Donnerstag, 28. April 2016

Dies und Das (4): Standorttreu

Bei unserem Lese- und Handarbeitstag war ich fasziniert davon, wie viele Leute an dem Sonntag Ausflüge geplant hatten (die dann dem Wetter zum Opfer fielen). Das hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wann ich das letzte Mal einen Ausflug gemacht habe ... und ganz ehrlich, ich kann mich nicht erinnern. Ich verreise ab und an für ein längeres Wochenende, aber selbst da komme ich nicht mal auf ein Wochenende pro Jahr. Außerdem gibt es immer wieder Momente, in denen mein Mann und ich im Regionalfernsehen etwas sehen und zueinander sagen, dass das doch ein schönes Ausflugsziel wäre. Aber in die Tat setzen wir solche Überlegungen irgendwie nie um.

Genau genommen verlasse ich unsere Viertel im Alltag eigentlich nur, wenn ich zum Tierarzt, zum Baumarkt oder zur Buchhandlung fahre, wobei die Buchhandlung auch per Fahrradkurier liefert, oder mein Lieblingscafé besuchen will. Dabei finde ich unsere Viertel gar nicht so besonders schön. Ich mag nur nicht mit dem Auto durch die Stadt fahren und genauso wenig mag ich relativ viel Geld für Bus- und Bahnfahrkarten ausgeben. Und auch wenn mir manchmal die Decke auf den Kopf fällt, so bin ich gern zuhause. Ich mag es, von meinem heimischen Schreibtisch (oder Sofa :D) zu arbeiten, ich mag es, dass die Katzen die ganze Zeit in meiner Nähe sind, und ich mag die vertraute Geräuschkulisse (auch wenn dazu die lauten Nachbarn gehören).

Am Ende meiner Überlegungen ging mir das Wort "standorttreu" nicht mehr aus dem Kopf. "Standorttreu" wird eigentlich für Pflanzen und Tiere verwendet und wenn ich mir so die verschiedenen Informationen zu den Bewegungsradien der unterschiedlichen Tierarten anschaue, dann komme ich zu dem Schluss, dass diese Winterkatze wohl eher eine Stadttaube ist ... ;)

Dienstag, 26. April 2016

Seanan McGuire: Every Heart A Doorway

Nachdem ich "Every Heart A Doorway" von Seanan McGuire am Sonntag gelesen hatte, brauchte ich etwas Zeit, um die Geschichte sacken zu lassen. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sehr sich die verschiedenen Romane der Autorin voneinander unterscheiden und während "Sparrow Hill Road" für mich eine großartige Mischung aus ungewöhnlichem Weltenbau (all diese Ideen rund um die Highways und um die Aufgabe, die Rose nach ihrem Tod übernommen hat) und sehr, sehr emotionalen Momenten war, hat "Every Heart A Doorway" weniger meine Gefühle als meine Vorstellungskraft angesprochen. Vielleicht lag das an der Protagonistin Nancy, die relativ distanziert mit all dem Erlebten umgeht, da in "ihrer" Welt jede extreme Reaktion ebenso verpönt war wie eine schnelle oder unbedachte Bewegung. Oder es lag an dem geringen Umfang der Geschichte, der dafür sorgte, dass sich der Schwerpunkt mehr auf die Informationen rund um die Türen zu anderen Welten konzentrierte, als auf die verschiedenen Figuren und ihre Entwicklung.

Auf jeden Fall hat es mir großen Spaß gemacht Nancy in "Eleanor West's Home For Wayward Children" zu begleiten. Das Mädchen hatte eines Tages im Keller ihrer Eltern eine Tür gefunden, die in die Hallen des Todes führten. Dort hat sie viele Jahre verbracht, bis der Herr des Todes sie eines Tages aufforderte in ihre alte Welt zurückzukehren und erst wiederzukommen, wenn sie sich vollkommen sicher ist, dass sie den Rest ihres Lebens in seiner Welt verbringen will. Für Nancy hat sich die Frage nie gestellt, erst in der Stille und Ruhe in dieser geisterhaften neuen Welt hat sie sich wirklich zuhause gefühlt. Nach ihrem Aufenthalt dort ist es für sie unmöglich wieder zu dem Mädchen zu werden, von dem ihre Eltern sich wünschen, dass sie es wäre. Erst in Eleanor Wests Institution muss sie nicht mehr vorgeben jemand anderer zu sein als sie ist. Sie kann (relativ) frei von ihrer Welt erzählen und trifft auf Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie sie gemacht haben.

Dabei ist ihr neues Heim auch nicht perfekt. Sehr viele ihrer Mitbewohner waren in Welten, die laut und bunt und fröhlich sind, und haben kein Verständnis für den Reiz, den die Hallen des Todes auf Nancy ausgeübt haben. Immerhin freundet sie sich schon in den ersten Tagen - dank ihrer Zimmernachbarin Sumi - mit Kade, Jill und Jack an. Als es dann zu mehreren Morden in "Eleanor West's Home For Wayward Children" kommt, werden natürlich als erstes diejenigen, die in unheimlichen Welten ihre ZUflucht fanden, verdächtigt. So beginnt für Nancy eine Zeit, in der sie auf der einen Seite bemüht ist, ihre Unschuld zu beweisen und es ihr auf der anderen Seite wichtig ist, dass die Toten mit dem angemessenen Respekt behandelt werden.

Obwohl die Tatsache, dass jemand in dieser ungewöhnlichen Institution zum Mörder geworden ist, das Grundgerüst der Handlung bildet, dreht sich "Every Heart A Doorway" vor allem um die verschiedenen Welten, um die Türen in diese Welten und um den Grund, warum manche Kinder einen Weg in eine andere Welt finden. Neben all diesen Ideen und Theorien über die verschiedenen Welten, nutzt Seanan McGuire ihre Geschichte auch, um über Gender Identity, Vorurteile und die verschiedenen Arten des "Zuhausefühlens" zu schreiben. Jede Person in Eleanor Wests Institution war anscheinend auf der Suche nach einem Ort, in dem sie sie selbst sein kann, ohne sich den Vorstellungen anderer anpassen zu müssen. Und während einige in ihren Welten ihren Platz und ihr Glück gefunden haben, konnten andere Welten nicht mit den Kindern umgehen, die sie besucht haben.

Ich mochte beim Lesen die vielen verschiedenen Ideen und Aussagen zu den einzelnen Welten so sehr. Auch fand ich Nancy. Sumi, Kade, Jill und Jack sehr sympathisch und habe gern meine Zeit mit ihnen verbracht. Spannend fand ich auch die Sicht, die die verschiedenen Figuren auf ihre jeweilige Welt hatten, ebenso wie ihre Versuche eine Erklärung dafür zu finden, dass die Welt, in der sie ein Zuhause gefunden hatten, sie anscheinend verstoßen hat. "Every Heart A Doorway" ist definitiv nicht die berührenste Geschichte, die ich je von Seanan McGuire gelesen habe, aber es ist eine der Geschichten, die einem beim Lesen viele Denkanstöße geben, neue Ideen in einem keimen lassen und eine andere Perspektive auf vertraute Erzählungen wirft. Ich hoffe sehr, dass die Autorin die (bislang zwei) geplanten Romane, die diese Grundidee und einige der vertrauten Figuren aufgreifen werden, auch noch verwirklichen kann, damit ich noch mehr über die verschiedenen Welten und die ihnen innenwohnende Logik erfahren kann.

Sonntag, 24. April 2016

Lese- und Handarbeitssonntag

Wie schon vor einigen Wochen angekündigt, gibt es heute bei Mila und mir einen "Lese- und Handarbeitssonntag". Dass das Handarbeiten genauso zu meinem Leben gehört wie das Lesen, konntet ihr ja schon hin und wieder mitbekommen - auch wenn ich zugeben muss, dass meine Handarbeitsprojekte deutlich weniger abwechslungsreich sind als meine Lektüre. ;) Mit Milas Kreativität könnte ich eh nicht mithalten und so bekommt ihr auch heute einfach nur meine ganz normalen "praktischen" Alltagsprojekte zu sehen, auch weil ich da endlich mal wieder etwas beenden (oder zumindest ein Stückchen weiterkommen) möchte.


Da ich mir vor in der Nacht von Freitag auf Samstag im Schlaf einen Rückennerv eingeklemmt habe, bin ich heute deutlich früher wach als beabsichtigt und starte deshalb schon jetzt in den "Lese- und Handarbeitstag". Wer im Laufe des Tages mitmachen und über das aktuelle Projekt oder Buch schreiben mag, der kann sich bei Milas heutigem Post oder hier bei mir in den Kommentaren melden. Am Ende des Beitrags gibt es dann die Links derjenigen, die heute mitmachen. Ich wünsche uns allen schon einmal viel Spaß!


