Montag, 19. Februar 2018

Paige Shelton: The Cracked Spine (Scottish Bookshop Mystery 1)

Nachdem ich im vergangenen Jahr den ersten Band der Farmers'-Market-Mysteries gelesen und sehr gemocht hatte, wollte ich unbedingt noch mehr von Paige Shelton kennenlernen. Doch weil ich mich nicht so recht entscheiden konnte, ob ich nun erst mehr über die Landwirtin Becca Robins lese oder eine der anderen Reihen der Autorin ausprobieren wollte, blieb es erst einmal bei dem Vorsatz. Vor ein paar Wochen dann hatte sich Helma dann den zweiten Band der "Scottish-Bookshop-Mysteries" gegönnt, und ihr Tweet über ihre Neuzugänge hatte bei mir dann die Bestellung von "The Cracked Spine" ausgelöst. Die Geschichte spielt in Schottland und dreht sich um die Amerikanerin Delaney Nichols, die nach einer spontanen Bewebung auf eine Anzeige eine neue Stelle in einem Antiquariat in Edingburgh antritt. Viel weiß sie über ihren Job nicht, aber ihr neuer Chef Edwin klang am Telefon sehr angetan davon, dass Delaney jahrelang für ein Museum gearbeitet hat und sich nicht nur mit alten Büchern auskennt.

Kaum hat Delaney ihre neuen Kollegen Rosie (inklusive ihrem Hund Hector) und Hamlet kennengelernt, wird die Schwester ihres Chefs ermordet. Das ist nicht nur ein tragischer persönlicher Verlust für Edwin, sondern das Verbrechen bringt auch einen finanziellen Verlust für Delaneys Chef mit sich, da dieser seiner Schwester Jenny ein einzigartiges Buch zur Aufbewahrung überlassen hatte - und nun weiß natürlich keiner, wo dieses Buch geblieben ist. Da Delaney das Gefühl hat, noch nicht so ganz durchschauen zu können, in welchem Verhältnis Edwin, die neuen Kollegen und die Teilnehmer einer seltsamen Auktionen zu Edwins getöteter Schwester standen, macht sie sich selbst auf die Suche nach Hinweisen und Antworten.

Ich muss gestehen, dass ich mit diesem Serien-Auftakt nicht ganz so glücklich war wie im vergangenen Jahr mit "Farm Fresh Murder". Die Erzählstimme von Delaney lag mir weniger als die von Becca, ebenso fand ich einige der Charaktere, denen die Amerikanerin gleich zu Beginn der Geschichte begegnet, etwas unstimmig. Außerdem habe ich es gehasst, dass die Autorin einen bestimmten Aspekt von Delaneys neuer Arbeit sechzig Seiten lang rausgezögert hat, ohne dass es einen triftigen Grund dafür gab - abgesehen davon, dass sie künstlich Spannung aufbauen wollte, was bei mir aber nicht ankam, weil dieses "mysteriöse Element" doch ziemlich offensichtlich war. Auch die Auflösung des Falls konnte mich nicht so recht überzeugen. Nachdem Delaney die ganze Zeit von einer Person zur nächsten tappte, auf ihre Intuition hörte und Fragen stellte, ohne dass mir Paige Shelton begreiflich machen konnte, welche Motivation bei ihrer Protagonistin dahintersteckte und warum niemand Delaney Grenzen gesetzt hat, wird der Mörder am Ende aus dem Hut gezaubert und fertig.

Theoretisch gab es ganz viele Personen, die sympathisch hätten sein können, aber keine davon habe ich als Leser gut genug kennengelernt, um irgendeine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ich hätte auch mit dem ungewöhnlichen Talent von Delaney gut leben können, wenn die Autorin das unterhaltsamer eingebaut oder dafür gesorgt hätte, dass es für die Ermittlungen relevant gewesen wäre. Auch habe ich den Humor vermisst, den ich in "Farm Fresh Murder" so mochte, und während ich es bei einer selbstständigen Landwirtin noch einigermaßen verkraften konnte, dass sie ihre Arbeit zugunsten einiger Ermittlungen aufschob, habe ich bei Delaney nicht verstanden, dass sie in ihrer ersten Arbeitswoche nicht einen Arbeitstag hatte, ohne dass sie die Buchhandlung mal eben verließ, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ein bisschen fühlt es sich für mich an, als ob die beiden Bücher unmöglich von der selben Autorin geschrieben worden sein können - und nun frage ich mich ein bisschen, ob ich wirklich noch weitere Reihen von Paige Shelton ausprobieren soll oder nicht.

