freue ich mich auf "Blutstein", da ich gerade anscheinend eine Theorin-Phase habe.

Dann bin ich mit einer anderen Bibliotheksnutzerin ins Gespräch bekommen und habe ihr drei meiner "bewährten" Krimiautorinnen empfohlen (unter anderem Deborah Crombie), weil sie etwas suchte, das nicht zu blutig, nicht zu vorhersehbar und nicht aus der Region ist. Ein bisschen sentimental bin ich da schon geworden, weil es sich anfühlte wie die Kundengespräche früher im Buchhandel ... Im Gegenzug habe ich von ihr Petros Markaris in die Hand gedrückt bekommen - ich bin jetzt schon gespannt auf den Autor.


Für den Nachmittag habe ich mir dann noch vom Bäcker neben der Bibliothek etwas mitgebracht und den Arbeitstag dann mit Tee, Blaubeermuffin und "Blutstein" ausklingen lassen. :)

Donnerstag, 22. September 2011

Johan Theorin: Nebelsturm

Gerade weil ich "Nebelsturm" vor "Öland" gelesen habe, kann ich sagen, dass man diese Roman wirklich unabhängig voneinander lesen kann. Aber da ich schon wusste, welche Figuren in "Nebelsturm" vorkommen, wurde mir am Ende von "Öland" auch ein wenig die Spannung genommen. Wer also einen Blick in diese Krimis werfen will, dem empfehle ich die richtige Reihenfolge. Außerdem hatte ich bei "Nebelsturm" das Gefühl, dass man sich noch stärker auf die gemächliche Erzählweise des Autors einlassen muss. Die zählt in meinen Augen übrigens zu den großen Stärken von Johan Theorin, aber ungeduldigeren Lesern ist das Erzähltempo vermutlich zu langsam.

Wie in "Öland" wird auch die Handlung in "Nebelsturm" aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei die – gerade erst auf den Åludden-Hof auf Öland gezogene – Familie von Joakim und Katrine Westin im Mittelpunkt steht. Das Ehepaar will die zum Hof gehörenden Häuser liebevoll renovieren, so wie sie es schon mit ihrem früheren Haus gemacht hat, und hofft, dass sie ihren beiden Kindern auf der Insel ein schöne Umgebung bieten könnten. Doch bevor sie noch richtig Fuß in ihrem neuen Heim fassen können, kommt es zu seltsamen Vorkommnissen und einem Todesfall.

Parallel zu ihrem Erzählstrang erfährt der Leser noch die tragische Geschichte des Hofes und der dazugehörigen beiden Leuchttürme. Diese Vergangenheit wirft schnell ihren Schatten auf das Leben der jungen Familie. Verschlimmert wird das Ganze auch noch dadurch, dass Katrines Mutter vor einigen Jahren dort gelebt hat und für ihre Tochter einige Schauergeschichten über den Hof aufgeschrieben hat. Zuletzt verfolgt man noch die Sicht von Tilda, einer jungen Polizistin, die gerade ihre neue Arbeit auf der Insel angetreten hat und deren verwandtschaftliche Beziehungen zu der Insel ihr einen ganz eigenen Einblick in die Geschehnisse geben.

Wie schon erwähnt, so ist das Erzähltempo von Johan Theorin in diesem Roman recht gemächlich. Die Spannung entsteht nicht aus nervenzerreißenden Geschehnissen, sondern aus dem Spiel zwischen atmosphärischen Beschreibungen der Insel, kleinen Schauerelementen und Geistergeschichten und den vielen kleinen Geheimnissen der verschiedenen Personen. Ich muss zugeben, dass ich beim Lesen ständig zwischen "das ist doch alles Einbildung" und "also doch Geister auf dem Åludden-Hofes" schwankte. Besonders hat es mir gefallen, dass jede Beschreibung von der Person gefärbt wurde, aus deren Sicht man die jeweilig Szene las – und so konnte man sich nie sicher sein, dass das Erzählte auch wirklich "wahr" war.

Wer klassische Ermittlungen verfolgen will, sollte von Johan Theorins Bücher wohl lieber die Finger lassen. Aber wer sich auf eine atmosphärische Handlung mit leichten Anklängen einer Geistergeschichte, ungewöhnliche Hauptfiguren, eine eher unaufgeregte Erzählweise und eine klare und direkte Sprache einlassen kann, der bekommt mit "Nebelsturm" einen Roman, der einen auch nach einigen Monaten noch nicht ganz losgelassen hat. Richtig perfekt ist "Nebelsturm" übrigens an einem richtig kalten Wintertag, wenn draußen der Schnee stürmt – also eindeutig ein Fall für die Weihnachtswunschliste!

Mittwoch, 21. September 2011

David Chandler: Die Metropole der Diebe (Ancient Blades 1)

Nach einem Prolog, in dem man den Zauberer Hazoth, den Kämpfer Bikker und einen geheimnisvollen dritten Mann kennenlernt und erfährt, dass diese drei eine vernichtenden Intrige gegen die Freie Stadt Ness planen, findet sich der Leser auf den Straßen von Ness wieder. Hier verdient sich der junge Malden seinen Lebensunterhalt als Dieb und Einbrecher. Dabei gerät er unwissentlich dem Meister der Diebe in die Quere, in dem er bei einem Kaufmann einbricht, der unter dem Schutz der Diebesgilde steht.

Nun wird Malden vom Meister der Diebe zwangsrekrutiert und nur wenn er eine riesige Geldsumme erlangen kann, kann er sich von dieser Verpflichtung freikaufen. Während der Dieb noch nach einer Lösung für seine missliche Situation sucht, bekommt er die Chance einen kostbaren Gegenstand aus dem Schloss des Burggrafen zu stehlen. Dabei lernt er nicht nur die Zauberin Cythera sondern auch den Ritter Sir Croy kennen, der gerade erst seiner Hinrichtung entkommen konnte. Bevor Malden noch weiß wie ihm geschieht, steckt er inmitten einer gefährlichen Geschichte rund um Liebe, Intrigen und den Kampf um Freiheit.

David Chandler hat mit "Die Metropole der Diebe" einen klassische Fantasyroman geschaffen, der flüssig zu lesen und wirklich unterhaltsam ist. Dabei ist es für mich aber unübersehbar, dass dieses Buch das Debüt des Autors ist. Obwohl David Chandler einige wirklich reizvolle Ideen hat, gibt es sehr viele Logikprobleme bei seiner Beschreibung der Stadt und der Lebensweise der diversen Figuren. Abgesehen davon hat es mich wirklich gestört, dass Malden, der in einem Hurenhaus aufgewachsen ist, sich nicht nur das Diebeshandwerk selber beigebracht hat, sondern auch noch Lesen und Schreiben. Da frage ich mich wirklich, woher der Junge in einer solchen mittelalterlichen Welt überhaupt den Lesestoff (abgesehen von den nötigen Anleitungen) dafür in die Finger bekommen hat.

Außerdem gibt es nur sehr wenige Unterschiede in der Ausdrucksweise der verschiedenen Charaktere. Egal, ob es sich um den Dieb Malden, die gebildete Zauberin Cythera , den Meister der Diebe oder den Kämpfer Bikker handelt, alle Figuren drücken sich sehr ähnlich aus, was ich doch recht unglaubwürdig finde, vor allem angesichts der unterschiedlichen Hintergründe und "Bildungswege". Die einzigen Unterschiede entstehen durch kleine Charaktermerkmale, wie zum Beispiel die sehr schwärmerische Liebe des etwas naiven Ritters Sir Croy, dessen Idealismus und weltfremde Sicht auf das Leben sich auch in seiner blumigen und übertriebenen Wortwahl zum Ausdruck kommt.

Aber ich will nicht nur meckern, denn von diesen Kritikpunkten abgesehen ist "Die Metropole der Diebe" ein netter und unterhaltsamer Fantasyroman, der mit einigen sympathischen Figuren, ein paar gelungenen Actionszenen und amüsanten Momenten aufwarten kann. Insgesamt ist die Geschichte zwar nicht innovativ, aber das Buch hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich bestimmt einen Blick in den angekündigten zweiten Teil, "Das Grab der Elfen", werfen werde, in der Hoffnung, dass David Chandler dann die "Kinderkrankheiten" seines Debütromans hinter sich lassen wird.