Bei mir geht es heute los mit einer schmusebereiten Christie (immer noch so selten, dass es erwähnenswert ist), einem Milchkaffee zum Wachwerden und einem Buch, auf das ich mich schon seit Wochen freue. "Every Heart A Doorway" ist von Seanan McGuire, eine der wenigen Autorinnen, deren Bücher von mir sogar vorbestellt werden, und dreht sich um die Kinder/Jugendlichen, die nach einer Reise in eine andere Welt zurückkommen und wieder in unserer Realität zurechtkommen müssen. Ich muss gestehen, ich habe mir bislang nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl für Dorothy nach ihrem Aufenthalt im fantastischen Oz war wieder in Kansas leben zu müssen oder ob Alice das Wunderland nach ihrer Rückkehr vielleicht vermisst hat. Auf jeden Fall erwarte ich von Seanan McGuire eine ungewöhnliche, berührende und unterhaltsame Sicht auf diesen Aspekt fantastischer und märchenhafter Geschichten!


Update 9:30 Uhr

Oh, ich mag die Geschichte! "Every Heart A Doorway" beginnt mit der Ankunft von Nancy in "Eleanor West's Home For Wayward Children (No Solicitation, No Visitors, No Quests)", wo Eleanor, die selber als Kind mehrfach in ein "Nonsense"-Land reiste, sich um diejenigen kümmert, die von ihrem Aufenthalt in einer fantastischen Welt zurückgekehrt sind und nun keinen größeren Wunsch haben als noch einmal zurückkehren zu dürfen. Nancy zum Beispiel ist durch eine plötzlich auftauchende Tür im Keller ihres Elternhauses in "the Hall of the Dead" geraten, wo sie sich jahrelang in der Kunst der Stille geübt hat und wo ihr erster Tanz mit dem Lord of the Dead dazu geführt hat, dass ihre schwarzen Haare sich schneeweiß verfärbten.

Ich habe schon Nancys Mitbewohnerin Sumi und einen weiteren Bewohner des Heims, Kade, kennengelernt und erfahren, dass die Türen in andere Welten keine Einbahnstraßen sind, sondern dass auch immer mal wieder Besucher aus fantastischen Welten in unserer Realität landen. Außerdem mag ich es, wie Seanan McGuire schon auf den ersten Seiten ganz selbstverständlich über Genderidentity schreibt, während sich die Mädchen besser kennenlernen. Ich gehe mal davon aus, dass es einfacher ist, sich vorurteilsfrei mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man sich schon mal an eine Welt anpassen musste, die sich vollkommen von der unseren unterscheidet. ;)

Jetzt lege ich aber erst einmal eine Lesepause ein und verbringe etwas Zeit in der Küche, um das heutige Abendessen (Wirsing-Quiche) so weit wie möglich vorzubereiten (den Hefeteig habe ich vor zwei Stunden schon geknetet und kann ihn jetzt erst einmal in den Kühlschrank packen), ein paar Kekse zu backen und danach mein Frühstück zu machen.


Update 13:00 Uhr


Natürlich habe ich nach dem letzten Update noch ungefähr eine Stunde mit dem Laptop verbracht und Kommentare und Beiträge gelesen und beantwortet, statt gleich in die Küche zu gehen. Inzwischen habe ich es aber auf die Reihe gebracht und Plätzchen gebacken, das Abendessen vorbereitet (inklusive Vanillepudding, den es dann mit dem Rest der Plätzchenfüllung geben wird) und gefrühstückt habe ich inzwischen auch. Dazu habe ich weiter in "Every Heart A Doorway" gelesen und bin ganz berührt davon, wie sehr sich die Bewohner dieses Hauses zurück in ihre Welten sehnen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass dieses Institut auch speziell für diejenigen gedacht ist, die alles tun würden, um in ihre persönliche fantastische Welt zurückkehren zu können, während diejenigen, die ihre ungewöhnliche Reise gern vergessen würden, an einem anderen Ort Zuflucht gefunden haben. Nancy lernt so langsam, nach welchen Regeln die verschiedenen Welten eingeteilt werden (Nonsense, Logic, Wickedness and Virtue), wobei es natürlich Überschneidungen und weitere Unterkategorien gibt. Da ich schon die Hälfte des (leider sehr dünnen) Romans gelesen habe, welches ich jetzt erst einmal zu meinem Häkelzeug.


Aktuell häkel ich einen Putzlappen - und ja, ich weiß, dass sich das seltsam anhört. Mir wurde auch schon vorgeworfen, dass das "dekadent" klingen würde ... Alles fing damit an, dass ich vor einigen Wochen unbedingt mal "tunesisches Häkeln" ausprobieren wollte, weil ich ein Diamantmuster damit gefunden hatte, das mir gut gefiel. Aber ich hatte absolut keine Verwendung für irgendetwas gehäkeltes und einfach nur einen Probelappen wollte ich auch nicht machen. Also habe ich mir überlegt, ich könnte das Probestück aus 100% Baumwolle machen und als Putzlappen in der Küche verwenden. Inzwischen bin ich so begeistert von meinem neuen Putzlappen (nimmt super viel Feuchtigkeit auf, damit lassen sich selbst größere Mengen Mehl problemlos aufwischen - und ebenso problemlos wieder aus dem Lappen spülen - und hübsch ist er auch noch), dass ich mir Nachschub machen will. Der aktuelle Putzlappen wird etwas größer als der erste und mir macht das Häkeln wirklich Spaß, auch wenn ich dabei wirklich merke, wie sehr ich aus der Übung bin, wenn es ums Häkeln geht.

Bevor ich zur Nadel greife und mir dabei von Eva Mattes "Mansfield Park" vorlesen lasse, drehe ich noch eine Runde durchs Internet und schaue wie es euch bislang so ergangen ist!


Update 17:00 Uhr

So eine Runde durchs Internet kann dann schon mal knapp zwei Stunden dauern, wenn man dabei etwas unorganisiert ist. ;) Trotzdem habe ich in den letzten Stunden ein paar weitere Reihen gehäkelt und mich dabei mit "Mansfield Park" von Jane Austen amüsiert. Ich lasse mir Jane Austen immer wieder gern von Eva Mattes vorlesen. Ich mag es, wie die Schauspielerin den verschiedenen Figuren Leben einhaucht und finde auf diese Weise immer wieder neue Aspekte in den vertrauten Geschichten. Dieses Mal hat mich das Hörbuch - genauer gesagt die Figur der Mrs. Norris - darüber nachdenken lassen, welches Verhältnis Jane Austen wohl zu Geistlichen (und ihren Frauen hatte). Zu schade, dass nur so wenig Briefe von Jane Austen ihren Tod überlebt haben, darin hätte man bestimmt den einen oder anderen Hinweise finden können.

Das Handarbeiten findet heute (mal wieder) unter erschwerten Bedingungen statt. Sobald ich hochschaue, habe ich diese Nase vor Augen ...


... und mein linker Arm ist fest unter dem Kater fixiert, was besonders den Farbwechsel bei meinem Putzlappen etwas erschwert ...


... außerdem beschwert sich die Katze, wenn ich mit meinem Häkelzeug zu häufig an ihren Hintern komme, denn damit störe ich nur ihren - in ihren Augen wohlverdienten - Verdauungsschlaf. Ich muss zugeben, dass die beiden hier gerade etwas Narrenfreiheit haben. Baltimore geht es zur Zeit nicht so gut und so darf er eben seinen Dickkopf durchsetzen. Wird es mir zuviel, dann wandere ich eben wieder zurück zum Tisch und habe da zumindest eine Zeitlang meine Ruhe.


Zu den heute Vormittag gebackenen Plätzchen - genauer gesagt sehr leckeren "Cuor de mela" - habe ich wieder ein paar Seiten in meinem Buch gelesen. Ich finde die ganzen Details rund um die verschiedenen Welten und die Türen dahin sehr spannend, ich finde es traurig, dass es einen Todesfall in Miss Wests Institution gab, und bin sehr neugierig, welche weiteren Folgen dies für die Bewohner dieses Hauses noch haben wird.

Doch bevor ich wieder zu "Every Heart A Doorway" (oder meinem Häkelzeug) greife, drehe ich wieder eine Runde durch die teilnehmenden Blogs. :)


Update 22:30 Uhr

Es ist schon sehr, sehr cool zu sehen, was ihr alle den Tag über so gemacht habt. Gerade die ganzen Färbearbeiten haben es mir angetan - egal, ob mit Stoff oder Papier. :) Seit dem letzten Update habe ich noch ein paar Seiten in meinem Buch gelesen und dann das Abendessen fertig gemacht. Natira hat mich vor einiger Zeit auf die Idee gebracht doch mal wieder eine Quiche zu kochen - und seitdem mache ich fast jede Woche eine. Heute gab es eine Wirsing-Quiche (wieder mit meinem Pizzateig als Basis, darauf grob geschnittener Wirsing plus ein paar "Deko-Möhren, eine Royal und etwas geriebener Käse), die sehr lecker war!


