Montag, 30. Juni 2014

SuB-Zuwachs im Juni

Da ich gern meine SuB-Zugänge auch im selben Monat verblogge, in dem sie ankamen und es nicht so aussieht, als ob ich heute noch Post bekommen würde (wenn nicht doch noch heute Abend überraschend der Fahrradbote vom Buchhändler klingelt), gibt es hier den Neuzugang des Monats:


Seanan McGuire: Sparrow Hill Road

Die Menge an Veröffentlichungen von Seanan McGuire ist gerade schon enorm. Auf der anderen Seite scheint sie nun, da sie keinem Brotjob mehr nachgeht, sich die Zeit zu nehmen und ein paar alte Sachen zu überarbeiten und für eine Buchveröffentlichung aufzubereiten. Wenn ich ihre Blogbeiträge zu dem Buch noch richtig im Kopf habe (der Blog ist nicht gerade ideal, um nach älteren Beiträgen zu suchen), dann begleitet sie die Figur der Rose Marshall schon sehr lange und sie hat auch schon einen Song über sie geschrieben. Ich bin auf jeden Fall neugierig auf die Erlebnisse des "hitchhiking ghost girl".

Oh, und weil ich hier in diesem Monat nur ein Buch zu vermelden habe, zitiere ich mal den Klappentext für diejenigen von euch, die vielleicht neugierig geworden sind:
"Rose Marshall died in 1952 in Buckley Township, Michigan, run off the road by a man named Bobby Cross - a man who had sold his soul to live forever, and intended to use her death to pay the price of his immortality. Trouble was, he didn't ask Rose what she thought of the idea ...
It's been more than sixty years since that night, and she's still sixteen, and she's still running.
They have names for her all over the country: the Girl in the Diner, the Phantom Prom Date, the Girl in the Green Silk Gown. Mostly she just goes by "Rose", a hitchhiking ghost girl with her thumb out and her eyes fixed on the horizon, trying to outrace a man who never sleeps, never stops, and never gives up on the idea of claiming what's his. She's the angel of the overpass, she's the darling of the truck stops, and she's going to figure out a way to win her freedom. After all, it's not like it can kill her.
You can't kill what's already dead."

Sonntag, 29. Juni 2014

Reinhard Osteroth: Erfinderwelten - Eine kurze Geschichte der Technik

Reinhard Osteroths "Erfinderwelten" enthält wirklich - wie der Untertitel schon sagt - eine kurze Geschichte der Technik. Nach einer Einleitung, in der der Autor unter anderem erklärt, warum er keine Erfinderinnen in seinem Buch aufführt (gesellschaftliche Stellung und ein Mangel an Ausbildung hätten in den vergangenen Jahrhunderten verhindert, dass Frauen die Technikgeschichte prägende Erfindungen machen könnten) und einem kurzen Abriss, der von der Entstehung des ersten Faustkeils in der Steinzeit über ägyptischen Pyramidenbau und Tonzeugproduktion sowie griechische Mathematik bis zu den Wasserleitungen der Römer geht, hüpft man kurz in die Zeit der ersten Kolonialisierungen, um wenige Seiten später mit Leonardo da Vinci dem erster bedeutender Erfinder zu begegnen, der etwas detaillierter vorgestellt wird.

Zwischen den eher personenbezogenen Kapiteln werden immer wieder Passagen eingeschoben, die einen weiteren Überblick über die Dinge bieten, die sich in der (technischen) Welt zu der Zeit getan haben, oder darüber, welchen Einfluss die Entwicklungen auf Gesellschaft, Religion und Handel hatten. Das ganze Sachbuch fand ich interessant und gut zu lesen, ich bin aber zwischendurch immer wieder über Sätze gestolpert wie "Auch der italienische Arzt und Mathematiker Geronimo Cardano, sein Name ist uns heute durch die kardanische Aufhängung geläufig, ist ein unablässiger Experimentator zwischen mittelalterlicher Naturmagie und neuem Forschergeist." (S. 53), bei denen ich dann dastand und dachte "Was für eine Aufhängung?!" - und schon musste ich wieder die Suchmaschine anwerfen und nachlesen, was da vom Autor für Wissen als selbstverständlich angenommen wird, das mir fehlt. Oder genauer gesagt, wo mir die Bezeichnung zum vorhandenen Wissen fehlt, denn ich kenne die "Kardanische Aufhängung", ich habe eine recht genaue Vorstellung davon, wie sie funktioniert und welchen Nutzen sie hat, aber ich hatte bis zu diesem Moment keine Bezeichnung dafür.

Aber nicht nur solche Bezeichnungen habe ich aus dem Buch mitgenommen, sondern mal wieder ein bisschen erhellendes Wissen, um mein Gesamtbild zu den Themen Geschichte, Technik und Fortschritt erneut ein wenig mehr zu vervollständigen. Mir geht es oft so, dass ich "Wissensinseln" zu verschiedenen Gebieten oder Personen besitze, diese aber nicht in einen Zusammenhang bringen kann. Oder dass ich ganz selbstverständlich Begriffe verwende und mir erst (erschreckend) spät aufgeht, wo der Ursprung dieses Begriffs liegt. Seit dem Lesen von "Erfinderwelten" komme ich mir zum Beispiel ganz schön bescheuert vor, weil ich meinen Ferienjob in der "Galvanik" nie mit Luigi Galvani (und seinen Froschschenkeln :D ) in Verbindung gebracht habe.

Zum Teil wirft mir Reinhard Osteroth schon fast zu schnell mit Namen und Erfindungen um sich. Man muss sich beim Lesen nicht nur sehr konzentrieren, um nicht durcheinander zu kommen, sondern sich auch noch einigermaßen an den Chemie- und Physik-Schulstoff erinnern, um nicht ständig etwas nachschlagen (oder eine Aussage als gegeben hinnehmen) zu müssen. Die Grundlagen sitzen bei mir eigentlich noch ganz gut, aber die Lücken durch die diversen Schulwechsel habe ich anscheinend auch in all den Jahren nicht aufgeholt.

Als Appetithäppchen für das Thema ist "Erfinderwelten" gut geeignet. Man bekommt die namhaften Erfinder vorgestellt und kann Verbindungen zwischen den verschiedenen Entwicklungen und Personen ziehen. Auch mochte ich es, beim Lesen so manchen Namen "wiederzuentdecken" und mein dann doch vorhandenes Wissen überprüfen zu können. Für diejenigen aber, die sich schon etwas intensiver mit diesem Wissensgebiet beschäftigt haben, hält das Buch wohl keine neuen Erkenntnisse parat. Da bieten sich andere Werke, die sich konkreter mit einem Erfinder oder einem bestimmten technischen Gebiet beschäftigen, eher an.

Ach ja, noch eine Bemerkung zur Lesbarkeit des Buchs: Die Texte sind wirklich gut lesbar - vor allem, wenn man bedenkt, dass der Autor aufgrund der Kürze der jeweiligen Abschnitte jeden Absatz mit Namen, Daten und Erfindungen vollstopfen musste. Allerdings erlaubt er sich bei einigen Passagen auch einen etwas aufgeblähten Stil, über den ich persönlich eigentlich nur schmunzeln konnte. Als Beispiel hätte ich da die abschließende Aussage zu Thomas Alva Edison: "Kaum einer hat so wie Edison den Alltag verändert. Er ist der Urvater des technischen Haushalts, ein Popstar der Technifizierung, ein Postillon der Machbarkeit" (S. 134) - und er röstete Kleintiere mit Wechselstrom und entwickelte so in seinem Streit mit Tesla den elektrischen Stuhl ... Ein sehr Popstar-würdiges Verhalten, wie ich finde.

Samstag, 28. Juni 2014

Sachbuch-Challenge - Denkt an das Halbzeitziel!


Nur noch zwei Tage, bis der Juni vorbeigeht, und da einige Teilnehmer zwar anscheinend die benötigte Anzahl für das erfolgreiche Erreichen des Zwischenziels gelesen, aber die Rezensionen noch nicht auf die Reihe bekommen haben, möchte ich noch einmal auf diese Regeln aufmerksam machen:

  • Jedes gelesene Sachbuch soll auf dem Blog rezensiert oder zumindest mit einem Leseeindruck bedacht werden, der länger als ein Satz ist.
  • Bis zum 30.06.2014 müssen mindestens 5 Sachbücher geschafft sein. (Ideal wäre also ein Sachbuch pro Monat, der sechste Monat dient als "Puffer", wenn eines der Bücher so anspruchsvoll oder umfangreich sein sollte, dass es nicht innerhalb eines Monats gelesen werden kann.)