Montag, 19. September 2011

Johan Theorin: Öland

Nachdem ich im Frühjahr "Nebelsturm" von Johan Theorin gelesen hatte und begeistert war, habe ich mir vor einiger Zeit von Bibendum den Debütroman des Autors ausgeliehen. "Öland" spielt auf der gleichnamigen Insel und gehört zu einem Quartett von Titeln, das der Autor rund um diesen Handlungsort geplant hat. Die Romane sind unabhängig voneinander lesbar, aber trotzdem würde ich empfehlen, die Reihenfolge einzuhalten, damit einem nicht die eine oder andere Wendung in der Handlung vorweggenommen wird.

Nach einem kurzem Prolog, in dem man verfolgen kann, wie ein kleiner Junge für einen verhängnisvollen Ausflug den großelterlichen Garten verlässt, wird die Handlung in "Öland" aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Auf der einen Seite kann man miterleben, wie Julia Davidson nach über zwanzig Jahren immer noch nicht den Verlust ihres Sohnes Jens verkraftet hat. Nur unwillig reist sie von Götborg nach Öland, nachdem ihr Vater Gerlof behauptet, dass er neue Hinweise auf das Schicksal des Kindes bekommen hat. Doch erst einmal auf der Insel angekommen, muss sie sich dem stellen, was damals passiert ist - und so auch endlich versuchen, mit der Vergangenheit abzuschließen.

Gerlof hingegen quält nicht nur die Frage nach dem Verbleib seines Enkels, ihm geht es auch darum, zu erfahren, warum jemand nach all den Jahren auf ihn zugekommen ist, um ihm einen wichtigen Hinweis zu überreichen. Dem alten Mann geht es darum, die Wahrheit herauszufinden, Gerüchte und Vermutungen zu hinterfragen und endlich mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. Obwohl ihm seine Tochter unterstellt, dass er sich mit seinen Ermittlungen in den Vordergrund spielen will, wird deutlich, dass ihm nun, da sein Körper aufgrund seiner Altersgebrechen nicht mehr recht funktionieren will, seine Gedanken keine Ruhe lassen. Während Julia anfangs schrecklich passiv ist, kommt mir Gerlof wie ein Terrier vor, der sich in etwas verbissen hat und einfach nicht mehr loslassen kann. Unterstützt wird er dabei von zwei alten Freunden, die ihm mit ihren Erinnerungen und ihrem Wissen um die einheimischen Bewohner der Insel zur Seite stehen.

Die dritte Perspektive führt den Leser hingegen in die Vergangenheit, wobei schon der Prolog deutlich macht, dass es eine enge Verbindung zwischen diesem Erzählstrang und dem Verschwinden des Kindes gibt. Im Jahr 1936 beginnt die Geschichte rund um Nils Kant, als sein kleiner Bruder beim Schwimmen ertrinkt, und in den folgenden Jahren kann der Leser ein gewalttätiges Ereignis nach dem anderen rund um den seltsamen jungen Mann verfolgen. Bei all den Vorfällen ist es kein Wunder, dass die Alteingesessenen auch Jahrzehnte danach noch Nils Kant als die Wurzel allen Übels ansehen und die Gerüchte um seine Taten nicht verstummen.

Johan Theorin nimmt sich viel Zeit, um diese Geschichte und eine besondere Öland-Atmosphäre aufzubauen. Ich habe beim Lesen regelrecht gespürt, dass diese Insel und die dort lebenden Menschen ihren ganz eigenen Rhythmus haben. Und dieser Rhythmus wird nicht nur beim Erzählen von Geistergeschichten und Sagen deutlich, sondern auch bei den "Ermittlungen" von Julia und Gerlof. So entwickelt sich die Handlung sehr gemächlich, ohne dass ich mich dabei je gelangweilt hätte. Stattdessen habe ich mir meine eigenen Gedanken um die Geschehnisse gemacht, das Gefühl von herbstlicher Ruhe genossen, vor meinem inneren Auge gesehen, wie verlassen so ein Ort wirken kann, wenn er hauptsächlich aus Sommerhäusern besteht, und mir dabei eingebildet, den eisigen Wind zu spüren, der den nahenden Winter ankündigt.

Und da ich "Nebelsturm" vor "Öland" gelesen habe, konnte ich mir einen Vergleich zwischen den Büchern beim Lesen nicht ganz verkneifen. "Nebelsturm" wirkt viel mehr wie eine Geistergeschichte und lässt den Leser in einem viel höheren Maße darüber im Unklaren, was wirklich ist und welche Eindrücke nur auf Einbildung oder Hörensagen basieren. Dafür ist die Handlung auch komplexer und - trotz der einen oder anderen Länge - spannender. Aber trotz dieses Vergleichs fand ich "Öland" sehr unterhaltsam und spannend zu lesen.

Ich liebe Johan Theorins Fähigkeit, Atmosphäre zu erzeugen, bin hingerissen von der Insel (und einigen ihrer Bewohner) und bekomme beim Lesen Sehnsucht nach einer Auszeit in einer so ursprünglichen Umgebung (wobei ich natürlich die Sommerhäuser ignorieren müsste *g*). Obwohl ein spürbarer Qualitätssprung zwischen "Öland" und "Nebelsturm" vorhanden ist, habe ich den Debütroman des Autors wirklich gern gelesen. Und nun muss ich unbedingt die Augen nach "Blutstein", dem dritten Öland-Roman, aufhalten.

Sonntag, 18. September 2011

Christie auf dem Schrank

Obwohl ein paar von euch ja der Meinung sind, dass Christie durchaus fotogen ist, will sie mir es nicht so recht glauben. Also ergab eine Fotosession vor ein paar Tagen folgende Bilder (samt dreckiger Nase und schmuddeliger Bücherregalecke *g*):




Samstag, 17. September 2011

[Kulinarisches] Zucchini-Rosmarin-Reis-Pfanne

Nachdem die Abende in den letzten Tagen doch langsam kälter werden, ist es wieder Zeit für ein herzhaftes Essen, das irgendwie auch ein wenig an den vergangenen Sommer erinnert. Entstanden ist das Gericht vor einigen Jahren, als ich eine Alternative zu einer - von einer Freundin heißgeliebten - Fertigmischung suchte. Mir persönlich schmeckt meine Version deutlich besser, da sie mehr Tomatengeschmack hat als die Wasser-und-Fertigpulver-Variante.



[Edit: Foto am 31.10.2015 ausgetauscht wegen neuer Kamera, besserem Licht in der Küche und neuem Geschirr. ;)]

Zutaten für zwei bis drei Personen:

ca. 300 g Zucchini (gewürfelt oder in Scheiben)
200 g Reis
2-3 TL Rosmarin
500 ml passierte Tomaten
ca. 250 ml Gemüsebrühe
2 EL Tomatenmark
Salz
Pfeffer
Zucker (eine Prise)
Öl zum Anbraten
100 g Feta (gewürfelt)

Die Zucchini leicht anbraten, dann den Reis in die Pfanne geben und mitbraten, bis dieser glasig geworden ist. Jetzt die Brühe, die passierten Tomaten, das Tomatenmark und den Rosmarin hinzugeben, alles gut vermischen und bei leichter Hitze köcheln lassen, bis der Reis gar ist. Dabei immer wieder umrühren, damit nichts ansetzt. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken - nicht zu viel Salz verwenden, weil der Feta ja ebenfalls salzig ist. Zuletzt den gewürfelten Feta dazugeben und leicht anschmelzen lassen. Je nach Vorliebe kann man den Feta dabei unterrühren oder über dem Essen schmelzen lassen, beides ist sehr lecker.

Freitag, 16. September 2011

[Figurenkabinett] Gretchen Grau

Schon seit ein paar Monaten habe ich das Bedürfnis mal wieder meine Gretchen-Grau-Bücher zu lesen, aber natürlich ruhen die - ebenso wie meine anderen Schätze - immer noch in Kartons. Also habe ich mir gedacht, wenn ich schon nicht die Romane lesen kann, dann stelle ich euch eine meiner Lieblingshexen eben mal in einem Figurenkabinett vor. Dabei ist mir dann sogar aufgefallen, wie lange ich schon eine Schwäche für ungewöhnliche Fantasy-/Märchenfiguren habe, denn die Gretchen-Grau-Geschichten habe ich das erste Mal 1987 gelesen.