Nach dem Essen habe ich dann das Häkelzeug gegen das Strickzeug gewechselt, denn es stand eine weitere Columbo-Folge an und im Gegensatz zum Häkeln muss ich beim Stricken nicht schauen was ich tue. Seitdem wir die komplette Serie geliehen bekommen haben, haben wir alle anderen Serien pausiert (und ich will lieber nicht darüber nachdenken, wie viele wir zu dem Zeitpunkt parallel geschaut haben) und uns auf den zerknautschten Inspektor und seine "one more thing"-Ermittlungsmethode konzentriert. Heute gab es "Negative Reaction", eine Folge der vierten Staffel, in der Dick van Dyke mitspielt - natürlich als Mörder. Die Folge war nicht die beste Columbo-Folge, aber es gab ein paar wirklich schöne Momente und mein aktueller Sockeschaft ist kräftig gewachsen. Faszinierend, wie viel schneller ich beim Stricken  als beim Häkeln bin ...


Jetzt lese ich noch "Every Heart A Doorway" aus und vor dem Schlafengehen werde ich vermutlich noch eine Runde drehen, um zu schauen, ob es noch ein paar abendlichen Updates gab. Ich habe den Tag sehr genossen! Es war schön, dass ihr alle uns einen Einblick in euren Lese- und Handarbeitssonntag gewährt und so viel kommentiert habt. Ich hoffe, ihr hattet viel Freude dabei! :)

Nachtrag (23:30 Uhr)

Inzwischen habe ich "Every Heart A Doorway" beendet und muss die Geschichte noch etwas sacken lassen. Vermutlich werde ich heute Nacht auch sehr interessante Träume davon haben. *g* Mit etwas Glück gibt es die Rezension am Dienstag. Jetzt noch eine letzte Blogrunde und dann geht es ab ins Bett! Gute Nacht!

***

Heutige Mitstreiter:

Mila
Sayuri (die gestern schon mal vorgelegt hat, weil sie heute keine Zeit hat)
Neyasha
Nicole/Frau Frieda
Jahreszeitenbriefe
buntistschön
Olive Knitting
Jans Schwester
Lebensknäuel
roetsch
BücherFähe (Mein Buchsalon)
Frau Zuckerrübchen
Lilamalerie
Frau Jule
mano's welt

Freitag, 22. April 2016

Dorothy Gilman: Mrs. Pollifax, Innocent Tourist (Hörbuch)

Nachdem ich im März mein letztes "Mrs. Pollifax"-Hörbuch gehört habe, wird es Zeit endlich etwas darüber zu schreiben und sei es nur, damit ich alle erhältlichen Hörbücher der Reihe auf meinem Blog besprochen habe. ;) Bis zur Mitte der Geschichte von "Mrs. Pollifax, Innocent Tourist" von Dorothy Gilman war ich fest überzeugt, ich würde diesen Teil noch nicht kennen - und dann tauchte ein junges Mädchen mit weißen Cowboystiefeln auf, an das ich mich überraschenderweise vage erinnern konnte. Ich weiß nicht, wann ich das Buch gelesen habe, aber ich muss es vor vielen Jahren irgendwo ausgeliehen haben, denn ich habe es nicht in meinem Besitz. Es fühlte sich aber beim Hören an, als ob ich eine ganz neue Geschichte entdecken würde, denn es gab nur wenige Momente, die mir vertraut vorkamen.

In "Mrs. Pollifax, Innocent Tourist" bittet John Sebastian Farrell Mrs. Pollifax ihn bei einer Reise nach Jordanien zu begleiten. Es ist kein Auftrag für die CIA, die ganze Angelegenheit ist nicht mal gefährlich, es geht nur darum an einem vereinbarten Treffpunkt das letzte Manuskript eines in irakischer Gefangenschaft verstorbenen Schriftstellers in Empfang zu nehmen und in die USA zu bringen. Dass Farrell Mrs. Pollifax dabei haben möchte. hängt vor allem damit zusammen, dass ein alleinreisender Amerikaner definitiv mehr Aufmerksamkeit erregt als jemand, der gemeinsam mit einer harmlos aussehenden und sympathischen älteren Dame unterwegs ist.

Doch natürlich wäre das Ganze keine "Mrs. Pollifax"-Geschichte, wenn es so einfach laufen würde wie geplant. Schon auf dem Flug nach Jordanien macht Emily Pollifax die Bekanntschaft eines etwas ausdringlichen Herren, der ihr unbedingt ein Reisesouvenir verkaufen will. Im Hotel in Amman angekommen, muss Mrs. Pollifax feststellen, dass der unangenehme Sitznachbar ihr das betreffende Stück heimlich ins Handgepäck geschmuggelt hat - und kurz darauf wird ihr Hotelzimmer von Unbekannten durchsucht. Auch mit Farrells Vorhaben läuft nicht alles glatt. Vormittag für Vormittag wartet der ehemalige CIA-Agent auf seinen Kontaktmann in der alten Kreuzritterburg von Kerak. Doch obwohl regelmäßig Besucher die Sehenswürdigkeit besichtigen, kommt niemand auf ihn zu.

Auch wenn mir Dorothy Gilmans Art eine Geschichte aufzubauen inzwischen sehr vertraut ist, finde ich es immer wieder schön, wenn aus Emily Pollifax kleinen harmlosen Auftragen eine viel größere Angelegenheit wird, die die Profis - sowohl bei der CIA, als auch im jeweiligen Land - an ihre Grenzen bringt. Gerade Mrs. Pollifax' Unprofessionalität und ihre Neigung spontan Freundschaften zu schließen, bringen immer wieder erfrischende Wendungen in die Handlung. So kann man hier ganz wunderbar verfolgen, wie die beiden Amerikaner ihren jungen Reiseführer Youssef und seine Familie immer besser kennenlernen und - trotz ihres seltsamen Verhaltens - im Laufe der Zeit sein Vertrauen gewinnen.

Ich mag es auch immer wieder, wie Dorothy Gilman den Nahen Osten beschreibt, wie hingerissen Mrs. Pollifax von der Wüste ist, wie stolz die alte Dame ist, dass sie mit den Beduinen im Schneidersitz sitzen kann und wie tief sie ein Sonnenaufgang über dieser kargen Landschaft bewegt. Diese Momente bereiten mir mindestens ebenso viel Freude wie all die humorvollen kleinen Szenen, in denen die "Bösen" in der Geschichte zum Beispiel entdecken müssen, dass die harmlose alte Touristin, die sie sich für ihre Schandtaten ausgesucht haben, eine große Herausforderung bietet als erwartet.

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis ich alle "Mrs. Pollifax"-Hörbücher gehört hatte und ich habe sehr viele schöne Stunden mit dieser ganz besonderen Agentin verbracht. Es ist sehr schade, dass ich nun kein weiteres Hörbuch mehr für mich entdecken kann, aber ich bin mir sicher, dass ich noch sehr oft Zeit mit Mrs. Pollifax verbringen werden. Diese Figur ist mir schon vor so vielen Jahren ans Herz gewachsen und die Sprecherin Barbara Rosenblat erweckt sie - und all die anderen Charaktere in den verschiedenen Geschichten - so wunderbar zum Leben, dass mich schon jetzt auf den Tag freue, an dem ich Mrs. Pollifax wiederbegegne, während sie an der Kante ihres Flachdachs steht und eine gravierende Entscheidung für ihr Leben trifft ...

Mittwoch, 20. April 2016

Tove Jansson: The Summer Book

Anfang März gab es "The Summer Book" von Tove Jansson sehr günstig als eBook und da ich schon eine Weile neugierig auf Werke der Autorin bin, die sich nicht um die Mumins drehen, habe ich zugeschlagen. In den letzten Tagen habe ich dann nach und nach die Kapitel gelesen, während ich passenderweise in meiner Nachmittagspause in der Sonne lag - was perfekt zu den kleinen Geschehnissen in dem Buch passt. "The Summer Book" spielt auf einer winzigen Insel im finnischen Golf, auf der die kleine Sophia mit ihrem Vater und ihrer Großmutter die Sommermonate verbringt. Dabei bekommt der Leser von der Autorin keine durchgehende Geschichte erzählt, sondern kleine Begebenheiten und Alltäglichkeiten des Insellebens. Die beschriebenen Ereignisse finden auch nicht alle in dem selben Sommer statt, werden aber vom Frühsommer bis zum Herbst erzählt, so dass man einen guten Einblick in den Verlauf eines Inselsommers bekommt.

The Summer Book" wurde von Tove Jansson geschrieben, um den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten. So trägt die Großmutter in dem Roman, wenn ich dem Vorwort von Esther Freud glauben darf, Züge von Tove Janssons Mutter angelehnt, während die Enkelin Sophia wohl ebenso an Tove Jansson wie auch an ihre Nichte Sophia angelehnt wurde. Auch die beschriebene Insel lässt sich in Tove Janssons Leben wiederfinden, denn auch sie hat viele Jahre den Sommer auf einer winzigen Insel verbracht und dort in einem Häuschen gelebt, das sie gemeinsam mit ihrem Bruder gebaut hatte. Auch ohne diese biografischen Bezüge finde ich "The Summer Book" überaus lesenswert, wenn man als Leser damit leben kann, dass nichts Großes in dem Buch passiert.

