Montag, 31. August 2015

SuB-Zuwachs im August

Im August gab es mal wieder mehr als ein neues Buch für mich, auch wenn ich immer noch überraschend unentschlossen bin, wenn ich so vor meiner Merkliste sitze und überlege, was ich mir gönnen könnte.



Deborah Crombie: Wer im Dunklen bleibt 
Der inzwischen sechzehnte Kriminalroman der Autorin rund um Gemma James und Duncan Kincaid. Ich mag die Serie so sehr und freue mich jedes Mal, wenn ich einen neuen Band davon ins Haus bekomme.

Jennifer Estep: Widow's Web
Noch eine Reihenfortsetzung. Bei den Geschichten rund um Gin Blanco lege ich zwischen den einzelnen Bänden inzwischen gern Pausen ein, weil die Autorin relativ viel wiederholt. Aber so langsam ist es Zeit weiterzulesen, damit ich irgendwann einmal bei der Serie auf dem aktuellen Stand bin.

D.B. Jackson: Thieftaker
Ich weiß nicht mehr, wo ich über dieses Buch gestolpert bin, aber da es eine Mischung aus Sherlock Holmes und Harry Dresden (oder aus Raymond Chandler und Jonathan Swift) sein soll, dachte ich, es wäre einen Versuch wert. Ich bin sehr gespannt, ob ich damit einen guten Griff getan habe!

Samstag, 29. August 2015

Nnedi Okorafor: Akata Witch

Auf "Akata Witch" von Nnedi Okorafor bin ich im letzten Jahr über Jim Hines Rezension (wer den Link öffnet, kann gleich noch diese Rezension lesen, die aus Igbo-Sicht über das Buch schreibt) aufmerksam geworden. Da ich den Schauplatz (Nigeria) ebenso interessant fand, wie die Protagonistin Sunny, habe ich den Roman auf meinen Wunschzettel gesetzt, zum Geburtstag geschenkt bekommen - und dann aufgehoben, bis ich in der richtigen Stimmung für die Geschichte war. ;) In den letzten Tagen war es endlich soweit, nachdem ich nicht nur mehrere Titel, die sich in irgendeiner Form mit Afrika beschäftigten, gelesen habe, sondern auch eine Woche Urlaub hatte.

Sunny ist ein zwölfjähriges Mädchen, gehört zu den Igbo und lebt seit drei Jahren in Nigeria, nachdem sie die ersten neun Jahre ihres Lebens in den USA verbracht hat. Außerdem ist Sunny ein Albino und erträgt aufgrund ihrer empfindlichen Haut die Sonne nicht. Was mir an Sunny von Anfang an gefiel, war, dass sie es zwar nicht einfach hat - sie hat von klein auf damit leben müssen, dass sie "anders" ist und das Gefühl hat sich durch die Rückkehr ihrer Eltern nach Nigeria nur noch verstärkt -, dass sie aber nicht darüber jammert. Sie ist schon mal wütend oder resigniert, sie weiß aber auch, dass sie eben das Beste aus ihrer Situation machen muss. Noch komplizierter wird ihr Leben, als sie herausfindet, dass sie zu den "Leopard People" gehört, zu den Menschen, die Magie wirken können.

Die Handlung in "Akata Witch" (Akata ist übrigens ein verächtliches nigerianisches Wort für Menschen, die zwar afrikanischstämmig sind, aber in Amerika geboren und aufgewachsen sind) ist relativ klassisch für ein fantastisches Jugendbuch: Ein Kind findet heraus, dass es besondere Fähigkeiten hat, dass neben der "normalen" Gesellschaft noch eine magische Parallelgesellschaft existiert (und bitte verkneift euch an dieser Stelle den Harry-Potter-Ruf) und dass es etwas Böses gibt, das bekämpft werden muss. Nnedi Okarafor macht aus diesem Grundrezept aber eine für mich besondere Geschichte, nicht nur dadurch, dass die Handlung spürbar in Nigeria spielt und es immer wieder Verweise auf die Igbo- und andere (west-)afrikanische Kulturen gibt, sondern auch durch die Darstellung ihrer Figuren.

Sunny, ihre Freunde und die Mentoren, die die Jugendlichen im Laufe der Zeit gewinnen, sind wunderbar überzeugende Charaktere. Jeder einzelne fühlt sich unverwechselbar an und jeder hat seine kleinen Macken und Vorzüge. Und bei allen Reibereien steht für die vier Jugendlichen doch fest, dass sie Freunde sind und zusammenarbeiten müssen. Die Handlung schreitet relativ langsam voran, was ich persönlich sehr angenehm fand, denn so hatten die verschiedenen Figuren die Möglichkeit zu lernen und sich zu entwickeln. Dazu hat die Autorin immer wieder kleine - mehr oder weniger - alltägliche Momente einbaut, die zeigen wie das "normale" und das magische Leben von Sunny nebeneinander existiert und welche Schwierigkeiten sich daraus ergeben.

Ich weiß gar nicht, wie ich all die kleinen Dinge beschreiben soll, die ich an diesem Roman so sehr gemocht habe. Es gelingt Nnedi Okorfor ganz viele Themen anzusprechen, die nicht nur für die jugendlichen Leser, sondern allgemein relevant sind, ohne dass sie dabei je das Gefühl vermitteln wurde, sie würde den Zeigefinger heben und jetzt etwas Wichtiges sagen. Sunny vergleicht immer mal wieder ihr Leben mit dem ihrer Brüder oder denkt darüber nach wie schwierig es für Mädchen ist in eine Fußballmannschaft aufgenommen zu werden, weil das eben reine Jungen-Mannschaften sind. Aber es gibt auch Szenen, in denen z.B. die Vorurteile der einzelnen Volksgruppen innerhalb Nigerias angedeutet werden oder in denen es um Rassismus in den USA geht. All das wird ganz natürlich in die Geschichte eingeflochten, weil es eben zum Leben der Protagonisten gehört.