Gretchen Grau ist eine ganz gewöhnliche Haus- und Herdhexe, aber wenn man miterlebt, welche Probleme sie mit ihren magischen Fähigkeiten bewältigt, dann bekommt man das Gefühl, dass die "großen" Hexen in solch schwierigen Situationen doch deutlich eingeschränkter in ihren Möglichkeiten wären. Gemeinsam mit ihrer eigenwilligen Großmutter Maudie kümmert sich die junge Hexe um das Gut von Wilhelm Sturmhaub, während Großmutters Kater Chingachgook auf alles ein aufmerksames Auge behält.

Bei meinem ersten Zusammentreffen mit Gretchen musste ich miterleben, wie Großmutter Maudie eine kleine Spottdrossel mit einem Besen jagte, während sie ihren Kater lauthals aufforderte endlich diesen lästigen Vogel zu fressen. Zum Glück für alle Beteiligten mischte sich Gretchen ein, fand heraus, dass sich hinter der Spottdrossel der Barde Colin Liedschmied verbarg und zwang ihre Großmutter den Sänger wieder zurückzuverwandeln. Auch wenn sie diese gute Tat fast bereut hätte, nachdem sie herausfand, dass dieser ein Lied über Gretchens geliebte Schwester gesungen hatte, welches die Tugend der - aus Sicht ihrer Familie glücklich verheirateten - jungen Frau in Verruf bringt. Und da Colin solche boshaften Gerüchte über Bernsteinwein verbreitet hat, wird er von Gretchen dazu verdonnert gemeinsam mit ihr herauszufinden, was in der Ehe ihrer Schwester los ist.

Ich mag Gretchen, weil sie nicht nur ihre - von anderen magisch Begabten gern als eingeschränkt angesehenen - Fähigkeiten mit viel Fantasie einsetzt, sondern auch weil sie vor keiner Herausforderung zurückschreckt. Irgendeine Lösung findet Gretchen für ein Problem immer, auch wenn ihr Umfeld der intelligenten und tatkräftigen jungen Frau oft nicht folgen kann. Passend zu ihren "häuslichen" Fähigkeiten ist ihre praktische Art und sie würde einem vermutlich schon etwas auf die Nerven fallen, wenn sie nicht auch sehr loyal gegenüber ihrer Familie und ihren Freunden wäre und Sinn für Humor hätte.

Die Autorin Elizabeth Ann Scarborough lässt Gretchen und Colin allerlei Abenteuer erleben, bis die beiden herausfinden, was es mit Bernsteinweins seltsamer Flucht mit einem Zigeuner auf sich hatte und die Schwestern wieder vereint sind. Und dabei werden die Hexe und der Barde - trotz ihres sehr unterschiedlichen Wesens - gute Freunde. Doch bei einem Band hat es Elizabeth Ann Scarborough nicht belassen und so kann man in vier Teilen von Gretchen und ihrer Familie lesen, in ihre fantastische Welt abtauchen und dabei lauter skurrilen Figuren begegnen.

Lustigerweise fällt mir jetzt erst, da ich diesen Beitrag schreibe auf, dass Gretchen und Cimorene doch ein paar Dinge gemein haben - und sei es nur, dass ich den Humor ihrer beiden Autorinnen einfach nur liebe, ebenso wie der Umgang der beiden mit märchenhaften Elementen. Dabei hält sich Elizabeth Ann Scarborough aber viel näher an klassische Märchenwelten, beweist eine größere Vielfalt bei ihren Charakteren und lässt ihre Figuren einen deutlich größeren Teil der Welt entdecken, als es bei Cimorene der Fall ist (diese bleibt ja doch recht nah beim Zauberwald).

Leider kann man die Gretchen-Grau-Geschichten heute kaum noch in die Finger bekommen. Die vier Romane erschienen damals in der wunderbaren “Bibliothek der phantastischen Abenteuer“ des Fischer Verlags und diese liebevoll aufgemachten Bücher sind nur noch zu horrenden Preisen gebraucht zu bekommen. In meinen Augen ein wirklicher bedauerlicher Umstand, denn in dieser Reihe sind so großartige Romane veröffentlicht worden, die auch heute bestimmt noch ihre Leser finden würden.

Gretchen-Grau-Romane von Elizabeth Ann Scarborough:

1. Zauberlied
2. Einhorncodex
3. Bronwyns Fluch
4. Die seltsamen Taufgäste 

Ein weiterer fantastischer Roman der Autorin, der damals bei Fischer erschienen ist, ist "Aman Akbars Harem". Aber über diese Figuren schreibe ich lieber an einem anderen Tag.

Mittwoch, 14. September 2011

Immer wieder Katzen

Während ich die nächsten Sonnentage wohl mit meinem neuen Spielzeug verbringen werde, um den Vorgarten und Garten wieder etwas in den Griff zu bekommen (Da fällt mir ein: Weiß jemand, ob man eine Magnolie im Herbst, Frühling oder gar im Sommer schneiden sollte? Online finde ich nur die Aussage, dass man Magnolien "eigentlich gar nicht schneidet", aber unsere ist inzwischen eindeutig zu hoch!), ...


... genießen die Katzen das Wetter auf ihre Weise:

Fotografieren ist dabei allerdings absolut verpönt, auch wenn Baltimore es mit relativer Gelassenheit über sich ergehen lässt:



Christie hingegen zeigt bei solchen Gelegenheiten gern einmal ihre wahre Persönlichkeit:




An Regentagen sieht es hier übrigens eher so aus:


Und da Baltimore (während ich gerade die Fotos bearbeitet habe) so einen schönen Platz zum Putzen gefunden hat, gibt es davon auch noch Bilder:



Allerdings hoffe ich, dass er da fertig ist, bevor Shandy zu seiner abendlichen Spielrunde aufbricht. :D

Dienstag, 13. September 2011

Phil Rickman: Frucht der Sünde

Um "Frucht der Sünde" von Phil Rickman bin ich eine ganze Weile herum geschlichen, denn auf diversen Seiten kann man sehr unterschiedliche Meinungen dazu lesen. Der Klappentext reizte mich, ein erstes Reinlesen im Buchhandel hat mich auch nicht abgeschreckt, aber für einen Platz auf dem Wunschzettel hat es nicht gereicht. Glücklicherweise hat mir meine Bibliothek den Titel besorgen können, so dass ich meine Neugierde in den letzten Tagen stillen konnte. Allerdings hat Lesen dieses Buches noch nicht gereicht, um zu einer fundierten Meinung zu kommen, deshalb werde ich mir wohl "Mittwinternacht" auch noch zu Gemüte führen – zumindest hat es der Titel auf meine Vormerkliste geschafft …

Aber erst einmal zum Inhalt von "Frucht der Sünde", damit ihr überhaupt wisst, worum es in diesem Krimi geht. Ich beschränke mich ausnahmsweise mal wieder auf den Klappentext des Verlags, denn ich würde sonst vermutlich endlos auf die verschiedenen Teile der Handlung eingehen:
Apfelbäume, überall Apfelbäume … sie sind nicht wegzudenken aus Ledwardine, dem kleinen Ort im Westen Englands, in den die junge Witwe Merrily Watkins mit ihrer Tochter Jane zieht. Dort soll sie die Pfarrstelle übernehmen. Doch schnell ist es vorbei mit der ländlichen Ruhe: Bei einer nächtlichen Feier im Apfelgarten kommt es  zu einem grausigen Todesfall, und ein Skandalautor will in der Kirche den Tod eines vor Jahrhunderten als Hexer verfolgten Geistlichen inszenieren. Merrily und ihre Tochter werden derweil in dem großen alten Pfarrhaus von düsteren Visionen geplagt. Und dann verschwindet ein Mädchen …
Dieses Buch hat wirklich einen sehr zwiespältiges Eindruck bei mir hinterlassen. Auf der einen Seite fand ich die Pfarramtsvertreterin Merrily Watkins und ihr Tochter Jane recht sympathisch und dann gab es wieder einige Momente, wo ich beide am Liebsten geschüttelt hätte, weil sie sich so bescheuert verhalten. Die diversen Nebenfiguren haben mir insgesamt deutlich besser gefallen, allen voran Lucy Devenish (Inhaberin eines esoterisch angehauchten Andenkenladens oder besser eines Esoterikladens, in dem es auch Andenken für Touristen zu kaufen gibt), die innerhalb ihrer Ansichten stimmig agiert und die weniger auf sich selbst bezogen zu sein schien als alle anderen Charaktere in dieser Geschichte. Auch wenn ich dafür ihre Glaubensvorstellungen, ihren Aberglauben oder ihre Naturreligion – wie immer man es ausdrücken möchte – etwas zu präsent fand, was aber angesichts der Tatsache, dass genau diese Vorstellungen der Kern der Geschichte sind, verzeihlich ist.