Sonntag, 18. Februar 2018

Lese-Sonntag im Februar

Mein heutiger Lese-Sonntag startet nicht nur etwas spät, sondern auch ziemlich verschlafen. Irgendwie komme ich heute so gar nicht in den Tritt oder wie mein Mann gerade liebevoll anmerkte "Nur gut, dass beim Lese-Sonntag keine Fotos von den Teilnehmern veröffentlicht werden.". Ein kleines bisschen könnte es damit zusammenhängen, dass ich gestern nur noch ein Kapitel lesen wollte, nachdem mein Mann schon ins Bett gegangen war, und aus dem Kapitel wurde dann zwei Uhr morgens. Der Roman, der mich so lange wachgehalten hat, ist "Dangerously Charming" von Deborah Blake und der Auftakt einer Reihe, die sich um die "Rider" dreht. Die "Rider" sind in den Baba-Yaga-Romanen der Autorin drei unsterbliche Brüder, die den Baba Yagas auf der ganzen Welt zur Seite stehen, wenn sie Hilfe benötigen. Es gibt nur wenige romantische (Urban-)Fantasy-Geschichten, die ich noch ertrage, aber die Bücher von Deborah Blake mag ich wirklich, weil die Charaktere gut angelegt sind und die Autorin ein Händchen dafür hat (russische) Legenden in die aktuelle Zeit zu verlegen und unterhaltsame Handlungen drumherum zu basteln.

Soweit erst einmal mein heutiges "Lebenszeichen" - später mehr über meinen heutigen Lesetag. :)

Update 13:45 Uhr


Nachdem mein Mann gerade einen besonders unnetten Vergleich in den Raum warf, trau ich mich kaum mein Frühstücksfoto zu posten. Aber nun gut, Porridge ist nicht gerade das ästhetischte Essen, da helfen die Himbeeren auch nicht ... Seit meinem "morgendlichen" Lebenszeichen habe ich viel Zeit mit Wachwerden (und dabei den Feedreader leeren) verbracht, etwas im Haushalt gewuselt und sogar das Frühstücken auf die Reihe bekommen - dabei habe ich sogar zum Buch greifen können. Ich mag die Geschichte wirklich und mir liegt der Humor der Autorin, was für mich ja immer ein vollkommen ausreichender Auslgeich ist, wenn die Handlung an sich etwas schlichter ist. Zur Zeit sind die beiden Protagonisten im "Feenland" (Otherworld) unterwegs und interessanterweise hat der unterschiedliche Verlauf der Zeit zwischen Menschen- und Feenwelt auch spürbare Auswirkungen auf Jennas Schwangerschaft. Was bedeutet, dass sie nur umso dringender den Fluch loswerden muss, damit ihre noch ungeborene Tochter nicht in die Hände der Fee fällt. Die Fee hingegen setzt natürlich alle Mittel in Bewegung, um nicht den Wortlaut, aber den Sinn der sie begrenzenden Vereinbarung zu brechen - wie es sich eben für eine Fee gehört. Alles nicht sehr dramatisch, sondern nett und amüsant und mit hübschen Details. Die letzten 50 Seiten werde ich aber erst später lesen können, denn jetzt geht es unter die Dusche und danach bin ich mit meinem Mann für eine Runde "Gloomhaven" verabredet.

Oh, und da heute so schön viel Leute mitlesen, gibt es am Ende des Beitrags mal wieder eine Liste. :)

Update 18:00 Uhr


Uff, das war eine überraschend anstrengende Gloomhaven-Runde, obwohl die Ausgangssituation relativ harmlos aussah. Aber wir haben nach längerer Zeit mal wieder die Charaktere eingesetzt, mit denen wir das Spiel angefangen hatten, und gerade bei meinem Mann hat das zu einem ziemlich hohen Kartenverbrauch geführt, so dass er bei meinem letzten Zug schon handlungsunfähig war. (Was ich ehrlich gesagt ziemlich lustig finde, weil er sonst immer deutlich überlegter und strategischer spielt als ich.) Außerdem hatten wir ziemliches "Würfelpech", so dass die richtig großen Angriffe auf die gefährlicheren Gegner regelmäßig scheiterten. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht und am Ende habe ich mit meinem letzten möglichen Zug den "Elite-Feuerdrachen" beseitigt, so dass wir nun eine frisch aufgetauchte Insel auf unserer Landkarte entdecken konnten. Die Insel erforschen wir dann am kommenden Wochenende - der braucht dringend einen neuen Level, nachdem die heutige Runde ihm nur 24 der dafür noch fehlenden 25 Erfahrungspunkte gebracht haben. *g*


Da wir beide gerade relativ unmotiviert sind, was das Kochen angeht, haben wir eben noch spontan beschlossen, dass mein Mann heute Tiefkühl-Pizza in den Ofen werfen wird, während ich mich nun mit Laptop und Buch auf dem Sofa einrolle. Es wird nicht nur Zeit zu schauen, wie es den anderen heute Nachmittag ergangen ist, ich muss auch rausfinden, wie Jenna am Ende den Fluch brechen kann. (Nicht, dass ich nicht schon einen Verdacht hätte ...) ;)

Update 21:45 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich "Dangerously Charming" beendet (und gleich die Leseprobe zur Fortsetzung hinterhergeschoben). Der Roman war nett, unterhaltsam und hat mir wunderbar entspannte Stunden beschert. Ich mochte die Charaktere, die diversen kleinen Details rund um die Otherworld und den Humor in der Geschichte. Ich muss aber auch zugeben, dass ich für diese Art von Liebesgeschichte in der richtigen Stimmung sein muss und dass das gerade nun mal der Fall war.