Falls es noch Zweifel daran geben sollte:
Ich hatte mir das so gedacht, dass bis zum 30.06. die Bücher gelesen UND rezensiert sind. ;)

Da es da ganz eventuell zu einem Missverständnis gekommen sein könnte, wäre ich bereit, das Zwischenziel - wenn denn diejenigen Teilnehmer, die fleißig gelesen und rezensiert haben und das benötigte Pensum bereits erreicht haben, einverstanden sind - um eine Woche zu verlängern.

Ich werde also am 7.7.2014 (gegen Mitternacht :D) meine Runde durch die Teilnehmer-Blogs machen und den auf der jeweiligen Challengeseite angegebenen Stand in meiner Liste vermerken.

Weiterhin fände ich es schön, wenn diejenigen, die die Challenge für sich eigentlich schon abgeschrieben haben, trotzdem noch eventuell gelesene Sachbücher rezensieren und verlinken und sich vielleicht mit den anderen Teilnehmern austauschen würden. Es gibt so viele spannende Sachbücher zu entdecken, auf die man allein nie aufmerksam geworden wäre.

P.S.: Falls ihr euch fragt, wo meine fünfte Rezension für das Halbjahr bleibt: Sie wird Sonntagmorgen freigeschaltet - und ja, ich musste für das Buch vor dem Wochenende eine intensive Leserunde einlegen, um meine Challenge zu schaffen. *g*

Höreindrücke im Juni

"Tod auf dem Nil" von Agatha Christie ist eines von gleich mehreren Agatha-Christie-Hörbüchern, das ich in den letzten Tagen gehört habe. Wenn der Kopf voll ist, dann halte ich mich eben doch eher an vertraute Autoren. "Tod auf dem Nil" ist eine Poirot-Geschichte und nach dem Anfang, der in einem britischen Herrenhaus und einem Klub in London spielt, findet ein Großteil der Handlung auf einem Nil-Kreuzfahrtschiff statt. Ich mag den Roman, aber bei der von Gerd Anthoff gelesenen Hörbuchversion musste ich hier und da die Zähne zusammenbeißen. Der Sprecher ist nicht nur dann, wenn er die Frauen spricht, nur schwer erträglich. Immerhin fand ich seine Poirot-Interpretation gar nicht so schlimm, gerade das manchmal durchschimmernde "väterliche" Verhalten des Belgiers, wenn er zwar die Gefühlsaufwallungen der jüngeren Mitreisenden versteht, aber eben auch weiß, dass das alles nicht so schlimm ist, wie es der Person in diesem Moment erscheint, war sogar ganz passend rübergebracht. Trotzdem werde ich um Gerd Anthoff als Hörbuchsprecher demnächst erst einmal einen großen Bogen machen!

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An "Crocodile on the Sandbank" von Elizabeth Peters habe ich mich gewagt, nachdem ich "The Unexpected Mrs. Pollifax" gehört und doch überraschend gut verstanden hatte. Nachdem ich im März oder April erst eine deutsche Hörbuchversion von "Im Schatten des Todes" gehört hatte, hatte ich auch die Details der Geschichte noch so präsent, dass ich die erste Stunde durchgehalten habe, obwohl ich da noch deutlich weniger folgen konnte als bei Mrs. Pollifax. Da machte es sich deutlich bemerkbar, dass Elizabeth Peters doch einen anderen Schreibstil hat als Dorothy Gilman, denn an der Sprecherin konnte es nicht liegen, die war in beiden Fällen die gleiche. Barbara Rosenblat liest wunderbar - ich mag ihre Betonung, ich mag ihre Stimme und ich mag ihre Interpretation der Figuren. Ihre Evelyn war sanft, aber nicht weichlich, ihre Amelia war energisch, tatkräftig, aber auch an den richtigen Stellen etwas unsicher und auch ihre Männer waren überzeugend - vor allem Emerson war hinreißend und überzeugend (!) aufbrausend.

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"Emma im Knopfland - Eine verknöpft und zugenähte Geschichte" von Ulrike Rylance ist eine niedliche kleine Geschichte mit gerade mal 2 Stunden und 41 Minuten Laufzeit. Hauptfigur Emma verschlägt es, als sie sich in ihren Ferien bei Onkel Hubert und Tante Mechthild langweilt, in ein Zimmer voller Knöpfe. Bevor Emma sich noch groß umgucken kann, fällt ihr ein großer goldener Knopf auf, der vor ihr davon zu rennen scheint - und als sie diesen berührt, landet sie im Knopfland. Dort muss Emma ein paar Abenteuer bestehen und schließt neue Freundschaften, bevor sie einen Weg zurück in das Knopfzimmer findet.

Eigentlich ist die Geschichte nett und unterhaltsam, aber mir gab es dabei einfach zu viele "Anlehnungen" an bekannte Kinderbücher. Vor allem "Alice im Wunderland" wurde immer wieder von der Autorin herangezogen, so dass Hofdame Isolde (der große goldene Knopf) eine gewisse Ähnlichkeit mit der Herzkönigin hat, während Emma natürlich im Laufe der Handlung auch in eine Teeparty platzt und weitere Elemente dem Hörer immer wieder auffallen. Hätte ich das Gefühl, dass Ulrike Rylance aus diesen Dingen eine eigene Geschichte gemacht hätte, wäre das bezaubernd gewesen. Aber ohne eine spürbare individuelle Note ärgere ich mich eher über all die vertraut wirkenden Szenen. Gelesen wird das Hörbuch (bei dem ich übrigens nicht rausfinden konnte, ob es für diese Umsetzung bearbeitet wurde) von Fritzi Haberlandt. Die Sprecherin macht ihre Sache eigentlich sehr gut, verleiht den verschiedenen Charakteren eine eigene Note und sorgt dafür, dass selbst die Nebenfiguren einen recht hohen Wiedererkennungswert haben. Da ich das Hörbuch - trotz seiner Kürze - über einige Tage verteilt gehört habe, kam mir das wirklich zugute.

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"Das Böse unter der Sonne" von Agatha Christie hat mich mehrere Tage lang sehr gut unterhalten. Ich mag die Geschichte (ich mag sogar die Verfilmung mit Ustinov, obwohl er definitiv nicht mein "Poirot" ist, aber es gibt tolle andere Darsteller in dem Film und die Atmosphäre passt) und mit der ungekürzten Version hätte mir nur noch der Sprecher das Ganze verderben können. Aber stattdessen hat Jürgen Tarrach das Hörspiel - besonders Poirot, aber überraschenderweise auch die diversen Frauenrollen - wunderbar gelesen. Einzig seine Aussprache des Vornamen "Odell" klang eher nach Oddl, aber ansonsten habe ich nichts zu kritisieren. Dank der tollen Umsetzung habe ich viele amüsante Stunden mit "Das Böse unter der Sonne" verbracht - ich finde die Tatdurchführung immer wieder genial ausgedacht und mag die wunderbare Darstellung der vielen verschiedenen Figuren. Beim Hören kam mir übrigens der Gedanke, dass Agatha Christie wohl Schuld daran ist, dass ich bei vielen Krimis immer recht schnell auf den Täter komme, denn sie hat dafür gesorgt, dass ich in diesem Genre jede Nebenbemerkung als potenziell wichtig abspeichere.

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"Die Tote in der Bibliothek" von Agatha Christie ist - wie all die anderen Hörbücher in diesem Beitrag - wieder einmal eine Leihgabe von Natira und ich hatte mich sehr auf mein - vorerst letztes - Agatha-Christie-Hörbuch gefreut. Die Geschichte ist ja recht bekannt und ich mag sie sehr. Alles beginnt mit dem Fund einer Mädchenleiche in der Bibliothek des Herrenhauses der Bantrys und während Mrs. Bantry anfangs das Ganze noch spannend findet (sie liest gern Kriminalromane), geht ihr nach kurzer Zeit auf, dass das gesamte Dorf ihren Mann verdächtigt. So animiert sie ihre Freundin Miss Marple sich des Falls intensiv anzunehmen und die Unschuld von Colonel Bantry zu beweisen. Wie gesagt, ich mag den Roman, aber dieses Mal habe ich die (auch noch gekürzte) Handlung nicht so genossen wie sonst, da mir die Sprecherin nicht so zusagte. Ich kann Traudel Sperber gar nichts konkretes "vorwerfen". Ihre Stimme ist mir nur zu weich und zu jung für das Hörbuch und weder ihre Interpretation der Charaktere, noch ihre Betonung insgesamt sagt mir wirklich zu.