Sophia und ihre Großmutter verbringen viel Zeit miteinander und beschäftigen sich mit den vielen kleinen Dingen, die ihnen die Insel bietet. Mal beschreibt Tove Jansson wie die beiden nach Treibgut suchen, dann wieder denken sie sich Geschichten zu den verschiedenen Dingen aus oder machen einen Ausflug auf eine andere Insel. So erlebt man wie die Insel im Frühling aus dem Winterschlaf erwacht, wie die Vögel balzen, wie die vielen kleinen Pflanzen wachsen und blühen, aber auch wie die drei Bewohner im Laufe des Sommers einander etwas überdrüssig werden, wie die neuen Nachbarn dafür sorgen, dass der seit Jahrzehnten gleiche Blick aufs Meer auf einmal durch ein kastenartiges Haus gestört wird oder wie ein Sommersturm auf die drei unterschiedlichen Menschen wirkt.

Ich mochte dieses ruhige Leben, das von keiner Uhr diktiert wird und in dem jeder zu machen scheint, wonach ihm gerade der Sinn steht. Ich habe mir beim Lesen gewünscht, ich würde mit der Großmutter an einer geschützten Stelle liegen und ein Nickerchen machen, während ihre Enkelin einen Pfad durch einen Wald schlägt, oder ich würde in der Nacht aufwachen und im Nachthemd zum Meer gehen können, um über das Wasser zu schauen. Auch fand ich es sehr schön zu lesen wie Sophia und ihre Großmutter über das Leben und das Sterben redeten. Sie haben sich Geschichten ausgedacht - zum Beispiel wie ein Engel wohl das Geschlecht eines anderen Engels herausfindet, wenn sie doch alle die gleichen Hemden tragen -, aber bei allem Humor wird doch deutlich, dass das Thema besonders für Sophia, deren Mutter früh gestorben ist, nicht einfach ist.

Mir sind diese beiden Personen (der Vater wird eigentlich nicht näher beschrieben und bleibt eher im Hintergrund) sehr ans Herz gewachsen. Sophia ist manchmal dickköpfig und mal ängstlich, sie kann schmollen und trotzen und sie ist voller Fantasie und Energie und genießt die Freiheit, die ihr der Sommer auf der Insel bietet. Ihre Großmutter ist ebenfalls voller Ecken und Kanten, voller Geschichten und Spinnereien, und während sie sich an manchen Tagen unheimlich viel Mühe mit dem Kind gibt, will sie an anderen Tagen nur ihre Ruhe und macht das auch deutlich. Ich mochte wie realistisch diese beiden beschrieben wurden und mir hat es gefallen, wie die beiden aufeinander aufpassen. "The Summer Book" hat eigentlich nichts mit den Mumins zu tun und doch habe ich die ganz besondere Atmosphäre der Mumin-Bücher, die gleiche Liebe zur Natur und diese Bereitschaft eine Person ihre Ideen und Vorhaben ausleben zu lassen auch in dieser Veröffentlichung von Tove Jansson wiedergefunden.

Sonntag, 17. April 2016

Chimamanda Ngozi Aidichie: Blauer Hibiskus

Über den Titel "Blauer Hibiskus" von Chimamanda Ngozi Aidichie bin ich schon häufiger gestolpert - unter anderem hatte Hermia vor einigen Jahren eine Rezension dazu geschrieben. Obwohl ich den Titel all die Zeit im Hinterkopf behalten habe, hatte mich erst eine Rezension zu "Americanah" dazu gebracht, ein Buch von der Autorin aus der Bibliothek auszuleihen. Doch ehrlich gesagt war mir "Americanah" zu dem Zeitpunkt zu viel (inhaltlich und sprachlich), um es auf Englisch zu lesen, und so habe ich mir nach dem Rückgabetermin lieber "Blauer Hibiskus" vormerken lassen, um die Autorin erst einmal auf Deutsch anzutesten.

Die Geschichte in "Blauer Hibiskus" wird aus der Sicht der (anfangs 15jährigen) Kambili erzählt, die die Tochter eines sehr angesehenen und mindestens ebenso wohlhabenden nigerianischen Zeitungsverlegers ist. Die Handlung spielt zum Großteil zu Beginn der Militärdiktatur 1993, als General Sani Abacha die Macht in Nigeria übernahm. Doch auf den ersten Blick spielt die politische Situation des Landes keine so große Rolle für Kambili und ihre Familie, viel wichtiger für das Mädchen ist das Verhältnis zu ihrem streng katholischen Vater. Hat man auf den ersten Seiten noch das Gefühl, dass das Mädchen den Vater verehren würde, so beschleicht einen nach und nach der Verdacht, dass der Mann eine ungesunde Macht über seine Familie ausübt.

Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass Kambilis Vater sie, ihren Bruder und ihre Mutter regelmäßig misshandelt und alles tut, um die drei von jeglichem äußerem Einfluss abzuschirmen. Erst durch den Einfluss ihrer Tante Ifeoma entdecken die beiden Kinder, wie es sich anfühlen würde, wenn sie in einem liebevollen und unterstützenden Umfeld aufwachsen würden. Über das Leben, das Tante Ifeoma führt, bekommt Kambili auch mit, wie der Alltag - inklusive nicht gezahlter Gehälter, Benzinknappheit und eingeschränktem Zugang zu Wasser und Strom - für weniger reiche Nigerianer ausschaut.

Nachdem ich inzwischen ein paar Bücher gelesen habe, die sich mit der Balance zwischen dem modernen Leben und dem Erhalt der alten Traditionen in Afrika bzw. Nigeria beschäftigten, fand ich es spannend, mal eine Geschichte rund um eine katholische nigerianische Familie zu lesen - auch wenn Kambilis Vater natürlich ein sehr extremes Beispiel dafür ist. Doch vor allem hat mich natürlich beschäftigt, wie es Kambili und ihrem Bruder Jaja ergeht. Es war schön, zuzusehen, wie sich die beiden entwickelt haben, während sie bei ihrer Tante Ifeoma und ihren drei Kindern zu Besuch waren, aber das hat das Problem mit ihrem Vater nicht auf Dauer gelöst.

Ich mochte auch all die wunderschönen und atmosphärischen Beschreibungen vom Leben in Nigeria, angefangen bei dem Hibiskus und dem Duft, der nach dem Regen in der Luft lag, bis zu den Regenwürmern in der Badewanne. Aber insgesamt fand ich die ganze Geschichte schrecklich bedrückend. Mila meinte in einem Kommentar "Aber es gibt auch ganz viel Positives im Buch, ...", aber ich hatte am Ende nicht das Gefühl, dass alles für die Familie gut ausgegangen wäre. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich es ganz schlimm finde, was dem Bruder zugestoßen ist, und dass ich mir nicht vorstellen kann, dass für Jaja das Leben noch gut wird. Auf jeden Fall hat der junge Mann, der so selbstvergessen den Garten seiner Tante gepflegt hat, danach für Jahre ein Leben geführt, das ihn noch weiter kaputt gemacht hat.

Auch kann ich der Mutter nicht verzeihen, dass sie ihre Kinder nicht besser - und früher! - beschützt hat (und ja, mir ist bewusst, dass das nicht einfach ist, wenn man selbst von Kindheitsbeinen an Opfer von Misshandlungen ist - und so interpretiere ich die Aussagen über das Elternhaus der Mutter). Sogar die Zukunft von Tante Ifeoma und ihren Kindern sehe ich zwiespältig ... So bereue ich es nicht, dass ich das Buch gelesen habe, denn ich fand es spannend und es gab wunderschöne Passagen darin. Aber ich bin doch ganz froh, dass der Roman nur eine Bibliotheksausleihe war und nicht in meinem Regal stehen wird, um mich immer wieder an das Gelesene zu erinnern.

Freitag, 15. April 2016

Diana Pharaoh Francis: The Black Ship (The Crosspointe Chronicles 2)

"The Black Ship" ist der zweite Teil der Crosspointe Chronicles von Diana Pharaoh Francis und dieses Mal dreht sich die Geschichte um Thorn, einen Lotsen, der bei seiner Gilde in Ungnade gefallen ist. Ich muss gestehen, dass ich etwas Schwierigkeiten hatte in die Handlung reinzufinden, weil ich beim Lesen der ersten Kapitel ständig versuchte, mich an Details aus "The Cipher" zu erinnern. Da das Lesen des ersten Bandes schon über ein Jahr her ist und die Autorin nichts wiederholt - was ich eigentlich angenehm finde - brauchte es etwas, bis ich die verschiedenen Namen zuordnen konnte.