Als ich mein Buch beendet hatte, haben wir zu Netflix gewechselt und "My Next Guest Needs No Introduction" gesehen. In dieser Sendung unterhält sich David Letterman mit einer bekannten Persönlichkeit über alle möglichen Dinge und ich finde es spannend, einen kleinen Einblick in das Leben und den Charakter dieser Interviewgäste (und ebenso in David Lettermans Leben und Charakter) zu bekommen. Die heutige Folge mit George Clooney bot zwar nicht so viele überraschende (und amüsante) Momente wie die Folge mit Barak Obama, aber es war interessant, spannend und unterhaltsam das Gespräch zwischen den beiden Männern zu verfolgen. Im kommenden Monat wird Malala Yousafzai in der Sendung zu Gast sein - ich bin schon sehr gespannt darauf.


Das hier ist mein letztes Update für heute. Ich werde nur noch eine kleine Blogrunde drehen, um zu schauen wie die anderen so den Abend verbracht haben, und dann meine Nase in "Das grauenvolle Grab" von Jonathan Strout stecken. Nachdem ich in der vergangenen Woche den vierten Band der Lockwood-Romane gelesen habe, habe ich wunderbar zeitnah auch den Abschlussband der Reihe aus der Bibliothek ausleihen können und bin nun gespannt, wie die Geschichte von Lucy, Lockwood und den anderen Mitarbeiter der Agentur ausgehen wird.

Es war schön heute in so großer Gruppe den Lese-Sonntag zu verbringen, ich hoffe, ihr hattet ebenfalls einen angenehmen und entspannten Tag! Habt einen schönen Start in die Woche!

Heutige Mitleser:

Natira
Kiya
Sayuri
Helma
Neyasha

Freitag, 16. Februar 2018

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 3 - A Dismal Thing to Do (Hörbuch)

"A Dismal Thing to Do" ist der dritte Band rund um Madoc und Janet Rhys von Charlotte MacLeod. Dieses Mal beginnt die Geschichte kurz nach der Hochzeit der beiden Protagonisten, während Janet mit ihrem neuen Auto unterwegs ist, um einen Waschtisch für ihr neues Haus aufzutreiben. Da sich ihre Schwiegermutter für einen Kurzbesuch angekündigt hat, ist es Janet sehr wichtig, das Gästezimmer so schnell wie möglich perfekt eingerichtet zu haben. Dieses Anliegen ist für sie so bedeutsam, dass sie sich trotz einer dicken Schneedecke und der eher unverständlichen Wegbeschreibung ihrer neuen Nachbarin auf den Weg zu einer Scheune macht, wo ein solcher alter Waschtisch zu finden sein soll. Doch statt heil mit ihrer Beute heimzukommen, beobachtet Janet auf einer kleinen Straße, wie vor ihr eine Art Umzugswagen aus dem Gleichgewicht gerät und umkippt.

Die Schneemassen am Straßenrand verhindern, dass sie problemlos zum Führerhaus des Wagens kommen kann, und so sucht sie in einer Scheune neben der Straße nach einer Leiter oder einem anderen Hilfsmittel, das ihr über die Schneewehen hinweghelfen kann. Noch bevor sie fündig wird, hört Janet von draußen eine Explosion und die Scheune bricht über ihr zusammen.

Madoc hingegen freut sich zu Beginn der Geschichte auf ein paar Urlaubstage. Seitdem er Janet im vergangenen Jahr begegnet ist, konnten sie - trotz ihrer Heirat - nicht einmal ein paar geruhsame gemeinsame Tage miteinander verbringen, da seine Arbeit als Mountie immer wieder dazwischenkam. Doch nun sind alle aktuellen Fälle abgearbeitet und Madoc ist wild entschlossen, sich in der kommenden Woche ausschließlich auf seine Frau zu konzentrieren. Als er jedoch nach Hause kommt, fehlt von Janet jede Spur, und wenig später erhält er einen Anruf von den Kollegen, die ihm mitteilen, dass der Wagen seiner Frau unverschlossen mit all ihren Papieren darin gefunden wurde.

So dramatisch meine Inhaltsbeschreibung sich vielleicht auch anhören mag, so unterhaltsam entwickelt sich die weitere Handlung. Selbst bei den Szenen, bei denen Janet wirklich in Gefahr schwebt, gelingt es Charlotte MacLeod immer wieder, humorvolle Elemente einzubauen, die mich zum Schmunzel gebracht haben. Mir liegt der Humor der Autorin aber auch wirklich sehr, vor allem, da mir ihre Charaktere und deren Handlungen - trotz der einen oder anderen Übertreibung - immer stimmig und realistisch vorkommen. Kurz nach Janets "Unfall" führt eine Spur Madoc nach Pitcherville (Janets Heimatort), so dass die Geschichte vor allem von dem sehr abgeschiedenen Leben in der ländlichen Gemeinde und den etwas eigenbrötlerischen Personen bestimmt wird, die man schon in "A Pint of Murder" kennengelernt hat. Ich mag die liebevolle Art, mit der Charlotte MacLeod mit den verschiedenen Charakteren umgeht, ich mag die amüsanten kleinen Szenen, die häufig darauf beruhen, dass die Figuren die diversen Macken ihrer Nachbarn nur allzu gut kennen, und ich mag es, dass die Autorin immer wieder neue Wendungen in ihre Kriminalfälle einbaut, die dafür sorgen, dass selbst ein größerer Fall seinen Platz in einer kleinen Ortschaft wie Pitcherville findet.