Freitag, 27. Juni 2014

Barbara Sichtermann (und Klaus Binder): Gerstenbergs 50 Klassiker - Schriftstellerinnen (Buch und Hörbuch)

Dieses Buch hatte ich schon im Februar ausgelesen, und wie das so ist, wenn man eine Rezension vor sich herschiebt, so dauert es ewig, bis man sich dazu aufraffen kann, sie doch zu schreiben. Zwischendurch habe ich immer wieder die Notizen zum Hörbuch aus diesem Beitrag rauskopiert und in einen separaten Beitrag gepackt, nur um dann doch wieder alles zusammenzufassen. Jetzt sind es aber nur noch wenige Tage bis zum Challenge-Zwischenziel und deshalb muss ich mich wohl jetzt mal dazu durchringen und das Buch (plus Hörbuch) besprechen. ;)

Für mich waren die "Schriftstellerinnen" der erste Titel aus der Reihe der "50 Klassiker" von Gestenberg (ich habe allerdings noch einen weiteren Band davon ungelesen im Regal stehen) und so bin ich ohne große Erwartungen an das Buch herangegangen. Vom Aufbau her scheinen sich die Klassiker zu ähneln, wenn ich da nach Hermias Rezension zu den "Deutschen Schriftstellern" gehen kann. Erst gibt es einen Essay zu der jeweiligen Person, der zwei bis fünf Seiten lang ist und zu dem auch Fotos der Schriftstellerinnen gehören, dann kommt eine Seite mit konkreten Daten und Fakten sowie Empfehlungen bezüglich der Werke der Autorin und Bücher/Filme über die Autorin.

Mit den Essays hatte ich stellenweise meine Probleme. So fiel mir schon ganz zu Beginn bei dem Beitrag zu Sophie von La Roche die Behauptung ins Auge, dass sie eine "gute" Ehe führte, obwohl die Ehefrau bei der Hochzeit noch in einen anderen verliebt war. Einziger "Beleg" dazu: Die Dame bekam acht Kinder, von denen fünf aufwachsen durften (die Formulierung lasse ich mal so stehen, den so wird es im Buch ausgedrückt ...). So eine Aussage reicht mir persönlich aber nicht, um so eine Behauptung aufzustellen. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Hintergrund gewünscht, gerade weil diese Passagen so "persönlich" geschrieben wurden.

Bei anderen Autorinnen, mit denen ich mich schon ausgiebiger beschäftigt habe, fand ich die eine oder andere nicht ganz so richtige oder längst wiederlegte Behauptung. Das ist jetzt kein großes Drama, man kann nicht erwarten, dass jemand für so einen Band intensivste Recherche betreibt, hat aber mein Vergnügen an diesem Sachbuch etwas getrübt. Trotz dieser Kritikpunkte fand ich "Schriftstellerinnen" wirklich sehr interessant. Bei einigen Beiträgen habe ich mir Lesetipps aufgeschrieben, um mein Wissen zu vertiefen, andere Autorinnen waren mir vollkommen unbekannt und klangen durchaus spannend. Als Appetitanreger ist der Band hervorragend geeignet, wobei ich die reinen Faktenseiten fast fesselnder fand als die Essays und mich immer wieder dabei ertappte, dass ich Zettelchen in den Band steckte, damit ich irgendwann daran denke, dass ich mir einen Roman oder eine Biografie ausleihe oder eine neu entdeckte Autorin nicht aus den Augen verlor. (Ich erwähne jetzt mal nicht, dass so ein Zettelwust irgendwann etwas unübersichtlich wird. :D Aber hey, vielleicht wäre ja das Lesen dieser Autorinnen eine Challenge-Idee für das kommende Jahr ...)

Parallel zum Sachbuch habe ich mir das Hörbuch vorgenommen. Ich war gespannt, wieweit sich die beiden Ausgaben dieses Titels voneinander unterscheiden und wie diese Art von Sachbuch als Hörbuch wirkt. Sehr glücklich war ich mit der Hörbuch-Umsetzung allerdings nicht. Statt 50 Schriftstellerinnen werden einem mit dem Hörbuch nur 25 Autorinnen vorgestellt, wobei sich mir nicht erschließt, warum man welche Personen in die Auswahl hineingenommen oder eben herausgelassen hat. Dafür finde ich es durchaus verständlich, dass man sich bei der Hörbuchversion auf die Essays beschränkt und die rein faktischen Texte weggelassen hat. Bei mir sorgte das dafür, dass ich nach den ersten Passagen Buch und Hörbuch zeitgleich nutzte. Ich ließ mir die Essays vorlesen, während ich gleichzeitig die Fotos im Buch betrachtete und den eine oder andere Absatz mitlas. Dann machte ich eine Pause beim Hörbuch und beschäftigte mich mit den kleinen eingeschobenen Infokästen, der Fakten-Zusammenfassung und den Lesetipps (oft genug noch mit dem Netbook bei der Hand, um zu gucken, was davon in der Bibliothek zu beziehen sei - was doch erschreckend wenig ist).

Letztendlich kann ich nicht behaupten, dass eine Hörbuchversion von "Schriftstellerinnen" notwendig gewesen wäre. Nicht nur die Kürzungen mindern den Informationswert des Hörbuchs, auch die Sprecherin finde ich schlecht gewählt. Sigrid Burkholder liest die einzelnen Passagen, als ob sie Märchen für Kinder vortragen würde. Das lässt die Essays nicht nur sehr geschwollen klingen, sondern hatte auf mich auch eine erschreckend einschläfernde Wirkung. Hätte ich nur hingehört und mich nicht auch gleichzeitig mit dem Buch beschäftigen können, wäre bei mir wohl nicht viel hängen geblieben. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch das Geklimper - pardon, die entspannende Musik - zwischen den Passagen rund um die einzelnen Autorinnen. Da ich von den "50 Klassikern" nicht nur das Buch, sondern auch das Hörbuch zur "Römischen Antike" noch im Schrank stehen habe, werde ich da wohl auch noch reinhören (vor allem, da das von einem mir noch nicht bekannten Sprecher aufgenommen wurde), aber im Moment bin ich der Meinung, dass es zu dieser Reihe keine Hörbuch-Umsetzungen benötigt.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Dorothy Gilman: The Unexpected Mrs. Pollifax (Hörbuch)

Von Mrs. Pollifax hatte ich ja schon in meinem Figurenkabinett geschrieben, sie ist wirklich eine der Romanfiguren, die mir sehr am Herzen liegen. So ist es vielleicht kein Wunder, dass ich mit ihr meinen ersten erfolgreichen englischen Hörbuchversuch unternommen habe, nachdem mir Natira das Hörbuch geliehen hat. "The Unexpected Mrs. Pollifax" ist der erste Roman von Dorothy Gilman rund um die rüstige Rentnerin, die sich nach einer erschreckend depressiven Phase bei der CIA vorstellt und als Agentin bewirbt. So naiv das klingt, so stimmig finde ich diesen Schritt in der Geschichte dargestellt. Emily Pollifax hat das Gefühl im Leben zu nichts mehr nutze zu sein, sie langweilt sich nach dem Tod ihres Ehemannes und dem Auszug der Kinder und als ihr Arzt sie fragt, ob es nicht irgendetwas gebe, das sie schon immer machen wollte, erinnert sie sich an ihre Träume von einem Leben als Spionin, die sie als kleines Mädchen während des 2. Weltkriegs hegte.

Ihr ist bewusst, dass sie keine Ausbildung in diesem Gebiet hat, aber gute Nerven, Lebenserfahrung und Kenntnisse in erster Hilfe sollten doch auch etwas wert sein und so macht sie sich auf den Weg. Überraschenderweise bekommt sie wirklich einen kleinen Auftrag, da man ein unbekanntes Gesicht benötigt, um ein brisantes Päckchen aus Mexiko nach Amerika zu schmuggeln. So genießt Mrs. Pollifax ein paar wunderbare Tage als amerikanische Touristin, bis sie am vereinbarten Tag den ausgemachten Übergabeort betritt - und gefangen genommen wird. Wenig später findet sie sich hinter dem Eisernen Vorhang wieder und muss um ihr Leben ebenso bangen wie um das eines weiteren - deutlich erfahreneren, aber dafür verletzten - CIA-Agenten.

Ich liebe, liebe, liebe Mrs. Pollifax und die Sprecherin Barbara Rosenblat hat die Geschichte so wunderbar gelesen. Ihre Stimme machte die so vertrauten Figuren noch ein Stückchen lebendiger, und egal, ob Barbara Rosenblat Frauen oder Männer darstelle, es klang stimmig. Dank der überzeugenden Sprecherin habe ich mit Mrs. Pollifax mitgelitten, weil sie sich so wenig nützlich fühlte, habe ihre Aufregung und Freude über die Reise nach Mexiko erlebt und das Schwanken zwischen Angst und dem festen Willen Rückgrad zu beweisen und angesichts des Todes keine Schwäche zu zeigen.