"Akata Witch" war für mich ein unterhaltsamer, spannender und auch lehrreicher Urban-Fantasy-Roman und hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich gleich nach dem Lesen die weiteren Romane der Autorin auf meine Merkliste gesetzt habe. Ich mochte auch all die Elemente, die zu der - zum Teil wirklich schrecklichen und tödlichen - magischen Welt, die die Autorin geschaffen hat, gehörten. Zusätzlich fand ich es toll, dass Sunny und ihre Freunde zwar in gewisser Weise "auserwählt", aber in ihrer Gesellschaft definitiv nicht unersetzlich sind. Ich wünschte, ich könnte mehr über die Magie oder die besonderen Wesen oder all die anderen Sachen schreiben, aber da es für mich so schön war all diese Dinge beim Lesen zu entdecken, halte ich mich da lieber zurück. Ach ja, die Geschichte ist meiner Einschätzung nach für Leser ab zehn Jahren geschrieben worden, ist aber - wie man an meiner Begeisterung sehen kann - auch für erwachsene Leser gut geeignet.

Sonntag, 23. August 2015

Dies und Das (3)

Erst das dritte "Dies und Das" in diesem Jahr - ich hatte anscheinend bislang nicht so viel Plauderbedarf. ;)

Die jedes Jahr stattfindende Besuchswoche mit Bibendum ist gestern vorbeigangen. Wie immer war es total nett und entspannt und wir haben uns miteinander wohlgefühlt. Allerdings fiel uns am Freitag, als mein Mann in der Stadt von einem Arbeitskollegen gefragt wurde, was wir denn in der Woche gemacht hätten, auf, dass wir die aktiveren Sachen von unserer Liste (Schwimmen, Bowling u.ä.) gar nicht auf die Reihe bekommen haben. Dafür gab es wieder Restaurant- und Cafébesuche mit sehr leckerem Essen, ein paar Stadtbummel (ich habe neue Schuhe gefunden! :D) und Bibendum und mein Mann haben sich stundenlange Billiardschlachten (an der PS3) geliefert. *g*

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So richtig glücklich bin ich mit dem Garten noch lange nicht. Es ist alles imer noch im Umbruch und viele Pläne musste ich für dieses Jahr wieder auf Eis legen. Dafür mag ich gerade meine beiden Balkonkästen (inklusive der bewässernden Frösche) sehr. Die Margeritenblüten fallen zwar regelmäßig der Hitze zum Opfer, aber da auch immer wieder neue Blüten kommen, hoffe ich darauf, dass ich im Herbst noch etwas von der Blume habe. Wenn es Zeit ist, die Balkonkästen im Herbst zu entfernen, wandern die Pflanzen in den Garten und ich bin gespannt, was davon den Winter überlebt.



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Ich trau mich kaum, es zu schreiben, aber den Katern geht es zur Zeit erstaunlich gut. Shandy nimmt zwar leider kontinuierlich ab, aber seine Werte sind - angesichts der kaputten Nieren - in Ordnung und er hat in den letzten Wochen deutlich an Sicherheit und Kraft zurückgewonnen. Seit einer knappen Woche ist er sogar wieder in der Lage, auf den Kratzbaum zu klettern oder über die Brücke auf das Bücherregal zu springen. Bei Baltimore wächst der Tumor zwar weiter und er ist inzwischen regelmäßig auf Schmerzmittel angewiesen, aber seitdem er zweimal am Tag eine winzige Portion Insulin gespritzt bekommt, ist er munterer und hat sogar deutlich zugenommen. Dafür, dass wir uns im Juni sicher waren, dass sie den Monat nicht überleben würden, genießen sie das Leben doch gerade ganz schön. Ich hoffe, es läuft so noch eine Weile weiter ... :)


Freitag, 21. August 2015

Emma Kennedy: Wilma und das Rätsel um die gefrorenen Herzen

Über "Wilma und das Rätsel der gefrorenen Herzen" von Emma Kennedy bin ich durch Zufall in der Bibliothek gestolpert. Denn während ich darauf wartete, dass ein älteres und etwas verpeiltes Ehepaar inklusive vier mindestens doppelt so verpeilten Enkelkinder endlich ihre paar Bücher verbucht bekamen, stand ich vor dem Regal mit Kinderbüchern und habe mir Klappentexte durchgelesen. (Das extremste Enkelkind hat es dann noch geschafft - nachdem mir die Gruppe Platz gemacht hatte, damit ich meine Bücher ausleihen konnte - sein Buch so neben meinen Stapel zu legen, dass es gleich mitverbucht wurde und wir dann doch noch eine Angestellte bemühen musste, um das wieder auseinander zu sortieren. *argh*)

Auf jeden Fall klang die Geschichte rund um Wilma Tenderfoot nett und durfte deshalb mit nach Hause - und weil ich an dem Tag vor lauter Hitze eh nicht mehr viel tun konnte, habe ich den Roman auch gleich am Nachmittag noch gelesen. Schon während des Lesens fühlte ich mich etwas zwiegespalten. obwohl die Idee sehr nett und Wilma eine sympathische, wenn auch arg übereifrige Protagonistin ist. Wilma ist in "Cooper Islands Unterland-Institut für Elende Kinder" aufgewachsen, einem Waisenhaus, das von der grauenhaften Mrs. Scratch geleitet wird. Diese Dame verkauft regelmäßig die ihr anvertrauten Kinder als Dienstboten in die angesehenere Hälfte der Insel, wobei eine Klausel besagt, dass beim Tod des Kindes innerhalb der Probezeit natürlich der volle Kaufpreis zu zahlen sei.

Auch Wilma wird an eine Arbeitgeberin verkauft und muss dort die unangenehmsten Aufgaben erfüllen, die man sich nur vorstellen kann. Auf der anderen Seite landet sie durch diesen Ortswechsel prompt in dem Haus, das direkt neben dem Heim von Theodore P. Goodman liegt, dem größten Privatdetektiv, den es auf Cooper Island nur gibt. Und genau dieser Theodore P. Goodman ist seit klein auf Wilmas Idol und so setzt sie alles daran, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vor allem hofft sie, dass er sie vielleicht als Lehrling aufnimmt, wenn sie ihn erst einmal von ihren ernsten Absichten überzeugt hat. Zu Wilmas großem Glück zieht sich gerade eine Mordserie über die Insel, die mit dem Diebstahl eines ungewöhnlich seltenen Edelsteins ihren Anfang nimmt - und selbstverständlich nimmt das Mädchen sofort die Ermittlungen auf.