Auch habe ich mich ja inzwischen gut an William Dufris' Art zu lesen gewöhnt und mag sogar sehr, wie individuell er die verschiedenen Figuren darstellt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich, sobald er in Dialekt verfällt - und das ist bei dieser Geschichte dank der vielen Landwirte, Schrotthändler und Handwerker, die zu Wort kommen, sehr häufig der Fall - vollkommen aufgeschmissen bin und nur noch aus dem Zusammenhang erraten kann, was gesprochen wird. Zum Glück lässt sie Madoc immer wieder das Ermittelte durchdenken oder er teilt anderen Leuten seine Erkenntnisse mit, so dass ich der Handlung trotzdem gut folgen konnte. Dennoch ist das für mich weiterhin das größte Problem, wenn ich englische Hörbücher höre. Bei einem Buch kann ich mir Zeit nehmen, um den Klang der Dialoge auf mich wirken zu lassen, so dass ich noch genügend von den Worten mitbekomme, um den Inhalt zu begreifen. Bei gesprochenem Dialakt hingegen stoße ich immer noch ganz schnell an meine Grenzen.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft

Ich muss gestehen, dass ein Titel wie "Nächste Ausfahrt Zukunft - Geschichten aus einer Welt im Wandel" von Ranga Yogeshwar mich normalerweise nicht spontan gereizt hätte, weil mich die Themenwahl (obwohl sie weitgefächert ist) frustriert, wütend macht und ängstigt. Da aber Anette so angetan von dem Buch war, hat sie mit ihrer Rezension meine Neugier geweckt, was dazu geführt hat, dass ich es mir in der Bibliothek besorgt habe, um es zumindest mal anzulesen. Ich muss zugeben, dass Ranga Yogeshwar wirklich gut schreibt und man seine Begeisterung für seine Arbeit als Wissenschaftsjournalist und seine Faszination über (und auch seine Bedenken rund um) die verschiedenen Entwicklungen und die Theorien, die daraus abgeleitet werden können, deutlich spüren kann.

In elf verschiedenen Kapiteln spricht er über verschiedene Aspekte des Fortschritts, über die Hoffnungen, die in der Vergangenheit damit verbunden waren, über zerstörte Träume und über die Möglichkeiten, die sich neu auftun. In eigentlich jedem Unterkapitel kann man von persönlichen Erlebnissen des Autors lesen wie von den Dreharbeiten in Tschernobyl und Fukushima, dem vorbeifahrenden Ochsenwagen in Indien, der vollbeladen war mit den neuesten Computern, oder anderen Szenen, die Ranga Yogeshwars Zusammenfassungen zu den verschiedenen Themen untermalen. Auch betont der Autor in der Regel die Vor- und Nachteile einer neuen Entdeckung. So ermöglicht die genaue Erfassung von Augenbewegungen zum Beispiel auf der einen Seite die Steuerung von Geräten für Menschen, die aufgrund von körperlichen Einschränkungen dafür nicht ihre Hände verwenden können. Aber auf der anderen Seite wird genau die gleiche Technik verwendet, um Informationen über den Nutzer zu sammeln, um Werbung auf das Blickverhalten von Menschen zuzuschneiden, um die Stimmung, den Grad der Müdigkeit oder Ähnliches auszulesen - lauter Informationen, die missbraucht werden können, um den Menschen zu durchleuchten und zu manipulieren.

Allerdings gab es auch immer wieder Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Argumentation nicht stimmig war. So erwähnt Ranga Yogeshwar zum Beispiel beim Thema "Online-Partnersuche", dass ganz viele zwischenmenschliche Aspekte bei der Partnerwahl wegfallen würden, wenn man sich auf ein Bild und einen Computer-Algorhythmus verlassen würde. Er schließt aber aus der Tatsache, dass sich solche Partneragenturen wachsener Beliebtheit erfreuen, dass das daran läge, dass die Partner-Suchenden auf diesen Plattformen wirklich einen Menschen für eine Beziehung finden würden. Meine Theorie lautet aber eher, dass so viele Menschen inzwischen verzweifelt auf der Suche nach einem Partner sind, dass sie auch solche Plattformen ausprobieren, obwohl darüber eben nicht die breite Palette des zwischenmenschlichen Austauschs (z.B. Stimme, Gestik, Mimik, Geruch) abgedeckt werden kann, die normalerweise notwendig ist, um einem Menschen für eine Partnerschaft in Betracht zu ziehen. In meinen Augen hängt der Erfolg also nicht am erfolgreichen Algorhythmus, sondern an der Einsamkeit der Nutzer. Es ist ein bisschen wie Lottospielen: Obwohl eigentlich jeder die Statistiken kennt, möchte doch niemand die Hoffnung aufgeben, dass so ein Lottoschein vielleicht für großen Reichtum sorgen könnte.