Während ich Mrs. Pollifax Abenteuer hörte, haben meine Nachbarn bestimmt das eine oder andere Kichern aus meinem Garten gehört. Ich finde es so wunderbar, wie sie auch in extremen Situationen nicht von ihren Grundsätzen abweicht. So zeigt sie deutliches Bedauern, als einer ihrer Wärter von seinem schmerzenden Rücken erzählt, und besteht energisch darauf ihm eine Massage mit Alkohol zu verabreichen, um sein Leiden zu lindern. Einer ihrer Mitgefangenen wirft ihr im Laufe der Geschichte vor, dass sie - wie so viele Frauen - viel zu vertrauensselig ist, aber das ist gar nicht mal der Punkt. Sie hat genaue Ansichten wie man sich gegenseitig zu behandeln hat - nämlich mit Respekt und Mitgefühl - und solange man sie nicht zu wütend macht, dann handelt sie eben auch nach diesen Ansichten.

Auf der anderen Seite macht sie im Laufe der Geschichte auch die Entdeckung, dass es doch überraschend viel ... ähm ... Spaß machen kann, wenn man jemandem einen Stein auf den Kopf haut, um ihn bewusstlos zu schlagen. Auch beweist Emily Pollifax im Laufe der Geschichte, dass sie einfallsreich ist, aufmerksam beobachtet und nicht bereit ist die Hoffnung aufzugeben. Mit all diesen Eigenschaften reißt sie auch immer wieder ihren Leidensgenossen mit, ohne dass sie dabei unrealistisch oder übertrieben dargestellt wird. Mir hat es so viel Freude bereitet ihr erstes Abenteuer im Auftrag der CIA zu verfolgen, dass ich in den nächsten Monaten bestimmt noch weitere Hörbücher mit ihr hören werde - vor allem, da diese ebenfalls von Barbara Rosenblat gelesen werden.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Lena Gorelik: Die Listensammlerin

Ich habe keine Ahnung mehr, wie und wo ich über "Die Listensammlerin" von Lena Gorelik gestolpert bin, aber vor ein paar Wochen meldete mir die Bibliothek, dass das Buch für mich zur Abholung bereit stünde. Gelesen habe ich es dann (mal wieder) am Tag vor der Abgabe und habe so einen sehr intensiven Dienstag mit Sofia, Anna, Flox, Grischa, Anastasia und dem Rest der Familie verbracht.

Auf der einen Seite erzählt "Die Listensammlerin" von der unglücklichen Autorin Sofia, die seit der Geburt ihrer Tochter keine einzige Geschichte mehr geschrieben hat, mit ihrem Leben nicht zurechtkommt und die ich ehrlich gesagt auch als sehr anstrengend empfunden habe. Sofia ist es auch, die Listen sammelt. Schon von Kindheit an erstellte sie Listen über alle möglichen Dinge, ergänzte und pflegte sie und hob sie auf. Ihre Listen geben ihr Halt, wenn ihr das Leben zu viel wird, wenn es zu einer Ausnahmesituation kommt oder wenn sie etwas verarbeiten muss. Dabei drehen sich die Listen um so gut wie jedes Themengebiet von "Sätze, die ich niemals sagen wollte" über "Szenen meines Lebens, die aus einem (Hollywood-)Film stammen könnten" bis zu "Momente, in denen ich Frank [das ist ihr Stiefvater] weinen sah".

Sofias Passagen erstrecken sich eigentlich nur über wenige Tage. Tage, in denen sie auf die dritte Operation ihrer mit einem Herzfehler geborenen Tochter wartet, in denen sie ihre an Alzheimer erkrankte Großmutter im Pflegeheim besucht, in denen sie die frühere Wohnung der Großmutter ausräumt, in denen sie sich an die vergangenen zwei Jahre erinnert, in denen sie und ihr Freund Flox mit der Krankheit und dem möglichen Tod von Anna fertig werden mussten, in denen sie sich mit ihrem Verhältnis zu ihrer Mutter Anastasia beschäftigt und in denen sie herausfindet, dass sie nicht die einzige Person in der Familie ist, die Listen schreibt.

Der andere Erzählstrang beginnt sehr viel früher in der Sowjetunion und erzählt von Grischa, der mit seinen Eltern, seinem großen Bruder Andrej und seiner kleinen Schwester Anastasia in einer Kommulka lebt. Grischa ist der Klassenclown, ein charmanter Junge, ein begabtes Kind - und gefährlich anders als alle anderen. Grischa hinterfragt Dinge, er will verstehen und wissen und - wie man im Laufe der Geschichte feststellen kann - er lernt nie, seine Fragen zu filtern, er lernt nie, wann er vielleicht besser den Mund halten sollte, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Grischa ist jemand, der anscheinend niemals Angst hat, während gerade dieser Punkt - ebenso wie seine kritische Haltung zum System - seiner Familie umso mehr Angst macht.

Die Kapitel rund um Grischa fand ich wunderschön. Eingeleitet wurden diese von Listen (zum Beispiel von "Männern mit schönen Händen" oder "Sachen, die ich meiner Mutter wünsche") und sie erzählten auf eine wunderschöne und sehr liebevolle Weise vom Anderssein, vom Hinterfragen eines Systems wie es in der Sowjetunion herrschte, und von dem Bedürfnis eines Künstlers, sich frei ausdrücken zu können. Überhaupt hat es Lena Gorelik geschafft, wunderschön zu beschreiben, wie Grischa seine Umgebung wahrnimmt, wie er sich die Bilder zu dem Erlebten vorstellt, wie er Stimmungen und Gefühle in Maltechniken (nicht Farben!) empfindet.

Sofia hingegen fand ich nicht so überzeugend. Nicht wegen ihrer Listen, die ich in gewisser Weise charmant fand, sondern weil ich sie als so anstrengend empfunden habe. Dabei muss ich zugeben, dass die Probleme, die ich mit der Protagonisten hatte, die gleichen Probleme waren, die die Protagonistin mit sich selber hatte. Sofia war so schrecklich überempfindlich. Während der aktuellen Szenen konnte ich es noch verstehen, die anstehende Operation belastete sie ebenso wie die Situation ihre Großmutter, zu der sie als Kind ein sehr enges Verhältnis hatte. Aber auch bei den Kindheitsszenen schien sie mir überempfindlich und immer undankbar, immer gereizt, immer bereit zum Angriff - mir fehlte da wirklich ein "schöner" Ausgleich, ein Charakterzug, der vielleicht erklärt, warum jemand mit dieser Person überhaupt eine Beziehung eingehen würde. Auf der anderen Seite gab es viele Momenten zwischen Sofia und ihrer Familie und auch Grischa und seiner Familie, die wiederum in mir Erinnerungen an meine Familie geweckt haben und die ich als universell familiär empfunden habe.

Lena Gorelik erzählt beide Geschichten sehr episodenhaft. Sie erklärt viele Dinge nicht, gibt am Ende keine Antworten auf bestimmte Fragen, aber gerade das mochte ich, weil es Raum für die eigenen Gedanken bietet und weil die Handlung es auch nicht nötigt hat, dass alles geklärt wird. Wie schon gesagt, habe ich einen sehr intensiven Tag mit dem Buch erlebt und habe das sehr genossen. Auf der anderen Seite muss ich nach gerade mal zwei Tagen feststellen, dass abgesehen von einigen kleinen Szenen und einigen Gefühlen, die ich mit dem Roman verbinde, es eigentlich nur Grischa ist, der sich bei mir festgesetzt hat und der wohl noch ein wenig in Erinnerung bleiben möchte.

Dienstag, 17. Juni 2014

Mürbeteig-Plätzchen?

Ich habe am letzten Wochenende mit Mürbeteig experimentiert, nachdem ich einen Keksstempel geschenkt bekommen habe. Aber obwohl die Plätzchen schmecken, bin ich noch nicht so ganz überzeugt vom Ergebnis. Auf der einen Seite suchte ich einen Mürbeteig, der beim Backen nicht zu sehr aufgeht (also kein Backpulver und wenig Ei enthält), auf der anderen Seite sollte er natürlich auch einen leckeren Keks ergeben. Das erste Rezept, das ich ausprobiert habe, habe ich online gefunden. Wie man sehen kann, kommt die Form des Stempels trotz der - allerdings sehr dünnen - Glasur schön durch, allerdings sind die (Orangen-)Plätzchen sehr fest geworden. Außerdem schmecken sie kaum nach Orange, was ich aber nicht dem Teig anlaste, sondern der getrockneten Orangenschale, die dieses Mal nicht so "zündete".


Bei dem zweiten Teig (einmal Vanille, einmal Schokolade - beide ebenfalls dünn mit einer Glasur überzogen), dessen Rezept an dem Stempel hing, gab es schon beim ausstechen der Kekse Probleme. Der Teig war viel zu weich, viel zu buttrig und selbst gut gekühlt ließ er sich kaum verarbeiten. So ist es auch kein Wunder, dass der Stempel nicht so schön zur Wirkung kommt und das Eulchen auf den Keksen sehr verschwommen zu sehen ist. Dafür schmecken die Plätzchen aber etwas besser als beim ersten Rezept ...