Wilma, Theodore P. Goodman, seine Haushälterin und der Polizist der Insel sind wirklich sympathische Figuren, die alle ihre ganz besonderen liebenswerten Eigenheiten haben. Auch wimmelt der Roman vor lauter ungewöhnlichen Ideen und Einfällen, von denen mir vor allem die gut gefallen haben, die für uns ganz normale Vorgänge wie zum Beispiel einen Grenzübertritt mit einem angemessenen Schuss Spott darstellen. Auch der Kriminalfall war - trotz all der Toten - kindgerecht (das Buch wird am 9 Jahren empfohlen) und spannend erzählt. Man kann während Wilma fleißig und - mehr oder weniger - erfolgreich ermittelt mitraten und bekommt immer wieder neue Hinweise auf die Hintergründe der Tat präsentiert.

Aber trotzdem konnte mich der Roman nicht vollständig begeistern, da ich die Welt, in der das Ganze spielt unstimmig und übertrieben fand und mich oft genug geärgert habe, dass hier so viel Potenzial verschenkt wird. Es gibt so viele wunderbare und lustige Elemente in "Wilma und das Rätsel der gefrorenen Glasherzen", dass es nur einen aufmerksameren und passenderen Weltenaufbau benötigt hätte, damit die Geschichte auch rund wird. So richtig aufgefallen ist es mir zum Beispiel beim Thema Essen: Während der Privatdetektiv gerne so normale Sachen wie Pfefferminztee und Maisplätzchen (ein Rezept ist am Ende des Buches abgedruckt) zu sich nimmt, scheint es ebenso selbstverständlich zu sein, dass man eine Schneckensuppe kocht oder Spinnen fängt, um aus ihren Beinen ein Essen zuzubereiten. Mal davon abgesehen, dass das von der Autorin gewollt lustig und ekelig beschrieben wird, finde ich es einfach unrealistisch - und ich bestehe darauf, dass eine erfundene Welt in sich zumindest einigermaßen logisch ist.

Ebenso gibt es zwar spezielle Bonsaischeren, aber Wilma muss ihrer Arbeitgeberin mit den Zähnen die Fußnägel abnagen. Natürlich ist mir bewusst, dass Emma Kennedy diese Elemente eingebaut hat, um - je nach Szene - die Situation lustiger oder abschreckender zu gestalten, aber mich persönlich stört das beim Lesen gewaltig. Es wäre doch schon unangenehm genug, wenn Wilma mit einer Schere die ungepflegten Fußnägel hätte kürzen müssen, da muss man doch nicht so übertreiben. Diese Unstimmigkeiten haben am Ende dann leider dazu geführt, dass ich Wilma zwar ins Herz geschlossen hatte, aber leider keine weiteren Bücher mit ihr mehr lesen würde.

Mittwoch, 19. August 2015

Pierdomenico Baccalario, Enzo D'Alò und Gaston Kaboré: Stadt aus Sand

"Stadt aus Sand" von Pierdomenico Baccalario, Enzo D'Alò und Gaston Kaboré war eine spontane Bibliotheksausleihe. Das Cover fand ich hübsch, Bücher von Pierdomenico Baccalario habe ich auch schon gelesen und wegen ihrer ungewöhnlichen Ideen gemocht und die ersten Seiten hatten mich beim Reinlesen angesprochen. Wieweit welcher der drei genannten Autoren Anteil an der Geschichte hatte, kann ich nur vermuten, aber es gibt sehr viele "afrikanische" Elemente in dem Roman, von denen ich annehme, dass sie zum Großteil dem Einfluss von Gaston Kaboré, der ein afrikanischer Regisseur ist, zuzuschreiben sind.

Die Geschichte beginnt sehr märchenhaft, während der Leser miterlebt wie sich zwei Männern - ein Geschichtensänger und ein Fürst - gegenseitig mit Worten bekämpfen. Beobachtet werden die beiden von zwei Jungen (Matuké und Setuké), die nach seiner Niederlage von dem Geschichtensänger damit beauftragt werden, ihr Dorf zu beschützen. Der folgende Zeitsprung macht deutlich, dass Matuké und Setuké diese Aufgabe viele Jahre erfolgreich bewältigt haben, doch nun sind sie alte Männer und noch immer macht der "Fürst der Stadt aus Sand" Jagd auf Geschichtensänger und es scheint keine Nachfolger zu geben, die den Schutz des Dorfes übernehmen könnten.

Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Sicht der jungen Rokia, die Matukés Enkelin ist. Als einziges Mädchen der Familie steht sie ihrem Großvater sehr nah, und hört - wann immer es ihr möglich ist - seinen Geschichten zu und vernachlässigt darüber nicht selten ihre Pflichten. Ich mochte Rokia sehr gern, die aufgeweckt und neugierig ist und alles in Frage stellt, ohne erst einmal das Bedürfnis zu haben an den Grundlagen ihrer Welt zu rütteln. Für sie steht felsenfest, welche Aufgaben die Männer im Dorf zu übernehmen habe und welche Tätigkeiten von den Frauen übernommen werden und sie hadert eigentlich nicht mit den Grenzen, die ihr die Traditionen auferlegen. Allerdings fragt sie sich schon, was aus einem Mädchen werden soll, das so viele Dinge nicht beherrscht, die eine Frau könne sollte, während es doch so viele Sachen tun möchte, die nur für Jungen gedacht sind.

Für den Leser steht natürlich schnell fest, dass auf Rokia größere Aufgaben warten, als die traditionelle Rolle eines Mädchens auszufüllen. Ich fand es wunderschön, wie Rokias Weg dahin beschrieben wurde und wie sie so nach und nach mehr über die Welt außerhalb ihres kleinen Dorfes lernte. Vor allem strotzt diese Geschichte von wunderbaren und eigenwilligen Charaktere, die nur selten wirklich gut und doch liebenswert sind, und von märchenhaften und bezaubernden Momente. Dazu kommen noch die vielen atmosphärischen Beschreibungen des Lebens in Rokias Dorf. Denn Rokia ist eine Dogon und in "Stadt aus Sand" wird immer wieder nebenbei eingeflochten, wie ihr Alltag aussieht, welcher Glaube ihr Leben bestimmt und welchen Traditionen in ihrem Dorf gefolgt wird, aber auch wie sich all dies durch äußere Einflüsse ändert.