Thorn (der anfangs noch Sylbrac genannt wird) ist ein Lotse (Pilot), was in der Welt von Crosspointe bedeutet, dass er Schiffe über die "Schwarze See" steuern kann, in dem er seine Magie, die ihn mit dem Meer verbindet, nutzt, um Gefahren aufzuspüren und zu vermeiden. Denn die Schwarze See ist durch die wilde Magie, die in ihr vorhanden ist, stetigen Veränderungen ausgesetzt, die die Seefahrt zu einer besonders gefährlichen Angelegenheit macht. Vor allem die Sylveth, die bei Berührung Personen oder Gegenstände verwandeln können, stellen eine Herausforderung da, und so wäre ein Schiff ohne Lotse, von vornherein verloren.

Doch so kostbar Thorns Fähigkeiten als Lotse sind, so wenig wird er als Person von seinen Kollegen geschätzt - was dazu führt, dass seine Gilde ihn an ein "Schwarzes Schiff" verkauft. Schwarze Schiffe sind Schiffe ohne jegliche Legitimation, die häufig zum Schmuggeln oder ähnliche verbotene Tätigkeiten genutzt werden. In Thorns Fall häufen sich die ungünstigen Bedingungen, denn die "Eidolon", auf der seine Dienste benötigt werden, ist nicht nur ein schwarzes Schiff, sondern sticht auch noch mit einer verfluchten Besatzung, einem wahnsinnigen Kapitän und einer gefährlichen Fracht in See.

Das alles führt dazu, dass Thorn anfangs vor allem damit beschäftigt ist, den Kapitän im Zaum zu halten und die Mannschaft dazu zu bringen, einigermaßen zusammenzuarbeiten. Erst nach und nach erfährt er mehr über die Gefahren, die mit seiner Reise verbunden sind, mehr über die Geschehnisse, die zum Tod seines Bruders (in "The Cipher) geführt haben und mehr Details über die Fracht, mit der die "Eidolon" unterwegs ist. So scheint auf den ersten Blick nicht so viel in "The Black Ship" zu passieren, aber Diana Pharaoh Francis gelingt es die Reise mit all ihren Herausforderungen so spannend und atmosphärisch zu beschreiben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Die Auseinandersetzungen innerhalb der Mannschaft, zwischen der Mannschaft und dem Kapitän oder Lotsen und natürlich auch die Reibungen zwischen dem Kapitän und Thorn sorgen für genügend Spannungen. Dazu kommen noch all die Passagen, in denen die Autorin beschreibt, welche Herausforderungen das Meer und die Unwetter in diesem ersten Frühlingsmonat für das Segelschiff und Besatzung bereit halten, die ich ebenfalls faszinierend fand. Die Vorstellung Stunde um Stunde Eis von der Takelage und dem Deck zu hämmern, damit das Schiff manövrierfähig bleibt, während Schnee und Gischt ständig neue Eisschichten erzeugen, hat mich beim Lesen noch einmal ein Stückchen tiefer unter meine Decke kriechen lassen. ;)

Ich mochte es, wie Thorn und all die anderen auf dem Schiff so nach und nach zusammenwachsen und ich fand es schön zu lesen, wie sich der Lotse im Laufe der Geschichte weiterentwickelt. Bei all diesem zwischenmenschlichen Aspekten waren die Szenen, in denen die "Eidolon" in Gefechte verwickelt wurde oder gegen Sabotage in den eigenen Reihen kämpfen musste, dann nur noch das Sahnehäubchen auf einer eh schon atmosphärischen Geschichte. So schön ich es in "The Cipher" fand, wie Diana Pharaoh Francis das Leben in einer Hafenstadt beschrieb, so hat mich die Autorin mit den Beschreibungen von dem Leben auf See noch mehr überzeugt. Auch finde ich die Welt, die sie für "The Crosspointe Chronicles" geschaffen hat, wirklich faszinierend und freue mich über jedes weitere Detail, das diese Welt noch etwas stimmiger und noch etwas komplexer werden lässt. 

Und nachdem ich in der Rezension zu "The Cipher" kritisiert hatte, wie die Autorin die feindlichen Jutras beschrieben hat, möchte ich hier noch anmerken, dass Diana Pharaoh Francis dieses Mal die Gelegenheit genutzt hat, um mehr zu diesem Volk zu sagen und es etwas differenzierter darzustellen. Ich finde zwar immer noch, dass die Grundidee (dunkle Haut, gelbe Augen, lockige Haare und sie stampfen und tanzen im Kreis, wenn sie ihre Götter beschwören) erschreckend billig ist, bin aber etwas damit versöhnt durch die Darstellung der verschiedenen Jutras in diesem zweiten Band.

Mittwoch, 13. April 2016

Seanan McGuire: Chaos Choreography (InCryptid #5)

Bislang habe ich jeden "InCryptid"-Band mit großem Vergnügen gelesen, aber anscheinend habe ich nur bei den Bänden rund um Verity das Bedürfnis darüber zu schreiben. "Chaos Choreography" ist der fünfte InCryptid-Roman und der dritte, in dem Verity die Hauptfigur ist, nachdem die vorhergehenden beiden Bücher aus der Sicht ihres Bruders Alex erzählt wurden. In "Chaos Choreography" bekommt Verity eine letzte Chance, um sich als Tänzerin zu beweisen. Eigentlich war sie davon ausgegangen, dass sie nach ihrem letzten Auftritt in "Dance or Die" das Tanzen vergessen könnte, weil es nun ihre Aufgabe sei das "Familiengeschäft" weiterzuführen. Doch als der Produzent eine besondere Staffel ankündigt, in der die vier besten Tänzer der vergangenen fünf Staffeln gegeneinander antreten sollen, gerät Verity in Versuchung. Ihre Identität als "Valerie Pryor" wurde nie aufgedeckt und so scheint es sicher zu sein, noch einmal vor die Kameras zu treten und Amerika zu beweisen, was für eine fantastische Tänzerin sie ist.

Doch so einfach ist es natürlich nicht. Inzwischen ist Verity verheiratet und so benötigt nicht nur sie ein Identität, die dem "Covenant of St. George" unbekannt ist, sondern auch ihr Mann. Außerdem kommt es am Set zu "Dance or Die" schnell zu merkwürdigen Vorkommnissen, die dafür sorgen, dass Verity nicht länger ihr hartes, aber unbeschwertes Leben als "Valerie" führen kann, sondern herausfinden muss, wer die ausgeschiedenen Tänzer der aktuellen Staffel umbringt. Gemeinsam mit Dominic, den "übernatürlichen" Teilnehmern bei "Dance or Die" und ihrer Großmutter Alice Price-Healy macht sich Verity auf die Suche nach den Mördern - und muss dabei natürlich die eine oder andere gefährliche Situation überstehen.

In "Chaos Choreography" setzt Seanan McGuire wieder auf viele bewährte Elemente. Es gibt die verschiedenen fantastischen Wesen, die nicht nur für sich genommen spannend und interessant sind, sondern bei denen ich es auch faszinierend finde, wie sie in unserer modernen Welt ein Auskommen finden. Dazu kommt noch die Interaktion zwischen den verschiedenen übernatürlichen Wesen und Verity, die als Mensch eigentlich nicht vertrauenswürdig ist, aber doch als Kryptozoologin manchmal sogar zur Freundin wird. Dazu noch die Aeslin-Mäuse, die dieses Mal schon fast zu kurz kommen, denn ich habe die verschiedenen skurrilen Feiertage vermisst, und natürlich Seanan McGuires Händchen für humorvolle Szenen und Dialoge. Etwas vorhersehbar, aber trotzdem amüsant waren die Interaktionen mit Veritys Großmutter Alice Price-Healy, die ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie man verdeckt ermittelt und keine Aufmerksamkeit erregt.

Doch was mich vor allem bei diesem Roman gepackt hat, waren die Momente, in denen Verity tanzte. Seanan McGuire gelingt es fantastisch diese Mischung aus harter Arbeit, körperlichen Schmerzen und Erschöpfung und absoluter Befriedigung zu beschreiben, die mit dem Erlernen einer Choreografie einhergeht. Ebenso fand ich es stimmig wie die Tänzer voller Nervosität auf ihren Auftritt warteten, um dann auf der Bühne alles zu geben, - und kurz darauf bestimmen wieder die Gesetze des Show-Business jede Geste, jedes Wort, denn natürlich nehmen die Tänzer nur deshalb an solch einer Show teil, um durch ihren Tanz und ihr Benehmen, die Sympathien des Publikums und somit ihre Stimmen zu gewinnen. Ich fand all diese Momente wirklich atmosphärisch dargestellt und es hat Spaß gemacht eine Urban-Fantasy-Geschichte in diesem Umfeld zu lesen.

(Und jetzt warte ich ungeduldig darauf, dass ich endlich im nächsten Jahr den ersten InCryptid-Band rund um Veritys kleine Schwester Antimony lesen kann. Denn auf die freu ich mich schon sehr!)