Nun frage ich mich, ob jemand von euch schon Erfahrungen mit Keksstempeln gemacht hat und mir vielleicht ein Rezept empfehlen kann, bei dem die Plätzchen hübsch aussehen und gut schmecken.

Sonntag, 15. Juni 2014

Laura Thompson: Agatha Christie

Wenn ich die Romane einer Autorin oder eines Autors sehr mag und auch noch die Zeit besonders interessant finde, in der sie oder er gelebt hat, dann greife ich auch gern zu (Auto-)Biografien, um mehr über die Arbeit, den Werdegang und das Leben zu dieser Zeit zu erfahren. Dass ich Agatha Christies Romane sehr gern lese (und höre), dürfte ja inzwischen jedem Blogleser bekannt sein, und so ist es auch kein Wunder, dass ich schon mehrere Bücher über sie (und über ihre Figuren und Romane) gelesen habe. Am besten haben mir bislang ihre Autobiografien ("Meine gute alte Zeit" und "Erinnerung an glückliche Tage") gefallen sowie Charlotte Trümplers Buch "Agatha Christie und der Orient" - Letzteres vor allem durch die Konzentration auf Agatha Christies Anteil an den Ausgrabungen ihres zweiten Mannes Max Mallowan und durch Berichte einer Freundin von Agatha Christie.

Die Biografien, die ich sonst so gelesen habe, hatten alle den großen Nachteil, dass sie sich vor allem aus Zitaten aus Agatha Christies Autobiografien zusammensetzen und mir so nicht das Gefühl gaben, dass ich etwas Neues darin entdecken könnte. Bei "Agatha Christie - Das faszinierende Leben der großen Kriminalschriftstellerin" (was für ein Untertitel!) von Laura Thompson hingegen habe ich eine Menge Details gefunden, die die Verfasserin aus Briefen von und an Agatha Christie gezogen hat, aus Gesprächen mit Familienangehörigen und Freunden oder aus den Romanen, die diese unter dem Pseudonym Mary Westmaecott geschrieben hat. Diese - von den anderen Biografieverfassern in der Regel ignorierten - "Liebesgeschichten" tragen wohl so einige biografische Züge oder beinhalten Figuren, die Agatha Christies Beschreibungen von sich selbst und ihrer Familie recht nah kommen, so dass Laura Thompson aufgrund dieser Romane der Schriftstellerin immer wieder Gefühle "unterstellt", die Agatha Christie in ihrer recht distanzierten Art so nie geäußert hätte.

Obwohl manche dieser "Unterstellungen" mir etwas zu weit gingen, klangen die Schlüsse, die Laura Thompson aus den Werken von Agatha Christie zu deren eigenem (Gefühls-)Leben gezogen hat, insgesamt recht stimmig und bringen die eine oder andere neue Facette der Autorin zum Vorschein. Die Verweise auf die Kriminal- und Mary-Westmaecott-Romane sorgen dafür, dass diese Biografie eine Menge Zitate enthält, aber diese werden so angenehm flüssig in den von Laura Thompson verfassten Text eingebaut, dass das Buch gut lesbar ist - was man ja leider nicht von jedem Buch, in dem viel zitiert wird, sagen kann. Neben dieser weniger distanzierten (und hin und wieder etwas verklärten) Sicht auf Agatha Christie haben mir doch vor allem die kleinen Informationen gefallen, die in anderen Biografien oft wegfallen, eben weil Agatha Christie auf diese Details ihres Lebens keinen Wert gelegt hat (oder nicht wollte, dass die Öffentlichkeit sich zu sehr mit diesen Aspekten beschäftigt).

Etwas unhandlich fand ich die vielen Fußnoten, da diese nicht am Seitenende aufgeführt wurden, sondern in einem separaten Anhang am Ende des Buches. Das sorgte entweder dafür, dass ich sie ignorierte, weil ich keine Lust auf das ständig Blättern hatte, oder dass ich im Text kaum voran kam, weil ich Fußnoten nachschlagen musste. Dabei besteht ein großer Teil der Fußnoten aus Quellenangaben, aber einige erklären auch weitere Zusammenhänge oder erläutern, welche Informationen Laura Thompson dazu gebracht haben, eine Situation auf diese Weise darzustellen.

In einigen Rezensionen wird Laura Thompson vorgeworfen, dass sie Max Mallowan, Agatha Christies zweiten Ehemann, nicht sehr positiv darstellt. Und ja, es gibt ein paar Sätze in dieser Biografie, die implizieren, dass Max Mallowan die Schriftstellerin wegen ihres Geldes geheiratet hat. Meinem Gefühl nach ist dies aber vor allem so dargestellt worden, weil diese Ehe eben keine himmelhochjauchzende Romanze war wie die von Agatha und Archie Christie und es für einen Außenstehenden schwer sein kann, eine eher kameradschaftliche Beziehung, die zwischen zwei (anscheinend in jeder Hinsicht) so unterschiedlichen Menschen besteht, angemessen zu beurteilen.

Auch unterstellt Laura Thompson immer wieder in den Passagen, in denen es um Max Mallowan und die Ausgrabungen in Ägypten geht, dass Agatha Christie selbst vielleicht gar nicht so sehr an den Ausgrabungen interessiert war, sondern nur so viel Zeit mit ihrem Mann dort verbrachte, um eine gute Ehefrau zu sein. Das finde ich dann doch etwas unglaubwürdig angesichts der Tatsache, dass sich Agatha Christie nicht nur schon vor ihrer Ehe mit Archäologie beschäftigt, sondern auch aktiv an der Erhaltung der gefundenen Objekte beteiligt hat.

Was ich dann wieder wirklich interessant fand, war der Teil über Agatha Christies Probleme mit der Steuer. Obwohl sie immer versuchte, sich korrekt zu verhalten, gab es fast 30 Jahre lang Schwierigkeiten, weil erst ihre US-Einnahmen zurückgehalten, dann die Steuergesetze in Großbritannien geändert wurden. So detailliert hatte ich das noch nirgends aufgeführt gesehen und ich kann mir vorstellen, dass es für sie nicht einfach war, mit dieser Situation zu leben.

Insgesamt fand ich die Biografie wirklich spannend und unterhaltsam zu lesen. Hier und da muss man als Leser vielleicht etwas kritisch an das Gelesene herangehen, da Laura Thompson nicht gerade objektiv über Agatha Christie schreibt und auch ständig betont, was für ein Genie die Schriftstellerin war, aber es gab so einige neue Informationen für mich und ich bin inzwischen sehr neugierig auf die Mary-Westmaecott-Romane geworden. Oh, ein Manko an dieser deutschen Ausgabe besteht für mich darin, dass die zitierten Passagen alle (natürlich) aus den Scherz-Veröffentlichungen der Romane übernommen wurden, da auch die Biografie bei Scherz erschienen ist, und ich bin mir sicher, dass so für den deutschen Leser einige Verweise verloren gegangen sind. Schließlich sind die Scherz-Überarbeitungen von Agatha Christies Werken aufgrund der diversen Kürzungen nicht gerade die beste Quelle ...

Freitag, 13. Juni 2014

Amanda Stevens: Totenlichter (Graveyard Queen 2)

Nachdem ich Ende Mai "Totenlichter" von Amanda Stevens in meinem Buchpaket hatte, habe ich das Buch am Wochenende gelesen. Der Vorgänger "Totenhauch" hatte mir gut gefallen und so war ich gespannt wie es mit Amelia Gray so weitergeht. Die Handlung in diesem Roman spielt dieses Mal nicht in Charleston, sondern in den Blue Ridge Mountains, genauer gesagt in dem kleinen Ort Asher Falls, wo Amelia den Thorngate Friedhof restaurieren soll.

Der Friedhof war früher der Familienfriedhof der Familie Asher, doch nachdem Pell Asher in den 80er Jahren ein großes Stück Land verkauft hat, damit dort ein Stausee angelegt werden konnte, wurde der Friedhof auch den restlichen Bürgern von Asher Falls zugänglich gemacht, da durch den Stausee der alte Friedhof (ebenso wie ein Teil der Wohnhäuser, die Zugangstraße zum Ort und andere wichtige Elemente) überflutet wurde. Ein Großteil der Bürger hat seit Entstehung des Stausees die Stadt verlassen und so findet sich Amelia an einem Ort wieder, der trostlos und oft genug unheimlich wirkt. Auch der Familie Asher hat das Geschäft mit dem Stausee anscheinend kein Glück gebracht, sie wirken ebenso heruntergekommen wie der gesamte Ort, allerdings übt Thane Asher auf Amelia eine unerklärliche Anziehung aus.