Die Geschichte spielt zu einer modernen Zeit, in der Autos und Radios verbreitet sind und es ganz selbstverständlich ist, dass man beim reisenden Händler seinen Nachschub an Batterien kauft, und doch besitzt die Erzählung einen altmodischen Charme durch die - immer noch vorhandene - Naturverbundenheit, die Langsamkeit, mit der sich Rokias Volk verändert, und die märchenhaften Elemente. Ich war übrigens beim Lesen ganz froh, dass ich gerade erst vor ein paar Tagen "Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna gelesen habe, denn so konnte ich mir das eine oder andere Detail doch noch etwas besser vorstellen, wenn ich mir die dort gesehenen Zeichnungen und Fotos noch einmal in Erinnerung rief. Aber ich bin mir sicher, auch ohne dieses Vorwissen hätte mir "Stadt aus Sand" ein rundum wunderbares, unterhaltsames und märchenhaftes Leseerlebnis bereitet. Doch, das war ein sehr guter Bibliotheksfund!

Sonntag, 16. August 2015

[Challenge] Zurück in die Vergangenheit: Fazit


Vor genau einem Jahr habe ich einen Blogbeitrag zu Elenas "Zurück in die Vergangenheit"-Challenge geschrieben und gemeint, dass ich mich einfach mal anmelde und dann eben im Zweifelsfall die Bücher dafür aus der Bibliothek ausleihen müsste.

Gelesen habe ich im Rahmen der Challenge folgende Titel:
  1. Julie Campbell: The Gatehouse Mystery (Trixie Belden #3)
  2. Diana Wynne Jones: Neun Leben für den Zauberer
  3. Erich Kästner: Der kleine Mann
  4. Victoria Walker: The Winter of Enchantment
Am 14. August endete nun diese Runde der "Zurück in die Vergangenheit-Challenge und wirklich habe ich die Hälfte der gelesenen vier Romane aus der Bibliothek ausgeliehen - und das fühlte sich irgendwie seltsam an. Schließlich liegen die Bücher im Nebenzimmer und nur unsere Regalsituation sorgt dafür, dass ich die Titel nicht mal eben in die Hand nehmen und wiederentdecken kann. Deshalb werde ich die Challenge für mich auch nicht verlängern, obwohl es schön war die vertrauten Geschichten wieder einmal zu lesen und mich von neuem an ihnen zu erfreuen. Vielen Dank an Elena für die Idee!

Freitag, 14. August 2015

Charlotte Lyne: Alles über Shakespeare

Ich habe bislang noch nichts von Charlotte Lyne gelesen, wenn man nicht die ersten Seiten von "Das Mädchen aus Bernau" mitzählt. Diese ersten Seiten konnten mich damals beim Anlesen nicht packen, weshalb der Roman ungelesen zurück in die Bibliothek wanderte. "Alles über Shakespeare" hingegen fand ich sehr angenehm geschrieben, interessant und unterhaltsam und bin froh, dass ich über Natiras Rezension zur Sachbuch-Challenge 2014 auf das Buch aufmerksam wurde (und dass sie es mir geliehen hat ;) ).

Als Abiturientin begleiteten mich lange Zeit auf dem Weg zur Schule die Bände einer dicken (und verflixt schweren) Shakespeare-Ausgabe, und so habe ich die täglichen Fahrten mit Bus und Bahn inklusive Wartezeit zum Lesen seiner Stücke genutzt. Auch wenn das lange her ist, so habe ich doch einiges von Shakespeare gelesen und kann die meisten Stücke und Figuren - spätestens nach etwas Bedenkzeit - recht gut zuordnen. Was ich über Shakespeare weiß, ist hingegen gering und stammt zum Großteil aus (britischen) Kriminalromanen. Gerade die Theaterliebhaberin Ngaio Marsh hat einige Krimis geschrieben, die sich auch um Shakespeare und seine Werke drehen, aber auch sonst gibt es eine Menge Romane, die entweder rund um Stratford-upon-Avon spielen und allein deshalb schon immer wieder zu Verweisen auf den Dichter einladen, oder die auf seine Stücke - entweder durch Zitate oder durch das Aufgreifen des Grundmotivs - anspielen.

Mit so wenig Hintergrundwissen fand ich es sehr angenehm, die wenigen Fakten, die man über Shakespeare weiß, und die viele Aspekte, die vermutet oder unterstellt werden, eingebettet in einen - natürlich nur groben, aber vollkommen ausreichenden - Einblick in die Zeit und ihre politischen und sozialen Hintergründe, präsentiert zu bekommen. Charlotte Lyne sagt dabei ganz offen, wie wenig Wissen wirklich belegt ist und wie viel nur angenommen werden kann. Trotzdem gelingt es der Autorin, dem Leser ein angenehmes Gefühl von Stimmigkeit zu vermitteln, wenn sie die Fakten mit ihren Rückschlüssen aufgrund von Zeitgeschehen und wiederkehrenden Aussagen aus den verschiedenen Shakespeare-Stücken kombiniert.

Natürlich kann auch sie nicht die Frage klären, ob all diese Stücke tatsächlich aus einer Feder stammten und wie das Leben von William Shakespeare wirklich aussah, und ganz objektiv ist die Autorin in ihrer Begeisterung für den Dichter gewiss auch nicht, aber Charlotte Lyne gibt einem eine gute Vorstellung davon, wie das Leben in der elisabethanischen Zeit für einen Theaterautor war und welche Umstände sein Leben und sein Werk beeinflusst haben (könnten). Und all das wird so unterhaltsam und interessant präsentiert, dass ich in meinen Arbeitspausen gern zu dem Buch gegriffen habe, um wieder ein kleines Stückchen zu lesen und mir Gedanken über Shakespeare und seine Stücke zu machen.

Mittwoch, 12. August 2015

Alexander McCall Smith: Ein Krokodil für Mma Ramotswe

Nachdem mir Neyasha die TV-Serie "Eine Detektivin für Botswana" ans Herz gelegt hatte, die eine Umsetzung von Alexander McCall Smith' Romanen rund um die ungewöhnliche Privatdetektivin Mma Ramotswe ist, dachte ich mir, dass ich erst einmal den ersten Band aus der Bibliothek antesten könnte, bevor ich die 1. (und einzige) Staffel bestelle. Es ist mir übrigens bei den Labels ungewöhnlich schwergefallen mich für "Kriminalroman" zu entscheiden, denn klassische Kriminalgeschichten erzählt dieser Roman nicht. Alexander McCall Smith versammelt in diesem Buch eher viele kurze Episoden rund um Mma Ramotswe, die vom Leben in Botswana und den vielen kleinen und größeren Erlebnissen berichten, bei denen die lebenserfahrene Frau zugunsten ihrer Klienten eingreifen muss.