Vielleicht liegt es daran, dass es mir nach den vergangenen Jahren schwer fällt, optimistisch zu sein, aber wenn Ranga Yogeshwar erzählt, wie weit sich die Welt doch zum Beispiel seit Martin Luther Kings Rede im Jahr 1963 entwickelt hat und als Beispiel die Präsidentschaft von Barack Obama aufführt, dann muss ich automatisch daran denken, welche Folgen Donald Trumps Wahl zum Präsidenten gerade mit sich bringt und was für ein schrecklicher Rückschritt diese Präsidentschaft für all die Rechte von PoC oder LGBTQIA-Personen oder einfach nur arme oder kranke Menschen (natürlich inklusive aller Überschneidungen, die es da gibt) mit sich bringt. Ich glaube, dass es Ranga Yogeshwar in dieser Beziehung schwer fällt, die Sicht eines Wissenschaftlers - für den es nun mal logisch ist, auf Weiterentwicklungen und gewonnene Erkenntnisse auch angemessen zu reagieren - aufzugeben. Ein Großteil der Menschheit handelt aber nun mal nicht wissenschaftlich, sondern emotional, was dazu führt, dass bei einem zu großen Voranschreiten des Fortschritts Panik ausbricht. Und in Panik neigt der Mensch nun mal dazu, nach unten zu treten, um seine Position zu sichern und in vertraute Verhaltensweise zurückzuverfallen, selbst wenn diese ihm schaden.

Am Ende zählt Ranga Yogeshwar auf, was sich alles in den vergangenen Jahrzehnten verbessert hat, angefangen bei der Lebenserwartung, über die Zahl der Demokratien auf der Welt, die Zahl der Mord- und Totschlagzahlen in Deutschland, die Alphabetisierung bis zur Zahl der Menschen auf der Welt, die unter die extreme Armutsgrenze fallen. Und ja, die reinen Zahlen sehen gut aus, aber für mich sehen diese Zahlen vor allem nach "es ist seit so vielen Jahren möglich, eine größere Veränderung herbeizuführen, aber viel zu wenige arbeiten an dieser Veränderung, weil am Ende kein schneller Profit damit zu erreichen ist" aus. Ranga Yogeshwar schließt hingegen aus diesen Zahlen, dass der Mensch an sich bereit ist, zu teilen, und dass die Suche nach Liebe und Zuwendung am Ende bestimmender für die Zukunft sein wird als das Streben nach Macht und Geld - ganz ehrlich, ich wünschte, ich könnte Ranga Yogeshwars optimistische Sicht auf die Zukunft teilen, aber anhand seiner Beispiele kann ich nicht nachvollziehen, wieso er mit so viel Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft blickt. Dabei fände ich es wunderbar, wenn ich miterleben könnte, wie all die Chancen, die der Autor in  den erwähnten Entwicklungen findet, auch genutzt würden, statt weiterhin befürchten zu müssen, dass die Menschheit als Masse doch immer nur den einfachsten und/oder profitabelsten Weg gehen wird.

Montag, 12. Februar 2018

Frida Nilsson: Siri und die Eismeerpiraten

Nachdem ich im Dezember Neyashas Rezension zu "Siri und die Eismeerpiraten" von Frida Nilsson gelesen hatte, habe ich mir gleich das Buch in der Bibliothek vorgemerkt. Die Geschichte dreht sich um die zehnjährige Siri, deren kleine Schwester Miki vom bösen Piraten Weißhaupt geraubt wurde. Der Pirat ist im gesamten Eismeer dafür bekannt, dass er kleine Kinder stiehlt, um diese in seinem Bergwerk für sich schuften zu lassen. So gefürchtet wird der Pirat, dass sich kein Erwachsener findet, der Siri nach der Entführung helfen will, ihre kleine Schwester zurückzuholen. Einzig ihr gebrechlicher alter Vater ist wild entschlossen, sich auf den Weg zu machen, aber das kann Siri nicht zulassen. Schließlich ist ihr Papa nicht mal kräftig genug, um noch auf Fischfang zu gehen, wie soll er da die Suche nach Miki überstehen? So schleicht sich Siri heimlich aus dem Haus, um ihre kleine Schwester aus der Gewalt des Piraten zu befreien - große Hoffnungen macht sie sich nicht, aber wie ihr Vater sagt:

"... die Dinge, die man tut, hinterlassen Spuren. Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren ... und die schlimmen Dinge hinterlassen schlimme Spuren. Wenn ich nicht versuche, Miki zu finden, dann kann ich nicht weiterleben. Die Spur in meinem Herzen würde zu sehr schmerzen." (Seite 28)
Auf der Suche nach ihrer Schwester muss Siri quer durchs Eismeer reisen, von ihrer kleinen Insel Blautum im Osten bis nach Kantum am anderen Ende des Meeres, wo die Welt fast zu Ende ist. Sie begegnet auf ihrer Reise vielen verschiedenen Menschen, Tieren und anderen Wesen, manche von ihnen helfen ihr, andere ignorieren sie oder nutzen sie gar aus. Auf jeden Fall lernt Siri schnell, dass es schwierig ist, einem Menschen anzusehen, ob er gut oder böse ist, und sie lernt, dass jeder, dem sie begegnet, seine ganz eigenen Beweggründe für sein Handeln hat. Dabei macht es Frida Nilsson mit ihrem wunderbar atmosphärischen Eismeer dem Leser ganz einfach zu begreifen, dass das Mädchen in einer harten Welt voller Gefahren und Herausforderungen lebt, in der es erschreckend leicht ist, den einfacheren, aber eben in der Regel auch moralisch fragwürdigen Weg zu gehen.

Ein Menschenleben gilt nicht viel in dieser Welt, und die Winter sind lang und hart. Hunger und Tod sind regelmäßige Gefährten für diejenigen, die im Eismeer leben, und nur wenige haben das Gefühl, sie könnten sich Freundlichkeit leisten. Ein so wundersames Geschöpf wie eine Meerjungfrau gehört für die meisten Menschen ins Reich der Legenden und wenn sie wirklich einer begegnen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie als erstes darüber nachdenken, wie sie mit einem solchen Wesen Geld verdienen könnten. Vermutlich ist es nicht einfach, in einer solchen Welt freundlich und hilfsbereit zu bleiben, und doch findet Siri immer wieder Personen, die ihr auf die eine oder andere Weise zur Seite stehen. Doch all die hilfreichen Hände können ihr am Ende nicht helfen, als sie einen Weg finden muss, um Miki aus der Gewalt des Piraten zu befreien.
"Es gibt einen Mann, der benutzt Kinder, als wären sie Tiere. Das hatte ich immer gesagt, wenn wir zu Hause auf unserer Schlafbank lagen. Was ich damals nicht wusste, war, dass Weißhaupts Grube Kinder in Tiere verwandelte. Ja, so war es. Wir waren nicht länger Kinder, wir waren Tiere auf drei Beinen, Tiere, die aus Näpfen aßen, Tiere, die nur sich selbst halfen und niemandem sonst." (Seite 286)
Ich habe Siri gern bei ihrer Reise begleitet, ich mochte diese Protagonistin so gern, gerade weil sie nicht ohne Fehler ist. Sie fühlt sich schuldig, weil sie kurz vor Mikis Entführung noch mit ihrer kleinen Schwester gestritten hat. Sie wird immer wieder in Versuchung geführt, aufzugeben und ein anderes Leben aufzunehmen, weil die Suche nach Miki so vergeblich zu sein scheint und es immer wieder Personen gibt, die für sie Platz in ihrem Leben machen würden. Doch am Ende bleibt Siri standhaft und handelt mutiger, als sie es sich jemals zugetraut hätte, und diese Charakterstärke kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist eindeutig eine Folge der Haltung, die ihr Vater ihr von klein auf vorgelebt hat. Dazu kommen noch all die schrecklichen, furchterregenden, traurigen und wunderbaren Nebenfiguren, bei denen man sich selbst dann, wenn sie nur einen kleinen Auftritt haben, genau vorstellen kann, wie sie zu der Person geworden sind, die sie sind.

Abgerundet wird diese schrecklich-schöne Geschichte rund um Siri und ihrer Suche nach dem furchterregenden Piraten Weißhaupt von der schönen Sprache, die Frida Nilsson (und ihre Übersetzerin Friedericke Buchinger) verwenden. Die Erzählweise ist klar, einfach und einprägsam und damit perfekt (nicht nur) für jüngere Leser, aber auch immer wieder von schönen Bildern und poetischen Beschreibungen durchdrungen, die nach dem Lesen noch ein Weilchen beim Leser haften bleiben. Sehr schön ist auch die Gestaltung des Kinderbuchs mit einer Landkarte des Eismeers und ansprechenden Zeichnungen (gezeichnet von Torben Kuhlmann) am Kapitelanfang, die ein entscheidendes Element der auf den folgenden Seiten geschilderten Handlung aufgreifen. Ich mag so liebevoll erzählte Geschichten einfach!

Samstag, 10. Februar 2018

Warum eigentlich so viele (fantastische) Kinder- und Jugendbücher?

Ich habe nie aufgehört, Kinder- und Jugendbücher zu lesen, weil es da so viele Autoren und Geschichten gibt, die mir Spaß machen. Aber in letzter Zeit - gerade mit Blick auf meine Neuzugänge der vergangenen drei Monate - fällt doch schon auf, dass ich momentan immer häufiger (fantastische) Kinder- und Jugendbücher lese und rezensiere. So gehäuft, dass ich mich selbst gefragt habe, warum das eigentlich so ist.