Ich muss gestehen, dass mich dieser Roman etwas zwiespältig zurück lässt. Auf der einen Seite hat es Amanda Stevens wieder geschafft einige sehr atmosphärische und unheimliche Szenen zu schreiben. Der verlassene Ort, die Familie Asher mit ihrem skrupellosen Familienoberhaupt Pell, der See mit seinen Geistern, der Friedhof mit den alten und vernachlässigten Familiengräbern und die überwältigende Natur rund um die Stadt Asher Falls bieten eine tolle Kulisse und tolle Figuren für so eine Geschichte. In der Stadt gibt es so einige Sonderlinge, aber auch die drei charismatischen Frauen Luna, Bryn und Catrice, die als einzige in der Gegend erfolgreich und zufrieden zu sein scheinen. Das alles fand ich wirklich schön zu lesen, an manchen Stellen vielleicht etwas klischeehaft, aber insgesamt sehr atmosphärisch.

Auf der anderen Seite fehlten mir Charleston und viele Charaktere, die man im ersten Roman kennengelernt hat. In "Totenlichter" ist Amelia ganz auf sich allein gestellt und viele Dinge, die sie über die Stadt, die Ashers und die vor vielen Jahren bei einem rätselhaften Unfall umgekommene Freya erfährt, lassen sie an ihre Familie und ihre Kindheit denken. Auch ist ihr bewusst, dass sie - durch den Bruch der Regeln, die ihr Vater ihr von klein auf eingetrichtert hat - eine Grenze überschritten hatte und nun besonders auf der Hut vor den Geistern sein muss. So dreht sich ein Großteil der Handlung weniger um eine Ermittlung oder um den alten Friedhof und eventuell zu beachtende Dinge bei der Renovierung, sondern um Amelias Gefühls- und Privatleben.

Viele Dinge, die Amelia über ihre Familie und ihre Vergangenheit rausfindet, waren nicht besonders überraschend. Ebenso war der Krimianteil der Geschichte meiner Meinung nach recht vorhersehbar und dafür weniger spannend als bei "Totenhauch". Auch Amelias Aufgabe bei der Friedhofsrestauration fällt in diesem Roman fast unter den Tisch, wirklich neue Aspekte erfährt man kaum, dabei fand ich diesen Part im Vorgänger sehr reizvoll. Und so nett ich Amelias neuen Hund Angus finde, der ihr zu Beginn ihres Aufenthalts in Asher Falls zuläuft, so habe ich das Gefühl, dass viele Szenen durch ihn zu einfach für die Protagonistin geworden sind.

Am Ende bleibt von "Totenlichter" für mich nur eine nicht ganz so befriedigende Handlung und dafür eine tolle und atmosphärische Kulisse zurück. Wenn Bastei Lübbe noch einen weiteren Band der Autorin veröffentlichen sollte, werde ich den bestimmt auch noch ausprobieren, um zu gucken, ob Amanda Stevens nach der Klärung von Amelias persönlichen Rätseln wieder mehr auf den Kriminalgeschichtenanteil und Amelias ungewöhnlicher Tätigkeit als Restauratorin für historische Friedhöfe setzt.

Donnerstag, 12. Juni 2014

(Sach-)Buchtipps gesucht!

Eigentlich habe ich ja mehr als genügend Sachbücher ungelesen im Regal stehen und finde durch die Sachbuch-Challenge immer wieder neue interessante Titel. Trotzdem ist mir in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich über "das lange 19. Jahrhundert" (also über die Zeit zwischen 1789 und 1914) gerade in Bezug auf Deutschland (auch wenn man das eigentlich noch gar nicht so nennen kann) fast gar nichts weiß. Ich bin deutlich informierter, wenn es um französische oder britische Geschichte in diesem Zeitraum geht; und finde das irritierend.

Also suche ich Tipps für gute Sachbücher über diese Zeitspanne (oder eben Teile davon) - oder Romane, die auch auf die gesellschaftliche und politische Situation eingehen -, um meine Wissenslücke etwas zu stopfen. Gern hätte ich auch Bücher mit Karten darin, denn da hat sich bezüglich der vielen kleinen Grenzen doch eine Menge in diesem Zeitraum getan.

Ich weiß, dass das eine sehr spezielle Frage ist, aber vielleicht fällt einem von euch ja spontan ein (oder mehrere) Titel ein, die empfehlens- und lesenswert sind.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Auch "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" von Joël Dicker habe ich über Caroline entdeckt und dann überraschend schnell in der Bibliothek ausleihen können. Der Roman wird aus der Perspektive des Schriftstellers Marcus Goldman erzählt und beinhaltet mehrere miteinander verwobene Geschichten. Die Handlung dreht sich um die Frage, wer die junge Nola vor 33 Jahren ermordet hat, sie erzählt von der Freundschaft zwischen dem Autor Harry Quebert und Marcus Goldman, von all den Menschen, die durch Harrys Ankunft in dem kleinen Ort Aurora beeinflusst wurden und von denen, deren Leben durch Nolas Verschwinden sich veränderte. Außerdem erzählt der Roman von der Liebe zwischen Nola und Harry, von den kleinen Entscheidungen, die ein ganzes Leben beeinflussen können , von Verlust und von mehreren Büchern, die Marcus Goldman geschrieben hat.

Dabei beginnt für Marcus alles an dem Tag, an dem er von Harry einen Anruf erhält, in dem dieser ihm mitteilt, dass auf seinem Grundstück die Leiche der siebzehnjährigen Nola gefunden und er wegen Mordes verhaftet wurde. Für Marcus ist die Vorstellung absurd, dass Harry einen Mord begangen haben soll, auch wenn er wusste, dass sich der damals 34jährige Harry vor 33 Jahren in die junge Nola verliebt und eine Beziehung mit ihr geführt hatte. So macht sich der Schriftsteller auf in den kleinen Ort Aurora, um mehr über Nola herauszufinden und Harrys Unschuld zu beweisen.

In Aurora ist Marcus aufgrund seiner langen Freundschaft mit Harry kein Unbekannter, doch immer wieder lassen ihn die Einwohner spüren, dass er auch keiner von ihnen ist. Je mehr er in der Vergangenheit gräbt, je mehr er über Nola - und ihre Beziehungen zu ihrer Familie, ihren Nachbarn, ihren Mitschülern und ihrer Arbeitgeberin - herausfindet, desto mehr wird Marcus angefeindet. Immer wieder macht Marcus überraschende Entdeckungen und auch wenn nicht jede Wendung für mich ebenso überraschend war, so gelingt es Joël Dicker so viel Spannung und so viel Sympathie mit den Figuren aufzubauen, dass es mir keinen Moment lang beim Lesen langweilig wurde.

Der Autor hat eine sehr liebevolle Art mit seinen Charakteren umzugehen. Selbst Figuren, die auf den ersten Blick klischeehaft oder unsympathisch aufgebaut wurden, haben Facetten an sich, die dazu führen, dass man sie nicht verurteilt und dass man eigentlich gern von ihnen liest. Marcus Goldman zum Beispiel beschreibt sich selber als jemanden, der sich in seiner Jugend immer so durchlaviert hat, als jemanden, der immer den leichtesten Weg wählte, um sich im bestmöglichen Licht dazustellen, und auch sein Verhalten nach dem Erfolg seines ersten Romans zeigt deutlich, dass er immer noch jemand ist, der Schwierigkeiten damit hat einen "erwachsenen" Umgang mit Situationen zu finden. Auf der anderen Seite ist da sein Glaube an seinen Freund und Mentor Harry, seine Hartnäckigkeit bei der Suche nach der Wahrheit und letztendlich auch Bedürfnis das "Richtige" zu tun, so dass man ihn nur schwer für seine Fehler verurteilen kann.

Ebenso ergeht es einem mit Harry Quebert, dessen Beziehung zu einem gerade mal siebzehnjährigen Mädchen weder aus rechtlicher, noch aus moralischer Sicht akzeptable ist - und doch gelingt es Joël Dicker für den Leser nachvollziehbar zu machen, warum sich Harry in dieses Mädchen verliebt hat. Die ganze Vielfalt der Charaktere, mit all ihren Stärken und Schwächen, hat mich wirklich fasziniert. Ich habe mir Gedanken über die gealterte Schönheitskönigin und ihre unerfüllten Träume gemacht, ich hatte Mitleid mit einem jungen und überaus schüchternem Polizisten, ich habe um das zerstörte Leben eines jungen Malers geweint und mich gefragt, welche dieser vielen kleinen Enthüllungen in einem Gespräch nun Marcus auf seiner Suche nach der Wahrheit weiter bringt.

Wirklich neu ist die Geschichte nicht und die Überfrachtung mit so vielen Themen wäre bei einer weniger ruhigen Erzählweise vermutlich viel zu viel geworden, ebenso wie die eher belanglosen Schreibtipps, die Harry Marcus im Laufe der Zeit gibt, aber dank der eher gemächlichen und immer wieder abschweifenden Erzählweise habe ich "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" sehr genossen. Ich habe mich in all den kleinen Dramen verloren, habe die Beschreibungen der Stadt, des Strands und der vielen kleinen zwischenmenschlichen Momente gemocht und mich auch immer wieder von dem Roman an andere Bücher (oder Filme) erinnern lassen.