Montag, 11. April 2016

Jim Butcher: Windjäger (Cinder Spires 1)

"Windjäger" von Jim Butcher ist einer meiner Neuzugänge aus dem März. Eigentlich wollte ich mir das Buch noch ein bisschen aufheben, aber dann konnte ich einer neuen Jim-Butcher-Reihe doch nicht widerstehen und musste es "nur kurz anlesen". ;) "Windjäger" spielt in einer ungewöhnlichen Welt, in der die Menschen oberhalb einer tödlichen Nebelschicht, die die Erde bedeckt, in Türmen leben. Um in diesem Umfeld zu überleben, gibt es verschiedene Entwicklungen wie zum Beispiel Luftschiffe, die für den Handel zwischen den Türmen, aber auch für kriegerische Auseinandersetzungen eingesetzt werden. Die Luftschiffe basieren ebenso wie alle anderen technischen Geräte auf den Einsatz von Kristallen, die in einem mühsamen und Generationen andauernden Prozess gezüchtet werden.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von mehreren Personen, die alle aus dem Turm Albion stammen. Doch vor allem kann man als Leser die Sicht von Gwen(dolyn) Lancaster, Bridget Tagwynn, Rowl und Kapitän Grimm verfolgen. Gwen und Bridget sind beide noch sehr unerfahrene Kadetten der Garde, wobei die Mädchen aus sehr unterschiedlichen Familien stammen. Während Gwens Familie für die größte Züchtung von Kristallen verantwortlich ist und dementsprechend über Macht, Reichtum und Einfluss verfügt, ist Bridgets Vater der letzte Abkömmling einer ehemals großen Familie und gezwungen seinen Lebensunterhalt mit dem Züchten von Fassfleisch zu bestreiten. Rowl hingegen ist der Sohn des Anführers des Clans der Leisen Pfoten - und ein Kater. Da sein Vater der Meinung ist, dass die Menschen endlich die Katzen als gleichwertige Bewohner der Türme anerkennen müssen, hat er Rowl zusammen mit Bridget losgeschickt, um den Kadettendienst anzutreten. Kapitän Grimm hingegen ist ein ehemaliger Soldat, der unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde und in den letzten Jahren für das Handelsschiff "Raubtier" verantwortlich war. Jeder, der jemals unter seiner Führung gearbeitet hat, zweifelt an, dass diese unehrenhafte Entlassung etwas anderes als ein politischer Zug gewesen sein könnte, doch natürlich haftet dieser Makel an Kapitän Grimm und seinem Schiff.

Diese Personen - plus ein paar weitere Charaktere, die erst im Laufe der Geschichte dazu kommen - geraten in einen Angriff des Turms Aurora und müssen alles geben, um ihrer Heimat vor den Eindringlingen zu beschützen. Jim Butcher hat all diese Figuren nicht ganz klischeefrei, aber wirklich sympathisch angelegt, so dass ich ihr Tun und ihre Gedanken gern verfolgt habe. Sogar einer der Bösewichte, dessen Perspektive man ab und an mitbekommt, war mir nicht so ganz unsympathisch, weil er zwar seine Befehle ausgeführt hat, sich aber nicht wohl mit dem fühlte, was er tun musste. Doch vor allem der Weltenbau hat mich bei "Windjäger" gepackt. So viel erklärt Jim Butcher nicht, was ich ja immer mag, weil ich davon ausgehe, dass die beteiligten Personen eben nicht ständig über das Funktionieren all der alltäglichen Dinge in ihrem Leben nachdenken. Das führt dazu, dass man nach und nach immer mehr Aspekte dieses Turmlebens entdecken und sich ganz viele Gedanken um das Leben dort machen kann. Dazu kommt, dass Jim Butcher bei der Handlung wieder auf seine bewährte Mischung aus Actionszenen und ruhigen Momenten setzt, was mir - ebenso wie sein Humor - ja immer zusagt.

Mein einziger Kritikpunkt dreht sich um die Szenen, die man aus der Sicht des Katers Rowl zu lesen bekommt. Denn da wird meiner Meinung wieder deutlich, dass es für einen Menschen fast unmöglich ist die Perspektive einer Katze einzunehmen, ohne dass es unstimmig wirkt. Trotzdem mochte ich Rowl und wie er mit Bridget zusammengearbeitet hat, um sie und den Rest des Turms vor den Eindringlingen zu beschützen.

Samstag, 9. April 2016

Kim Harrison: Zeitspiel

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß vermutlich, dass ich die Rachel-Morgan-Serie von Kim Harrison wirklich gern mag. Die Reihe gehört zu denen, bei denen ich gern einige Bände am Stück lese, weil ich nach dem Beenden eines Romans unbedingt noch mehr über die Protagonistin, ihre Freunde und die Herausforderungen, die sie zu meistern haben, lesen will. Auch den ersten Band der Madison-Avery-Reihe mochte ich sehr, obwohl ich da nicht weitergelesen habe, weil mir erst einmal andere Romane wichtiger waren. Trotzdem bin ich, seitdem ich das erste Mal von "Die Zeitagentin" gehört habe, skeptisch, ob die Geschichte etwas für mich wäre. Also habe ich die Gelegenheit genutzt, als "Zeitspiel", das angeblich die Vorgeschichte zu "Die Zeitagentin" erzählt, kostenlos als eBook angeboten wurde.

Dummerweise konnte mich aber "Zeitspiel" nicht so recht überzeugen. Die Kurzgeschichte handelt von einem Wissenschaftler, der für eine Regierungsorganisation arbeitet, die Zeitagenten ausbildet. Zeitagenten sind Personen, die für - in der Regel - wenige Sekunden in der Zeit zurückspringen und Ereignisse verändern können. Damit die Agenten durch das Springen durch die Zeit nicht zu sehr belastet werden, gibt es sogenannte "Anker". Diese Anker sind Personen, die in der Lage sind die verschiedenen Zeitebenen zu durchschauen und für die Zeitagenten zu sortieren, so dass diese sich nicht mit den verschiedenen Zeitalternativen in ihrer Erinnerung herumschlagen müssen. Auch der Wissenschaftler Silas wäre gern ein Anker, denn dann könnte er gemeinsam mit seiner Freundin Summer arbeiten, statt nur zusehen zu müssen wie sie sich mit ihrem Partner Allan in Zukunft regelmäßig in Gefahr bringt.

Silas Wunsch nach einer aktiveren Funktion in der Organisation, die katastrophal verlaufende Abschlussprüfung von Summer und ihren Mitstudenten und das Auftauchen der neuen Studentin Peri Reed (die die Hauptfigur in "Die Zeitagentin" ist), war soweit nett zu lesen, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen. Nach so vielen Jahren Ausbildung benehmen sich die angehenden Zeitagenten wie kleine Kinder und geben jedem Impuls nach, egal, welche Folgen das haben könnte - das hat mich wirklich geärgert. Dann hatte ich ein großes Problem damit das Alter der beteiligten Personen einzuschätzen, vor allem bei Silas, der kurz vor seinem zweiten Doktortitel steht, an seiner zweiten Doktorarbeit schon seit Jahren arbeitet - und sich trotzdem nicht erwachsener benimmt als die Studenten. Es ist einfach nicht glaubwürdig, wenn mir auf der einen Seite erzählt wird, dass jemand schon viele Jahre Studium und Arbeit hinter sich hat, dass er hochintelligent ist und Dinge machen kann, die sonst niemand auf die Reihe bekommt, und dann lese ich nur, dass er von Verlustangst getrieben eine Dummheit nach der anderen macht und sich seinen Vorgesetzten gegenüber wie ein schmollender Teenager aufführt.

Auch mit Peri Reed hatte ich ein Problem - sowohl in dieser Kurzgeschichte, als auch in der angehängten Leseprobe von "Die Zeitagentin" -, denn diese junge Frau wirkt einfach zu perfekt. Sie ist hübsch und zierlich, aber eine super Kämpferin, intelligent, fantastisch ausgebildet, deutlich vernünftiger als die anderen Studenten (und lässt sich trotzdem gleich beim ersten Treffen auf ihr dummes Abenteuer ein?!) und hat Beziehungen innerhalb der Organisation. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, solch eine Person sympathisch zu finden, abgesehen davon, dass ich auch Schwierigkeiten damit habe, mir vorzustellen, dass gerade Peri Reed zur Gejagten derjenigen Organisation wird, die sie von klein auf ausgebildet hat ...

Die Grundidee mit den Zeitagenten finde ich ja eigentlich reizvoll, aber nach dem bislang gelesenen würde ich dem Roman wohl keine Chance geben wollen.