Die Versuche die alten – zum Teil heidnischen – britischen Traditionen aufrecht zu erhalten haben mich an einige Kriminalroman von Ngaio Marsh erinnert, wo dieses Thema auch immer wieder aufgenommen wird. Die Ausrichtung auf den Tourismus, der Versuch die Vergangenheit zu konservieren und die Probleme, die es zwischen den Alteingesessenen und den Zugezogenen gab, hingegen an die Inspector-Barnaby-Fernsehserie. Sowohl die Krimis als auch die Fernsehserie finde ich nett und unterhaltsam und somit haben mir auch in diesem Buch diese Elemente gefallen, auch wenn man das alles deutlich straffer und somit interessanter hätte erzählen können.

Mein größtes Problem liegt wohl darin, dass ich bis zum vierten Teil der Geschichte (Seite 503 von 608!) nicht das Gefühl hatte einen Kriminalroman zu lesen. Obwohl es innerhalb des Prologs schon den ersten Toten gab, dümpelte die Handlung vor sich hin. Es gab Zwistigkeiten im Ort, Probleme rund um ein Theaterstück, das in der Kirche aufgeführt werden sollte, Vermutungen über vergangene Ereignisse, Hinweise auf Merrilys unglückliche Ehe, Erwähnungen von Sagen und Mythen und immer wieder Albträume, Geistererscheinungen, Visionen, Spukelemente und ähnliches. Und nichts davon schien in eine konkrete Richtung zu führen.

Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich Phil Rickman von seinen eigenen Einfällen und Ideen hat ablenken lassen, dass er einzelne Aspekte eher spontan weiter ausgeführt hat und dass er zu Beginn nicht so recht wusste, ob er eine Geistergeschichte oder einen Krimi schreiben wollte. Das alles hat mich – ebenso wie die Tatsache, dass der Krimianteil wirklich unbefriedigend war – am Ende des Buches ratlos und etwas verärgert zurückgelassen. Auf der anderen Seite beschäftigt mich – so kurz nach dem Lesen – die Frage, wie es mit Merrily und ihrem Amt weitergehen wird, und die Neugierde darauf, ob der Autor vielleicht doch noch den Dreh zwischen unerklärlichen Elementen und einem klassischen britischen Krimi finden kann.

Also ist der zweite Teil "Mittwinternacht" vorgemerkt und ich geben Phil Rickman noch eine Chance, bevor ich ihn als Autor für mich endgültig abschreibe - und bis dahin gehe ich zu meiner "Miss Daisy" ("Miss Daisy und der Tote auf dem Eis") zurück und genieße einen schönen britischen Cozy-Krimi!

Sonntag, 11. September 2011

Jim Butcher: Blood Rites (Dresden Files 6)

Hach, nach dem fünften Dresden-Files-Band ("Death Masks") musste ich natürlich prompt einen Blick in den sechsten Teil "Blood Rites" werfen - irgendwie will ich immer sofort wissen, wie es weitergeht. Und schon der erste Satz brachte mich zum Grinsen: "The building was on fire, and it wasn’t my fault." Blöderweise kam mir dann meine Vernunft dazwischen (ebenso wie Arbeit, Bibliotheksbücher und andere Dinge), und deshalb habe ich mir diesen Teil dann doch für September aufgehoben. Somit habe ich für die English-Challenge im September wieder einen Dresden-Files-Roman gelesen.

Die Harry-Dresden-Geschichten machen mir einfach Spaß und sind relativ flüssig zu verschlingen (auch wenn ich dieses Mal trotzdem eine ganze Woche gebraucht habe). Nachdem ich mich letzten Monat nach dem ersten Kapitel gezügelt hatte, wollte ich unbedingt wissen, wie Harry überhaupt in das brennende Gebäude gekommen ist und was er da zu suchen hatte. Da das schon der sechste Band der "Dresden Files" ist, kommt meine Meinung dazu leider nicht ohne Spoiler aus, also überlegt euch gut, ob ihr weiterlesen wollt, wenn ihr die vorhergehenden Teile noch nicht kennt. ;)

"Blood Rites" beginnt recht actionreich in einer brennenden Schule, aus der der Privatermittler und Magier Harry Dresden für einen Auftraggeber einen ganzen Haufen Welpen retten muss. Und auch wenn es nicht ganz so rasant weitergeht, so zeigt sich doch von Anfang an, dass dies wieder eine der weniger gemächlichen Dresden-Files-Geschichten ist. Ausnahmsweise scheint es Harry zu Beginn des Romans recht gut zu gehen. Er ist ausgeglichen, hat regelmäßige Aufträge, die ihm sein Einkommen sichern, und scheint die Trennung von Susan inzwischen auch gut verarbeitet zu haben. Aber so geruhsam kann sein Leben natürlich nicht weitergehen, und so bekommt er es kurz nach seiner Flucht aus der brennenden Schule gleich mit mehreren Problemen zu tun.

Auf der einen Seite vermittelt ihm Thomas Raith (Vampir des weißen Hofes) einen Job bei einem Filmproduzenten, denn bei den Dreharbeiten zu dessen aktuellem (Porno-)Film sind schon zwei Frauen unter sehr merkwürdigen Umständen umgekommen. Auf der anderen Seite stellt sich heraus, dass eine Gruppe von Vampiren des schwarzen Hofes in Chicago angekommen ist. Bevor diese in der Stadt Fuß fassen können, sieht Harry es als seine Pflicht an, diese Monster zu vernichten. Doch ohne Hilfe kommt er dabei nicht aus, und so muss er nicht nur die Polizistin Karrin Murphy, sondern auch Kincaid (Bodyguard des Archives in "Death Masks") zur Verstärkung rufen.

So habe ich wieder einiges mehr über Jim Butchers Fantasywelt erfahren, in der es zum Beispiel große Unterschiede zwischen den drei Vampirhöfen (schwarz, weiß und rot) gibt, in denen der Weiße Rat der Zauberer nicht ganz so naiv und "gut" zu sein scheint, wie man in der Vergangenheit manchmal glaube konnte, und in der manch dämonisches Wesen mehr Ehrgefühl und Herz haben kann als viele der Menschen, denen man so begegnet. Auch hat der Autor die Szenen rund um die Dreharbeiten für amüsante Momente genutzt, und so mancher Darsteller entpuppte sich - spätestens auf den zweiten Blick - als jemand, über den man gern mehr erfahren hätte.

"Blood Rites" gehört wieder zu den actionreicheren Harry-Dresden-Romanen, trotzdem gibt es einige ruhige und nachdenkliche Momente, die sich dieses Mal vor allem um das Thema Familie drehen. Man erfährt als Leser nicht nur deutlich mehr über den Hintergrund von Karrin Murphy, denn auch Harry, der schon als kleines Kind seine Eltern verlor und bislang immer dachte, dass er ohne jegliche Familie auf der Welt wäre, findet heraus, dass er nicht das einzige Kind seiner Mutter ist. Auch wenn er einige Probleme mit der Identität des neuen Familiemitglieds hat, so macht es ihn auch glücklich, dass es jemanden auf der Welt gibt, mit dem er blutsverwandt ist.