Dienstag, 10. Juni 2014

Jim Butcher: Sturmnacht (Hörbuch)

Nachdem es schon über drei Jahre her ist, dass ich den ersten Harry-Dresden-Band gelesen haben, habe ich die Gelegenheit genutzt als die Hörbuch-Version mit David Nathan veröffentlicht wurde. Ich mag den Sprecher, ich mag die Geschichten rund um Harry Dresden, dieses Hörbuch konnte einfach kein Fehlgriff sein - und ich habe mich wirklich sehr gut damit unterhalten gefühlt.

In klassischer Privatdetektiv-Tradition beginnt auch diese Geschichte mit einer attraktiven Frau, die Harry Dresden beauftragt, um ihren verschwundenen Mann zu suchen. Während Harry noch darauf hinweist, dass es doch andere Detektive gäbe, die für diese Aufgabe geeignet seien, erzählt ihm seine Kundin, dass ihr Mann in letzter Zeit mit (schwarzer) Magie experimentiert hätte und dass sie deshalb auf sein besonderes Wissen setzen würde, um ihn zu finden. Denn schließlich ist Harry Dresden der einzige Magier, der seine Dienste im Chicagoer Telefonbuch anbietet ...

Dass die Geschichte nicht so einfach ist, wie es scheint, und dass es eine Verbindung zwischen Harrys Klientin und seiner Tätigkeit für das Chicagoer Police-Department gibt, liegt für den Hörer schnell auf der Hand. Aber wie genau alles zusammenhängt und wie Harry mit all den Schwierigkeiten, die seine Ermittlungen mit sich bringen fertig wird, fand ich auch beim zweiten Entdecken der Geschichte wieder sehr reizvoll und unterhaltsam. Ich hatte fast vergessen wie sehr der Anfang von Harrys Abenteuern an die klassischen Detektivgeschichten angelehnt ist. Seit diesen ersten gemeinsamen Schritten mit Harry in der übernatürlichen und kriminellen Welt von Chicago ist doch einiges passiert.

Auch hatte ich den Gangsterboss ganz vergessen, mit dem er sich in "Sturmnacht" anlegt und ich habe mich darüber gefreut sein erstes "Date" mit der Journalistin Susan noch einmal miterleben zu können. Wie auch bei den folgenden Bänden mag ich die recht actionreiche Erzählweise, Harrys grundsätzliche Haltung gegenüber Gefahren und Herausforderungen und den Humor, den Jim Butcher in seine Geschichten einbaut. Allerdings ist mir aufgefallen wie sehr ich mich inzwischen an die englischen Romane gewöhnt habe (ich hatte nur den ersten Band auf Deutsch gelesen und dann zu den englischen Ausgaben gewechselt) und wie seltsam einige Begriffe in der Übersetzung klingen.

Auch der Luftgeist Bob, der in einem Schädel in Harrys Keller lebt und diesem als eine Art magisches Nachschlagewerk dient, hat mich sehr irritiert. Ich hatte vollkommen verdrängt, dass dieser in der deutschen Ausgabe mit einem Berliner Dialekt (Warum werden eventuell vorhandene englischsprachige Dialekte immer mit dem Berliner Dialekt übersetzt? Gibt es eigentlich keine Alternativen? Oder würde es nicht einfach reichen zu erwähnen, dass die Figur einen Dialekt hat, statt ihr einen unpassenden deutschen Dialekt aufzudrücken?) übersetzt wurde. Zum Glück hat Bob nicht sehr viele Szenen im ersten Band, aber der Teil hat mir dann doch nicht gefallen.

Zum Sprecher David Nathan muss ich wohl nicht mehr viel sagen, oder? Ich mag ihn als Hörbuchsprecher, das ist meinen Bloglesern inzwischen ja auch bekannt. Auch "Sturmnacht" hat er wieder stimmungsvoll und professionell gelesen (für den Berliner Dialekt kann er ja nichts), ohne bei den Frauenfiguren die Stimme unpassend zu verstellen oder die Charaktere so zu interpretieren, dass sie mit meiner ganz persönlichen - und nach acht Romanen recht festgelegten - Vorstellung nicht mehr zusammenpassen. Auch finde ich, dass seine Stimme sehr gut zu einem Mann wie Harry Dresden passt, der groß und schlank ist und schon einiges vom Leben gesehen hat. Trotzdem überlege ich noch, ob ich die Serie auf Deutsch weiterhören möchte oder vielleicht doch mal einen Versuch mit der englischen Variante (gelesen von Spike James Marsters) wagen sollte, obwohl ich befürchte, dass ich zu wenig verstehen würde.

Montag, 9. Juni 2014

Natasha Farrant: Die Geschwister Gadsby

"Die Geschwister Gadsby" von Natasha Farrant habe ich über Carolines Blog entdeckt und konnte das Buch dann sogar recht schnell aus der Bibliothek ausleihen. Die Geschichte wird aus der Sicht der dreizehnjährigen Bluebell (Blue) erzählt. Blue läuft den ganzen Tag mit einer Kamera herum, um ein Filmtagebuch zu führen, so dass man als Leser die Erlebnisse als "beschriebenen Film" mitbekommt, und nur bei den Passagen, bei denen Blue aus irgendeinem Grund nicht drehen konnte oder durfte, fasst sie im Nachhinein schriftlich zusammen was passiert ist.

Anfangs wirkt Blues Familie zwar sehr chaotisch, aber auch recht zufrieden auf den Leser. Doch schnell wird klar, dass es so einige unausgesprochene Probleme gibt, die den Kindern zu schaffen machen. Während Blues Vater die Woche über nicht in London, sondern in Warwick lebt, fliegt die Mutter für ihren Beruf ständig durch die Welt. Auf die Kinder passt in dieser Zeit Zoran auf, ein Student, der eigentlich an seiner Doktorarbeit schreibt und eindeutig mit der Verantwortung für Blue und ihre Geschwister überfordert ist.

Blues sechzehnjährige Schwester Flora scheint ihre jüngeren Geschwister nur noch zu ignorieren, obwohl Blue einige liebevolle Erinnerungen daran hat, wie Flora sich früher um sie gekümmert hat. Ihre jüngeren Geschwister Jasmine (8 Jahre alt) und Twig (10 Jahre) wirken zwar auf den ersten Blick unbekümmert, aber auch bei ihnen wird immer wieder deutlich, dass auch sie das Gefühl haben, dass die Familie auseinander bricht. Blue selber scheint in ihrer Familie keine nennenswerte Rolle zu spielen, sie beobachtet nur, sie zieht sich ständig zurück, hat keine Freunde und auch in der Schule versucht sie so unsichtbar wie möglich zu sein.

Erst mit dem Einzug des Nachbarjungen Joss ändert sich dies für Blue. Joss sieht wie unglücklich das Mädchen ist und sorgt - um ihr zu helfen - für einige Unruhe in ihrem Leben. So lustig viele der Szenen mit Blue und ihrer chaotischen Familie sind, so zieht sich doch eine gewisse Traurigkeit durch den Roman. Schon früh erfährt man, dass Blue eine Zwillingsschwester hatte, die vor drei Jahren gestorben ist, und wie sehr sie ihre Schwester Iris vermisst. So ist "Die Geschwister Gadsby" eine wunderbare Mischung aus witzigen, nachdenklichen, traurigen und berührend alltäglichen Szenen. Blue wächst einem schnell ans Herz und auch ihre Familie mochte ich - ebenso wie den armen überforderten Zoran - sehr.

Obwohl es in der Geschichte auch einige ungewöhnliche Momenten gibt, besteht der Großteil des Romans aus beinah alltäglichen Szenen, in denen die einzelnen Charaktere deutlicher ausgearbeitet werden und man die vielen verschiedenen Untertöne mitbekommt, die zwischen den einzelnen Familienmitgliedern so mitschwingen. Und gerade die kleinen Dinge haben bei mir immer wieder dafür gesorgt, dass ich schmunzelten, dass ich den Kopf schüttelte oder mir eine Träne wegwischen musste.

Auch den Erzählstil habe ich sehr gemocht. Auf der einen Seite die - nur auf den ersten Blick - distanziert wirkenden "Filmszene", auf der anderen Seite die Zusammenfassungen von Blue, die immer wieder ihre aktuelle Gefühlslage zum Ausdruck bringen. Diese Mischung hat für mich einfach gut funktioniert und es hat Spaß gemacht eine Geschichte mal auf diese Weise erzählt zu bekommen.