Donnerstag, 7. April 2016

Lotte und Søren Hammer: Einsame Herzen (Konrad Simonsen 3)

"Einsame Herzen" von Lotte und Søren Hammer ist der dritte Roman rund um Konrad Simonsen und sein Team. Die Geschichte spielt ungefähr ein Jahr nach den Ereignissen in "Das weiße Grab" und in der Zwischenzeit hat sich einiges in der Mordkommission getan. Konrad hatte vor einigen Monaten einen Herzinfarkt und darf erst einmal nur vier Stunden am Tag arbeiten, während Arne Pedersen vorläufig Konrads Position als Leiter der Mordkommission übernommen hat. Pauline Berg hingegen hat sich noch lange nicht von ihrer Entführung erholt, leidet unter Angstzuständen und hat große Probleme mit Männern. So schwierig die Situation im Team gerade ist, so leicht soll der "Fall" sein, den Konrad Simonsen zum wiedereingewöhnen übergeben wird.

Es geht dabei um den Tod eines Postboten, der vor einigen Monaten mit gebrochenem Genick auf dem Treppenabsatz seines Wohnhauses gefunden wurde. Der Todesfall wurde damals als Unfall abgetan und zu den Akten gelegt, doch aufgrund politische Einflussnahme sollen die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Dann stolpert Konrad Simonsen bei seinen Untersuchungen über einen geheimen Raum über der Wohnung des Postboten, in dem die Bilder einen jungen Frau zu sehen sind. So wie die Fotos präsentiert wurden, ist sich der Polizist sicher, dass die Bilder eine Tote zeigen - und die Vermutung liegt nah, dass der Tod des Postboten mit dieser jungen Frau zu tun hat.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es Lotte und Søren Hammer gelingt zu den unterschiedlichen Fällen in ihren Kriminalromanen auch die passende Atmosphäre zu schaffen. Während in "Schweinehunde" die Ermittler von der Öffentlichkeit und den Medien gehetzt wurden, waren es die Polizisten selber, die sich in "Das weiße Grab" unter Druck gesetzt haben, weil es ihnen nicht gelang einem Serienmörder seine Taten soweit nachzuweisen, dass man ihn aus dem Verkehr ziehen konnte. In "Einsame Herzen" wird die Geschichte hingegen sehr ruhig erzählt. Sowohl der Mord an dem Postboten, als auch das, was der jungen Frau von den Fotos angetan wurde, ist schon einige Zeit her. Es scheint keinerlei Gefahr für weitere Personen zu geben und so konzentriert sich die Handlung nicht ausschließlich auf die Ermittlungen, sondern auch auf die Polizisten, die - besonders im Fall von Pauline Berg - immer noch mit dem zu kämpfen haben, was im letzten Jahr passiert ist.

Außerdem hat der Herzinfarkt dazu geführt, dass Konrad sein Leben überdenkt. Es gibt Erlebnisse aus seiner Vergangenheit, die er bis heute nicht verarbeitet hat. Und da er sich bei den Ermittlungen rund um die junge Frau, die im Jahr 1969 vermisst gemeldet wurde, immer wieder an Szenen erinnert, die er in den 60er Jahren erlebt hat, dreht sich eben auch ein Teil der Geschichte um Konrads Vergangenheit. So vermischen die beiden Autoren die aktuellen Ereignisse mit einer Darstellung der politischen Situation Dänemarks in den 60er Jahren und haben bei mir dafür gesorgt, dass ich beide Zeitebenen sehr gespannt verfolgt habe. Ich wollte sowohl wissen, was Konrad Simonsen damals erlebt hat, als er als junger Polizist den demonstrierenden Studenten gegenüberstand, als auch erfahren, was der jungen Lucy passiert ist, als sie auf der Suche nach einem freien Leben, Liebe und vermutlich auch Drogen durch Dänemark reiste.

Ich mag es immer wieder, dass die Autoren einen realistischen Polizei-Arbeitsalltag in ihren Romanen präsentieren. Die Polizisten müssen auf Laborergebnisse warten, müssen sich mit ihren Vorgesetzten arrangieren und - wenn ein Fall nun schon mal älter ist - machen pünktlich Feierabend, weil die Arbeit am nächsten Tag auch noch da sein wird. Auch die Charaktere sind angenehm realistisch geschildert. Konrad hat zwar seine Probleme, aber die sind so angenehm normaler Natur, dass er nichts mit den "üblichen depressiven skandinavischen" Ermittlern gemein hat. Auch bei Pauline, die durch die Entführung im Jahr zuvor wirklich viel gelitten hat, wird deutlich, dass sich Lotte und Søren Hammer um eine realistische Darstellung bemühen. Pauline geht zum Psychiater, hat aber natürlich immer noch Probleme ihre Arbeit wie früher zu verrichten. Ihr Zustand ist nicht statisch, manchmal geht es besser, an anderen Tagen wieder ist es deutlich schlimmer, aber sie arbeitet daran. Für ihre Kollegen ist Paulines Zustand hingegen eine Herausforderung. Auf der einen Seite wissen sie nicht, wie sie damit umgehen sollen, auf der anderen Seite müssen sie natürlich verhindern, dass Paulines Zustand die Ermittlungen behindert. Bei anderen Autoren könnten diese Passagen schnell kippen, hier hingegen fand ich sie gut lesbar und habe sie als Teil der Handlung wahrgenommen, gerade weil es nur ein Element von vielen war ...

Es ist erstaunlich schwierig bei diesem Band zu beschreiben, warum er mir so gut gefallen hat, denn zu dem Kriminalfall gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Auf jeden Fall bin ich schon gespannt, wie es mit dem Team weitergeht und welche Schwerpunkte Lotte und Søren Hammer in den weiteren Romanen gesetzt haben. Natürlich hoffe ich, dass diese Bücher auch noch auf Deutsch erscheinen - und wenn nicht, dann muss ich wohl zu den englischen Ausgaben greifen ...

Dienstag, 5. April 2016

Loretta Chase: Lord of Scoundrels (The Scoundrels Series 3)

Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel gelesen, der sich damit beschäftigt hat, wie man einen "Bad Boy" als glaubwürdigen Protagonisten eines Liebesromans darstellt. Da ich den Artikel über einen Link bei Twitter gefunden habe, finde ich nicht mehr heraus, wo es den gab oder wer den geschrieben hat. Auf jeden Fall waren in diesem Artikel auch sehr viele Bücher erwähnt worden, die als gute Beispiele herhalten mussten. Eines dieser Bücher war "Lord of Scoundrels" von Loretta Chase und die Beschreibung hatte mich neugierig genug gemacht, um mir den Roman auszuleihen und zu lesen. (Nachtrag 10.04.2016: HIER ist der von mir erwähnte Artikel zu finden.) 

Die Autorin beginnt mit der Geschichte von Lord Dains Eltern, um zu verdeutlichen, welche Ereignisse dazu geführt haben, dass sich der Protagonist zu einem egozentrischen, rücksichtslosen, rumhurenden Mistkerl entwickelt hat. So kann man ihn als erwachsenen Menschen zwar nicht sympathisch finden, versteht aber wieso aus dem vernachlässigten und misshandelten kleinen Jungen so ein Mann geworden ist. Die Protagonistin, Jessica Trent, hingegen wurde davon beeinflusst, dass sie in einer Familie aufgewachsen ist, in der vor allem Jungen zur Welt gebracht wurden, so dass sie sich nicht nur ihr Leben lang gegen gleichaltrige oder ältere Brüder und Cousins durchsetzen musste, sondern auch als Tante (und unbezahltes Kindermädchen) viel Erfahrungen mit der Erziehung kleiner Jungen sammeln konnte. Auf der anderen Seite wurde sie nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Großmutter aufgezogen, die schon mehrere Ehemänner (und Geliebte) überlebt hat und ihr diesbezügliches Wissen großzügig mit ihrer Enkelin geteilt hat.

Jessicas größter Wunsch ist es eines Tages unabhängig von ihrer Familie zu sein und so arbeitet sie seit Jahren darauf hin, einen Antiquitätenladen für die gehobene Gesellschaft zu eröffnen. Ihr ist bewusst, dass sie so ein Geschäft nur führen kann, wenn sie über einen einwandfreien Ruf verfügt und keinen Ehemann hat, der ihr diesen Plan verbieten könnte. Da sie bislang jeden Heiratsantrag (und davon gab es nicht wenige, da sie sehr hübsch ist und aus guter Familie kommt) abgelehnt hat, sieht sie sich mit 27 Jahren kurz vor der Verwirklichung ihres Traums. Doch dann wird sie nach Paris gerufen, um ihren Bruder Bertie aus dem Einfluss von Lord Dain zu befreien. Bei Versucht mit dem skrupellosen Wüstling mitzuhalten, hat Bertie in den letzten Monaten nicht nur seine Gesundheit ruiniert, sondern auch einen viel zu großen Teil seines Vermögens verschleudert.

