Mittwoch, 12. April 2017

Elizabeth Daly: Das Buch des Toten (Ein Henry-Gamadge-Kriminalroman)

Elizabeth Daly ist eine amerikanische Autorin, die zwischen den 1930er und 1950er Jahren Kriminalromane schrieb. Da ich eine Schwäche für Krimis aus dieser Zeit habe, wollte ich die Autorin schon lange mal antesten, hatte es aber irgendwie nie auf die Reihe bekommen, mir einen Roman von ihr zu besorgen. Zum Glück bin ich dann bei meinem ersten Besuch in der neuen Bibliothekszweigstelle über "Das Buch des Toten" gestolpert, das zu mehreren Veröffentlichungen rund um den Bücher-Spezialisten und Gentleman-Detektiv Henry Gamadge gehört. Der Roman wurde im Jahr 1944 herausgegeben und auch die Geschichte spielt zu dieser Zeit. So ist es selbstverständlich, dass Henry Gamadges Assistent als Soldat dient, während er selbst seine normalen Tätigkeiten niedergelegt hat, um dem Kriegsministerium beratend zur Seite zu stehen. Trotzdem kann er nicht widerstehen, als eine junge Dame mit einem ungewöhnlichen Rätsel zu ihm kommt.

Miss Fisher hatte vor einigen Wochen, als sie zu Besuch bei einer Tante war, den schon etwas älteren Howard Crenshaw kennengelernt. Als dieser überraschend aus Vermont abreiste, hatte Miss Fisher noch ein Buch von ihm ausgeliehen, dass sie ihm bei ihrer Rückkehr nach New York zurückgeben wollte. Doch nachdem sie seine Adresse herausgefunden hatte, musste sie feststellen, dass ihr Bekannter im Krankenhaus lag - und dass niemand ihr Auskunft über sein Befinden geben wollte. Das alles hätte Miss Fisher nicht so sehr beunruhigt, hätte sie nicht in dem geliehenen Shakespeare-Band Unterstreichungen und Nebenbemerkungen gefunden, die ihrer Meinung nach darauf hindeuten, dass Mr. Crenshaw in Angst vor seinem Diener Perry lebte.

Während Henry Gamadge eine Theorie nach der anderen ins Auge fasst, um zu erklären, was die Hintergründe von Mr. Crenshaws Verhalten sein könnten, steht der Leser erst einmal vor einem großen Rätsel, bei dem eigentlich nur die Eingangsszene des Romans, in der man einen kleinen Einblick in das Zusammenleben von Mr. Crenshaw und Perry bekommt, darauf hinweist, dass Miss Fisher nicht ohne Grund befürchtet, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dabei bietet Elizabeth Daly dem Leser kaum Gelegenheiten mitzuermitteln, da sie auf Hinweise und Indizien verzichtet, sondern sie erzählt die Geschichte Stück für Stück, wie sie passiert - und zwar so, dass man nie das vollständige Bild sehen kann und sich deshalb ständig fragt, was wohl hinter dem Verhalten und den Aussagen der verschiedenen Figuren verbirgt.

Ich fand es hier nicht schlimm, dass ich als Leser nur die Handlung verfolgen konnte, denn ich mochte die Art und Weise, wie mir die Geschichte erzählt wurde. Was ich spannend finde, ist, dass ich im Nachwort ebenso wie auf mehreren Online-Seiten, bei denen Romane der Autorin besprochen wurden, über die Kategorie "Cozy" gestolpert bin. Für mich ist dieses Buch definitiv kein Cozy, es fehlen fast alle Merkmale, die für mich einen (amerikanischen) Cozy ausmachen (ein gutes Beispiel dafür wären die Bücher von  Mary Roberts Rinehard). Ich gebe zu, es ist auch keine Hardboiled-Novel, aber "Das Buch des Toten" fühlt sich in vielen Elementen eher danach an, auch wenn die Handlung während des Zweiten Weltkriegs spielt und man nicht das Gefühl hat, dass der Detektiv allein gegen eine korrupte Gesellschaft angehen muss. Vielleicht ist das ja der Grund, warum die Autorin in Europa/Deutschland nie wirklich erfolgreich war - man konnte sie (zumindest wenn ich nach diesem einen Kriminalroman gehen kann) nicht in eine vertraute Schublade stecken. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht, einen für die Zeit, in der er geschrieben wurde, ungewöhnlichen Kriminalroman zu lesen!

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