Ich glaube, es gibt mehrere Gründe für meine aktuelle Vorliebe für diese Romane, unabhängig davon, dass ich zur Zeit grundsätzlich ein sehr großes Bedürfnis nach "Wohlfühllektüre" habe und diese häufig bei den Kinderbüchern (speziell den Klassikern) finde. Erst einmal habe ich inzwischen einige Personen in meiner (Twitter-)Timeline, über die ich Tipps bekomme für Bücher, die von "authors of color" geschrieben wurden und die entweder in (für mich) ungewöhnlichen Teilen der Welt spielen und/oder angenehm "diverse"Charaktere zum Thema haben. Natürlich gibt es solche Geschichten auch für Erwachsene, aber ganz ehrlich, Titel wie "Akata Witch" oder "Stadt aus Sand" lassen sich mit deutlich mehr Vergnügen lesen als "Blauer Hibiskus", ohne dass in der Handlung die Probleme des jeweiligen Landes vollkommen unter den Tisch fallen. Auch psychische Erkrankungen werden in einem (guten) Kinder- und Jugendbuch wie "Some Kind of Happiness" in der Regel nicht beschönigt und mit all ihren Problemen und Auswirkungen auf die erkrankte Person und ihr Umfeld beschrieben, aber es fehlen dabei diese abgrundtief deprimierenden Szenen, die häufig in Geschichten für Erwachsenen vorkommen. Wenn es mir darum geht, mehr über die realen Erlebnisse mit solchen Erkrankungen zu lesen, dann setze ich lieber auf Zeitungsartikel, die augenöffnend und informativ sind, aber doch auch deutlich kürzer als ein Roman. Bei einer guten Geschichte erlebe ich die Handlung mit all ihren Höhen und Tiefen beim Lesen mit, und Kinder- und Jugendbücher machen es mir durch ihr größeres Maß an "Ausgewogenheit" häufig leichter, mich auf schwierige Themen einzulassen.

Wenn ich dann noch neben einer guten Geschichte auf den "fantastischen" Teil schaue, dann bekomme ich häufig nicht nur soziale und politische Elemente über das Leben einer "Volksgruppe" mit, sondern auch Legenden und Mythen wie zum Beispiel in "Bayou Magic", "The Jumbies" oder dem oben schon erwähnten "Akata Witch". Das genieße ich nicht nur, es bringt mich auch dazu - wenn ich verlässlich erscheinende Quellen finde -, mehr zu diesem Thema zu recherchieren. Außerdem regt ein kreativer Umgang mit solchen Elementen (egal, ob sie nun aus einer anderen Kultur oder aus dem europäischen Kulturkreis stammen) meine eigene Fantasie an, was niemals schlecht ist. Natürlich gibt es auch so einige Romane für erwachsene Leser, die solche Elemente auf ungewöhnliche Weise aufgreifen, aber in letzter Zeit bin ich eben häufiger über Kinder- und Jugendbücher gestolpert, bei denen mich die Umsetzung solcher vertrauten und unvertrauten Legenden gut unterhalten hat.

Zuletzt noch ein weiterer wichtiger Punkt, der mich gerade zu den Romanen zieht, die für ein jüngeres Publikum geschrieben wurden: In der Regel verzichten die Kinder- und Jugendbücher, die ich lese, auf Liebesgeschichten. Klar gibt es hier und da eine gegenseitige Schwärmerei oder ein aufkommendes Bewusstsein bei den jugendlichen Protagonisten, dass man für eine Person vielleicht mehr als Freundschaft empfindet. Aber das Ganze wird in den meisten Büchern so abgehandelt, dass es dezent und relativ realistisch verläuft. Insta-Interesse eventuell ja, aber nicht Insta-Love, sondern vor allem Beschreibungen von wachsender Freundschaft, Gesprächen und langsam aufkeimende Gefühle, die vielleicht im Laufe der Handlung zu mehr führen. Ich bin so übersättigt von "Liebe auf den ersten Blick und das natürlich für immer und ewig"-Geschichten, dass ich diese zurückhaltenden Beschreibungen von Zuneigung wirklich genieße. Natürlich kann ich auch eine gute Liebesgeschichte genießen, aber ich möchte die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob ich eine Liebesgeschichte oder z. B. einen Fantasyroman lese, statt in Erwartung eines fantastischen Abenteuers auf eine Romanze zu stoßen, deren fantastische Elemente nur mit Mühe und Not von der (meist dramatischen) Beziehung der Protagonisten ablenken können.

Ich fürchte also, dass ihr hier auch weiterhin mit vielen Besprechungen von (fantastischen) Kinder- und Jugendbüchern leben müsst, weil ich gerade so viel Spaß daran habe.