Besonders schön finde ich an dieser Geschichte, dass die Handlung für Harry zwar einige harte Momente beinhaltet (so muss er entdecken, dass einer der wenigen Menschen, denen er absolut vertraut, ihn seit Jahren belogen hat), sein Leben regelmäßig in Gefahr ist und er am Ende dauerhaft von seinem Kampf gegen die schwarzen Vampire gezeichnet ist, aber trotzdem gibt es da positive Veränderungen in seinem Leben, die ihn optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Ich glaube, das ist der erste Dresden-Files-Roman, bei dem ich das Gefühl hatte, das Harry zwar in Zukunft wieder viele Herausforderungen zu bestehen hat, dass er aber dann endlich mal nicht das Gefühl haben wird, dass er solche Dinge immer allein durchstehen muss. Vielleicht täusche ich mich, aber als so "schön" habe ich vorher kein Romanende in dieser Reihe empfunden.

Freitag, 9. September 2011

Jean G. Goodhind: Mord nach Drehbuch

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich über dieses Buch überhaupt etwas schreiben soll, schließlich ist das Lesen schon eine Weile her. Aber da der Ärger über diesen Roman immer wieder aufflackert, hoffe ich mal, dass so ein Blogbeitrag mich endlich davon befreit. ;) Erst einmal die positiven Aspekte:

Nachdem ich endlich über den seltsamen Satz mit der "Gschaftelhuberin" hinweg war, hat sich das Buch flüssig lesen lassen. Es war überhaupt kein Problem, dass ich die vorhergehenden Bände nicht kannte. Außerdem gab es keine weiteren seltsamen einzelnen Sätze, über die ich mich aufgeregt habe oder bei denen ich (zu Unrecht?) an der Fähigkeit der Übersetzerin zweifeln musste. Oh, und die Grundidee finde ich auch nett: Ein Mordfall bei Dreharbeiten zu einem Jane-Austen-Film in Bath bietet doch viel Potenzial für einen angenehmen und unterhaltsamen Krimi!

Was die negativen Aspekte dieses Buches angeht, so muss ich mich zügeln, um mich nicht zu sehr an Details aufzuhängen. Das passiert mir schon mal, wenn ich so richtig genervt von einer Geschichte – und vor allem der Hauptfigur darin – bin. Und da mir zu diesem Buch keine „anständige“ Rezension gelingen will, gibt es hier eine Liste mit Dingen, die mir nicht gefallen haben:

- Mörder und Motiv waren so vorhersehbar und alle anderen Fährten waren ganz eindeutig nur zur Ablenkung gelegt worden, was mir beim Lesen das Gefühl gab, dass hier ein mangelhafter Plot schrecklich aufgebläht wurde.
- Mörder und Motiv waren nicht nur vorhersehbar, das Motiv war auch so was von lächerlich und unglaubwürdig und unbefriedigend für mich als Leserin, dass ich am Ende das Buch am liebsten in den Kamin geworfen hätte! Zum Glück haben wir keinen Kamin, es wäre eine Verschwendung von Rohstoffen, wenn ich das Buch der Altpapiertonne vorenthalten würde.
- Während ich sonst die gemächliche Erzählweise eines Cozy-Krimis gern mag und die unterschiedlichen Charaktere genießen kann, fand ich hier die verschiedenen Personen entweder langweilig oder total überzeichnet – was vielleicht auch daran lag, dass man die Leute durch die Augen von Honey Driver sieht.
- Honey Driver hingegen kann ich nicht leiden. Okay, ich weiß, dass das keine begründete Aussage ist, aber es ist so. Ich kann diese Figur nicht leiden – wobei ich ihr anfangs sogar noch recht wohlwollend gegenüberstand. Aber sie ist in meinen Augen als Krimicharakter unglaubwürdig, da ihr im Prinzip alle Erkenntnisse in den Schoß fallen. Und wenn sie selbst Schlüsse zieht, dann sind diese selten logisch und überzeugend.
- Eine Szene mit einer Prostituierten in einem Hotel. Ich gebe zu, mein Wissen rund um Geschäftsfrauen in höheren Führungspositionen stammt ebenso wie mein Wissen über Escort-Damen aus dem Fernsehen (das kommt davon, wenn man den Fernseher einfach laufen lässt, während man in sein Buch vertieft ist :D ), aber die Wahrscheinlichkeit, dass Honey Driver eine wie eine Geschäftsfrau gekleidete Nutte, die in einem Edelhotel rumhängt, an ihren Schuhen und Netzstrümpfen erkennt, halte ich doch für ziemlich gering – vor allem angesichts der Tatsache, dass die in den TV-Berichten gezeigten hochpreisigen Amüsierdamen oftmals seriöser gekleidet waren als so manche erfolgreiche Managerin. Aber bestimmt lag das dann nur daran, dass die Damen von einem Fernsehteam begleitet wurden, und Honey als Besitzerin eines kleinen Hotels in Bath kann das viel besser beurteilen als ich mit meinem Fernsehwissen. ;)
- Über Honeys Liebesleben (nicht vorhanden, aber ständig ein Thema, da es ja diesen umwerfenden Polizisten gibt, mit dem sie vermutlich nie im Bett landen wird, weil die beiden die Angelegenheit auf ein romantisches Wochenende schieben wollen, das eh nie stattfinden wird. Und wenn es in einem der kommenden Bände dazu kommen sollte, dann wären sie vermutlich enttäuscht, weil so große Erwartungen … okay, lassen wir das Thema!) und ihre Familie (vor allem die Mutter hat mich unglaublich genervt, die ist von der Autorin so berechnend auf „lustige Momente“ konzipiert worden, was aber leider gar nicht funktioniert) will ich gar nicht erst reden … wie man sieht … ;)
- Zuletzt könnte ich noch etwas zu dem verschenkten Potenzial der Grundidee sagen, aber da ich mir nicht sicher bin, ob sich nicht doch jemand auf diesen Blog verirrt, der das Buch noch lesen will, verkneife ich mir diese – zu viel über die Handlung – verratende Anmerkung.

Mein Fazit steht so oder so: Nie wieder ein Honey-Driver-Roman für mich – egal wie verlockend der Klappentext klingen sollte! Dafür freue ich mich jetzt schon auf die nächsten „Miss Daisy“-Bände, die ich mir morgen aus der Bibliothek abholen kann. Da wird die manchmal vorhandene Vorhersehbarkeit immerhin durch eine amüsante und unterhaltsame Schreibweise sowie wunderbare Charaktere ausgeglichen!

Mittwoch, 7. September 2011

Dies und Das (11)

Obwohl ich inzwischen schon zwei Jahre in der neuen Wohnung (und dementsprechend auch in der neuen Stadt) lebe, habe ich immer noch nicht das Gefühl, richtig angekommen zu sein, auch wenn ich mich in unserem Stadtteil recht wohl fühle. Dank diverser Problemchen ist die halbe Wohnung immer noch unrenoviert, auch wenn ich mir am letzten Wochenende endlich mal wieder eine der Türen vorgenommen habe. Ein bisschen unzufrieden bin ich da mit mir, denn eigentlich wollte ich doch am Ende dieses Sommers alle sechs Türen fertig abgezogen und neu gestrichen haben – und nun sind es bislang gerade mal zwei geworden. Aber das Wetter, der Hexenschuss und ähnliches waren da nicht gerade hilfreich. Trotzdem bin ich wild entschlossen, den Balkon im nächsten Jahr mal nicht zum Renovieren zu nutzen, sondern ihn mit Tisch und Stühlen, Blumen- und Kräuterkasten auszustatten und dort ein paar schöne Stunden zu verbringen. Gerade an heißen Abenden ist dort viel schöner als in der stickigen Wohnung!