Dienstag, 3. Juni 2014

Phoebe Rivers: Saranormal - Die Geisterstadt

"Saranormal - Die Geisterstadt" von Phoebe Rivers war mir im Verlagskatalog ins Auge gefallen. Die Inhaltsangabe klang nett und zur Abwechslung lese ich ja gern Kinderbücher. Leider hat mir "Saranormal" nicht ganz so gut gefallen wie erhofft. Die Geschichte beginnt eigentlich ganz vielversprechend, während man Sara und ihren Vater auf dem Weg in eine neue Stadt begleitet. Da der Vater einen neuen Job angenommen hat, ziehen die beiden von Kalifornien nach New Jersey. Saras Mutter ist schon vor langer Zeit gestorben, das Mädchen hat sie eigentlich nie richtig kennengelernt.

Schon auf den ersten Seiten erzählt Sara, wie sie mit vier Jahren zum ersten Mal Geister gesehen hat, als sie im Kindergarten draußen spielte und wie sehr es sie verstörte, dass niemand sonst die beiden Mädchen auf dem Spielplatz wahrnehmen konnte. Im Laufe der Zeit hat Saras Fähigkeit dafür gesorgt, dass sie zu einem sehr zurückhaltenden und unsicherem Mädchen wurde. Auch ihrem Vater hat sie nie von den Geistern erzählt, die sie sehen kann, auch wenn sie weiß, dass ihn ihre regelmäßigen Albträume beunruhigen - ebenso wie die Tatsache, dass sie keine gleichaltrigen Freunde hat.

War Sara von Anfang an schon über den Umzug unglücklich, so ist sie geradezu verstört, als sie feststellen muss, dass ihre neue Heimatstadt geradezu von Geistern wimmelt. Dazu kommt noch, dass ihre neue Vermieterin "Lady Azura" eine Wahrsagerin ist und es kaum einen Raum in ihrem Haus gibt, der nicht von einem Geist bewohnt wird - und auf solche Mitbewohner ist Sara wirklich nicht scharf. Umso mehr freut sie sich aber, dass sich das Nachbarmädchen Lily mit ihr anfreunden will und auch bereit ist über Saras immer mal wieder seltsames Verhalten hinweg zu sehen.

Diese Vorstellung von Sara, ihrem Leben und ihrem Verhältnis zu ihrem Vater nimmt einiges an Raum ein in dem Roman. Ebenso nimmt sich die Autorin viel Zeit für die Beschreibungen, die sich um die Stadt, den Pier und all seinen Geschäften, die neue Wohnung und all die Leuten, die Sara kennenlernt, drehen. Das ist alles sehr unterhaltsam zu lesen. Auch mag ich die Atmosphäre in diesem Buch, die mal unheimlich (wenn es um die Geister geht), mal sommerlich-leicht (wenn es um den Pier und Saras neue Freundin Lily geht) gehalten ist.

Allerdings gelingt es Phoebe Rivers nicht, einen runden Ausklang für die Geschichte zu finden. Sie baut wunderbar Spannung auf, in dem sie einen bestimmten Geist auftauchen und mit Sara kommunizieren lässt. Es ist ganz klar, dass etwas Schlimmes passieren wird, wenn Sara nicht herausfindet, wovor der Geist sie warnt. Auch der Zwiespalt, in dem Sara steckt, die auf der einen Seite diese Warnungen nicht überhören kann, aber auf der anderen Seite ein ganz normales Leben führen möchte, wird schön dargestellt.

Aber am Ende löst sich die Gefahr für meinen Geschmack viel zu schnell auf und all die aufgebaute Spannung verpufft einfach. Ich kann gut damit leben, dass nichts Dramatisches passiert. Es dreht sich bei "Saranormal - Die Geisterstadt" immerhin um ein Kinderbuch und da finde ich ein Happy End mehr als angebracht. Aber trotzdem hätte mir etwas "Action" am Ende der Geschichte besser gefallen. Eine kleine Wendung hätte gereicht, um die Handlung befriedigend zum Abschluss zu bringen, aber genau die hat gefehlt. So habe ich gerade mal einen Tag, nachdem ich das Buch gelesen habe, schon das Gefühl, dass die Erinnerung an die Geschichte verblasst und dass von "Saranormal" nichts zurückbleibt - und das finde ich bei der schönen Grundidee wirklich schade.

Sonntag, 1. Juni 2014

Juni-SuB 2014

Der Mai war ein seltsamer Lesemonat. Nach einer sehr intensiven ersten Woche, die ich vor allem mit den Rachel-Morgan-Büchern vom SuB verbracht hatte, kamen zwei Wochen in denen ich so gut wie gar nicht gelesen habe. Den Rest des Monats habe ich dann mit den "20th Century Boys" verbracht ... Komischerweise ist mir wegen dieser Tagen ohne Bücher aufgefallen, dass ich das Lesen auch brauche, um ein gewisses Zeitgefühl zu entwickeln. Obwohl ich den ganzen Monat viel getan habe, habe ich das Gefühl, dass mir zwei Wochen einfach so verloren gegangen sind, weil ich diese Zeit mit keinem Buch in Verbindung bringen kann.

Doch genug von meinem seltsamen Zeitgefühl! Im Mai habe ich insgesamt 6 Bücher und 27 Manga gelesen und 5 Hörbücher gehört (da macht es sich bemerkbar, dass der Regen mir weniger Gartenstunden ermöglicht hat ;) ). Für den Juni stehen die ausstehenden Sachbuch-Challenge-Rezensionen an (sowie das noch zu lesende Buch, um das erste Challenge-Halbjahr erfolgreich abzuschließen), außerdem das obligatorische englische Buch (hm ... vielleicht kombiniere ich das sogar) und dazu möchte ich noch bescheidene drei Titel vom SuB befreien. Das sollte doch machbar sein. :)


A (2)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (12)
Quentin Bates: In eisigem Wasser
Quentin Bates: Kalter Trost
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Jenna Black: Rosendorn
Michael Boccacino: Charlotte und die Geister von Darkling
P.J. Brackston: Es war einmal ein Mord
Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud  
Brom: Krampus
Jim Butcher: Im Schatten des Fürsten (Codex Alera 2)

C (1)
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)

D (3)
John Dickinson: Das Kind des Schicksals
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften

E (0)
-

F (9)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Thomas Finn: Schwarze Tränen
Alex Finn: Beastly
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Alan Dean Foster: Patrimonium
Alan Dean Foster: Quofum
Alan Dean Foster: Die Spur der Tar-Aiym

G (1)
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (8)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Brendan Halpin: I can see clearly now
Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Will Hill: Department 19 - Die Wiederkehr
Mark Hodder: Der wundersame Fall des Uhrwerkmannes
Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
Daniel Holbe: Giftspur

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (0)
-

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (1)
Siri Lindberg: Nachtlilien

M (3)
Chris Marten: Hydra
Christoph Marzi: Lyra
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter

O (0)
-

P (3)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Renata Petry: Hilgensee
Bernd Perplies: Magierdämmerung - In den Abgrund

Q (0)
-

R (11)
Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Phoebe Rivers: Saranormal - Die Geisterstadt
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (10)
Courtney Schafer: Die Chroniken von Ninavel 2 - Stadt der Magier
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Amanda Stevens: Totenlichter
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (5)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)
-

V (1)
Uwe Voehl: Tod und Schinken

W (5)
Danny Wallace: Auf den ersten Blick
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Gabriella Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

Z (0)
-

Sonstige (0)
-

86 Titel auf dem SuB


Englischer SuB:

Amber Benson: Death's Daughter (A Calliope Reaper-Jones-Novel)
Marie Brennan: A Natural History of Dragons
Sarah Rees Brennan: Unspoken
Jim Butcher: White Night (Harry Dresden #9)
Jim Butcher: Small Favor (Harry Dresden #10)
Jim Butcher: Turn Coat (Harry Dresden #11)
Julie Campbell: The Gatehouse Mystery (Trixie Belden #4)
Gail Carriger: Changeless (Parasol Protectorate #2)
Gail Carriger: Blameless (Parasol Protectorate #3)
Gail Carriger: Heartless (Parasol Protectorate #4)
Gail Carriger: Timeless (Parasol Protectorate #5)
Jennifer Estep: Web of Lies (Elemental Assassin #2)
Mira Grant: Feed
Tanya Huff: The Wild Ways
Lynn Kurland: Star of the Morning
Seanan McGuire: Chimes at Midnight (October Daye #7)
Seanan McGuire: Half-Off Ragnarok (InCryptid #3)
Seanan McGuire: Sparrow Hill Road
Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Mastiff (The Legend of Beka Cooper #3)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Tamora Pierce: Battle Magic (Circle Reforge)
Julia Quinn: Dancing at Midnight
Julia Quinn: Splendid
Julia Quinn: Minx
Julia Quinn: Everything and the Moon
Julia Quinn: Brighter Than the Sun
Philip Reeve: Larklight

Sonstiges:
West Ward Weird
Home Improvement: Undead Edition
Carniepunk

31 Titel auf dem englischen SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)