Zu Beginn fühlte ich mich noch etwas verloren, aber da im zweiten Kapitel schon erzählt wurde, wie aus dem kleinen geliebten Baby Precious Ramotswe die Privatdetektivin Mma Ramotswe wurde (mit sehr berührenden Momenten rund um ihren Daddy) hat sich das schnell gegeben. Ich mochte Mma Ramotswe, sie hat immer ihr Bestes zugunsten des Klienten gegeben und sich immer bemüht dessen Verhalten nicht zu werten. Eine Frau möchte nicht, dass ihr Mann dafür bestraft wird, dass er einen gestohlenen Wagen fährt, kann aber nicht damit leben, dass er sich so gesetzlos verhält? Kein Problem, Mma Ramotswe findet eine Lösung damit dieser Ehemann eine Lektion lernt.

Nicht immer kann sich die ungewöhnliche Detektivin am Ende sicher sein, dass sie die richtige Lösung gefunden hat (zumindest wird das hier und da angedeutet), aber auf jeden Fall können sich ihre Klienten sicher sein, dass sie alles zu ihren Gunsten getan hat, was in ihrer Macht stand - und das sorgt auch dafür, dass letztendlich wieder alles gut wird. Ich mag den teilweise philosophischen Ansatz und die Sicht auf das Leben und die Menschen, die Mma Ramotswe hat. Ebenso wie ich die verschiedenen Fälle mochte, die viel über das Leben in Botswana erzählen und mir deshalb stellenweise angenehm skurril erschienen.

Insgesamt hat mich die episodenhafte Erzählweise nicht gestört, während ich die Geschichten und den Humor in den einzelnen Erzählungen wirklich genossen habe. "Ein Krokodil für Mma Ramotswe" war wirklich nett und die 360 Seiten haben sich wirklich sehr schnell lesen lassen Und da es so unterhaltsam und entspannend war, habe ich gleich den zweiten Band in der Bibliothek vorgemerkt und die Serie auf meinen Merkzettel nach oben geschoben. ;)

Sonntag, 9. August 2015

Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte (Professor Yukawa 1)

"Verdächtige Geliebte" von Keigo Higashino ist mir sowohl bei Natira (die mir den Roman auch geliehen hat), als auch bei Kiya begegnet - und da beiden dieser Krimi gefallen hatte, bin ich auch neugierig geworden. Schon der Anfang der Geschichte hat mir gut gefallen, bei dem man die spätere Mörderin Yasuko kennenlernt und miterleben kann, was sie zu ihrer Tat bewegt hat. Auch ihrem Nachbarn Ishigami begegnet der Leser schon früh und kann schnell erahnen, was ihn dazu bewegt hat, Yasuko beizustehen und für sie die Leiche ihres Opfers zu beseitigen. Bei solch einem Ausgangspunkt ist es selbstverständlich, dass es in diesem Kriminalroman nicht darum geht den Mörder zu überführen, sondern um die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei bzw. ihrem "Berater" Professor Yukawa und Ishigami, der die treibende Kraft hinter der Tatverschleierung ist.

Die gesamte Geschichte wird sehr ruhig erzählt und obwohl man als Leser von Anfang an in die groben Umstände eingeweiht wird, gibt es im Laufe der Handlung noch so einige überraschende Elemente. Ishigami ist ein Lehrer, dem die Mathematik über alles geht, und der kein nennenswertes Privatleben hat. Einzig seine Gefühle für seine Nachbarin Yasuko sorgen dafür, dass er jeden Tag - ganz irrational - einen Umweg zu seiner Arbeit macht, um von ihr sein Bento zu kaufen. Über Yasuko erfährt der Leser schon recht früh deutlich mehr. Sie war zweimal verheiratet, hat eine Tochter und hat lange Zeit als Bardame gearbeitet, um sich und ihr Kind ernähren zu können. Inzwischen arbeitet sie als Verkäuferin und scheint sehr zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Zu ihrem Nachbarn Ishigami hat sie keinen weiteren Kontakt, wenn man von höflichen Grüßen im Treppenhaus absieht.

So stellt man sich als Leser nicht nur von Anfang an die Frage, wie genau Ishigami die Leiche beseitigt hat, sondern auch wie es mit diesen beiden ungleichen Menschen weitergehen wird. Man fragt sich, ob sie trotz des Mordes ihr Leben normal weiterführen können oder ob die Tat und die folgenden Ermittlungen nicht eine einschneidende Veränderung hervorrufen müssen. Auf der "gegnerischen" Seite steht die Polizei und mit ihnen der Physikprofessor Yukawa. Er ist ein ehemaliger Kommilitone von Ishigami und freut sich anfangs vor allem über das unverhoffte Wiedersehen mit dem alten Freund.

Es gibt zu keiner Zeit in diesem Roman große Dramen. Alle wird ganz ruhig und leise erzählt und all die kleinen Szenen, haben dafür gesorgt, dass ich die Geschichte nicht aus der Hand legen wollte. So spannend ich die Frage fand, ob Ishigamis Einmischungen in den Mord aufgedeckt wurden und ob der Mathematiker bei seinen Plänen einen Fehler gemacht hat, so sehr haben mich auch die Momente gefesselt, in denen Yasuko und ihre Tochter versuchen ihr Leben ganz normal weiterzuführen und in denen sie darüber nachdenken, wie weit sie nun ihrem Nachbarn verpflichtet sind. Ich mochte es, wie Keigo Higashino mit kleinen Bemerkungen seinen Figuren Konturen verlieh. Es gibt keine ausführliche Innensicht, alles wird sehr fein und dezent beschrieben, was dafür sorgt, dass man sich selber seine Gedanken über die Charaktere machen muss - und das macht es für mich umso reizvoller. Und während mich sonst häufig die Details einer Auflösung enttäuschen, empfand ich das Ende dieser Geschichte - trotz einer kleinen unnötigen Wendung - als sehr eindringlich.