Wie wenig ich bislang "angekommen" bin, zeigt mir auch immer die Aufregung, wenn ich allein in die Innenstadt muss – was zur Zeit dank der Arzttermine regelmäßig der Fall ist. Bewaffnet mit Stadt- und U-Bahnplan, berechne ich vorher gründlich die Strecke (und löchere meinen armen Mann nach den besten Verbindungen), suche mir den kürzesten Weg und bin schrecklich nervös, bis ich endlich am Ziel angekommen bin. Naja, wohl auch, weil ich es hasse, wenn ich mir unbekannte Ärzte aufsuchen muss ... Im Urlaub habe ich übrigens überhaupt kein Problem damit, mich in neues Gebiet zu wagen, aber da muss ich ja auch keine schwer zu erhaltenden Termine einhalten. ;)

Wenn der Arzt morgen sein "Okay" gibt, dann geht es in den nächsten Wochen dem Garten an den Kragen. Etwas wehmütig habe ich heute eine große gelbe Rosenblüte angesehen, denn das wird vermutlich die letzte Blüte dieser Pflanze gewesen sein. Nur noch ein einziger tapferer Ausläufer hält sich mühsam am Leben, und so sehe ich mich gezwungen, diese Rose – ebenso wie einige andere Pflanzen – auszugraben. Außerdem soll in diesem Herbst ja unser Obstbaum gefällt werden, und danach muss ich mal sehen, wie ich unseren kleinen Garten in Zukunft gestalten werde. Das kommende Frühjahr wird wohl erst einmal keine so üppige Blüte bringen wie das vergangene, aber ich hoffe, dass der Garten langfristig von meiner Arbeit profitiert.

***

Gerade ist mal wieder eine Phase, in der Awards durch die Blogger-Landschaft gereicht werden, und auch ich habe unter überaus amüsanten Umständen einen von Mila (von dem Blog 100 Bücher - die Blog-Idee finde ich übrigens wirklich toll! :) ) überreicht bekommen. Herzlichen Dank dafür, ich habe deinetwegen den heutigen Tag laut kichernd vor dem PC verbracht! :D


Angenehm an diesem Award finde ich, dass dieses Mal relativ wenige Bedingungen damit verknüpft sind – auch wenn man den an mindestens drei weitere Blogs weitergeben soll. Über solche Bedingungen setze ich mich ja sonst ganz gerne hinweg, aber heute sprangen mich spontan ein paar Namen an.

Also wird dieser Award von mir weitergereicht an:

Bibendum - auch wenn du deinen Blog zur Zeit eigentlich eingemottet hast, so passt ein Nice-Guy-Award zu dir und all den Aktivitäten, die ich auf die eine oder andere Weise verfolgen darf.

Katrin von den BuchSaiten – fürs manchmal viel zu nett sein. Nimm dir eine schöne Tasse mit heißem Tee, schnapp dir ein gutes Buch und leg einfach mal die Füße hoch! :)

Natira, Sayuri und Irina – weil aus "normalen Blogbesuchern" manchmal mehr wird ... Danke für die Stunden, die ich dank euch im Chat, mit Mailschreiben, dem Betrachten von Katzenfotos, dem Anschauen von DVDs, dem Lesen von geliehenen Romanen und anderen schönen Dingen wie zum Beispiel dem Ausprobieren neuer Rezepte verbracht habe.

Dienstag, 6. September 2011

[Kulinarisches] Apfel-Zimt-Muffins

Da ich gestern eine fremde Küche samt Ofen nutzen konnte, gibt es heute mal ein Muffin-Rezept. Trotz fehlendem Backpulver und der Tatsache, dass ich etwas aus der Übung bin, sind die Muffins doch recht lecker geworden - und für den kommenden Herbst sind die einfach nur perfekt!



Zutaten für 12 (bis 20) Muffins:

2 mittelgroße säuerliche Äpfel (in kleine Stücke schneiden)
260 g Mehl
2 TL Backpulver
1/2 TL Natron
1 1/2 TL Zimt
1 Päckchen Vanillezucker
80 g gehackte Mandeln (ich nehme eigentlich immer 100g, weil es kaum 80g-Päckchen gibt)
1 Ei
150 g Zucker
100 ml (neutrales) Pflanzenöl (z.B. Rapsöl, es sollte halt keinen intensiven Eigengeschmack haben)
300 ml Milch (im ursprünglichen Rezept steht Buttermilch, aber mit normaler Milch geht es ebenso gut und die muss ich nicht extra kaufen)

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Mehl, Backpulver, Natron und Zimt gut miteinander vermischen. Das Ei mit dem Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen, dann Milch und Öl hinzugeben und verrühren. Wenn die Flüssigkeiten eine homogene Masse bilden, die Mehlmischung unterrühren, zuletzt die Äpfel und Mandeln hinzugeben und gründlich mischen.

Den Teig in Muffinförmchen geben (ich nehme immer Muffinbleche und lege die noch mit Papierförmchen aus, damit das eine saubere Angelegenheit ist), dabei ungefähr einen halben Zentimeter Luft bis zum Ende der Form lassen, da der Teig ja noch aufgeht. Die Muffins 20-25 Minuten bei 200 Grad backen (die erste Ladung benötigt immer länger, bei einer zweiten Ladung nach zwanzig Minuten mal nachgucken) und dann auf einem Gitter abkühlen lassen. Man sollte die auf gar keinen Fall einfach in den Blechen abkühlen lassen, dann dann können sie nicht "ausdampfen". Zum Abschluss kann man die Muffins noch mit Puderzucker bedecken, dann sehen sie noch etwas hübscher aus.

Nach dem Abkühlen kann man die Muffins problemlos ein paar Tage in einem geschlossenen Gefäß aufheben oder sogar einfrieren und an einem anderen Tag wieder aufbacken.

Montag, 5. September 2011

Hiromi Kawakami und Jiro Taniguchi: Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß (Manga)

Auch wenn es ein bisschen gedauert hat, kommt hier doch endlich meine Meinung zu der Manga-Umsetzung von “Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß” von der Autorin Hiromi Kawakami. Gleich vorweg: Den gleichnamigen Roman habe ich parallel zum Manga gelesen und obwohl es kleine Unterschiede gibt, hat sich der Mangaka Jiro Taniguchi so nah an die Geschichte und den Erzähltext gehalten, dass man schon beide Varianten nebeneinander legen muss, um die Veränderungen bewusst zu erfassen.

In dem Manga-Zweiteiler “Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß” erzählt Jiro Taniguchi in sehr detailreichen und atmosphärischen Bildern die Geschichte von Tsukiko Omachi und ihrem früheren Lehrer Harutsuna Matsumoto. Viele Jahre nach Tsukikos Schulzeit sehen sich die beiden zufällig regelmäßig in einer kleinen Bar. Obwohl sie sich wiedererkennen, suchen die beiden keinen Kontakt zueinander oder überhaupt Gesellschaft. Allerdings fällt ihnen im Laufe der Zeit auf, dass sie den selben - eher altmodischen - Geschmack haben, wenn es ums Essen geht.

Für den Leser wird schnell klar, das Tsukiko und ihr Sensei (wie sie den Lehrer immer noch nennt) recht einsame Menschen sind, die sich davor scheuen den Abend allein daheim zu verbringen. Und vor allem bei Tsukiko sorgt ihre Unbeholfenheit dafür, dass sie sich in der Gesellschaft anderer Menschen nicht wohl fühlt. Im Laufe der Zeit geraten die Frau und ihr ehemaliger Lehrer immer wieder ins Gespräch, trinken gemeinsam an der Theke des Lokals Sake und enden auch mal beim Sensei daheim, um nach Kneipenschluß noch etwas mehr zu trinken.

Von Anfang an fand ich diese beiden einsamen Menschen einfach nur rührend und die Geschichte wunderbar melancholisch. Der Sensei ist mit seinen fast siebzig Jahren ein altmodischer Mann mit festen Vorstellungen und einem nicht selten väterlich-bevormundenden Verhalten gegenüber Tsukiko. Sie hingegen fühlt sich mit anderen Menschen normalerweise sehr unwohl, hat oft das Gefühl, dass sie nicht angemessen reagiert oder die Motive ihres Gegenübers nicht richtig einschätzen kann und bleibt deshalb lieber für sich. Aber in der Gesellschaft des Senseis fühlt sich Tsukiko wohl, bei ihm findet sie eine Wärme und Sicherheit, die die Mitdreißigerin sonst in ihrem Leben vermisst hat. Und auch wenn seine belehrende Art sie immer mal wieder kratzbürstig sein lässt, so schätzt sie doch seine Lebenserfahrung und sein Wissen.