Freitag, 9. Februar 2018

Tracie Baptiste: The Jumbies (The Jumbies 1)

"The Jumbies" von Tracie Baptiste stand so lange auf meinem Wunschzettel, dass die Fortsetzung ("Rise of the Jumbies") erschien, bevor ich dieses Kinderbuch zum Geburtstag bekam. Grundsätzlich fand ich, dass der Klappentext, der von einem unerschrockenen Mädchen, Magie und Freundschaft erzählte, schon nett klang, doch vor allem hat mich die Tatsache gereizt, dass die titelgebenden "Jumbies" aus karibischen Legenden stammen. Je nach Insel gibt es wohl unterschiedliche Auslegungen dieser Kreaturen, aber egal, ob sie Geister sein sollen oder übernatürliche Wesen, sie haben angeblich nichts Gutes im Sinn. Corinne, die Protagonistin dieser Geschichte, glaubt erst einmal nicht an die Jumbies. Sie ist sich sicher, dass die Erzählungen rund um die Jumbies nur ein Mittel sind, um die Kinder des Ortes zu erziehen und dafür zu sorgen, dass sie sich vom Wald fernhalten. Doch dann verfolgt sie eines Tages ein Aguti in den Wald, an dessen Bein zwei Jungen den Anhänger ihrer (verstorbenen) Mutter gebunden haben, und weckt damit die Aufmerksamkeit der Jumbies. Genauer gesagt weckt Corinne damit die Aufmerksamkeit einer ganz bestimmten Jumbie, die herausfinden will, warum der Geruch des Mädchens an den ihrer verschwundenen Schwester erinnert.

Für Corinne beginnt die Geschichte ganz langsam und harmlos, während man als Leser schon früh mitbekommt, dass ihr eine Jumbie (die sich selber "Severine" nennt) folgt und dass dieses Geschöpf alles andere als harmlos ist. So fand ich es spannend, Corinne bei ihrem Alltag zu begleiten und mitzuerleben, wie sie neue Freunde findet, während gleichzeitig im Hintergrund immer die Gefahr durch die Jumbie lauert. Dabei stand für mich schon früh fest, dass die Jumbie nicht unbedingt "böse" ist, sie handelt nur nach anderen Regeln als die Menschen, die vor vielen Generationen ihre Insel besiedelt und damit die Jumbies von ihrem angestammten Land verdrängt haben. Nur eine Person ist in der Lage, beide Seiten der Geschichte zu sehen, und das ist die Weiße Hexe. Doch ihre Kenntnisse um Severines Absichten und um die Hintergründe des Konflikts zwischen Menschen und Jumbies sorgen dafür, dass Corinne von ihr eigentlich keine Hilfe zu erwarten hat, gerade weil die Hexe als einzige Person auf der Insel das notwendige Wissen hätte, um ihr beizustehen.

So ist Corinne vor allem auf die Unterstützung ihrer neuen Freunde, ihre Erinnerungen an ihre Mutter und die in ihr aufkeimende Magie, die ihren Ursprung ebenso wie die Jumbies tief in der Geschichte der Insel hat, angewiesen. Das alles führt zu einer magischen und berührenden Geschichte über den Kampf zwischen Jumbies und Menschen um die Vormacht auf Corinnes Heimatinsel. Dabei geht es in "The Jumbies" nicht gerade zimperlich zu, wenn die Kinder zum Beispiel am Morgen nach einem Kampf durch Überreste waten und sich nicht sicher sein können, ob diese von einem Jumbie oder einem Menschen stammen. Jumbies sind gefährlich, sie töten, sie verzaubern, sie rauben Kinder und verwandeln sie in einen der Ihren, womit er für seine Familie für immer verloren ist. Viele ihrer Fähigkeiten und ihrer Merkmale klingen überraschend vertraut, wenn man die Jumbies mit Figuren aus zum Beispiel der Irische Mythologie vergleicht, und doch gehören diese Jumbies mit all ihren Facetten in die Karibik. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sehr sich solche "Naturgeister"-Beschreibungen ähneln können, einfach nur weil die Menschen überall auf der Welt dieselben Ängste vor der unkontrollierbaren Gewalt der Elemente teilen.

Ich mochte diese Geschichte, die sich um Magie, Freundschaft und Familie dreht und die (dezent) auf die vielfältige Bevölkerung der Insel eingeht (und auch darauf, warum es diese Vielfalt gibt). Dabei ist die Insel irgendeine namenlose Insel in der Karibik - klein genug, damit die Geschichte mit einem Dorf und einem Wald funktioniert. Aber die Autorin erzählt im Nachwort von ihrer Kindheit auf Trinidad, von den Jumbie-Geschichten, die sie gehört hat, und von dem haitianischen Märchen "The Magic Orange Tree", das die Inspiration zu einem Teil der Handlung war. Diese Hintergründe finde ich interessant und wünschte mir, ich würde mehr über Sagen, Legenden und Märchen aus dieser Region wissen. Doch auch ohne weitere Hintergründe habe ich all die Ereignisse rund um Corinne und ihre Freunde genossen, hatte Angst um den einen oder anderen liebenswerten Charakter und fand es schön, dass die Autorin es für den Leser nicht so einfach gemacht hat, zwischen "gut" und "böse" zu unterscheiden.