Freitag, 7. August 2015

Ivan Bargna: Afrika - Kunst und Architektur

"Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna war eine Leihgabe von Natira, die mich mit ihrer Rezension auf den Titel neugierig gemacht hatte. In ihrer "Nachlese" deutet Natira dezent etwas an, was mich an dem Vorwort zu diesem Buch sehr gestört hat: Der Autor unterstellt dem Leser (der sich immerhin genug für Afrika und Kunst interessiert, um zu diesem Band zu greifen) Vorurteile. Er geht davon aus, dass einem weder bewusst ist, dass Kunst in verschiedenen Kulturen unterschiedlich verstanden werden kann (*), und er bezweifelt sogar, dass man sich überhaupt bewusst ist, dass es nicht ein einziges großes afrikanisches Volk gibt, sondern sich die Bewohner der unterschiedlichen Regionen in ihrem Leben und ihrer Kultur deutlich voneinander unterscheiden können. Ich muss zugeben, dass mich Ivan Bargnas Haltung in diesem Vorwort wirklich geärgert hat.

Ansonsten fand ich viele in diesem Buch erwähnte Aspekte - vor allem zum Bereich Architektur - sehr interessant. Allerdings werden die Themen in den einzelnen Kapitel auf den gerade mal 72 Seiten (die auch noch großzügig mit Bildmaterial versehen sind), die dieser Band umfasst, sehr oberflächlich angerissen. Es wird weniger erklärt, als mir lieb gewesen wäre, und man bekommt nur einen groben Einblick in die verschiedenen Elemente "afrikanischer" Kunst und Kultur. Lieber wäre es mir gewesen, wenn Ivan Bargna sich einzelne Volksgruppen vorgenommen und dem Leser auch etwas über ihr Leben, ihre Geschichte und ihren Glauben erklärt hätte und in diesem Zusammenhang dann auch auf die Kunst eingegangen wäre. So fand ich es zwar interessant zu lesen, dass manche Masken und Ansichten im Gegensatz zu anderen relativ weit verbreitet sind, konnte aber die Informationen in keinen Zusammenhang setzen, der mir wirklich etwas gebracht hätte.

Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn ich "Die Geschichte Afrikas" von Christoph Marx inzwischen beendet hätte und die verschiedenen Völker regional und geschichtlich besser hätte einordnen können. (Wobei "Die Geschichte Afrikas" mit so vielen Namen und Daten um sich wirft und Wissen so komprimiert vermittelt, dass ich bezweifle, dass ich mir selbst die wichtigsten Details langfristig merken kann.) Es gibt zwar eine Karte in der Mitte des Buches, auf der die verschiedenen Volksgruppen eingezeichnet sind, aber das hat mir noch keinen wirklichen Hintergrund vermittelt. So habe ich mich zum Beispiel gefragt, ob ein bestimmtes Volk ein landwirtschaftlich geprägtes Leben führte, ob es eher zu denjenigen gehört, die seit Jahrhunderten durch den Handel ihre Geld verdienen, oder ob sie vielleicht früher als Jäger unterwegs waren und deshalb die von ihnen verwendeten Masken bestimmte Formen aufweisen.

Spannend fand ich die Aussage, dass bei den meisten Gegenständen bewusst Materialien gewählt wurden, die vergänglich sind, und dass z. B. eine Maske nur eine begrenzte Zeitspanne eingesetzt wurde, bevor sie (entweder mit ihrem Besitzer oder in einem allgemeinem Maskengrab) beerdigt wurde. Und dass grundsätzlich die Architektur nicht nur aufgrund der Materialauswahl so gestaltet wurde, dass die Häuser jederzeit angepasst oder verlassen werden können (um z. B. bei dem Tod eines Königs einen neuen Ort unter dem Namen seines Nachfolgers aufzubauen), war mir auch neu.

Hier und da hatte ich aber das Gefühl, dass der Autor (und ja, es kann sein, dass ich da etwas sehr empfindlich reagiere) ausgesprochen gönnerhaft reagiert. So findet sich in dem Kapitel über aktuelle Kunst in Afrika folgender Satz: "So nehmen wir davon Abstand, den afrikanischen Künstlern (und erst recht den "Afrikanern") ihr Leben und ihr Handeln vorschreiben zu wollen, treten eine Schritt zurück und lassen Raum für ihre Art sich auszudrücken" (Seite 64) Es geht bei dieser Passage darum, dass sich die Kunst in Afrika durch weltweite Einflüsse stark verändert hat, dass die alten Religionen vergessen sind und deshalb auch ihre Ritualgegenstände heute nicht mehr "richtig" angefertigt werden können, und darum, dass die traditionellen Elemente nicht erhalten werden. Ich persönlich finde das genau richtig und natürlich. Auch wenn es schade ist, dass so viel Wissen verloren geht, so hat doch niemand das Recht, einem Künstler vorzuschreiben, wie er seine Kunst ausüben soll, und meiner Meinung nach muss deshalb nicht bewusst davon Abstand genommen werden, Einfluss zu nehmen, sondern es sollte selbstverständlich sein.

Ich muss zugeben, dass ich es schade finde, dass ich mich immer wieder über solche Formulierungen und anderen Kleinigkeiten, die in diesem Buch vorkamen, ärgern musste. Das Thema an sich finde ich immer noch sehr interessant und hoffe, dass ich noch sehr viel mehr Sachbücher über Afrika in die Finger bekomme. Aber dann bitte mit einer besseren bzw. ausführlicheren Umsetzung des Themas als bei "Afrika - Kunst und Architektur".

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(*) Viele Dinge, die von Europäer als "afrikanische" Kunst wahrgenommen wurden, waren eigentlich Gebrauchsgegenstände oder dienten religiösen bzw. therapeutischen Zwecken. Wobei ich mich frage, wieso man Alltagsgegenstände nicht als Kunst ansehen darf. Schließlich werden Gebrauchsgegenstände häufig optisch ansprechend gestaltet, wobei man sich "künstlerischer Elemente" bedient. Wieso fasst jemand, der darauf aufmerksam machen will, dass Europäer voller Vorurteile auf Kunst aus Afrika schauen, die Definition von Kunst so eng? Überhaupt ist mir bei dem Buch immer wieder aufgefallen, dass der Autor von bestimmten Sichtweisen bezüglich der Kunst ausgeht - vielleicht bin ich zu wenig mit der Kunstwelt vertraut, um das nachvollziehen zu können ...