Im ersten Band habe ich mich manchmal gefragt, warum die Handlung als “Liebesgeschichte” bezeichnet wird, denn obwohl Tsukiko und der Sensei immer weiter aufeinander zugehen, immer mehr miteinander unternehmen, scheint sich erst einmal nur eine ungewöhnliche Freundschaft zu entwickeln. Beide bereichern das Leben des anderen, während sie zusammen Ausflüge unternehmen, sich über Essen unterhalten oder sich über Sport streiten (und deshalb auch mal vollständig den Kontakt abbrechen). Erst im zweiten Band wird deutlich wie intensiv die Gefühle der beiden inzwischen füreinander sind. Doch versuchen beide die aufkeimende Liebe zu leugnen. So trifft sich Tsukiko zum Beispiel mit einem alten Schulkameraden, der für sie schwärmt. Doch obwohl dieser an einer Beziehung interessiert wäre, fühlt sich die Frau mit ihm einfach nicht so wohl wie mit ihrem Sensei.

Obwohl der Roman “Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß” nur ein schmaler Band ist, hatte ich beim Lesen das angenehme Gefühl, dass sich Hiromi Kawakami mit der Handlung Zeit gelassen hat. Viele kleine Szenen und Gedanken sorgen dafür, dass die Charaktere dem Leser mit all ihren Eigenheiten immer vertrauter werden, und gerade durch die zum Teil recht alltäglichen und - auf den ersten Blick - belanglosen Momente hat mich diese Geschichte wirklich berührt. Doch noch schöner als das Buch fand ich den Manga, da Jiro Taniguchi so wundervoll ausdrucksvolle Zeichnungen geschaffen hat.

Seine Charaktere - unabhängig davon, ob es sich dabei um Haupt- oder Nebenfiguren handelt - sind sehr liebevoll und mit sehr ausdrucksvollen Mimik und Gestik dagestellt. So detailreiche Hintergründe wie hier habe ich bislang selten in einem Manga gesehen und auch die Betonung bestimmter Elemente in einzelnen Panels finde ich ganz wunderbar gelungen. Insgesamt finde ich die Geschichte mitsamt dieser schönen melancholischen Atmosphäre dank der stimmungsvollen Bilder noch beeindruckender als beim Lesen des Romans und so sind inzwischen auch noch andere Manga dieses Zeichners auf meinen Wunschzettel gewandert.

Sonntag, 4. September 2011

Musik-Zuwachs

Normalerweise gebe ich mein Geld ja eher für Bücher als für Musik aus, auch wenn sich diverse CDs auf meinem Wunschzettel tummeln. Aber nachdem ich mich schon eine ganze Weile auf das Album von BOY gefreut habe, das jetzt im September erschienen ist, hat mein Mann sie mir Donnerstag spontan bestellt. Über BOY bin ich das erste Mal gestolpert, als Tanja vom Lese-Leuchtturm ein Lied der Band auf ihrem Blog verlinkt hatte, kurz darauf hatte ich regelmäßig morgens bei der PC-Arbeit die bei TV Noir verlinkten Songs laufen, um gut in den Tag zu kommen.



Seit gestern ist nun "Mutual Friends" von BOY (in der Limited Edition) in meinem Besitz. So viele neue Songs gibt es da nicht für mich, da viele der Lieder schon bei den TV-Noir-Auftritten zu hören waren, aber ich finde es spannend, jetzt mal Studio-Aufnahmen der beiden Musikerinnen zum Vergleich zu haben. Insgesamt gefällt mir die CD sehr gut, abwechslungsreiche, leichte, aber nie belanglose Pop-Musik, der man anhört, dass sie hand- und mit Liebe gemacht ist. Bei den Texten, die alle im Booklet abgedruckt sind (zum Leidwesen meines Mannes, der gestern eine mitsingende Ehefrau ertragen musste ;) ), kommt regelmäßig das Gefühl auf, dass persönliche Erfahrungen bei den Inhalten eingeflossen sind – und auch das gefällt mir. Besonders hat es mir aber die Extra-CD angetan, auf der man sechs Lieder in der Akustik-Version hören kann. Diese klareren Varianten sagen mir noch mehr zu als die – wirklich gelungenen – aufwändigeren Aufnahmen.


Ach ja, um über die Portogrenze zu kommen, musste noch eine weitere CD in den Einkaufskorb wandern, und deshalb hat mir mein Mann noch "Rodrigo Y Gabriela" (von Rodrigo y Gabriela) bestellt. Über die beiden Gitarristen bin ich auch erst vor kurzer Zeit gestolpert, als ich bei Youtube auf der Suche nach "anständigen" Gitarrenstücken war. Nein, ich spiele kein Instrument, ich hatte an dem Tag nur die Nase voll von "künstlicher" und "elektronischer" Musik und suchte etwas schlichtes und handgemachtes, das meiner Stimmung entsprach.


Tja, statt an dem Tag weiter zu arbeiten, habe ich mir ein Video nach dem anderen von den beiden angeguckt und war hingerissen von ihrer Beherrschung der Gitarren und der mitreißenden Musik. So sind dann gleich ein paar CDs auf den Wunschzettel gewandert – und erst später habe ich mitbekommen, dass die beiden wohl einen gewissen Bekanntheitsgrad haben (wohl auch, weil sie am Soundtrack von "Fluch der Karibik 4" beteiligt waren).


"Rodrigo Y Gabriela" bietet mitreißende, schwungvolle mexikanische Instrumentalmusik – einfach nur zwei Gitarristen, die fantastisch mit ihrem Instrument umgehen können und offensichtlich viel Spaß dabei haben. Im liebevoll gemachten Booklet findet man Gedanken oder Erinnerungen, die die beiden Musiker mit den jeweiligen Stücken verbinden. Dabei drehen sich diese Texte um so unterschiedliche Themen wie den Raubbau an der mexikanischen Natur, eine Fahrt mit einer Achterbahn oder ihre Vergangenheit in einer Metal-Band. Die ist laut meinem Mann auch in den Gitarrenstücken spürbar, denn da gibt es wohl einige Anklänge an Metallica-Songs. Ich persönlich kann das ehrlich gesagt nicht beurteilen, und das nicht nur, weil ich meine Metallica-CDs schon lange nicht mehr in den Player geworfen habe. Ich genieße einfach die Musik und freue mich über diese beiden so unterschiedlichen Neuzugänge!

Freitag, 2. September 2011

Carola Dunn: Miss Daisy und die tote Sopranistin

Nachdem Irina vor einiger Zeit Cozy-Krimis für sich entdeckt hatte, hatte sie mich gefragt, ob ich die "Miss Daisy”-Reihe von Carola Dunn kennen würde. Kannte ich nicht, aber da ich im Bibliothekskatalog ein paar Titel fand, dachte ich, ich sollte diese Wissenslücke mal schließen. Nun allerdings ärgere ich mich, dass ich die Serie nicht ungefähr zehn Jahr früher für mich entdeckt habe, denn als deutsche Ausgaben sind die Bücher regulär über den Handel nicht mehr zu bekommen. In den letzten Wochen habe ich den zweiten ("Miss Daisy und der Tod im Wintergarten") und sechsten ("Miss Daisy und der Tote auf dem Wasser") und  gestern den dritten Teil ("Miss Daisy und die tote Sopranistin") der Serie gelesen und kann so immerhin sagen, dass man die Geschichten unabhängig von der Reihenfolge genießen kann.

"Miss Daisy und die tote Sopranistin" ist der dritte Band rund um die adelige Daisy Dalrymple. Die junge Frau ist für ihre Zeit ungewöhnlich fortschrittlich und lebt lieber mit einer Freundin zusammen in London, als mit ihrer Mutter auf dem Witwensitz des Familienbesitzes. Man schreibt das Jahr 1923, die Gesellschaft verändert sich spürbar und doch ist es für Daisy nicht einfach als Journalistin Fuß zu fassen. Während die Mitglieder des Adels nicht verstehen können, dass eine der ihren selber Geld verdienen will (ein vermögender Ehemann, wenn möglich mit Adelstitel, wäre doch viel standesgemäßer), stößt Daisy in anderen Gesellschaftsschichten auf die unterschiedlichsten Reaktionen. Von vollkommener Verachtung gegenüber dem veralteten Adel bis zur herzlichen Akzeptanz ist alles dabei. Trotzdem findet es Daisys Umfeld grundsätzlich irritierend, dass sie eine herzliche Freundschaft zu Detective Chief Inspector Alec Fletcher von Scotland Yard pflegt.