Die folgende Geschichte ist eigentlich recht vorhersehbar. Obwohl sich die beiden Protagonisten schnell zueinander hingezogen fühlen, machen sie sich gegenseitig erst einmal das Leben schwer. Während Dain sich auf der einen Seite nichts von einer Frau sagen lassen mag und sich andererseits von Jessica in eine Falle gelockt fühlt, könnte Jessica ganz gut damit leben, dass sie den Wüstling begehrt, wenn er nicht ihren Bruder in den Ruin treiben würde. Auch wenn sich diese Inhaltsbeschreibung kaum von denen anderer Historicals unterscheidet, mochte ich es doch wie Loretta Chase die beiden Protagonisten beschrieben hat. Beide sind selbstbewusst, intelligent und dickköpfig, was zu wunderbaren Dialogen führt. Auch gefiel es mir sehr, dass es zwar immer wieder zu Missverständnisse kommt (weil Dain grundsätzlich das Schlimmste annimmt, während sie anfangs keine Ahnung davon hat, wie gestört er ist), dass auf diesen Missverständnissen aber nicht endlos rumgeritten wird. Entweder kommen die beiden - wie vernünftige erwachsene Menschen - von selber zu dem Schluss, dass sie sich geirrt und etwas falsch verstanden haben, oder sie reden darüber was passiert ist und klären so die Sache. Das ist eine so angenehme Art und Weise mit diesem Handlungselement umzugehen, dass ich es immer wieder bedauerlich finde, dass andere Historical-Autorinnen nicht auf die Idee kommen.

So entsteht nach und nach aus der anfangs vorhandenen Lust zwischen den beiden Protagonisten eine wirklich süße Liebesgeschichte, bei der sich die beiden Beteiligten immer besser kennenlernen und weiterentwickeln. Naja, vor allem er entwickelt sich weiter, den sie ist von Anfang an so perfekt, dass da nicht mehr viel Entwicklung nötig ist. Was langweilig wäre, wenn sie dadurch nicht so einen hübschen Gegenpart zu ihm bieten würde, und wenn es da nicht die Momente gäbe, in denen sie auf ihn schießt oder mit Porzellan durch die Gegend wirft. Außerdem war der Roman ja als Beispiel für einen gelungenen "Bad Boy"-Protagonisten genannt worden und nicht als Beispiel für eine überzeugende Protagonistin. ;) Alles in allem hat mir das Lesen wirklich Spaß gemacht - und nun bin ich neugierig, ob die anderen Bücher der Autorin auch so unterhaltsam sind.

Sonntag, 3. April 2016

Handarbeits- und Lesesonntag am 24. April

Mila und ich haben uns vor ein paar Tagen überlegt, dass wir doch mal einen gemeinsamen "Handarbeits- und Lesetag" einlegen könnten. Am 24. April (der übrigens ein Sonntag ist) wollen wir den Tag gemütlich mit unseren aktuellen Hand- und Bastelarbeiten und Büchern verbringen und darüber bloggen.


Im Prinzip läuft es wie an einem "normalen" Lesetag. Wir erstellen am 24. April einen Blogpost, der immer wieder aktualisiert wird, um zu erzählen, was in den letzten Stunden so gemacht und gelesen wurde.

Es wäre schön, wenn sich noch weitere Leute finden, die Lust aufs Handarbeiten und/oder Lesen haben und mitmachen mögen. Wer dabei sein mag, kann sich am 24. bei Mila oder mir mit einem Kommentar melden, in dem der eigene Blogbeitrag verlinkt wird. Wir erstellen dann eine Liste mit denjenigen, die mitmachen, damit wir uns den Tag über immer wieder austauschen können.

Ich freu mich schon darauf! :)

Freitag, 1. April 2016

Gelesen: Januar, Februar und März 2016

Frühere Statistiken sind unter "Diverses" zu finden.

Bücher:
  1. Tim Akers: Das Herz von Veridon
  2. Fleur Beale: Am Ende des Alphabets
  3. Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder (Louise Bonì #2)
  4. Marie Brennan: Writing Fight Scenes
  5. Sarah Rees Brennan: Untold (The Lynburn Legacy #2)
  6. Sarah Rees Brennan: Unmade (The Lynburn Legacy #3)
  7. Jim Butcher: Windjäger (Cinder Spires 1)
  8. Julie Campbell: Trixie Belden 5 - The Mystery of Glenn Road
  9. Gail Carriger: Etiquette and Espionage (Finishing School #1)
  10. Soman Chainani: The School for Good and Evil 2 - A World Without Princes
  11. Marissa Doyle: Betraying Season (Leland Sisters #2)
  12. Marissa Doyle: Charles Bewitched (Leland Sisters #3)
  13. Jennifer Estep: Deadly Sting (Elemental Assassin #8)
  14. Jennifer Estep: Heart of Venom (Elemental Assassin #9)
  15. Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab (Konrad Simonsen #2)
  16. Lotte und Søren Hammer: Einsame Herzen (Konrad Simonsen #3)
  17. Daniel Holbe: Giftspur
  18. Tanya Huff: The Silvered
  19. John Irving: Letzte Nacht in Twisted River
  20. Seanan McGuire: Indexing - Reflections
  21. Seanan McGuire: Chaos Choreography (InCryptid #5)
  22. Robin McKinley: Chalice
  23. Deon Meyer: Cobra (Bennie Griessel #4)
  24. Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr
  25. Holly Webb: Emily Feather and the Enchanted Door (Emily Feather #1)


Comics/Manga:
  • Another 1 (Manga)
  • Another 2 (Manga)
  • Faith 1 (Comic)
  • Faith 2 (Comic)
  • Rat Queens 1 - Gemetzel, Gold und große Klappen (Comic)
  • Velvet 1 - Before the Living End (Comic)
  • Velvet 2 - The Secret Lives Of Dead Men (Comic)


Hörbücher/Hörspiele: 


Angefangene und abgebrochene Bücher/Hörbücher zähle ich in der Monatsstatistik nicht mit. Dafür kommen auch die Titel auf die Liste, die ich innerhalb kurzer Zeit doppelt lese (oder höre).

April-SuB 2016

Im März hatte ich eine Menge um die Ohren, dazu hatten wir noch an zwei Wochenenden Besuch und ich hatte mir kurz vor Ostern eine Erkältung eingefangen, die das Lesen über die Feiertage unmöglich machte. Trotzdem habe ich doch einiges in diesem Monat gelesen und bin insgesamt recht zufrieden mit meiner Lektüre gewesen. Insgesamt kam ich auf 8 Bücher, 2 Hörbücher und 3 Comics, was jetzt nicht so unglaublich viel ist, aber doch ein sehr guter Schnitt für einen anstrengenden Monat.

Im April sollte ich mich erst einmal auf meine Bibliotheksausleihen konzentrieren. Davon habe ich hier noch ein paar, die ich vor dem Abgabetermin beenden sollte. Ansonsten finde ich es ziemlich cool, dass der deutsche SuB inzwischen die 30 geknackt hat, während ich es beim englischen SuB schon fast beunruhigend finde, dass ich keine 20 Titel mehr auf Vorrat habe. Das gibt mir gerade das Gefühl, ich bräuchte mehr "gute" (Urban oder historische) Fantasy-Romane und mehr fantastische Kinderbücher. Auf der anderen Seite weiß ich genau, dass ich mich schnell schrecklich langweilen würde, wenn ich mich darauf beschränken würde ...


Deutscher SuB:
  1. Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
  2. Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
  3. Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
  4. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
  5. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht
  6. Brom: Krampus
  7. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  8. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  9. Melissa Fairchild: Weltenwanderer
  10. Jim C. Hines: Die Buchmagier - Angriff der Verschlinger
  11. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  12. Tove Jansson: Winter im Mumintal
  13. Tove Jansson: Geschichten aus dem Mumintal
  14. Celine Kiernan: Schattenpfade
  15. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  16. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  17. Bernd Perplies: Magierdämmerung - In den Abgrund
  18. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  19. Silvia Roth: Querschläger
  20. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  21. Jonathan Stroud: Bartimäus - Das Amulett von Samarkand
  22. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  23. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  24. Charles den Tex: Die Zelle
  25. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  26. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  27. Xinran: Gerettete Wort
  28. Xinran: Wolkentöchter
  29. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

29 Titel auf dem SuB


Englischer SuB:
  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents - A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk - A Memoir by Lady Trent
  4. Patricia Briggs: Bone Crossed (Mercy Thompson #4)
  5. Patricia Briggs: Silver Borne (Mercy Thompson #5)
  6. Diana Pharaoh Francis: The Black Ship (Crosspointe Novel #2)
  7. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  8. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  9. D. B. Jackson: Thieve's Quarry (Thieftaker #2)
  10. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  11. Lynn Kurland: Star of the Morning
  12. Seanan McGuire: Every Heart A Doorway
  13. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  14. Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
  15. Cindy Pon: Serpentine
  16. Philip Reeve: Larklight
  17. A.C.H. Smith: Jim Henson's The Dark Crystal
  18. Rob Thomas: Veronica Mars - The Thousand Dollar Tan Line
  19. Holly Webb: Emily Feather and the Chest of Charms (Emily Feather #3)
  20. Holly Webb: Emily Feather and the Starlit Staircase (Emily Feather #4)
  21. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

19 Titel auf dem englischen SuB


(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)