Mittwoch, 5. August 2015

Piers Torday: Die große Wildnis

Auch "Die große Wildnis" von Piers Torday ist eine Natira-Leihgabe (irgendwie merkt man meinen aktuellen Beiträgen wohl an, dass ich mir gerade die Kiste mit ihren Büchern vornehme ;) ), wobei ich mich nicht daran erinnern kann, dass wir über das Buch gesprochen hatten. Aber egal, ob ich den Roman ausleihen wollte oder nicht, Natira hat mit dem Buch auf jeden Fall meinen Geschmack getroffen und ich habe die Geschichte an einem Nachmittag verschlungen.

Kester Jaynes ist zwölf - demnächst dreizehn - Jahre alt und lebt seit sechs Jahren in einem Internat für verhaltensauffällige Kinder. Sein Vater war ein berühmter Tierarzt, seine Mutter ist früh gestorben und seit ihrem Tod hat Kester kein einziges Wort mehr gesprochen. Die Welt in der Kester lebt ist auch keine, über die man gern reden würde. Vor einigen Jahren brach in der gesamten Tierwelt eine große Seuche aus, Rote Pest genannt, die dazu führte, dass man alle Tiere (abgesehen von dem einen oder anderen Ungeziefer) töten musste. Doch ohne die Tiere gingen auch die Nutzpflanzen ein und ohne ein industriell gefertigtes Nahrungsmittelersatzprodukt wären auch die Menschen gestorben.

Eines Tages stellt Kester fest, dass er mit Ungeziefer - genauer gesagt einer Kakerlake, die er General nennt - kommunizieren kann. Unter Führung des Generals bricht der Junge aus und muss feststellen, dass doch noch ein paar Tiere die große Säuberungsaktion überlebt haben. Doch auch sie werden von der Roten Pest bedroht und benötigen dringend ein Heilmittel. Und so zieht Kester mit einer Handvoll von ihnen los und reist quer durchs Land, auf der Suche nach einer Rettung für die letzten Tiere der Welt.

Ich habe Kester und seine Reisegefährten beim Lesen sehr gemocht und fand die Vorstellung einer solchen Welt ohne Tiere und ohne jegliche Landwirtschaft wirklich grauenerregend. Piers Torday scheut sich auch nicht davor den einen oder anderen liebgewonnen Charakter sterben zu lassen oder Kester und seine Freunde in große Schwierigkeiten zu bringen, so dass man mit der kleinen Reisegruppe mitfiebert und sich immer wieder fragen muss, wie sie wohl diese neue Hürde wieder bewältigen. Trotzdem ist die Geschichte zwar häufig traurig, aber immer noch kindgerecht erzählt (das empfohlene Lesealter ist mit "ab zehn Jahre" angegeben). Es gibt neben all den bedrückenden Momenten auch sehr viele witzige Szenen, wenn Kesters Reisebegleiter ihre Kommentare zu Situationen abgeben oder etwas verwirrt durch die Gegend fliegen.

Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich als erwachsener Leser die Botschaft des Romans etwas zu plakativ herübergebracht fand (als Kind hätte mich das aber wohl nicht gestört). Außerdem fällt es mir schwer einige Dinge einfach hinzunehmen. So stelle ich mir die Frage, woher die - inzwischen regierungsbildende - Firma die Materialien für ihren Nahrungsmittelersatz nimmt, wie die vier Städte, in die alle Menschen umgesiedelt wurde, funktionieren sollen und ähnliches. Ich weiß nicht, ob diese Fragen vom Autor in der Fortsetzung noch geklärt werden oder ob er die Grundsituation einfach so stehen lassen will, aber ein wenig irritiert es mich schon. Davon abgesehen erzählt "Die große Wildnis" aber eine sehr schöne und intensive Geschichte mit liebenswerten Protagonisten.

Montag, 3. August 2015

Zwischen Schund und Klassikern

In den letzten Monaten bin ich immer wieder über Beiträge gestolpert, in denen sich die Blogger Gedanken darüber gemacht haben, welche Genres wertvoll, qualitativ oder aus sonst welchen Gründen lesenswert sind. Ich weiß nicht, ob das durch die Kritik an der Qualität der Blogger-Buchrezensionen (nicht fundiert genug, zu emotional, es wird keine Literatur besprochen) angestoßen wurde oder von einem allgemeinen Bedürfnis, zu werten - das ist mir ehrlich gesagt auch egal.

Mir haben diese Beiträge allerdings bewusst gemacht, wie dankbar ich meiner Familie für meine Lust auf Bücher jeglicher Art bin und wie viel Glück ich anscheinend hatte, dass meine Lektüre nie von jemandem aus meinem Umfeld in irgendeiner Form bewertet wurde.

Mein erstes umfangreicheres Buch war "Der Fremde aus Indien" von Karl May - den Roman hatte mein Vater während des Campingurlaubs dabei, als ich acht Jahre alt war. Und da meine gesamte Familie ihre Zeit mit einem Buch vor der Nase verbrachte, habe auch ich angefangen, länger am Stück zu lesen.

Mein Vater las (und liest) so ziemlich alles, was ihm in die Finger kommt: Sachbücher, historische Romane, Comics, Fantasy, Science Fiction, Klassiker, Kriminalromane, Spionageromane und - bevorzugt an Flughäfen für lange Geschäftsreisen gekaufte - Heftchenromane. Wenn meinem Vater ein Autor besonders gefällt, dann besorgt er sich nach und nach auch all seine Bücher und fragt herum, ob man ihm ähnliche Autoren empfehlen kann.

Meine Mutter hat - zumindest meine Kindheit hindurch - eher zu den "Frauenromanen" gegriffen: Liebesgeschichten, Thriller, historische Romane rund um starke Frauenfiguren, heitere Frauenromane - ihr könnt es euch vermutlich vorstellen. Inzwischen liest sie alles, was ihr vom Klappentext her interessant erscheint und was nicht irgendwie fantastisch ist, denn für sie müssen Geschichten in der "realen" Welt spielen. Überhaupt gibt es gerade einen eifrigen Büchertausch zwischen meinen Eltern und ihren Geschwistern, der dazu führt, dass regelmäßig Kisten voller gelesener Exemplare weitergereicht werden, damit sich das nächste Familienmitglied daraus bedienen kann.

Meine Schwester und ich haben von klein auf frei auf all die von meinen Eltern gelesenen Bücher zugreifen können. Dazu kamen noch die regelmäßigen Bibliotheksbesuche - bei denen meine Schwester oft dafür gesorgt hat, dass wir britische Kinderbuchklassiker ausgeliehen haben - und die Romane (häufig irgendwelche Sammelbände für Mädchen), die wir zu Geburtstag und Weihnachten geschenkt bekommen haben.