Mit diesem genießt Daisy an einem Sonntagnachmittag ein Konzert in der Albert Hall, als die Sopranistin Bettina Westlea nach der Pause auf der Bühne zusammenbricht. Schnell steht fest, dass die Solistin vergiftet wurde und so sieht sich Alec Fletcher gezwungen den Fall zu übernehmen. Auch Daisy mischt kräftig bei den Ermittlungen mit – nicht gerade zur Freude von Alec, obwohl dieser zugeben muss, dass Daisy ohne große Mühe die interessantesten Informationen von den Verdächtigen anvertraut bekommt. Schon während der ersten Befragung der anwesenden Musiker und Familienmitglieder stellt sich heraus, dass die Sängerin nicht gerade beliebt war und dass mehr als eine Person ein Motiv gehabt hätte sie zu ermorden.

Bei Amazon habe ich gesehen, dass einige Rezensenten bei dieser Reihe kritisieren, dass nur geredet wird und keine Spannung aufkommt. Leute, wenn ihr einen Actionthriller lesen wollt, dann greift doch nicht zu einem Cozy! Mir persönlich gefällt nämlich gerade diese Konzentration auf die Menschen, ihr Umfeld, ihre Beziehungen und ihre Gefühle. Carola Dunn hat ein wunderbares Händchen für Dialoge und für die kleinen Details, die bei mir das Gefühl aufkommen lassen, dass diese Zeit besonders stimmig dargestellt wurde. Ihre Charaktere sind mal liebenswert, mal skurril oder unsympathisch, aber immer wirken sie angenehm realistisch.

Obwohl der Krimianteil stellenweise schon sehr vorhersehbar ist, habe ich ihn in allen drei bisher gelesenen Büchern nie als langweilig empfunden. Gerade bei "Miss Daisy und die Sopranistin" bin ich den ganzen Roman hindurch um einen bestimmten Verdacht herumgeschlichen und habe mich auf jeden kleinen Hinweis gestürzt, dass ein andere Mensch der Mörder sein könnte, weil derjenige, der es vermutlich war, mir so schnell ans Herz gewachsen ist. Die Geschichten sind einfach wunderbar unterhaltsam, zeigen ein – wie ich finde – realistisches Bild der Zeit und sorgen bei mir für angenehme Lesestunden.

Bislang habe ich den Eindruck, dass Carola Dunn ein relativ gleichbleibendes Niveau bei ihren Romanen hat, auch wenn ich "Miss Daisy und der Tote auf dem Wasser" bezüglich des Kriminalfall besonders schwach fand (was vielleicht auch daran liegt, dass ich mit Rudern als Sport nicht so viel anfangen kann). Aber insgesamt hat mich auch dieser Titel gut unterhalten. Deshalb werde ich  mich in den nächsten Tagen noch auf "Miss Daisy und der Mord im Flying Scotsman" (Bd. 4) stürzen.

Und sobald die Bibliothek mir "Miss Daisy und der Tote auf dem Eis" (Bd. 1), "Miss Daisy und der tote Professor" (Bd.7) und "Miss Daisy und die Entführung der Millionärin" (Bd. 5) liefern kann, werde ich diese Bände auch noch verschlingen. Im Original sind – wenn ich wikipedia glauben kann – sogar schon neunzehn Krimis rund um Miss Daisy erschienen (ein zwanzigster ist für Januar 2012 angekündigt) und so werde ich mir wohl in naher Zukunft überlegen müssen, ob ich die Originalausgaben auf meinen aus den Nähten platzenden Wunschzettel setzen will.

Donnerstag, 1. September 2011

September-SuB

Eigentlich dachte ich ja, dass sich meine Leseflaute den ganzen August über gehalten hätte, aber unmerklich habe ich wohl doch den einen oder anderen Titel verschlungen. So komme ich im August auf 16 gelesene Bücher, allerdings nur auf einen Manga und ein vollständig gehörtes Hörbuch. Der Stapel mit den angefangenen Büchern ist dadurch leider nicht kleiner geworfen und unter 100 ist mein SuB zu diesem Monatsanfang auch nicht. Wer weiß, vielleicht gibt es bei mir ja eine innere Sperre, die sich gegen ein solch radikales Schrumpfen wehrt. Immerhin kann ich sagen, dass der SuB im letzten Monat auch nicht gewachsen ist. ;)

Bei meinen persönlichen Challenges hänge ich ein bisschen hinterher, deshalb markiere ich die Titel neu in meiner monatlichen SuB-Liste, in der Hoffnung, dass mir das den nötigen Ansporn bringt. Immerhin habe ich inzwischen mein SuB-Losverfahren-Buch gelesen (fehlt nur noch die Rezi) und bin bei der English-Challenge immer noch gut dabei. :)

A (2)
Sharon Ashwood: Höllenherz
Robert Asprin: Des Dämons fette Beute
Robert Asprin: Ein Dämon schafft noch keine Ordnung

B (8)
Sina Beerwald: Die Goldschmiedin
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Malorie Blackman: Boys don't cry
Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud

C (3)
Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)
James Collins: Zauberberg für Anfänger

D (5)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod
Joe Donnelly: Jack Flint und der Bann des Herzsteins
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Rebecca Drake: Still sollst du sterben

F (13)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Jennifer Fallon: Kind der Götter (Das Dämonenkind 2)
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Alex Finn: Beastly
Gayle Forman: Wenn ich bleibe
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Earlene Fowler: Tödliche Schatten
Peter Freund: Laura und das Siegel des Mondes
Luca di Fulvio: Die Rache des Dionysos

G (4)
Francois Gantheret: Das Gedächtnis des Wassers
Michele Giuttari: Rachefeuer
Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (4)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Michelle Harrison: Elfenseele - Jenseits der Ferne
Frederik Hetmann: Zeitenwende
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung

I (2)
Greg Iles: Leises Gift
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (3)
Marc Levy: All die ungesagten Worte
Siri Lindberg: Nachtlilien
Michaela Link: Der Spiegel der Kaiserin

M (7)
Chris Marten: Hydra
Christoph Marzi: Lyra
L. J. McDonald: Die Krieger der Königin
Seanan McGuire: October Daye - Winterfluch
Richelle Mead: Dark Swan - Sturmtochter
Kai Meyer: Hex
Boris Meyn: Die Schattenflotte
Kathryn Miller Haines: Ein Schlachtplan für Miss Winter
Kathryn Miller Haines: Miss Winter lässt nicht locker

N (3)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter
Elle Newmark: Der Granatapfeldieb

P (5)
Bernd Perplies: Magierdämmerung - In den Abgrund
Renata Petry: Hilgensee
Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit
Tamora Pierce: Young Warriors – Stories of Strength
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)

Q (0)
Julia Quinn: Das geheime Tagebuch der Miss Miranda

R (14)
Irene Radford: Der letzte Kriegsmagier (Die Historie des Drachen-Nimbus 2)
Irene Radford: Der abtrünnige Drache (Die Historie des Drachen-Nimbus 3)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Sarah Rayner: Das Licht des frühen Tages
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
John Maddox Roberts: Die Feinde des Imperators – Ein Krimi aus dem Alten Rom
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Brian Ruckley: Winterwende (Die Welt aus Blut und Eis 1)
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (10)
Régis de Sá Moreira: Das geheime Leben der Bücher
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Arthur Slade: Mission Clockwork
Emma Smith: Der Ruf der Ferne
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (10)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 3 - Der gläserne Fluch
P.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracy: Mortifer
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Aino Trosell: Eine grenzenlose Liebe
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

V (0)
-

W (4)
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Kiersten White: Flames'n'Roses
Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut

X (1)
Xinran: Gerettete Worte

Y (0)
-

104 Titel zum Monatsanfang
(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)
(blau markierte Titel habe ich für Aktionen vorgesehen)
(rot markierte Titel sind die, die ich für meine persönliche Challenge möglichst bald lesen sollte)
(graublau markierte Titel habe ich auf der Liste für meine persönliche Serien-Challenge)