Weder meine Eltern noch die diversen Bibliothekarinnen haben mich je in meiner Leselust gebremst oder mir Bücher vorenthalten, weil ich nicht alt genug dafür wäre oder weil sie schlecht geschrieben oder sonstig ungeeignet wären. So habe ich in meinem Leben eine Menge Schund gelesen (und genossen!) und mich durch das eine oder andere anspruchsvolle Buch gearbeitet, das für mich noch nicht wirklich erfassbar war.

Es ist toll, dass mein breitgefächerter Lesegeschmack dazu führt, dass ich mich mit so vielen Leuten austauschen kann. Meine Schwäche für Fantasyromane hat mir, während ich im Buchhandel gearbeitet habe, sehr viele Kunden gebracht, denn zu der Zeit war die Auswahl in den Läden an fantastischen Geschichten noch nicht so groß und die "klassischen Buchhändler" haben doch lieber gehobenere Literatur verkauft. Ich kann mich mit meiner Tante über Nora-Roberts-Romane unterhalten, ich habe mich mit meinem Umweltpsychologie-Professor über den einen oder anderen Klassiker ausgetauscht, und die neue Nachbarin war im letzten Jahr ganz begeistert, weil ich die gleichen Krimiautoren kenne wie sie und ihr noch den einen oder anderen neuen Autor empfehlen konnte.

Ich finde es großartig, dass mir so viele verschiedene Genres zur Verfügung stehen. Ich fürchte, ich würde mich langweilen, wenn ich mich auf eins davon beschränken sollte. Obwohl ich zugeben muss, dass mein Büchersammlung dann vermutlich nicht ganz so groß wäre. ;) Ich hoffe sehr, dass ich nie die Freude am Lesen verliere oder die Lust auf neue Genres. Aber eigentlich gehe ich davon aus, dass ich mich weiterhin nie zu alt für Kinder-, Jugend- oder Bilderbücher halten werde, dass ich meine Nase mit Vergnügen in Comics oder Manga stecken werde, dass ich mich über jeden neu entdeckten Autor spannender/unterhaltsamer/interessanter Romane freuen werde, dass mein erster Impuls, wenn ich etwas Extrageld in der Hand habe, der Kauf eines Buches ist, und dass ich weiterhin von informativen Sachbüchern über sogenanntem Schund bis zu den Klassikern die verschiedensten Titel genießen kann.

Und ich hoffe sehr, dass irgendwann unter Lesern ein kleines bisschen mehr Toleranz gegenüber der Lektüre der Anderen, etwas mehr Mut zu unbekannten Genres und etwas weniger Unsicherheit bezüglich der eigenen Lesevorlieben herrscht. Es gibt doch kaum etwas Großartigeres als Menschen, die mit Genuss ein Buch lesen können!

Samstag, 1. August 2015

August-SuB 2015

Im Juli habe ich mich hauptsächlich mit Manga beschäftigt und es sehr genossen, dass ich mal eine Reihe am Stück lesen konnte und nicht immer auf Fortsetzungen warten musste. Das ist eindeutig der größte Vorteil, wenn man gebraucht gleich eine ganze Serie kauft. Insgesamt habe ich meine Freizeit mit 12 Büchern, 21 Manga und 1 Hörbuch verbracht. Das SuB-trahieren ist dabei etwas auf der Strecke geblieben, aber der SuB läuft mir ja nicht weg. Stattdessen habe ich immerhin zwei Sachbücher für die Challenge gelesen und rezensiert. Im August werde ich mich erst einmal auf den Stapel mit geliehenen Sachbüchern von Natira stürzen und dann bekommen wir wieder Besuch, was meine Lesezeit auf angenehme Weise verkürzen wird.


A (2)
Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
Tim Akers: Das Herz von Veridon

B (8)
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Bettina Belitz: Dornenkuss
Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
Alan Bradley: Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht
Brom: Krampus
Jim Butcher: Im Schatten des Fürsten (Codex Alera 2)
Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)

C (0)
Deborah Crombie: Wer im Dunklen bleibt

D (2)
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften

E (1)
Akram El-Bahay: Flammenwüste

F (1)
Melissa Fairchild: Weltenwanderer

G (0)
-

H (6)
Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab
Will Hill: Department 19 - Die Wiederkehr
Will Hill: Department 19 - Das Gefecht
Jim C. Hines: Die Buchmagier - Angriff der Verschlinger
Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
Daniel Holbe: Giftspur

I (1)
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

J (2)
Tove Jansson: Muminvaters wildbewegte Jugend
Tove Jansson: Sturm im Mumintal

K (1)
Celine Kiernan: Schattenpfade

L (1)
Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora

M (0)
-

N (0)
-

O (0)
-

P (2)
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Bernd Perplies: Magierdämmerung - In den Abgrund

Q (0)
-

R (3)
Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache
Silvia Roth: Querschläger

S (4)
Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (2)
Charles den Tex: Die Zelle
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

U (0)
-

V (1)
Uwe Voehl: Tod und Schinken

W (2)
Cinda Williams Chima: Das Vermächtnis der Zauberer
Elizabeth Woods: Caras Schatten

X (2)
Xinran: Gerettete Wort
Xinran: Wolkentöchter

Y (1)
Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

Z (0)
-

Sonstige (0)
-

42 Titel auf dem SuB


Englischer SuB:

Sarah Rees Brennan: Unspoken
Soman Chainani: The School for Good and Evil 2
Jennifer Estep: Widow's Web
Mira Grant: Feed
Tanya Huff: The Wild Ways
Tanya Huff: The Future Falls
D.B. Jackson: Thieftaker
Lynn Kurland: Star of the Morning
Anthony Minghella: Jim Henson's The Storyteller
Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
Nnedi Okorafor: Akata Witch
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Mastiff (The Legend of Beka Cooper #3)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)
Tamora Pierce: Battle Magic (Circle Reforge)
Philip Reeve: Larklight
A.C.H. Smith: Jim Henson's The Dark Crystal
Rob Thomas: Veronica Mars - The Thousand Dollar Tan Line
Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

Sonstiges:
West Ward Weird

18 Titel auf dem englischen SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)